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Volxbibel

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Nemo / Pixabay
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Als vor einigen Monaten bekannt wurde, dass der Brockhaus-Verlag beabsichtigt, unter dem Namen Volx-„Bibel“ eine Bibelübertragung in der Umgangssprache nicht christlich geprägter Randgruppen junger Menschen herauszugeben, löste das heftige und kontroverse Reaktionen aus. Nicht nur jüngere Christen, sondern auch solche, die man zur älteren Generation zählt, zeigten eine positive bis begeisterte Reaktion und andererseits protestierten nicht nur Ältere, sondern auch zahlreiche jugendliche Christen gegen dieses Vorhaben, das als ein „frevelhaftes Werk“, eine Entwürdigung und Verfälschung der Heiligen Schrift empfunden wurde.

Inzwischen sind zahlreiche Stellungnahmen und Abhandlungen zu diesem Thema geschrieben worden. Auch der Verlag hat sich verschiedentlich zu der besorgten und deutlichen Kritik geäußert und auch Änderungen vorgenommen, was die Wortwahl und auch den Vertriebsweg der Volx-„Bibel“ betrifft, die im Dezember, also rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, erschien.

Während der Buchmesse in Frankfurt wurde dieses Projekt von Martin Dreyer, dem Initiator dieser „Bibel“, auf einem besonderen Stand vorgestellt.

Daher nutzte ich die Gelegenheit, mir einige „Autoren-Lesungen“ Dreyers anzuhören und mir aus erster Hand in einem längeren, sehr offenen Gesprch mit ihm ein Bild von der Vorgeschichte, Entwicklung und Zielsetzung dieser Volx-„Bibel“ zu machen.

Die Vorgeschichte

Um die Zielsetzung und Herausgabe dieser „Bibel“ richtig verstehen und fair beurteilen zu können ist es hilfreich, etwas über den Initiator und die Entstehungsgeschichte zu erfahren. Martin Dreyer kommt aus der Punk-Szene in Hamburg und erlebte, dass zunächst seine Eltern und Geschwister durch den Besuch der „Glaubenskurse“ von Wolfram Kopfermann und seinen Mitarbeitern zum Glauben kamen. Dadurch herausgefordert besuchte Martin einen Gottesdienst in der Petri-Kirche, wo er sich auch bekehrte.

In den Jahren 1990-91 lebte er in einer Art „Jüngerschafts-Schule“ unter der Leitung von „Jugend mit einer Mission“ in Amsterdam, wo er u. a. in einem Hausboot unter Drogensüchtigen missionierte. Während dieser Zeit betete er viel und bekam dabei den starken Impuls, das Matthäus-Evangelium auswendig zu lernen. Als er während dieser Periode in Amsterdam an einer charismatischen Konferenz teilnahm, erlebte er am letzten Tag, dass Brent Blue – ein Vineyard-„Pastor“ aus Colorado mit einer „prophetischen Begabung“ – plötzlich mit dem Finger auf ihn zeigte und ihn aufforderte aufzustehen.

Der „prophetische“ Ausspruch lautete: „Gott sieht in dir einen Matthäus. So wie Matthäus Gottes Wort seinen Leuten so sollst du sein Wort deinen Leuten übersetzen!“

Im Herbst 1991 gründete er die Jugendbewegung „Jesus-Freaks“, die er bis 1998 leitete. Dort sollten vor allem Drogensüchtige, Punks und Außenseiter mit dem Evangelium erreicht werden. Nach eigenen Angaben gibt es inzwischen etwa 110 Gruppen im deutschsprachigen Europa.

1996 kam es allerdings in seinem Leben zu einem Rückfall, er erlebte ein „Burn Out“, distanzierte sich in der folgenden Zeit von der Gemeinde und schließlich sogar vom christlichen Glauben, so dass auch seine Ehe daran zerbrach. Durch seine zweite Frau Rahel und den Umzug nach Köln kam es im Jahr 2002 zu einem Neuanfang im Glauben. In der Seelsorge von Rudi Pinke – charismatischer „Pastor“ des „Christlichen Zentrums Frankfurt“ – wurde seine Vergangenheit aufgearbeitet und im Gebet vor Gott bereinigt. Als normales Mitglied der „Jesus-Freaks“ in Remscheid wurde er 2003 von einem Münchener Pastor an das „prophetische Wort“ über ihn erinnert und dadurch angeregt, das Neue Testament in die heutige Sprache jugendlicher Menschen zu übertragen.

Diese Übertragung bekam den Namen Volx-„Bibel“ in Anlehnung an die „Volx-Küche“ in Hamburg, wo kostenlos Essen „vom Volk fürs Volk“ ausgeteilt wird – so soll auch diese Übertragung „vom Volk fürs Volk“ sein (im Unterschied zur „Volx-Küche allerdings nicht kostenlos).

Zunächst wollte der Brockhaus-Verlag diese Übertragung herausgeben, aber auf Grund zahlreicher Proteste wurde ein eigener Verlag für die Herausgabe gegründet, der unter dem Dach der SCM (Stiftung Christlicher Medien, Witten) arbeitet, dem auch die Verlage Brockhaus, Oncken, ERF, Hänssler und Bundes-Verlag angehören.

Die Zielsetzung

Martin Dreyer, der nach eigener Aussage persönlich in der Schlachter-Bibel liest, möchte mit dieser Übertragung vor allem junge Menschen erreichen, von denen er annimmt, dass sie kaum lesen und die bisher erschienenen Bibelausgaben nicht oder nur sehr schwer verstehen können. Er geht davon aus, dass Jesus – wenn er heute unter uns leben würde – eine zeitgemäße Sprache sprechen und Beispiele aus unserem heutigen Lebensalltag wählen würde. Obwohl auf den Werbeseiten für die Volx-„Bibel“ von einer „Übersetzung“ die Rede ist, bezeichnet Dreyer seine Arbeit als eine „Übertragung“ in die Umgangssprache junger Menschen und würde die Volx-„Bibel“ nicht als „Heilige Schrift“ bezeichnen.

Sein Wunsch ist, dass die Leser angeregt werden, eine genauere Übersetzung wie die Elberfelder-, Schlachter- oder Luther-Bibel zu kaufen. Daher soll auch in einem Teil der Auflage der Volx-„Bibel“ ein Hinweis oder Werbezettel für eine konservative Bibel beigefügt werden.

Die Arbeitsweise

Bei der Übertragung des Neuen Testamentes wurde nicht vom griechischen Grundtext ausgegangen, sondern als Grundlage dienten „Hoffnung für alle“, die Elberfelder- und Luther-Übersetzung, um „so frei wie möglich und so genau wie nötig“ den Text wiederzugeben. Diese Übertragung soll dann – da sich die Sprache der jungen Menschen sehr schnell ändert – laufend dem Sprachgebrauch angepasst werden, wobei jeder eingeladen wird, per Internet „an der ersten Bibel mit Open Source Hintergrund“ mitzuarbeiten, wobei er seine „eigenen Übersetzungsvorschläge positionieren“ kann.

In einem vorab veröffentlichten Grundsatzpapier (3) wird begründet, warum „noch“ eine neue Bibelübersetzung erstellt wird. Behauptet wird, daß „die existierenden Übersetzungen“ anders sprechen als „das [!] Volk, besonders das junge Volk“, mehr noch: dass sie „am Leben heutiger junger Menschen total vorbeigehen“ (Hervorhebung hinzugefügt). Als Zielgruppe der neuen Bibel werden Kinder und Jugendliche genannt, wie sie überall in der kirchlichen Arbeit vorkommen; diese „Bibel“ soll weitergegeben bzw. benutzt werden bei Taufe, Konfirmation, Religions- und Kommunionunterricht. „Der Jesus-Film hat gezeigt, dass ein breites Interesse an dem christlichen Glauben unter den Menschen vorhanden ist. Die Quelle hierfür, die Bibel enthält alle nötigen Informationen dazu.“

Das Exposé nennt als Maxime: „So frei wie möglich, so genau wie nötig“. Diese leitende Fragestellung stimmt mit dem Konzept anderer moderner Übersetzungen überein: „Wie würde es heute gesagt werden?“ Es ist das Ziel des „closest natural equivalent“, d.h. die am natürlichsten klingende Entsprechung, von dem die Übersetzungstheorie der sog. funktionalen Äquivalenz bestimmt ist (seit Ende der 1960er Jahre; Hauptvertreter: Eugene A. Nida).

Im Prospekt kann man dazu lesen: „Die Volx-‚Bibel’ würde so das erste Buch der Welt werden, an dem wirklich alle Welt mitschreiben und mitgestalten kann! Eine Bibel für das ,Volk‘ vom ,Volk‘, geschrieben von Fachleuten wie auch von Laien.“ (Ein inhaltsschwerer Satz in Bezug auf die Wertschätzung und Einschätzung der Heiligen Schrift!) Die eingegangenen Vorschläge werden dann von einem Team überprüft, zu dem ein Theologe, ein Religionspädagoge und Martin Dreyer gehören, die dann darüber entscheiden, welche Vorschläge bei der nächsten Version (Volx-„Bibel“ 3.11; 4.0 usw.) übernommen werden.

Was heißt „Heilige Schrift“?

Die Heilige Schrift ist Nahrung und Licht der Gläubigen auf dem Weg. Sie ist die Gabe GOTTES an Seine Gemeinde. Nur dort wird sie geglaubt, und nur durch die Gemeinde wird sie missionarisch wirksam, wie die Apostelgeschichte immer wieder zeigt. Weil sie die Gabe Gottes ist, kann nicht jeder mitschreiben. Bibelübersetzung erfordert sehr viel: eine hervorragende Kenntnis nicht nur der Gegenwartssprachen, auch der Ausgangssprachen. Vom Umgang mit den Ursprachen oder der biblischen Zeitgeschichte hören wir bei Dreyer nichts; schon gar nicht davon, wie die Übersetzungsaufgabe alle anderen Disziplinen der Theologie umgreift.

Dreyer geht den Weg zu Ende, auf dem bereits andere moderne Übersetzungen unterwegs waren: Da sich Sprache rasch verändere, so die Grundannahme, gelten auch biblische Grundbegriffe wie Reich Gottes, Gerechtigkeit, Rechtfertigung als ersetzbar. Die bisherigen Publikationen der Volx-„Bibel“-Vertreter lassen für solche Fragen nicht einmal den Ansatz eines Problembewusstseins erkennen. Wie eine Dampfwalze fahren sie über die kantigen Schriftworte hinweg und triumphieren: „Seht, es geht doch! Hauptsache, es funktioniert“ – d. h., es findet ein, nicht näher bestimmbares, Angesprochensein des modernen Menschen statt. Der Adressat soll den Eindruck haben, hier werde wirklich auf seiner Ebene kommuniziert.

Die Bibel sinkt hier wieder zu dem herab, was die Aufklärung in ihr sah: Sie enthält „Informationen“, wird Werkzeug für die fromme Absicht, Menschenleben zu verändern. Nicht die Buchstaben und Worte sind inspiriert, sondern nur noch die Inhalte, wie man im 18.Jahrhundert annahm (J. S. Semler) oder gar nur noch ihre personale Wirkung, eine „dynamische Äquivalenz“. Kommt es darauf an, möglichst den gleichen oder einen ähnlichen Effekt zu erzielen wie in der ursprünglichen Kommunikationssituation, dann wird die Übersetzungsgenauigkeit letztlich gleichgültig, solange nur ein Angesprochensein des modernen Menschen möglich bleibt.

Der radikale Rückgang von der Form des Textes auf den vermeintlich rasch verständlichen Inhalt sowie die kulturelle Adaption wird sich auf jeder Buchseite niederschlagen.

Der Sprachgebrauch

„Atemberaubende, mutige und provozierende Sprache“ – so wurde diese Übertragung vom Brockhaus Verlag angekündigt. Martin Dreyer begründet das so: „Die Sprache ändert sich laufend. Früher nannte man etwas „schön“, später „toll“, „klasse“, schließlich „geil“ und heute „krass“.

Mit dieser Begründung nimmt sich der Herausgeber die Freiheit, Begriffe der Bibel zu übertragen.

Hier einige Beispiele:

Vater im Himmel – Hey, unser Papa da oben

Schriftgelehrte – religiöse Spinner

Jünger – Jungs, Ausbildungstruppe

Glückselig, selig – gut drauf sein

Beten – labern, anquatschen

Sprechen – Ansage machen

Belohnung – fett absahnen

Trauernde – Depressive

Angst – Schiss, Paras

Bitten – schnorren

Mund – Fresse

Sünde – Mist

Lust – Bock

Doch nicht nur Grundbegriffe der Bibel werden verändert, sondern auch Gegenstände werden ausgetauscht, so dass nicht nur eine sprachliche, sondern auch eine kulturelle Anpassung vorgenommen wird: Aus dem Salz der Erde werden „Kühlschränke“ (Mt 5,13),  aus dem Gleichnis vom Sämann (Mt 13) wird die „Story von der guten Software und der schlechten Hardware“. Der verlorene Sohn, der in Lk 15 bei den Schweinen landet, wird zum „Toilettenmann bei McDonalds“, der so schlecht bezahlt und behandelt wird, dass er nicht einmal die Speisereste aus der Abfalltonne essen darf (was hoffentlich keine Verleumdungsklage von Seiten dieser Restaurant-Kette zur Folge hat). Das Brot oder die Schlange“ (Mt 7, 9f) werden zum „Lolly“ und zur „Mottenkugel“.

Das lästerliche Vaterunser der Volx-„Bibel“ (Mt. 6,9-15):

„Jetzt mal ein Paradebeispiel, wie ihr beten könntet: ‚Hey, unser Papa da oben! Du allein sollst auf dieser Welt ganz groß rauskommen! Du sollst hier das Sagen haben, auf der Erde genauso, wie es ja schon im Himmel der Fall ist. Bitte versorg uns mit allem, was wir heute so zum Leben brauchen! Und verzeih uns die Sachen, wo wir mal wieder Mist gebaut haben. Wir wollen auch denen verzeihen, die sich bei uns was zu Schulden kommen lassen. Pass auf uns auf, damit wir nicht irgendwelchen fiesen Gedanken nachgeben und dir auch so untreu werden. Hol uns aus der Gefangenschaft von dunklen Gedanken und Taten raus. Denn dir ist doch nichts unmöglich, du hast die ganze Power und du sollst für immer unser Held sein. So passt es!’ Der himmlische Papa wird euch freisprechen, wenn ihr die freisprecht, die euch etwas schulden. Tut ihr das nicht, wird Gott euch auch nicht freisprechen.“

Auch in der Umschlags-Gestaltung dieser „Bibel“ hat man sich eine kulturelle Anpassung einfallen lassen, die sicher das Interesse an diesem Buch wecken soll, aber ganz sicher keinen Respekt und keine Hochachtung vor dem Wort GOTTES ausdrückt: Sie erinnert an eine vergrößerte Zigaretten-Schachtel mit der aufgedruckten Warnung vor gesundheitlichen Schäden.

Grundsätzliche Bedenken

1. Ist eine Bibel „vom Volk fürs Volk“, an der „alle Welt“ mitschreiben kann, noch das Wort GOTTES?

Wenn wir wirklich davon überzeugt sind, dass das Wort GOTTES in allen Teilen und auch in der Wortwahl durch den HEILIGEN GEIST inspiriert ist (gemeint ist hier der hebr. bzw. griech. Originaltext), kann die Konsequenz doch nur sein, dass diese „Heilige Schrift“ so wortgetreu wie eben möglich in die jeweilige Sprache übersetzt wird. Das setzt eine gute Kenntnis der Sprachen, Gewissenhaftigkeit, Gottesfurcht und geistliche Reife voraus.

Eine Bibel, an der jeder mitschreiben kann, ist eine respektlose Verfälschung des Wortes GOTTES und stellt die vermeintlichen Bedürfnisse einer Gruppe von Menschen in den Mittelpunkt und über die Autorität GOTTES. Eine derart verfremdete, profanisierte „Bibel“ ist kein Zeugnis der Wertschätzung und des Respektes vor dem Autor der Heiligen Schrift, sondern folgt dem Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel.“

H. G. Wünch hat es treffend ausgedrückt:

„Wir brauchen eine Übersetzung, die ´dem Volk aufs Maul schaut´, keine Übersetzung, die den Menschen nach dem Maul redet.“ (1)

2. Die Bibel ist kein Buch, welches den Anspruch hat, in allen Teilen leicht lesbar und leicht verständlich zu sein! Zum Verständnis ist man auf die Hilfe des Heiligen Geistes angewiesen, der den Verstand erleuchten und Erkenntnis schenken muss.

Eine segensreiche Beschäftigung mit der Bibel erfordert Ernsthaftigkeit, Konzentration und eine Offenheit für GOTTES Gedanken. Menschliche, wenn auch gutgemeinte Versuche, GOTTES Wort durch Veränderung, Anpassung oder Illustration interessanter zu machen, können die Kraft und Wirkung des Wortes GOTTES nicht verbessern oder verstärken. Und schließlich sind GOTTES Verheißungen an sein Wort gebunden. Wir sind dankbar für jede Übersetzung, die sowohl auf verständliche Sprache, als auch auf größtmögliche Nähe zum Grundtext achtet. Jeder, der aufrichtig die Wahrheit sucht, wird in einer solchen Bibel lesen und auch verstehen können, was zu seiner Rettung nötig ist.

Als Evangelist hat man sicher die Freiheit, das Evangelium volkstümlich, in einer dem Verständnis der Zuhörer entsprechenden Weise zu predigen und zu erklären. Doch das Wort GOTTES selbst sollte man so genau wie möglich zitieren.

Weitere Befürchtungen

 Als Eltern, Erzieher, Lehrer usw. haben wir auch die Aufgabe, die Sprache und das Leseverhalten der Kinder und Jugendlichen zu prägen. Eine gute „Kinderbibel“ wird sich nicht der Kleinkindersprache bedienen, sondern durch eine gute, verständliche Ausdrucksweise die Sprache der Kinder kultivieren. Wenn das Vorbild der Volx-„Bibel“ Schule macht, wird das zukünftig auch Auswirkungen auf die Wortwahl und das sprachliche Niveau z.B. bei der Wortverkündigung haben.

Es ist zu befürchten, dass andere Bibel-Verlage aus geschäftlichen Gründen versuchen werden, weitere, noch „krassere“ Übertragungen der Bibel herauszugeben, um dem geweckten Geschmack an Volx-„Bibeln“ zu entsprechen und den Rückgang der bisherigen Übersetzungen auszugleichen.

Möglicherweise werden junge Christen damit beginnen, die Volx-„Bibel“ eifrig zu lesen – aber nicht, um GOTTES Gedanken kennen zu lernen, sondern durch das Angebot der Mitarbeit an weiteren Revisionen in einen Wettstreit um noch „steilere“ und „megastarke“ Wortschöpfungen zu geraten.

Vermutlich werden nicht allzu viele völlig Außenstehende mit großem Interesse zu dieser „Bibel“ greifen, sondern vor allem ein Teil der Gemeindejugend, die ohnehin den Geschmack an fester Speise weitgehend verloren hat – vielleicht, weil wir als ältere Generation ihnen die Schönheit und den Reichtums des Wortes nicht lieb gemacht und vorgelebt haben.

Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass Jungbekehrte – selbst wenn sie nur wenig Schulbildung haben – oft dankbar und lernbegierig nach guten und wortgetreuen Übersetzungen greifen. Es ist sicher nicht zufällig, dass ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an welchem die Volx-„Bibel“ erscheinen soll, auch die überarbeitete „alte“ Elberfelder Übersetzung in verschiedenen Ausgaben neu aufgelegt wird, auf die auch viele junge Christen mit Interesse warten.

Moslems und überzeugte Vertreter anderer Religionen bekommen einen weiteren Grund, um uns als Christen zu verachten und nicht ernst zu nehmen, wenn wir mit unserem Anspruch, die absolute Wahrheit zu kennen, mit in der Bibel geoffenbarten Wahrheiten dermaßen respekt- und ehrfurchtslos umgehen.

Die größere Mehrheit der Zeitgenossen wird voraussichtlich über diese banalen, anbiedernden Versuche, Nichtchristen durch die Volx-„Bibel“ mit dem Evangelium zu erreichen, nur mitleidig lächeln und Unverständnis zeigen. In den Religionen scheint wesentlich mehr Achtung vor „heiligen Schriften“ vorhanden zu sein.

Stefan Felber (Dozent am Theologischen Seminar Chrischona) und Herbert Klement (theologischer Lehrer an der STH Basel) haben in einer ausführlichen Stellungnahme zur Volx-„Bibel“ treffend geäußert:

„Die theologische und geistige Erosion drängt nur ein weiteres Stück ins Heiligtum, in Bibelwort und Gemeinde vor, macht sich dort breit und zersetzt den Respekt nicht nur vor einer gepflegten Sprache, vor dem Alter, tiefer: vor Gottes Wort und schließlich vor Gott selbst … Die Volx-„Bibel“ gibt Mission und Evangelisation nicht einen Schub, sondern einen Rückenschuss … Luther sprach von der Klarheit der Schrift – nicht ihrer Durchsichtigkeit, sondern ihrer Helligkeit und Leuchtkraft. Die Volx-„Bibel“ verdunkelt das Licht des Wortes, indem es reduziert und verballhornt wird. Diese gotteslästerliche „Bibel“ entspricht in keiner Weise dem, was von der Schrift als Orientierung für Christen und Nichtchristen zu erwarten ist. Sie eint nicht, sie spaltet. Sie baut nicht auf, sie zersetzt.“ (2)

Aber auch das muss gesagt werden: Nicht nur Martin Dreyer, der Initiator der Volx-„Bibel“, ist verantwortlich für diese folgenschwere Weichenstellung einer evangelikalen Verlagsgemeinschaft, die bisher vor allem für wortgetreue Bibelübersetzungen bekannt war.

Martin Dreyer hat ohne Frage ein Herz für außenstehende junge Menschen, die er für unseren Herrn JESUS gewinnen möchte – trotz aller Verirrungen in der Vergangenheit und fragwürdiger Praktiken in der Gegenwart! Schuldig machen sich hier vor allem auch die Brüder und Verlagsleute, die Martin Dreyer bei diesem Projekt unterstützt und auf die Schulter geklopft haben, anstatt ihm geistlich zu raten und zu helfen, sein evangelistisches Anliegen in einer Weise zu verwirklichen, die GOTT verherrlicht.

Das Projekt Volx-„Bibel“ halte ich für hochgradig zweifelhaft, da die Bibel durch allgemeingültige Sätze zeitlos ist. Die Volx-„Bibel“ hat für meinen Geschmack zu viel mit Bauernfängerei zu tun.

Psalm 12, 7.8; 119, 140; Hebräer 4,12
Die Worte GOTTES sind reine Worte – Silber, das geläutert im Schmelztiegel zur Erde fließt, siebenmal gereinigt. Du, HERR, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich …Wohlgeläutert ist Dein Wort, und dein Knecht hat es lieb … Das Wort GOTTES ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke, als auch des Markes, und ein Beurteiler der Gedanken und Überlegungen des Herzens. 

 

Quellen:

  • Bühne, Wolfgang: Eine Bibel “vom Volk fürs Volk”? in: “fest und treu” 04/2005, S. 8 – 11

  • Felber, Stefan Dr.; Klement, Herbert Dr.: Was kommt mit der neuen “Volxbibel”?, www.bibeluebersetzung.ch, 16.11./1.12.2005

 

 

Fußnoten:

  1. Idea Nr. 47, S. 18

  • Stellungnahme von Dr. Stefan Felber und Prof. Dr. Herbert Klement
  • http://www.martin-dreyer.de/konzeptvolxbibel.pdf (Download 12.11.05).
    Offene Briefe:

 

Dr. Hans Penner

an Herrn Martin Dreyer

Sehr geehrter Herr Dreyer,

in Ihrem idea-Interview (idea-Spektrum 4/2006) behaupten Sie, Ihre Volx-„Bibel“ sei „Gottes Idee“ gewesen. Ich glaube das nicht aus folgenden Gründen:

1. Sie täuschen eine Übersetzung vor, obwohl die Volx-„Bibel“ gar keine Übersetzung ist, auch keine „freie Übersetzung“, sondern eine nicht am Grundtext orientierte willkürliche Umformulierung bereits übersetzter Texte.

2. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Sie wollen Menschen mit der Bibel bekannt machen, verwenden dazu aber unlautere Methoden, weil Sie die Bibel verändern und dem Geschmack einer bestimmten soziologischen Gruppe anpassen.

3. Ihre Bibelübersetzung enthält sehr viele Rechtschreibfehler und informiert damit falsch über die deutsche Sprache. Sie erschweren damit jungen Menschen die Berufsausbildung. Viele finden keinen Ausbildungsplatz, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Sie bauen die Deutschkenntnisse junger Menschen ab.

4. Ein wesentliches Element des christlichen Glaubens ist seine Geschichtlichkeit. Sie verfälschen die Geschichte, wenn in Ihrer Bibelübersetzung behauptet wird, Jesus sei mit dem Motorrad gefahren.

5. Sie verfälschen die biblische Botschaft. Satan ist eine personale widergöttliche Macht, nicht die „dunkle Seite der Macht“. Christen sind nicht dazu berufen „Kühlschränke“ zu sein, sondern Konservierungsmittel gegen das Verfaulen der Gesellschaft.

6. Sie entheiligen die Heilige Schrift, indem Sie den Autoren der Bibel fälschlicherweise unterstellen, eine obszöne Sprache gebraucht zu haben.

Es wäre durchaus angebracht gewesen, eine Nacherzählung biblischer Geschichten für Jugendliche in einer einfachen, aber nicht unsittlichen Sprache ohne Rechtschreibfehler herauszubringen. Sie bezeichnen sich selbst als „Jesus-Missgeburt“. Ihre „Bibelübersetzung“ ist auch eine Missgeburt. Ich halte es für unseriös, dass christliche Verlage mit dieser vorgetäuschten Bibelübersetzung Geschäfte machen wollen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Penner

Kopien an evangelikale Verantwortungsträger

 

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Dr. Hans Penner

an Herrn Präses Peter Strauch, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz

27.01.2006

 

Sehr geehrter Herr Strauch,

es gibt zwei Möglichkeiten: entweder nimmt man die Bibel ernst oder man nimmt sie nicht ernst.

Wer die Bibel ernst nimmt, wird ihre Warnungen vor Verführung beherzigen. Wachsam kann man jedoch nur dann sein, wenn man das Zeitgeschehen kritisch verfolgt. Allerdings betrachten Sie das kritische Beobachten der Zeitereignisse als Ausdruck eines „Kritikgeistes“.

Martin Dreyer gibt die willkürlich verändernde Nacherzählung biblischer Texte als „freie Bibelübersetzung“ aus und bezeichnet das als „Idee Gottes“. Die Verantwortlichen des christlichen Verlagskartells glauben das. Glauben Sie das auch als Vorsitzender der Evangelischen Allianz?

Die Dreyer-„Bibel“ illustriert das Paradigma der Aufklärungstheologie. Nach den Vorstellungen des Neuprotestantismus ist die Bibel in einem evolutionären Prozess durch ein permanentes veränderndes Nacherzählen irgendwelcher religiöser Aussagen entstanden, die heute nicht mehr zugänglich sind. Im Kontext dieses theologischen Dogmas ist es sozusagen selbstverständlich, dass die Bibel fortgeschrieben werden muß. So haben wir heute eine Vielzahl von Bibeln  nicht nur von Bibelübersetzungen, die von der Jugendstil-„Bibel“ bis zur Feminismus-„Bibel“ reicht.

Früher hatte man die Bibel verboten. Das hat nicht funktioniert. Deshalb gibt man heute den Menschen ganz einfach andere Bibeln.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Penner

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