Wahre und falsche Einheit

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Johannes 17
Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten … Ich bitte für sie und bitte nicht für die Welt … Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; dass sie in uns seien, damit die Welt glaube, du habest mich gesandt

Das Gebet Jesu Christi für die »Einheit« findet sich in Johannes 17. In diesem Kapitel betet der Herr Jesus für die Einheit der Gläubigen, d. h. für die Einheit derer, die ihm nachfolgen (Joh 17,20-21). In diesem Abschnitt, dem so genannten hohepriesterlichen Gebet, spricht der Herr von zwei Menschengruppen:

a. von den Gläubigen, d. h. seinen Jüngern einschließlich denen, die durch sie gläubig werden, und

b. von der »Welt«. Der Herr sagt, dass er nur für die erste Gruppe betet und ausdrücklich »nicht für die Welt« (Vers 9) Dem Bibeltext zufolge beschreibt der Herr Jesus diese beiden Gruppen wie folgt:

a) Die Jünger und späteren Generationen von Gläubigen:

• der Vater hat sie dem Herrn Jesus gegeben (V. 2.9.24)

• sie haben durch Jesus Christus ewiges Leben empfangen (V. 2)

• sie haben Gott bzw. Jesus Christus erkannt (V. 3)

• ihnen wurde der Name Gottes geoffenbart (V. 6.26)

• sie haben das Wort Gottes angenommen (V. 7-8.14)

• sie haben geglaubt, dass Jesus von Gott ausgegangen ist (V. 8)

• sie gehören Gott bzw. dem Herrn Jesus (V. 9.10)

• der Vater wird sie in der Welt bewahren, damit sie eins sind (V. 11)

• keiner von ihnen ist verloren – außer Judas (V. 12)

• sie sollen Jesu Freude in sich haben (V. 13)

• die Welt hasst sie (V. 14)

• sie sind nicht von der Welt (V. 14.16)

• sie werden durch die Wahrheit, d. h. das Wort Gottes, geheiligt (V. 17)

• sie sind in die Welt gesandt (V. 18)

• sie sollen Geheiligte sein (V. 19)

• sie sollen in einer Einheit mit Gott und untereinander verbunden sein. Diese

Einheit ist also in einer gemeinsamen Beziehung zu Gott begründet (V. 21)

• Gott hat Großartiges mit ihnen vor (V. 22-26)

• ist die Menschengruppe, in der sich die Jünger vor ihrer Berufung zum Glauben befanden (V. 6)

• für sie betet Jesus nicht (V. 9)

• sie hasst die Gläubigen, weil diese »weltfremd« sind (V. 14)

• durch das »Böse« in ihr ist sie eine Bedrohung für die Jünger (V. 15)

• zu ihr sind die Jünger von Gott gesandt (V. 18)

• sie soll durch das Zeugnis der Jünger glauben (V. 21)

• sie soll durch die Einheit der Jünger erkennen, dass Jesus von Gott gesandt ist (V. 23)

• sie hat Gott nicht »erkannt« (V. 25)

 

Aus diesen biblischen Aussagen wird unmittelbar klar: Christen (d. h. Jünger Jesu, siehe Apg 11,26, wo die Bezeichnung »Christen« erstmals vorkommt) sind eine Gruppe von Menschen, die

a) ewiges Leben haben – im Gegensatz zu allen anderen – sie sind »wiedergeboren« (siehe Joh 3,3.5; 1 Petr 1,23),

b) eine persönliche Beziehung zu Gott haben (ihn »erkannt« haben),

c) heilig leben, nämlich nach dem Wort Gottes,

d) von der Welt gehasst werden,

e) unter sich eins sind durch die Fürbitte Jesu und ihre enge Beziehung zu Gott (d. h. sie können und

brauchen nicht vereint werden durch menschliche Organisationen), und die

f) auf keinen Fall eine Einheit mit der »Welt« suchen sollen, sondern als Salz und Licht einen Kontrapunkt zu dieser Welt bilden.

Um nicht missverstanden zu werden: Die Behauptung

a), dass nur Christen ewiges Leben haben, bezieht sich nicht anmaßend auf eine Volksgruppe oder auf Kirchenmitgliedschaft, welcher man aufgrund von Abstammung, Kulturkreis oder Mitgliedschaft angehört. Die Bibel lehrt klar, dass ewiges Leben jeder und nur der empfängt, der das Evangelium von Jesus Christus hört und wirklich glaubt. Es ist Gottes Wille, dass Menschen aller Völker, Nationen und Kulturen das Evangelium hören und glauben. Wer immer dem Evangelium glaubt und Jesus als Herrn bekennt und ihm nachfolgt, ist »Christ« im biblischen Sinne.

Die Einheit unter Christen ist also Gottes Werk. Mit der geistlichen Wiedergeburt (Joh 3,3-10) versetzt Gott den Bekehrten in sein Reich in Christus. Der Gläubige wird in die Gemeinde eingepflanzt, wird ein Glied am Leib Christi und ein Stein am geistlichen Tempel. Er genießt eine innige Gemeinschaft der Verbundenheit mit Gott und dadurch mit den anderen Gläubigen. Genau das beschreibt der Herr in Johannes 17,21-23.

Dem Gebet Jesu zufolge beinhaltet die Einheit aber auch, dass die Jünger zuerst

»geheiligt« werden in der »Wahrheit«. Genau das ist der logische Gedankengang des Gebetes Jesu. Er bittet für sie: »Heilige sie in der Wahrheit« (Vers 17) und nennt dann den Grund bzw. das Ziel dieser Heiligung: »… damit sie alle eins seien« (Vers 21). Die Wahrheit, so erklärt der Herr in Vers 17, ist Gottes Wort:

»Dein Wort ist die Wahrheit.« Christen werden also dadurch untereinander eins und einig, wenn sie das Wort Gottes hören, lesen, studieren, glauben und befolgen. Sie sind dann auf einer Wellenlänge. Dann haben sie keine verschiedenen »Frömmigkeitsstile« mehr, sondern nur noch den einen Frömmigkeitsstil der Nachfolge und des Nachahmens Jesu. Durch die heute beliebten Begriffe »Toleranz«, »Vielfalt«, »Frömmigkeitsstile« usw. versucht man eine Einheit zu rechtfertigen, die ohne diese »Heiligung in Wahrheit« auskommt und damit dem Evangelium widerspricht.

geralt / Pixabay

In der evangelikalen Einheitsbewegung wird zudem eine entscheidende Aussage aus Johannes 17 weitgehend falsch verstanden: Man will eine sichtbare Einheit erstreben – genau wie der Ökumenismus es will – um damit ein evangelistisches Zeugnis vor der Welt zu sein. Doch dieser Vers besagt nicht, dass die Welt eine sichtbare christliche Einheit erkennen und dadurch gläubig werden soll, sondern dass allein durch eine geistliche, unsichtbare Einheit die Christen zu wirksamer Evangelisation befähigt sind. Die Welt kann ebenso wenig die geistliche Einheit der wahren Christen erkennen, wie sie die Einheit der drei Personen Gottes erkennen kann (siehe Vers 22-23). Aber die geistliche, in Gott begründete Einheit verleiht den Christen die Kraft und Wirksamkeit zur Evangeliumsverkündigung in der Welt.

Welches sind die Unterschiede zwischen wahrer und falscher Einheit? Wahre Einheit umfasst nur diejenigen, die an Jesus Christus glauben, die sein Wort als „die Wahrheit“ behalten, die in der Welt, aber nicht von der Welt sind und die daher von der Welt gehasst werden (Joh 17). – Falsche Einheit hingegen umfasst die ganze Menschheit, „hurt“ mit allen möglichen Ideologien und Religionen und verfolgt diejenigen mit Zwang, Terror und schließlich Gewalt, die Jesus Christus als einzigem Herrn, Erlöser und Friedensbringer die Treue halten (Offb 13 und 17f.).

Wahre Einheit kommt durch Missionierung und Evangelisierung aller Völker, durch den klaren Ruf zum rettenden Glauben und zur Lebensübergabe an Jesus Christus zustande (Mt 28,18-20; Joh 17,20 f.). – Falsche Einheit umgeht diesen Ruf zur Bekehrung, indem sie politische Probleme und Selbsterlösungsversuche einer sich als autonom verstehenden Menschheit in den Vordergrund stellt – einer Menschheit, die „die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen hat zu ihrer Rettung“ und ihre Zuspitzung im Antichristen findet, der sich selbst „in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott“ (2. Thess 2,4.10). – Wahre Einheit duldet keine Irrlehre (Gal 1,6-10; 2. Joh 9-11; Jud 3 f.). – Falsche Einheit duldet Irrlehre und fördert sie infolge der Vermischung der Ideologien sogar noch. – In der Praxis besitzt die falsche Einheit eine dreifache Ausrichtung, die zur Diktatur des Antichristen führt: a. politisch auf ein Welteinheitsreich hin, in dem alle „einerlei Meinung“ haben (Offb 17,13); b. wirtschaftlich auf ein einheitliches Weltwirtschaftssystem hin, in dem „niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Malzeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens … sechshundertsechsundsechzig“ (Offb 13,17 f.); c. religiös auf eine Welteinheitsreligion hin, in der „alle, die auf Erden wohnen“, den Drachen (Satan) und das Tier aus dem Meer (den Antichristen) anbeten – alle, „deren Namen nicht geschrieben sind von Anfang der Welt in dem Lebensbuch des Lammes, das erwürgt ist“ (Offb 13,8).

Hans-Werner Deppe / Lothar Gassmann (aus: Kleines Ökumene-Handbuch, MABO-Verlag)

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