Pietismus – wohin?

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Folgender Text ist ein Auszug aus:
Dr. Lothar Gassmann – Pietismus wohin?
Wuppertal 2004, 190 Seiten, 12,80 Euro
Buch beim Verfasser erhältlich: www.L-Gassmann.de


6.2. Der Kernpunkt der Diskussion über Bibeltreue unter Pietisten

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Im evangelikalen Bereich ist der Streit um die Bibel neu entflammt. Kurz zusammengefasst geht es um die Frage: Ist die Bibel nur auf dem Gebiet des christlichen Glaubens und Lebens absolut zuverlässig (Unfehlbarkeit – engl. infallibility) – oder ist sie auch in historischen, geographischen und naturwissenschaftlichen Fragen (z.B. Sechs-Tage-Schöpfung, Sintflut, einheitliche Verfasserschaft der fünf Mosebücher, der Propheten Jesaja, Sacharja u.a.) Gottes absolut zutreffendes Wort (Irrtumslosigkeit – engl. inerrancy)?[1]

Während die Unfehlbarkeit der Bibel in Glaubens- und Lebensfragen unter Evangelikalen weithin unstrittig ist, wird die Diskussion über die Irrtumslosigkeit auf historischem, geographischem und naturwissenschaftlichem Gebiet zum Teil heftig geführt. Das große Problem dabei ist die Vermischung und philosophische Übertünchung der Begriffe. So wird von Verfassern, die die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift auf naturwissenschaftlichem, historischem und geographischem Gebiet ablehnen oder zumindest hinterfragen, trotzdem die Bezeichnung „bibeltreu“ in Anspruch genommen. Und so wird von Seminaren, die sich der historisch-kritischen Universitätstheologie geöffnet haben, sogar behauptet, sie seien „an Bibeltreue nicht zu überbieten“ (s.u.).

So definiert z.B. das Glaubensbekenntnis der Deutschen Evangelischen Allianz „Bibeltreue“ nur im Hinblick auf Glaubens- und Lebensfragen, also auf Unfehlbarkeit. Aber die Bibeltreue in naturwissenschaftlichen, historischen und geographischen Fragen (Irrtumslosigkeit) kommt nicht zur Sprache (s. 6.3.). Das gleiche Problem liegt der Diskussion mit CTL zugrunde, in die ich selbst involviert bin und auf die ich deshalb nachfolgend exemplarisch etwas ausführlicher eingehen werde.

Es geht mir dabei – wie schon erwähnt – nicht darum, Brüder und Schwestern anzugreifen oder zu verurteilen, sondern miteinander um die Rückkehr zu wirklicher Bibeltreue zu ringen. Möge der HERR die folgenden Ausführungen in diesem Sinne gebrauchen und Seinen Segen schenken.

 

6.3. Dokumentation der Diskussion über CTL (Chrischona/Tabor/Liebenzell)[2]

Sind die im CTL-Konsortium zusammengeschlossenen Theologischen Seminare Deutschen Evangelischen Allianz noch bibeltreu oder ist – vollends durch die Kooperation mit der englischen Universität Middlesex – eine verhängnisvolle Weichenstellung in Richtung Liberalismus und Bibelkritik erfolgt, die über die in den CTL-Seminaren ausgebildeten Prediger Auswirkungen auf weite Teile des Pietismus haben könnte? Diese Fragen bewegen zur Zeit viele Menschen innerhalb und außerhalb der betroffenen Werke.

Was ist CTL eigentlich? In Idea-Spektrum Nr. 8 von 1999 stand darüber Folgendes zu lesen:[3]

Die evangelikalen Theologischen Seminare St. Chrischona (Basel). Tabor (Marburg) und Bad Liebenzell bereiten einen international anerkannten Universitätsabschluß vor. Dazu haben sie ein CTL-Konsortium als Vertragspartner für die englische Middlesex-Universität in London gebildet. Die Universitätsverwaltung bescheinigte ihnen jetzt die Befähigung zur wissenschaftlichen Ausbildung. Die Bezeichnung „CTL“ steht sowohl für die Anfangsbuchstaben der beteiligten Seminare als auch für das Motto „Christliche Theologie Lebensnah“. Nach Angaben von CTL-Sprecher Norbert Schmidt (Marburg) will die Middlesex-Universität bis zum Herbst (1999) die Lehrpläne prüfen und danach über die endgültige Anerkennung des CTL-Studienprogramms entscheiden. Als akademischer Abschluß ist der englische „Bachelor of Arts in Theology“ vorgesehen, der dem amerikanischen „Master of Divinity“ entspricht und von der Europäischen Union anerkannt ist. Weltweit ist er in den meisten Kirchen Voraussetzung für eine Anstellung als Pastor und hauptamtlicher Gemeindeleiter. Von dem Angebot profitieren vor allem künftige Missionare. Die Middlesex-Universität ist mit 23.000 Studenten eine der größten staatlichen Hochschulen Großbritanniens. In mehreren europäischen und asiatischen Ländern hat sie Außenstellen. Die vom CTL-Konsortium angebotene Ausbildung unterscheidet sich nach eigenen Angaben von einem klassischen Hochschulstudium durch eine größere Praxisnähe, die Förderung des persönlichen Glaubens und eine verbindliche Lebens- und Lerngemeinschaft der Studierenden. Außerdem werden auch junge Menschen mit Realschulabschluß und abgeschlossener Berufsausbildung zum Studium zugelassen. Diese Form der Theologieausbildung sei im deutschsprachigen Raum einmalig, sagte CTL-Sprecher Schmidt.

In einem Leserbrief vom 9. März 1999 (veröffentlicht in: Idea-Spektrum Nr. 13/1999) schrieb Pfarrer Reinhard Möller aus Aesch bei Basel (er war früher Assistent an der Freien Evangelisch-Theologischen Akademie – jetzt: Staatsunabhängige Theologische Hochschule – Basel) hierzu Folgendes:

Im englischen Sprachraum ist die Ausbildung zum „Bachelor of Arts in Theology“(BA) ein universitärer Studiengang, wogegen sie im deutschen Sprachraum bestenfalls mit dem Abitur verglichen werden kann, also hier erst die Voraussetzung für das Hochschulstudium schafft … Die Ausbildung soll auf den Dienst als „Pastor und hauptamtlichen Gemeindeleiter“ vorbereiten und das „praxisnah“. Das klingt wunderbar, das wäre wünschenswert. Doch dazu ist zwingend notwendig, dass diese Ausbildung kompromisslos bibeltreu ist. Da aber alle drei Ausbildungsstätten auch Lehrkräfte haben, welche bekanntlich nicht die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift teilen, mangelt es leider am Fundament…

So weit eine erste kritische Stellungnahme Möllers. – Im Februar 2000 nun erschien der „Studienführer 1999/2001“ der drei CTL-Seminare. Der Seminarleiter der Liebenzeller Mission, Dr. Heinzpeter Hempelmann, schrieb aus diesem Anlass am 21.02.2000 einen Brief folgenden Inhalts an die Studierenden und das Dozentenkollegium des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission:

Liebe Geschwister, dankbar und auch ein ganz klein wenig stolz gebe ich den vor kurzem erschienenen CTL-Studienführer an Sie weiter. Ohne Gottes große und andauernde Hilfe hätten wir das, was nun in einer anschaulichen Gestalt als CTL dokumentiert ist, nie und nimmer auf die Beine stellen können.

Drei Bitten verbinde ich mit dieser Übergabe:

1. Beachten Sie bitte, dass die im Studienführer dokumentierten Regelungen normativ sind. Das bedeutet, dass Sie sich bitte mit seinem Inhalt vertraut machen. Fragen, die Sie trotz intensiven Studierens nicht beantworten können, reichen sie bitte an die Seminarleitung weiter.

2. Wir haben eine gewisse Anzahl des Studienführers für Werbezwecke drucken lassen. Machen Sie davon bitte gezielt (!) Gebrauch.

3. Beten Sie bitte dafür, dass das CTL-Projekt gut weitergeht und zu dem Ziel führt, zu dem es geschaffen und konzipiert worden ist: der Förderung des Reiches Gottes. Für weiterführende Vorschläge, konstruktive Kritik und alle hilfreichen Hinweise sind wir selbstverständlich offen und dankbar.

Kurz darauf bekam ich ein Exemplar des Studienführers in die Hand. Dabei fiel mir auf, welch großen Einfluss die englische Universität auf den Studiengang hat und wie viel bibelkritische Pflichtlektüre sich darin befindet. So heißt es beispielsweise im „Memorandum der Zusammenarbeit“, das im Studienführer (1. Auflage, S. 23 ff.) abgedruckt war:

In Abschnitt 11a: Die Universität behält sich das Recht vor, den Studienführer zu begutachten und zu überwachen.

In Abschnitt 11b: Die Universität behält sich ebenso das Recht vor, alles Werbe- und Öffentlichkeitsmaterial in Bezug auf das Programm zu prüfen und zu überwachen. Kopien dieses Materials sollen vor der Veröffentlichung der Fakultät für geisteswissenschaftliche und kulturelle Studien und der Qualitätskontrolle der Universität zugesandt werden.

Abschnitt 13b: CTL verpflichtet sich, der Universität für jede Haftungssache, die der Universität durch Handlungen oder Unterlassungen von CTL entsteht, bis zu einer Summe von £ 1.000.000 Entschädigung zu zahlen. Ähnlich verpflichtet sich die Universität, CTL für jede Haftungsangelegenheit, die CTL durch Handlungen oder Unterlassungen der Universität entsteht, Schadensersatz bis zu einer Höhe von £ 1.000.000 zu zahlen.

Abschnitt 15a: Das Memorandum der Zusammenarbeit ist ein rechtlich bindendes Dokument, das dem englischen Recht unterliegt und das alle fünf Jahre einer Überprüfung unterzogen wird (zur gleichen Zeit wie die Überprüfung des Programms). Es kann von jeder Seite mit einer 12-monatigen Kündigungsfrist beendet werden. Eine solche Beendigung soll Gegenstand von Vereinbarungen sein, die sicherstellen, dass eingeschriebene Studenten nicht benachteiligt werden …

Vereinbart im Auftrag der Middlesex –Universität: Ken Goulding, Deputy Vice-Chancellor
Vereinbart im Auftrag des CTL-Konsortiums: Dr. Norbert Schmidt, Geschäftsführender CTL Dekan

Weiter war in der ersten Auflage des CTL-Studienführers auf S. 29-47 die rechtlich bindende „Charta für Studenten in Partnerschaftsprogrammen der Middlesex-Universität“ abgedruckt. Diese hat man aufgrund der Kritik aus neueren Auflagen des Studienführers herausgenommen, aber sie ist nach wie vor gültig. Darin heißt es:

Die Universität arbeitet nur mit Institutionen zusammen, die die Werte der Universität teilen, die in ihrer Aussage über Mission und Vision und Wert aufgeführt sind. (S. 29) … Die Middlesex Universität anerkennt diese Werte als die Basis für ihre Vision und Mission: … Verpflichtung gegenüber dem Prinzip des lebenslangen Lernens … Bewahrung und Respekt für die Freiheit des Glaubens … Verpflichtung gegenüber der Chancengleichheit ungeachtet von Alter, Farbe, ethnischer Herkunft, familiärer Verantwortung, Geschlecht, Familienstand, Nationalität, Rasse, Religion, sexueller Orientierung, sozio-ökonomischen Status oder speziellen Bedürfnissen … Verpflichtung, in allen Bereichen mit den örtlichen (politischen) Gemeinden zusammen zu arbeiten … Anerkennung und Ermutigung zur Verschiedenartigkeit der Kulturen und Traditionen innerhalb der Universität und der weiteren Gemeinde … (S. 42).

Weiter wird betont:

Diese Charta löst nicht die Charta Ihrer Institution ab, sondern ergänzt und verstärkt sie … Unser Ziel an der Middlesex-Universität ist es sicherzustellen, dass alle Studenten in Partnerschaftsprogrammen in eine Lage versetzt werden, die es ihnen ermöglicht, ihr volles Potential in einer offenen, ehrlichen, unterstützenden und anregenden Umgebung zu entwickeln, in der Menschen akzeptiert und geschätzt werden, in der Ideen frei diskutiert werden und wo es ein Gespür dafür gibt, dass man an einem kontinuierlichen Prozess der Entdeckung und Selbstverwirklichung teilhat. (S. 30).

Beim weiterem Durchblättern des Studienführers entdeckte ich eine erstaunliche Fülle von bibelkritischem Lehrmaterial, das ich von meinem eigenen Studium, allerdings an einer bibelkritischen Universität, her kannte. Und dieses war nun – an früher bibeltreuen Seminaren! – zur Pflichtlektüre gemacht und als „Basis-Lehrmaterial“ bezeichnet worden. Ich war – wie auch andere „alte Liebenzeller“ – schockiert über diese Entwicklung. Doch bestätigte der Studienführer das, was mir Seminaristen aus Bad Liebenzell schon zuvor über etliche Monate hinweg in persönlichen Gesprächen geklagt hatten: Es gebe Bibelkritik am Seminar! Viele waren verzweifelt. Manche hatten in meiner Gegenwart sogar geweint wegen der schweren Anfechtungen ihres Glaubens. Solche Anfechtungen und ihre Folgen bei vielen (bis hin zum Abfall vom Glauben) waren mir von meinem bibelkritischen Universitätsstudium her nur allzu sehr bekannt. Wie konnte so etwas in Liebenzell geschehen?

Eine schwere Last legte sich auf meine Seele. Schließlich konnte ich nicht mehr länger schweigen. Ich beschloss nach intensivem Gebet und Rücksprache mit mehreren Brüdern, einen Brief an Lehrer und Seminaristen in den CTL-Seminaren zu schreiben. Diesen gab ich anlässlich der ersten CTL-Tagung Anfang März 2000 in Bad Liebenzell in verschlossenem Kuvert gezielt an einige Personen weiter, die mir meist persönlich bekannt waren (es war also keine „große Verteilaktion“, wie es nachher dargestellt wurde). Dieser erste warnende Brief von meiner Seite hatte folgenden Wortlaut:

Liebe Brüder und Schwestern, aus großer Sorge schreibe ich diesen Brief – aus Sorge, dass durch das CTL-Programm die Bibelkritik in Eure Seminare eindringt bzw. bereits eingedrungen ist. Bibelkritik aber bedeutet früher oder später das Ende der geistlichen Vollmacht. Das zeigt die Geschichte von Werken, die einmal gut angefangen haben, dann aber durch den Geist der Bibelkritik und des Liberalismus geistlich wirkungslos wurden (z.B. Kirchliche Hochschule Bethel, Basler Mission).

Anlaß zu dieser Befürchtung bilden Beobachtungen, die ich schon seit einiger Zeit als Außenstehender bruchstückweise aus dem Unterricht – insbesondere im benachbarten Bad Liebenzell – mitbekomme (z.B. Literarkritik, Quellenscheidung, „echte“ und „unechte“ Paulusbriefe, Spätdatierung von Daniel, „Deuterojesaja“ u.a., was von Lehrkräften entweder gelehrt oder „offengelassen“ wird). Der Blick in das nun vorliegende CTL-Jahresprogramm verstärkt meine Befürchtungen, denn die Pflichtlektüre für die Lehrveranstaltungen besteht zu über 60 Prozent aus – mehr oder weniger radikaler – bibelkritischer Literatur (von Peter Stuhlmacher und Gerhard von Rad über Herbert Donner und Rudolf Schnackenburg bis zu Udo Schnelle, O. H. Steck und sogar Walter Hollenweger und Hans Küng). Konservative bibeltreue Autoren, die konstruktive Alternativen zur Bibelkritik erarbeitet haben, wie z.B. Erich Mauerhofer, Georg Huntemann und Eta Linnemann fehlen hingegen im Studienführer völlig. Wird hier die Bibeltreue einer falsch verstandenen „Wissenschaftlichkeit“ geopfert? Falls das so ist – und ich diskutiere gerne darüber und lasse mich auch korrigieren, wenn ich mich mit diesen Beobachtungen irren sollte – falls das aber so ist, zahlt Ihr dafür einen hohen Preis.

Liebe Brüder und Schwestern, bitte überdenkt diesen Kurs und kehrt auf einen konsequent bibeltreuen Weg (etwa in Einklang mit der „Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift“) zurück, denn nur in konsequenter Bibeltreue in jedem Bereich liegt Vollmacht und Segen …

P.S.: Ich habe Eure Werke in der Vergangenheit – gerade wegen der bibeltreuen Haltung – immer sehr geschätzt und manchen Segen dadurch empfangen dürfen.

Bei dem Anlass der Weitergabe dieses Briefes konnte ich mit Reinhard Frische, damals Seminarleiter von St. Chrischona, ein kurzes, offenes Gespräch führen, leider ohne Ergebnis. Norbert Schmidt von Tabor lehnte das Gespräch ab. Heinzpeter Hempelmann von Liebenzell war nicht anwesend oder wurde von mir nicht bemerkt. Die Auswirkungen dieser gezielten Weitergabe von verschlossenen Briefen waren ungeheuerlich, wie sich später zeigte.

Einige Tage später schrieb ich an meinen Freundes- und Bekanntenkreis einen Brief, in dem ich auch auf die Verquickung mit der liberalen Universität Middlesex hinwies und die Freunde zur Fürbitte aufrief. Durch diesen Freundes- und Bekanntenkreis drang meine Kritik an CTL wohl auch an die Presse, was man mir bei CTL besonders übel nahm. Man darf aber nicht übersehen, dass bis dahin alle Gespräche – etwa auch von anderen Brüdern mit den CTL-Verantwortlichen – keine Kursänderung gebracht hatten. Im Gegenteil, man hatte sich leider auf diesen Kurs festgelegt.

Ende März 2000 nun schrieb ich auf Anraten mehrerer Liebenzeller Brüder, die sich selber aus beruflichen Gründen zurückhalten mussten, an das Komitee und den Bruderrat in Liebenzell (also an die leitenden Gremien), um Konsequenzen zu erbitten. Leider habe ich auf diesen Brief nie eine Antwort erhalten. Die einzige – für mich bis heute unbegreifliche – Reaktion war die mündliche Erteilung eines Hausverbots durch den Verwaltungsdirektor und die Herausnahme aller meiner bei Liebenzell veröffentlichten Bücher aus dem Verlagsprogramm. Ich hatte wörtlich Folgendes geschrieben:

An die Mitglieder des Komitees der Liebenzeller Mission und an den Bruderrat der Liebenzeller Bruderschaft.

Betrifft: CTL Programm – Kooperation mit der Middlesex-Universität

Liebe Brüder und Schwestern, zunächst möchte ich betonen, dass ich Vertrauen zu euch habe und mich deshalb in einer sehr wichtigen und ernsten Angelegenheit an euch wende. Auch kenne ich viele von Euch persönlich und ihr wisst, dass ich euer Werk in der Vergangenheit – gerade wegen seiner konsequent bibeltreuen Haltung – immer sehr geschätzt habe und manchen Segen dadurch empfangen durfte. Dafür sage ich Euch und allen Mitarbeitern Dank. Um so schwerer fällt es mir nun, das Folgende zu schreiben, aber wenn ich schweigen würde, machte ich mich vor Gott und den Menschen schuldig.

Nun folgt fast wörtlich die Warnung vor der Bibelkritik, wie ich sie im oben zitierten Brief an die Lehrer und Seminaristen bei CTL dargestellt habe. Dann fahre ich fort:

Wir Ihr wißt, haben die CTL-Seminare (also auch Liebenzell) mit der englischen Universität Middlesex einen Vertrag („Memorandum der Zusammenarbeit“) unterschrieben. Darin aber – und das kann jeder im Studienführer (S. 23 ff., vor allem S. 42 ff.) nachprüfen – unterwerfen sie ihre theologische Ausbildung einer humanistisch-pluralistischen Weltanschauung, wie sie von Middlesex für alle Partnerorganisationen verbindlich gemacht wird und in der sogar eine „Verpflichtung“ festgeschrieben ist, „Chancengleichheit ungeachtet von Alter, Farbe, ethnischer Herkunft, familiärer Verantwortung, Geschlecht, Familienstand, Nationalität, Rasse, Religion, sexueller Orientierung“ zu praktizieren (Studienführer, S. 42). Was das in der Konsequenz bedeutet, brauche ich wohl nicht näher zu erklären.

Außerdem haben sich Chrischona, Tabor und Liebenzell „verpflichtet, der Universität für jede Haftungssache, die der Universität durch Handlungen oder Unterlassungen von CTL entsteht, bis zu einer Summe von 1 Million engl. Pfund Entschädigung zu zahlen“ (Studienführer, S. 27)!

 

Ferner heißt es: Die (weltliche) „Universität behält sich das Recht vor, den Studienführer zu begutachten und zu überwachen“ (S. 26). Auch diese Konsequenzen sind weitreichend (s.o.).

Liebe Geschwister, ich würde diesen Brief nicht schreiben, wenn ich nicht mitansehen müßte, wie eine große Anzahl von Seminaristen aller drei CTL-Seminare unter diesen Studienbedingungen leidet. Sie haben als Bibelschüler am Seminar angefangen mit dem Ziel, Missionar oder Prediger zu werden, und nun werden sie mit einer „universitären“ Ausbildung überrascht, die grundsätzlich sicherlich gut gemeint ist, aber sich aufgrund der konkreten weltanschaulichen und bibelkritischen Einflüsse und Verpflichtungen beim einen oder anderen auf geistlichem Gebiet verhängnisvoll auswirken wird – ganz abgesehen von der m.E. grundsätzlich falschen Weichenstellung, als christliches Werk mit einer säkularen Universität mit humanistisch-pluralistischer Zielsetzung zu kooperieren.

Bitte überdenkt diesen Weg deshalb noch einmal. Lest den Studienführer und seine weltanschaulichen Implikationen kritisch und zieht die notwendigen Konsequenzen daraus. Als langjähriger Freund (seit 1976) und Autor (seit 1985) der Liebenzeller Mission, als ein Bruder, der Euch lieb hat, richte ich folgende dringende Bitte an Euch:

Komitee und Bruderrat der Liebenzeller Mission mögen darauf hinwirken

– dass das Theologische Seminar der Liebenzeller Mission aus der CTL-Kooperation mit der Universität Middlesex austritt;

– dass es wieder zu einer konsequent bibeltreuen Ausbildung gemäß der Grundsteinlegungsurkunde des Missionshauses und der Glaubensgrundlage der Liebenzeller Mission, die beide die Verbalinspiration der Heiligen Schrift vertreten, kommt;

– dass entsprechende organisatorische und personelle Konsequenzen in Mission und Seminar bedacht werden.

Es soll damit Schaden von der Mission abgewandt werden.

Ich schließe mit der herzlichen Bitte: Nehmt meine Bedenken ernst. Es geht um eine grundlegende geistliche Weichenstellung, wie ich sie anfangs beschrieben habe. Ich wünsche Euch Gottes Weisheit bei allen Beratungen und bete für Euch.

So weit mein Brief. Von Liebenzell kam – wie schon erwähnt – außer sofortigem Hausverbot nie eine Antwort auf meine Stellungnahme und Bitte. Stattdessen richteten Seminaristen am Brüderhaus Tabor am 16.03.2000 folgenden Offenen Brief an mich:

Bezug nehmend auf Ihren Brief im März 2000 auf unserer CTL-Studientagung möchten wir Ihnen als Studierende des Theologischen Seminars Tabor antworten. Wir respektieren Ihre Sorge um die Seminare des CTL-Konsortiums, jedoch möchten wir dazu drei Anmerkungen machen.

1. Sie haben richtig erwähnt, dass wir im Unterricht über Quellentheorien und Literarkritik u.a. informiert werden. Jedoch werden diese Theorien nicht einfach offengelassen, sondern kritisch hinterfragt. Dies erscheint uns wichtig, da es Teil der momentanen Theologie ist, d.h. dass uns diese Themen in Fachliteratur und in dem Kontakt mit anderen Menschen begegnen. Aus diesem Grund wollen und müssen wir uns mit der Thematik auseinandersetzen, anstatt die Augen zu verschließen. Gerade aus unserer Geschichte des Pietismus wissen wir, welche negativen Folgen eine „Weltfremdheit“ auch in der Theologie hat. Wir wollen keine Ausbildung, die uns anhand von Scheuklappen nur einen einseitigen Ausschnitt der Theologie vermittelt. Gegenüber Ihren Bedenken können wir versichern: Wir betreiben keine Bibelkritik, sondern uns wird die „Verpflichtung gegenüber der heiligen Schrift als dem Wort Gottes als Basis für alle christliche Theologie“ (Studienführer S. 18) als wichtigstes Fundament gelehrt. Der Glaube an das Wort hat für uns Priorität vor aller Wissenschaftlichkeit.

2. Des weiteren nehmen Sie Bezug auf die Pflichtlektüre für unseren Unterricht. Warum sollen nicht auch Theologen, mit denen wir nicht in allen Punkten übereinstimmen müssen, wie z.B. Peter Stuhlmacher, Udo Schnelle usw., fruchtbare Beiträge für theologisches Denken leisten? Selbst Martin Luther irrte in Betreff auf die Inspiration einiger Schriften, wie z.B. bei der Offenbarung. Hier urteilte er 1522, er könne überhaupt „nicht spüren“, dass dieses Buch „von dem Heiligen Geist gestellet sei“ (das heißt inspiriert); er rückt es neben 4 Esra (DB 7, S. 404; vgl. Paul Althaus, Die Theologie Martin Luthers, S. 82). Auch Calvin ließ 1553 aus Kirchenzuchtgründen Michael Servet verbrennen. Trotzdem lesen wir beide Theologen im Unterricht, ohne dabei die Meinung Luthers in Betreff auf die Offenbarung noch die Praxis Calvins im Bezug auf das Verbrennen zu praktizieren. Deswegen können wir auch bei Stuhlmacher, Schnelle, Luther und Calvin viel Gutes Lernen und sie für Theologie fruchtbar machen. In beiden Punkten gilt das biblische Prinzip: „Prüfet alles und das Gute behaltet“ (I Thess 5,21). So wollen wir Theologen werden, die das Denken und das Prüfen gelernt haben. Sie selbst haben doch Theologie studiert. Warum sollen wir nicht die gleiche Möglichkeit bekommen wie Sie? Es ist für uns eine große Chance, hier in einem solchen Rahmen unter Begleitung von bibeltreuen und geistlichen Lehrern das Denken und Bewerten zu lernen und nicht bloß gedacht zu werden.

3. Abschließend möchten wir noch Folgendes kritisch anmerken: Wir als Seminaristen fanden die Art und Weise, wie Sie die Kritik an unseren Seminaren geäußert haben, nicht richtig. Die Bibel zeigt uns den rechten Weg im Umgang mit Problemen in der Gemeinde Christi. Mt 18,15-17 weist darauf hin, dass wir, wenn wir Fehler bemerken, erst das persönliche Gespräch mit dem Verantwortlichen suchen sollen. So wäre es wohl angebracht, zuerst das persönliche Gespräch mit den Seminarleitern (z.B. Dr. Norbert Schmidt) aufzunehmen, anstatt Misstrauen unter uns Seminaristen zu säen.

So wollen wir Ihnen sagen, dass wir Theologie treiben, die aus der Liebe zu Gott und zu Menschen erwächst mit der Perspektive, dem Reich Gottes zu dienen. Nachdem Sie diesen Brief nun persönlich erhalten haben, behalten wir uns vor, ihn auch als offenen Brief zu veröffentlichen.

In ähnlicher Weise erschien eine Meldung in Idea-Spektrum Nr. 14/2000, in der es hieß:

In ihrer „Bibeltreue“ will sich die Liebenzeller Mission von niemandem überholen lassen. Das erklärte ihr Direktor, Pfarrer Hanspeter Wolfsberger, im Blick auf Vorwürfe, das evangelikale Missionswerk habe sich von seinen Glaubensgrundsätzen entfernt. Die Kritik entzündete sich an einem gemeinsamen Studienführer der Theologischen Seminare St. Chrischona in Basel, Tabor in Marburg und Bad Liebenzell. Dieses „CTL-Konsortium“ ist Kooperationspartner der englischen Universität von Middlesex und ermöglicht den Studenten den international anerkannten akademischen Grad eines „Bachelor of Arts“ in Theologie. Nach Ansicht des Theologen und Publizisten Lothar Gassmann (Pforzheim) belegt der Studienführer ein Eindringen bibelkritischer Positionen in die Seminare. Gassmann – Weltanschauungsbeauftragter der Arbeitsgemeinschaft für Religiöse Fragen – begründet seinen Vorwurf unter anderem mit einer Liste „mehr oder weniger radikal bibelkritischer Literatur“ sowie mit dem Vertrag, durch den die englische Universität Einfluß auf die inhaltliche Ausrichtung der Seminare nehmen könne. Gegenüber idea wies Wolfsberger diese Befürchtungen als „vollkommen aus der Luft gegriffen“ zurück. Der Vertrag mit Middlesex schließe eine Einmischung in das theologische Lehrangebot aus. Die Universität prüfe nur die Qualifikation der Dozenten, das wissenschaftliche Niveau des Unterrichts und die finanzielle Basis der Seminare. „In der Studentencharta des Studienführers kann jedermann nachlesen, dass Middlesex ausdrücklich unser pietistisches Selbstverständnis respektiert“, so Wolfsberger.

Die Literaturliste bezeichnete er als eine

Auswahl, die die Bandbreite dessen aufzeigt, womit sich angehende Theologen auseinandersetzen müssen.

Sie enthalte überwiegend Bücher, die auch im evangelikalen Bereich als hilfreich anerkannt seien. Im übrigen müsse man

unterscheiden zwischen dem, was wir lesen, und dem, was wir lehren …

In zahlreichen Veröffentlichungen habe sich das Dozententeam unter Leitung von Seminardirektor Heinzpeter Hempelmann wiederholt gegen bibelkritische Verirrungen in der evangelischen Kirche gewandt, so Wolfsberger weiter. Besonders Hempelmanns Bücher gegen eine kirchliche Anerkennung homosexueller Paare und gegen einen Dialog angeblich gleichwertiger Religionen ließen keinen Zweifel an den theologischen Positionen Liebenzells zu. Dozenten sind beispielsweise der Vorsitzende der Evangelischen Vereinigung für Bibel und Bekenntnis in Baden, Pfarrer Werner Weiland, sowie mehrere Leiter pietistischer Gemeinschaftsverbände. Das Aufsichtsgremium für das Theologische Seminar wird vom Rektor des Albrecht-Bengel-Studienhauses Rolf Hille geleitet, der auch Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz ist.

Pfarrer Reinhard Möller, der sich bereits vor mir kritisch bezüglich CTL zu Wort gemeldet hatte, antwortete auf diese Stellungnahmen – namentlich aus Tabor – durch folgenden Brief vom 4. Mai 2000:

Liebe Studierende, Ihren Offenen Brief vom 16.3.2000 an Herrn Dr. Lothar Gassmann habe ich erhalten. Da ich seine Einschätzung des CTL-Studienangebotes teile und mich bereits vor einem Jahr kritisch dazu äußerte [siehe idea-spektrum, 13/99, 31.3.1999, S. 4], antworte ich auf Ihre Ausführungen.

Mit drei Punkten versucht Ihr Schreiben die Sorgen, die Dr. Gassmann kürzlich offen äußerte, als unbegründet hinzustellen. Leider ist es aber so, dass – nach gründlicher Prüfung Ihrer Ausführungen – sichtbar wird, dass Ihre drei Punkte gerade bestätigen, dass Dr. Gassmanns Bedenken vollauf berechtigt waren und sind.

zu Punkt l

Es ist erfreulich, wenn Sie persönlich davon überzeugt sind: „Der Glaube an das Wort hat für uns Priorität vor aller Wissenschaftlichkeit.“, wenn Sie sich bewußt unter das Wort der Heiligen Schrift stellen möchten, und wenn echte Wissenschaftlichkeit Ihnen ein Anliegen ist. Doch gerade in diesen Bereichen ist – wie der „Studienfüher 1999/2001“ eindeutig darlegt – die angebotene CTL-Ausbildung mangelhaft.

(a) Die zu den Studiengängen angeführte Fachliteratur ist überwiegend bibelkritisch oder vertritt die sog. „gemäßigt-kritische“ Position, wie sie unter Evangelikalen weit verbreitet ist. Hier wäre Ihre Aussage in der Tat angebracht: „Wir wollen keine Ausbildung, die uns anhand von Scheuklappen nur einen einseitigen Ausschnitt der Theologie vermittelt.“ Bibeltreue Fachliteratur namhafter Theologen, Historiker, Ethiker und Apologeten fehlt in den Literaturlisten des Studienführers – und da die dort angeführten Werke umfangreich sind, werden Sie kaum Zeit finden, fundierte Alternativliteratur zu lesen. Die extrem einseitige Auswahl der Literaturlisten ist erschreckend unwissenschaftlich, verschweigen die Verantwortlichen damit doch, dass es zu den genannten Fachgebieten auch wissenschaftliche Literatur gibt, die eine bewußt bibeltreue Position vertritt.

(b) Zudem bewirkt bibelkritische und sog. „gemäßigt-kritische“ Literatur, dass das Vertrauen in die Heilige Schrift als dem irrtumslosen Wort Gottes untergraben wird. Wie soll – gerade bei Studienanfängern – Gottes Wort Priorität haben, wenn in der Literaturauswahl Buchtitel Priorität haben, die das biblisch-reformatorische Christentum und gesunde biblische Lehre beständig in Frage stellen?

(c) Es ist selbstverständlich, dass wir uns in einer fundierten Ausbildung auch mit unbiblischen Positionen der Gegenwart auseinandersetzen müssen (niemand stellte das in Frage); es ist schön, wenn – wie Sie schreiben – im Unterricht derartige Lehren „kritisch hinterfragt“ werden. Doch auch hier habe ich meine Zweifel, dass dem so ist, weil einzelne Veröffentlichungen von CTL-Dozenten belegen, wie bibelkritische Positionen übernommen wurden oder wie bibeltreue Positionen gar völlig unterschlagen werden. [Letzteres ist beispielsweise im Buch „Grundfragen der Schriftauslegung“, 2. Aufl. 1998, von Dr. Heinzpeter Hempelmann der Fall; es kann ja wohl nicht angenommen werden, dass er bibeltreue Hermeneutik des 20. Jahrhunderts überhaupt nie kennengelernt hat, weshalb ich behaupte, dass er diese Position (die übrigens die der Reformatoren war!) völlig unterschlägt.]

zu Punkt 2

Sie sprechen hier von der Pflichtlektüre (was sich etwas mit dem ersten Punkt überschneidet), und erwähnen die Reformatoren; es freut mich, zu vernehmen, dass deren Texte gelesen werden. Sie erwähnen auch, Reformatoren hätten geirrt, als ob jemand das Gegenteil behaupten würde. Gewiß sind wir uns einig, dass es keine „unfehlbaren evangelischen Heiligen“ gibt; auch Reformatoren waren nicht ohne Schuld und Sünde – wie sonst hätten sie so sehr die Gnade rühmen und preisen können? In Ihren Zeilen vermisse ich die Sicht dafür, dass bibelkritische Fachliteratur – auch wenn sie (teilweise) „fruchtbare Beiträge für theologisches Denken leisten“ kann – für das geistliche Leben jedes Studierenden, jedes Christen und unserer Gemeinden Gift ist. Sollten wir uns nicht vermehrt nach gesunder, geistgewirkter, gottesfürchtiger Lehre ausstrecken? Soll ich meinen Gemeindegliedern etwa bibelkritische Literatur empfehlen und anbieten, wenn es doch zu denselben Themen bibeltreue Literatur gibt?

Ihre eigenen Ausführungen zu Martin Luther belegen anschaulich die Folgen bibelkritischer Literatur, wenn sie auf Luthers Einleitungsworte zum Buch Offenbarung (1522) hinweisen. Wieso?

(a) Daß der Reformator damit Mühe hatte, führte bei ihm weder dazu, dass er das Buch aus dem Kanon ausschied, noch dazu, dass er es nicht übersetzte.

(b) Wissenschaftliche Redlichkeit würde es zwingend erfordern, dass Sie angemessen berücksichtigen, dass Martin Luther seine frühere Haltung zum Buch der Offenbarung (also die von 1522) später nicht mehr vertrat, sondern dann den geistlichen Wert des Buches erkannte: so in seiner Vorrede aus dem Jahre 1530 (zu finden in jeder guten Bibliothek). Leider wollen einige liberale und evangelikale Autoren offenbar zeigen, der Reformator sei „bibelkritisch“ gewesen; eine sorgfältige Prüfung der Quellen macht das unmöglich – trotzdem wird das Gegenteil behauptet.

Von Herzen wünsche ich Ihnen, „von bibeltreuen und geistlichen Lehrern das Denken und Bewerten zu lernen“, und dass Sie l. Thess. 5,21 u.a. sorgfältig anwenden. Nur: Scheint es nicht so zu sein, dass Ihnen bewußt bibeltreue und zugleich wissenschaftliche Literatur vorenthalten wird, wenn die Pflichtlektüre so einseitig bibelkritisch ist? Haben Sie sich einmal gefragt, warum sämtliche Publikationen dieser bibeltreuen Verfasser aus dem deutschen Sprachraum (ganz zu schweigen von Übersetzungen bibeltreuer angelsächsischer Autoren) ohne Ausnahme fehlen: Prof. Dr. Dr. Georg Huntemann, Dr. Bernhard Kaiser, Dr. Jürgen-Burkhard Klautke, Prof. Dr. S. R. Külling, Prof. Dr. Eta Linnemann, Dr. Armin Mauerhofer, Prof. Dr. Erich Mauerhofer, Prof. Dr. Armin Sierszyn… (die Liste ist alphabetisch und unvollständig; es sollte wohl auch Dr. Lothar Gassmann genannt werden). Ist es abwegig, anzunehmen, dass diese umfangreiche und umfassende bibeltreue Literatur bewußt ausgeklammert wurde? Auf jeden Fall ist es in höchstem Maße unwissenschaftlich, so selektiv vorzugehen.

zu Punkt 3

Ohne Zweifel ist die Heilige Schrift für uns auch der Maßstab im Umgang miteinander. Doch auch hier gilt es, sorgfältig das Wort Gottes zu Rate zu ziehen: Die von Ihnen genannte Schriftstelle (Mt. 18,15-17) hat mit der Warnung von Dr. Lothar Gassmann in bezug auf das CTL-Studienangebot gar nichts zu tun; in Mt. 18 geht es um persönliche Schuld zwischen zwei Personen. Dr. Gassmann hat nie behauptet, das CTL sei an ihm schuldig geworden. In Bezug auf das warnende Schreiben von Dr. Lothar Gassmann, in bezug auf seine ehrlich-besorgte Anfrage an die Ausrichtung des CTL-Studienangebotes und seine offenen Gespräche dazu ist stattdessen Galater 2,11-14 heranzuziehen. Das CTL-Studienangebot ist im Raum der deutschsprachigen Christenheit seit über einem Jahr öffentlich angeboten und von den drei Seminaren öffentlich empfohlen worden. Auch der „Studienführer 1999/2001“ ist eine öffentliche Vorstellung des Programms der Seminare. Es ist jedes Christen Recht und Pflicht, insbesondere aber die Verantwortung der Hirten unserer Gemeinden, dieses Angebot sorgfältig und gründlich an der Schrift zu prüfen. Und wenn dann von einem Bruder (oder mehreren) leider festgestellt wird, dass das Angebot aus biblisch-reformatorischer Haltung mangelhaft und unverantwortlich, ja für die Gemeinde Jesu eventuell gar schädlich ist, dann ist es vor dem Angesicht unseres Herrn Jesus seine Pflicht, darauf aufmerksam zu machen und Mitchristen vor einem derartigen Kurs zu warnen. Wer schweigt, der wird schuldig. –

Es würde mich (und ohne Zweifel auch Dr. Gassmann) freuen, wenn es anders wäre; es würde uns freuen, wenn das CTL ein durch und durch biblisch fundiertes Ausbildungsangebot für die Gemeinde Jesu wäre – leider ist es nicht so. Bedauerlicherweise hat Dr. Gassmanns, wie auch meine eigene sorgfältige Prüfung zugänglicher Unterlagen nichts anderes erbracht. Auf Grund dieser Sachlage sollten Sie sich bitte fragen, weshalb Sie mit einem Offenen Brief denjenigen kritisieren, der in geistlicher Verantwortung eine Warnung ausspricht, statt dass Sie Ihre Kritik dort anbringen, wo verhängnisvolle Weichenstellungen erfolgen. Unser Herr Jesus Christus möge Sie leiten und bewahren.

Dass sich hinter dem CTL-Programm eine größere Dimension, nämlich ein Einflussnehmen der Landeskirchen mit ihrer bibelkritischen Theologen-Ausbildung verbergen könnte, geht aus einem Pressebericht hervor, der am 27. März 2000 in den Calwer Kreisnachrichten erschien. Unter der Überschrift: „Aufbruchstimmung bei Liebenzeller Mission“ heißt es dort:

So ergibt sich zusammen mit bedingt staatlichen Zuschüssen und der Unterstützung der Württembergischen Landeskirche eine Mischfinanzierung der Mission…

Daraufhin schrieb wiederum Pfarrer Reinhard Möller einen Leserbrief, der in den Calwer Kreisnachrichten vom 1.4.2000 abgedruckt wurde. Darin führt er Folgendes aus:

Viele Christen in Kirchen und Freikirchen sind dankbar, wenn ein evangelikales Missionswerk wie die traditionsreiche Liebenzeller Mission eine erfreuliche Entwicklung ihrer Arbeit im In- und Ausland konstatiert. Allerdings werden Evangelikale sehr hellhörig, wenn dem Bericht über die Pressekonferenz zu entnehmen ist, dass sich die Verantwortlichen auf eine „Mischfinanzierung“ abstützen, an der sich Staat und Württembergische Landeskirche beteiligen. Hat letztere kürzlich nicht dem renommierten evangelikalen Nachrichtendienst Idea ihre finanzielle Unterstützung entzogen? Das lässt Freunde aufhorchen und fragen, ob die kirchliche Unterstützung bedeutet, dass zugleich inhaltlich auf Mission und Seminar in Liebenzell Einfluss genommen wird. Besteht hier gar ein innerer Zusammenhang zu einer theologischen Kursänderung am Seminar?

Der Artikel schildert, wie Seminarleiter Hempelmann die Entwicklung der angebotenen Ausbildungsgänge positiv wertet. Dazu rechnet er zweifelsohne den in Zusammenarbeit mit der englischen Universität Middlesex angebotenen Kurs zum „Bachelor of Arts“. Eine sorgfältige Prüfung des Studienführers zeigt, dass diese Ausbildung einen liberal-evangelikalen Kurs fährt, der ein deutliches Abweichen vom ursprünglichen Anliegen Liebenzells bedeutet.

Die Kooperation zwischen bibelkritisch-liberaler Landeskirche und evangelikalen Werken wird weiter bestätigt durch die Herausgabe des Buches: „Zukunft gewinnen – Gemeinschaftsgemeinden und evangelische Kirche“ im Verlag der Liebenzeller Mission im Dezember 2000. Herausgeber ist Heinzpeter Hempelmann, Mitarbeiter sind Prälat P. Dieterich und Kirchenrat K.-H. Schlaudraff. In seinem Vorwort schreibt Heinzpeter Hempelmann in aller Offenheit:

Dass drei theologische Wortführer des Evangelischen Oberkirchenrates der Württembergischen Landeskirche nun in einer Veröffentlichung der Liebenzeller Mission zu Wort kommen, ist ein früher undenkbarer Vorgang, aber eben auch ein ermutigendes Zeichen dafür, dass wir – Gott gebe es! – miteinander auf einem guten Weg sind … Dass die württembergische Landessynode im April 2000 dem Rahmenabkommen zwischen dem evangelischen Oberkirchenrat und den Gemeinschaftsverbänden zugestimmt hat, ist erfreulich, macht aber das Gespräch und diese Veröffentlichung nicht unnötig, sondern im Gegenteil erst erforderlich.[4]

Soweit Hempelmann im Vorwort. Das Abkommen zwischen Kirche und Gemeinschaftsverbänden mit der Verpflichtung der Gemeinschaftsprediger auf eine von der Landeskirche anerkannte Ausbildung (!) habe ich in Kapitel 4.6. zitiert. Das Geleitwort zum Buch „Zukunft gewinnen …“ schrieb übrigens Heiner Küenzlen, Vertreter der linksliberalen „Offenen Kirche“ im württembergischen Oberkirchenrat – auch ein im früheren „Liebenzell“ undenkbarer Vorgang! Der Herausgeber der Zeitschrift „Wort zur Zeit“, Klaus Schmidt aus Crailsheim, meint dazu in der Nr. 6/2000 seiner Zeitschrift in seiner kernigen Sprache:

Dr. Heinzpeter Hempelmann, seines Zeichen Studienleiter der Liebenzeller, ließ sein neuestes Büchlein „Zukunft gewinnen“ mit einem Vorwort vom Dekan Heiner Küenzlen versehen, der als Sprecher der „offenen Kirche Württemberg“ noch links von links zuhause ist. Und dann erklärt der Herausgeber besagter Publikation die pietistische Gemeinschaftsbewegung zu „Vorwärmstuben“, die eine Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche „lieb, wert und wichtig“ machen sollen – obwohl in dieser gruseligen Ruine fast nur noch Gespenster hausen. Da wird also heftig mit liberalen Schriftauflösern geklüngelt und opferwilligen Missionsfreunden vorgegaukelt, hart am Wort Gottes zu bleiben. Wenigstens ist die Katze jetzt aus dem Sack!

Läßt sich die Abweichung vom früheren Kurs beweisen? Nun, in der Grundsteinlegungsurkunde des Missionshauses in Bad Liebenzell vom 8. Juni 1905 heißt es:

Dies Haus sei ein Bethaus, wo man den Vater anbetet im Geist und in der Wahrheit, wo Jesu Gnade vielen verlorenen und verirrten Seelen begegnen und wo der Heilige Geist wirken und wohnen kann in gedemütigten und zerschlagenen Herzen. Es sei ein Zeugnis gegen den Geist der hoffärtigen Kritik des teuren Gotteswortes und gegen die Lauheit, Schlaffheit und Weltförmigkeit einer entarteten Christenheit, welche mit dem Weltgeist liebäugelt …

Und in den „Glaubensgrundsätzen“ der Liebenzeller Mission in ihrer früheren Fassung war die Haltung der konsequenten Bibeltreue so formuliert:

Wir glauben und bekennen: Die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments ist von Gott eingegeben, unfehlbar und eindeutig, zuverlässig und völlig ausreichend zu unserem Heil. Sie ist als höchste Autorität verbindlich für Glauben und Leben, für Lehre und Dienst. Zum rechten Verständnis der Heiligen Schrift bedarf es der Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Jesus Christus und sein Heil ist ihre Mitte, die Heilsgeschichte ihre durchlaufende Linie. Wir lehnen darum jede Bibelkritik ab.

Diese Glaubensgrundsätze wurden inzwischen stillschweigend in einer veränderten Fassung in dem Studienführer 1999/2001 (S. 14) so formuliert:

Die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes ist von Gott eingegeben, unfehlbar und eindeutig, zuverlässig und völlig ausreichend zu unserem Heil. Sie ist als höchste Autorität verbindlich für Glauben und Leben, für Lehre und Dienst. Die Bibel ist Gottes Wort und Menschenwort zu gleich. So wie sie ist, hat Gott sie uns gegeben. Darum lehnen wir jede Form von Bibelkritik ab. Zum rechten Verständnis der Heiligen Schrift bedarf es der Erleuchtung durch den Heiligen Geist. Jesus Christus und sein Heil ist ihre Mitte, die Heilsgeschichte ihre durchlaufende Linie.

Hierzu schreibt die „Initiative für bibeltreue Hochschulen“ in ihrem Rundbrief Nr.68 aus dem Jahr 2000:

Im CTL-Studienführer (S. 14) ist vor den zuletzt zitierten Satz eingeschoben: „Die Bibel ist Gotteswort und Menschenwort zugleich. …“ Durch diesen Einschub tritt der Schlußsatz in einen anderen Begründungs-Zusammenhang. Bei entsprechender Interpretation kann der eingeschobene Satz die Tür zur Bibelkritik öffnen: Als Menschenwort muß – wie Bibelkritiker stets behaupten – die Bibel mit denselben (atheistischen) Methoden untersucht werden wie andere Menschenworte auch.

Inzwischen erschienen immer zahlreichere Stellungnahmen zu CTL, z.B. von dem Gründer und Rektor der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel, Prof. Dr. Samuel Külling, dem Mitverfasser der ersten Chicago-Erklärung (zur biblischen Irrtumslosigkeit) von 1978. In einem Sonderdruck vom 14. April 2000 führte er unter der Überschrift „Problematische Propagandaschrift der CTL. Der zu teuere Preis für einen akademischen Titel“ u.a. Folgendes aus:

Die Verbindung dieser drei Seminare mit der weltlichen Universität Middlesex hat bereits zur Folge, dass damit die ursprüngliche „Prägung“ aufgegeben ist. Dies ist eine Weichenstellung, die weittragende, negative Folgen haben wird für alle auf diese Weise Ausgebildeten und die Gemeinden, Missionen usw., die sie aufnehmen … Die ursprüngliche Prägung ist auch damit aufgegeben, dass die CTL-Seminare sich mit einer Universität mit unbiblischen Grundsätzen verbunden haben (gegen 2.Kor. 6, 14…).

Külling sagt weiter:

Das letzte Wort hat Middlesex“, und zwar bei den Richtlinien, bei der Validierung, bei jeder Veränderung, bei der Überwachung und sogar „unter Strafandrohung“. Kurzum: Es herrscht nach Meinung Küllings eine „beispiellose Abhängigkeit.

Im April 2000 erschienen in Idea-Spektrum Nr. 18/2000 mehrere beachtenswerte Leserbriefe zum Thema CTL, u.a. eine kritische Anfrage an Liebenzell von Prediger Johannes Pflaum, einem Sohn des langjährigen früheren Direktors und Seminarleiters der Liebenzeller Mission Pfarrer Dr. Lienhard Pflaum – beide können den neuen Liebenzeller Kurs ebenfalls nicht mittragen! Ein anderer Leserbriefschreiber, der Theologiestudent Marc Dannlowski, stellte Folgendes fest:

… Wenn der Liebenzeller Direktor Hanspeter Wolfsberger der Ansicht ist, die Liebenzeller Mission lasse sich in ihrer „Bibeltreue“ von niemandem überholen, müßte er erläutern, wie er „Bibeltreue“ inhaltlich füllt. Wenn er darunter versteht, dass die Bibel irrtumsloses Wort Gottes ist, dann ist es schwer erklärbar, dass die Mission einen Seminarleiter wie Heinzpeter Hempelmann berufen hat, der in einer früheren Veröffentlichung bibelkritisches Gedankengut wiedergibt. So hat er in einem Aufsatz mit dem Titel „Gott will, dass wir leben: Zur anthropologischen Bedeutung des Dekalogs“ die Ansicht vertreten (S. 5-7), dass es als Quelle für die fünf Bücher Mose die sogenannte „Priesterschrift“ gäbe, also eine von historisch-kritischen Theologen postulierte Schrift, deren Entstehung man sich ca. 900 Jahre nach dem Auszug Israels aus Ägypten vorstellt. Im Klartext bedeutet dies, dass Hempelmann, wenn er diese Theorie konsequent vertritt, davon ausgeht, dass große Teile der fünf Bücher Mose lange nach Mose und den Propheten entstanden wären. Es wäre wünschenswert, wenn die Verantwortlichen der Liebenzeller Mission keinen Zweifel daran ließen, dass sie solchen Äußerungen der Vergangenheit kritisch gegenüberstehen.

 

Die Stellungnahme ließ nicht lange auf sich warten. In Idea-spektrum Nr. 20/2000 erschien unter der Überschrift „Widerspruch: ´Liebenzell` hat den Weg der Väter nicht verlassen“ folgender Leserbrief:

Nach 50- bzw. 40jähriger Zugehörigkeit und Mitverantwortung in der Liebenzeller Mission sehen wir uns veranlasst, uns zu den verschiedenen Leserbriefen zu äußern:

1. Wir stellen ausdrücklich fest, dass für die Liebenzeller Mission inklusive ihres Theologischen Seminars mit sämtlichen Dozenten die Heilige Schrift absolut historisch zuverlässig, glaubwürdig und unfehlbar ist (von „Irrtumslosigkeit“ ist nicht die Rede!; d. Verf.). Dies wurde erst kürzlich erneut im Komitee der Liebenzeller Mission bestätigt.

2. Aus langjähriger persönlicher Anschauung und Begleitung des Theologischen Seminars wissen wir: Das Seminar hat genau so wenig wie die Liebenzeller Mission den Weg der Väter verlassen, noch den geistlichen Auftrag preisgegeben.

3. Wir wollen auch hier erwähnen, dass die Zusammenarbeit mit der englischen Middlesex-Universität in keiner Weise die Glaubensgrundlage oder das Bibelverständnis unseres Werkes beeinflußt.

4. Marc Dannlowski erwähnt einen Aufsatz und eine Veröffentlichung von Dr. Heinzpeter Hempelmann. Eine solche gibt es nicht. Unseres Wissens gibt es jedoch weit mehr als 200 Veröffentlichungen von Dr. Hempelmann, durch die man sich von seiner ungebrochenen Haltung zur Heiligen Schrift ein persönliches Urteil bilden kann. Wir alle, an vorderster Stelle Dr. Hempelmann, treten für die historische Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Wahrheit der ganzen Bibel – einschließlich der 5 Bücher Mose – ein.

5. Wäre es in einer Welt, die sich immer mehr von Christus abwendet, nicht wichtiger, sich bei Anschuldigungen und Verdächtigungen direkt an die betreffenden Werke oder Personen zu wenden, statt evangelikale Grabenkämpfe durch Leserbriefe auszutragen? Es berührt eigenartig, wenn biblisches Schriftverständnis eingefordert wird, aber man selbst dabei nicht den biblischen Weg geht!

Darum herzliche Einladung: Besuchen Sie uns in Liebenzell, um mit den Verantwortlichen zu sprechen, oder lassen Sie sich unsere „Glaubensgrundsätze“ und unser Papier „Vorfahrt für die Bibel“ zusenden.

Ernst Vatter, Missionsdirektor i.R., und Bernd Wetzel, Evangelist

Der Autor reagierte mit folgendem Leserbrief vom 19.5.2000, der allerdings von Idea nicht veröffentlicht wurde:

Ich nehme die CTL-Verantwortlichen beim Wort. Wenn Ernst Vatter und Bernd Wetzel in ihrem Leserbrief schreiben, dass „für die Liebenzeller Mission inklusive ihres Theologischen Seminars mit sämtlichen Dozenten die Heilige Schrift absolut historisch zuverlässig, glaubwürdig und unfehlbar ist“, so ist Folgendes zu erwarten: keine Quellenscheidung, kein Deuterojesaja, keine Spätdatierung biblischer Schriften usw., vielmehr das Festhalten an der Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift nicht nur in allen Fragen des Glaubens und Lebens, sondern auch in naturwissenschaftlicher, geographischer und historischer Hinsicht. Dann müßte allerdings der Leiter des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, Dr. Heinzpeter Hempelmann, frühere Aussagen, z.B. in seinem Buch „Gott – ein Schriftsteller“ (TVG 1988, S. 28 ff.) öffentlich widerrufen, in denen er die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift vehement bestreitet, z.B. indem er schreibt: „Orthodoxie wie moderner Fundamentalismus streiten mit der Verteidigung der inerrancy (Irrtumslosigkeit) letztlich also nicht für die Ehre Gottes, sondern wider das Handeln des Gottes, der sich, seinem Wesen entsprechend, herunterläßt und mit seiner Schöpfung verbindet“ (S.33). Werden solche und ähnliche Aussagen in Schriften von Hempelmann und auch verschiedenen anderen CTL-Dozenten zurückgenommen, werden obige Kriterien eingehalten, wird die immer wieder behauptete inhaltliche Unabhängigkeit von der Universität Middlesex durch Vorlage der Verträge eindeutig nachgewiesen und wird das überwiegend bibelkritische Basislehrmaterial im CTL-Studienführer durch bibeltreues ersetzt oder zumindest reichlich ergänzt, dann nehme ich meine Kritik an CTL gerne zurück. Vorher nicht.

Im Mai 2000 gab der Direktor der Liebenzeller Mission, Pfarrer Hanspeter Wolfsberger, in Rundbrief der Mission („Blickpunkt“) folgende Stellungnahme ab:

Ein Verleumder macht Freunde uneins. (Spr. 16,28)

Liebe Freunde, obwohl wir anderes zu tun haben – die Themen dieses „Blickpunktes“ zeigen es – müssen wir uns seit einigen Wochen mit Angriffen auf unser Missionswerk befassen. Ein ehemaliger Gast unserer Einrichtung, der viele Monate unser Vertrauen und unsere Gastfreundschaft besaß, hat uns unvermittelt angeklagt. Er behauptet, dass die Liebenzeller Mission sich einer Universität mit „humanistisch-pluralistischer Weltanschauung“ ausgeliefert habe und von dort theologisch reglementiert werde. Und weiter, dass wir an unserer Ausbildungsstätte unsere eigene Glaubensgrundlage, die Bibel, nicht mehr ernst nähmen. Und er malt schlimme Folgen und Entgleisungen vor Augen, die sich nunmehr daraus ergäben.

Diese Behauptungen gingen vielen Menschen im Land schriftlich zu, eben so einer ganzen Anzahl von christlichen Zeitschriften. Einige dieser Blätter verbreiten diese „Meldung“ dann weiter, und dies trotz eindeutiger Kenntnis, dass die gegen uns erhobenen Vorwürfe falsch und nicht belegbar sind. Aber was bedeutet das schon, wenn man als Presse damit „interessant“ sein kann? Und seither haben wir das Thema auf dem Tisch, müssen Briefe beantworten, erhalten zum Teil Beschimpfungen und finden uns in Leserbriefspalten wieder. Ein Herausgeber eines solchen christlichen Blattes sagte uns unverblümt: „Ihr werdet noch länger nicht zur Ruhe kommen!“ – das heißt mit anderen Worten: „Wir werden schon dafür sorgen, dass ihr nicht zur Ruhe kommt.“

Was sollen und können wir in dieser Situation tun? Nun, zunächst einmal wollen wir nicht mit gleicher Münze zurückzahlen. Deshalb nennen wir hier auch nicht die Namen unserer Verkläger oder der Zeitschriften, welche die Klage verstärkt und multipliziert haben. Aber wir werden uns in der Sache ausdauernd und nachhaltig wehren. Dazu gehört, dass wir alle unsere Freunde bitten, sich kundig zu machen, indem sie die Quellen einsehen, auf denen die erhobenen Vorwürfe angeblich beruhen. Im „Studienführer“ der drei miteinander verbundenen Theologischen Seminare Chrischona, Tabor und Liebenzell steht schwarz auf weiß zu lesen, dass wir eine inhaltlich von jedermann ungehinderte Arbeit tun und dass wir in unserer biblischen Ausrichtung ungebrochen in der Linie unserer Werksväter stehen. Wer darum anderes behauptet, sagt nicht die Wahrheit.

Besonders unserem Seminarleiter, Dr. Hempelmann, gelten die Angriffe der letzten Zeit. Dabei werden ihm Dinge vorgeworfen, die frei erfunden sind – so eine Verbindung mit einer adventistischen Universität oder eine Veröffentlichung spekulativer Art zum Thema „Biblische Überlieferung“. Weder das eine noch das andere gibt es – keine Verbindung und keine Veröffentlichung solchen Inhalts. Gerade Dr. Hempelmann steht in vorbildlicher Weise zur Heiligen Schrift als normativer Vorgabe für unser ganzes Leben und Handeln. Wir danken allen unseren Freunden, die sich durch anders lautende Informationen nicht irritieren lassen, sondern sich sachkundig machen. Bitte wenden Sie sich direkt an die Liebenzeller Mission und sehen Sie die Quellen ein, die für eine eigene Prüfung vorliegen. Und noch eine Bitte: Lesen Sie kritisch, auch was christliche Medien veröffentlichen. Denn es ist so leicht, auch Freunde auseinander zu bringen durch unwahre Verlautbarungen.

Herzlichen Dank, dass Sie sich im Vertrauen zu unserem Werk nicht beirren lassen.

Wolfsberger sagte also, es gäbe keine Zusammenarbeit mit einer adventistischen Universität und es gäbe keine bibelkritischen Veröffentlichungen von Dr. Heinzpeter Hempelmann. Aber in Idea-Spektrum Nr. 16/2000 stand folgender Bericht zu lesen – und zwar einige Wochen vor Hanspeter Wolfsbergers Ausführungen:

Bibelschulabsolventen können ab Oktober ihre theologische Ausbildung durch ein Seelsorgestudium ergänzen und dadurch den Hochschulabschluß eines „Magister Artium“ (MA) erwerben. Er bedeutet dieselbe wissenschaftliche Qualifikation wie ein Staatsexamen oder ein Diplom und berechtigt beispielsweise zur Promotion an jeder deutschen Universität. Angeboten wird der neue Studiengang vom Freudenstädter „Institut für Psychologie und Seelsorge“ (IPS) in Zusammenarbeit mit der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Theologischen Hochschule Friedensau bei Magdeburg (diese steht unter adventistischer Trägerschaft! d. Verf.). Leiter des Instituts ist der Psychotherapeut Prof. Michael Dieterich, auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Biblisch-Therapeutische Seelsorge (DGBTS) … Dozenten sind außer Dieterich unter anderem der evangelische Theologieprofessor Michael Herbst (Greifswald) und der Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, Heinzpeter Hempelmann.

Friedensau, wo Hempelmann doziert, ist unbestritten eine adventistische Gründung und Einrichtung. Warum wird dies im Liebenzeller Rundbrief verschwiegen? Und auch der von Mark Dannlowski in seinem Idea-Leserbrief (Nr. 18/2000) zitierte bibelkritische „Aufsatz“ von Heinzpeter Hempelmann existiert. Es handelt sich dabei allerdings um einen maschinenschriftlich getippten und vervielfältigten Vortrag Hempelmanns vom Ende der 80er-Jahre, der meines Wissens nirgends abgedruckt wurde. Marc Dannlowski hat diesen in der wissenschaftlichen Bibliothek der Freien Theologischen Akademie Gießen gefunden. Der Vortrag liegt dem Verfasser vor und trägt die Überschrift: „Gott will, dass wir leben: Zur anthropologischen Bedeutung des Dekalogs“. Nur einige wenige Zitate daraus, zuerst von Seite 5:

Wir können nun im Alten Testament zwei große Überlieferungen der Thora unterscheiden; in der alttestamentlichen Wissenschaft spricht man von der des Deuteronomiums und der der Priesterschrift.

Diese Auffassung begründet Hempelmann mit einem Zitat des Tübinger Alttestamentlers Hartmut Gese, dem der zustimmt:

Das Deuteronomium entsteht in Juda in den Jahren völliger Vasalität (sic) gegenüber Assur mitten im 7. Jh. Es geht hervor aus den großen Umbrüchen, die die assyrische Überwältigung im letzten Drittel des 8. Jh. hervorrief und die in ihrer Bedeutung den Katastrophen zu Beginn des 6. Jh. nicht nachstehen.[5]

Hempelmann selber fährt – weiterhin an Geses[6] historisch-kritische „traditionsgeschichtliche“ Sicht anknüpfend – auf Seite 6 und 7 seines Vortrags fort:

Das Deuteronomium versteht das „Gesetz als Lebensordnung der Glaubensgemeinde Israels“, die Priesterschrift … versteht es als „Ordnung der Begegnung Israels mit der Heiligkeit Jahwes“. „Das Deuteronomium entsteht aus der Erfahrung der Bedrohung, die Priesterschrift aus der Bewährung in der Katastrophe. Das Deuteronomium entsteht in der Sammlung der Tradition in Juda, die Priesterschrift im Neuaufbau der Tradition im Exil.“ … Wir können eine nächste … die sapientale oder weisheitliche Entwicklungsstufe erkennen. Die priesterschriftliche Auffassung der Thora als Abbildung einer Seinsordnung (und nicht nur einer Handlungsordnung) steht dem weisheitlichen Denken sehr nahe.

Soweit Hempelmann ca. Mitte oder Ende der 80er-Jahre, wo er mit Gese von einer Entstehungszeit der Mosebücher einige Jahrhunderte nach Mose ausgeht (Ähnliches gilt nach dieser Sicht auch für die Entstehung anderer biblischer Schriften). Aus bibeltreuer Sicht ist dies abzulehnen. Auch wenn sich Hempelmann inzwischen in Veröffentlichungen vorsichtiger ausdrückt und von einer radikal-kritischen Sicht – Gott sei es gedankt – tatsächlich abgerückt zu sein scheint, so begegnen bibelkritische Elemente doch bei ihm immer wieder (s.u.).

Da sich die Kritik an CTL nicht wirklich widerlegen und zum Schweigen bringen ließ, ging der Liebenzeller Direktor Hanspeter Wolfsberger sogar so weit, eine Art evangelikale Pressezensur zu fordern. In der Liebenzeller Zeitschrift „Mission weltweit“ Nr. 4/2000 von Juli/ August 2000 führte er auf Seite 3 Folgendes aus:

Medien haben Macht. Sie können Menschen und Einrichtungen heben oder hinunterdrücken … Medien haben Macht. Gilt dies auch für christliche Medien? Können auch sie Einzelpersonen sowie ganze Kirchen und Werke stärken oder schädigen? … Dann wäre es allerdings Zeit, eine gruppenübergreifende Kontrollstelle für Reinhaltung der geistigen Luft unter uns zu schaffen, ein Prüfsiegel für anständige und faire Berichterstattung zu vergeben. Bevor Beziehungen endgültig am Boden liegen, bevor Vertrauen untereinander ramponiert ist und unser Zeugnis gegenüber der Welt endgültig nicht mehr greift.

Immer wieder wurde die „Bibeltreue“ von CTL und insbesondere die des Seminardirektors Hempelmann betont. Es gab inzwischen viele Veröffentlichungen hin und her.[7] Im Herbst 2001 spätestens ließ aber Hempelmann die Katze aus dem Sack, als er bei der Tagung der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA) am 23./24.11.2001 auf St. Chrischona bei Basel in einer offenen Diskussion mit Rektor Prof. Dr. Helge Stadelmann von der Freien Theologischen Gießen die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift und insbesondere die Bedeutung der (ersten) Chikago-Erklärung bezüglich der Bibeltreue bestritt. Hempelmann verteilte damals an die Anwesenden folgende, von ihm in seiner schwierigen philosophischen Sprache vorformulierten Fragen – offensichtlich als Zusammenfassung seiner „Hermeneutik der Demut“[8] (ich zitiere auszugsweise aus dem Verteilblatt):

Was heißt „bibeltreu“? Hermeneutik der Demut als Ansatz einer Gestalt und Anspruch der Bibel gemäßen Skriptologie …

1. Ist die Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Hl. Schrift bibeltreu genug? Vier Rückfragen:

a) Ist der die ChE (Chicago-Erklärung; d. Verf.) leitende Wahrheitsbegriff nicht rationalistisch bestimmt und insofern gerade nicht bibeltreu? …

b) Ist die Bestimmung der Schriftautorität in der ChE nicht unscharf und darum definitorisch: zum Zwecke der Abgrenzung, irrelevant? …

c) Impliziert die ChE nicht einen cartesianischen Urteilsstandpunkt, wenn sie sich in der Lage sieht, zu beurteilen, was in der Bibel Fehler sind und was nicht? …

d) Holt die ChE die Einsichten reformatorischer Schriftlehre und Hermeneutik ein? …

Die HdD (Hermeneutik der Demut, das Auslegungsprogramm Hempelmanns; d. Verf.) weist aber die Frage nach Irrtümern und Fehlern oder – logisch kongruent formuliert – die Theoriebildung über Irrtumslosigkeit und Fehlerlosigkeit der Bibel als nicht bibeltreu, weil der Bibel nicht gemäß ab.

Nach der KBA-Tagung 2001 stand im Liebenzeller „Geschwisterrundbrief“ Nr. 25 vom Dezember 2001 Folgendes aus der Feder des Liebenzeller Missionsdirektors Wolfsberger zu lesen:

Und das war auch noch: Im November hat Dr. Hempelmann die Liebenzeller Hermeneutik in einer Disputation in Chrischona vertreten – und er hat gewonnen. Die „Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten“ hat durch ihren Vorsitzenden öffentlich erklärt, dass unsere Stellung zur Bibel in ihren Reihen einen vollen, gültigen Platz hat. Und zwar aufgrund der Inhalte und ihrer Begründung! Nicht auf Grund von Duldung oder Menschenfreundlichkeit. – „Damit ist die Frage nach der ´Bibeltreue` Liebenzells gegessen“, wie Prof. Thomas Schirrmacher abschließend sagte. Der Bericht in idea (48-2001) gibt nicht annähernd wieder, was für ein Tag des Sieges – oder besser, der Rehabilitation – jener 23./24. November in Chrischona war.

Auf Anfrage hin teilte mir dagegen Prof. Dr. Helge Stadelmann am 30. Jan 2002 Folgendes mit:

… die Diskussion mit Hempelmann/Liebenzell wird natürlich weiter gehen müssen. Ich denke, dass Reinhard Möllers Beitrag in FUNDAMENTUM einen sachlichen und guten Einblick in den Gang der Diskussion während der KBA-Konferenz gibt. Die idea-Berichterstattung gefiel mir nicht so: 1. lag die Meldung Hempelmann zu ausführlicher Überarbeitung vor der Veröffentlichung vor, während mir nichts vorgelegt wurde … 2. wurde die Position von Hartwig Schnurr (der KBA-Vorsitzende; d. Verf.) in idea verzeichnet, worüber dieser sich zu Recht ärgerte. – Noch seltsamer mutet die Sieges- und Triumphmeldung von Direktor Wolfsberger im Liebenzeller Geschwisterrundbrief an. Ist das jetzt die ´Hermeneutik der Demut`? Jedenfalls wird die Mehrheit der Vertreter der KBA-Mitgliedsschulen (CTL einmal ausgenommen) mit einem völlig anderen Eindruck von St. Chrischona zurückgefahren sein, als Wolfsberger es werksintern zur allgemeinen Beruhigung vermeldet…

Ich halte es für einen Dammbruch, wenn ein Werk wie Liebenzell, das zur Irrtumslosigkeit der Schrift stand, diesen Bekenntnisstand verlässt …

Wir haben es in der KBA Hempelmann abgenommen, dass er von seiner Intention her jegliche Bibelkritik ausschließen will. Mit dieser betont vertretenen Intention passen aber die Realitäten in Liebenzell nicht zusammen (Scheurers Position zur Pentateuch- und Jesaja-Frage). Und auch im Blick auf seine eigenen früheren Äußerungen müsste Hempelmann um der Klarheit willen eine deutliche Distanzierung vornehmen. Sonst bleiben Fragen. Seine Kritik an der Chicago-Erklärung halten, abgesehen von den CTL-Schulen, wohl alle KBA-Mitgliedsschulen für unakzeptabel …

Reinhard Möller hatte in der Zeitschrift der STH Basel, Fundamentum Nr. 4/2001 (hier: S. 53 f.) u.a. Folgendes über die KBA-Konferenz berichtet:

Ein Schwerpunkt der Entgegnung Stadelmanns war die Zurückweisung der Behauptung, die ChE (Chicago-Erklärung; d. Verf.) stütze sich in ihrer Bezeugung der Irrtumslosigkeit der Schrift allein auf rationalistische Überlegungen. Demgegenüber wehrt sich die ChE gerade gegen eine Überordnung der Vernunft über die Offenbarung Gottes – und die ChE „ist bis heute das Beste, was wir haben!“ Auf Grund dieses eindeutigen und belegbaren Sachverhaltes musste Stadelmann die Argumentation Hempelmanns als „einigermaßen trickreich“ entschieden zurückweisen.

Um die Position Hempelmanns besser zu verstehen, um sie im Rahmen der KBA-Tagung zu klären, stellte Stadelmann ihm (Hempelmann; d. Verf.) dann folgende Fragen: Wenn die Hermeneutik der Demut unter Ausschluss der ChE „völlig bibeltreu“ sein will, „wie haltet ihr es dann mit Fragen im literarkritischen Bereich, wo gerade die Probleme in den USA begannen?“ Sind die paulinischen Briefe noch von Paulus? Wie steht es um Jesaja? Ist er der Verfasser des gleichnamigen Buches, wenn Liebenzell von der Einverfasserschaft des Jesaja spricht, zugleich aber auf den Kommentar von Dieter Schneider verweist, der dies leugnet?

Was nun die Position von Erich Scheurer, einem Alttestamentler am Liebenzeller Seminar, betrifft, sei auf Folgendes hingewiesen: Scheurers Doktor-Arbeit mit dem Titel: „Mission im Alten Testament“ (TVG Brunnen-Verlag Gießen 1996) rezipiert völlig unreflektiert und unkritisch die klassischen Schulmeinungen der Literarkritik der Wellhausen-Schule und der Formkritischen Schule Gunkels. Auch Noths These des Deuteronomistischen Geschichtswerks wird ungebrochen übernommen. Es finden sich überhaupt keine Ambitionen, bibeltreue Positionen überhaupt als Alternativen zu nennen. So liest man in Scheurers Dissertation zum Beispiel von einem „nachexilischen Deutero-Jesaja“ (S. 385 u.ö.), von einer „älteren Simsonüberlieferung“ (S. 355), von „vordeuteronomistischen Ammon-Orakeln“ in Amos 1 (S. 361), von einem „Deuteronomistischen Geschichtswerk“ (S. 380). Texte wie 2. Mose 15,11 sind für ihn „nachexilisch“. In der Datierung Daniels legt er sich nicht fest usw. Mit solchen Positionen befindet sich Scheurer nicht nur auf der historisch-kritischen Seite, sondern hinkt sogar der historisch-kritischen Forschung ca. 100 Jahre hinterher, die sich längst von solchen simplen Postitionen eines Gunkel oder Noth verabschiedet hat.[9]

Inzwischen – im Sommer 2001 – war eine ausführliche kritische Darstellung zur Theologie Hempelmanns und zu CTL erschienen: das Buch „An Bibeltreue nicht zu überbieten? Eine Stellungnahme zur Diskussion über die CTL-Seminare Chrischona, Tabor und Liebenzell“ von Reinhard Möller. Michael Hansel, Pastor der Immanuel Church, Los Angeles/USA, beschloss seine ausführliche Rezension dieses Buches in Bibel und Gemeinde Nr. 4/2001 (hier: S. 79) mit folgendem Ergebnis:

In Summa (S. 36) sagt der Verfasser, dass CTL und ihre Repräsentanten, Sprecher und auch Unterstützer gegen die Gemeinde Jesu arbeiten, die das Wort Gottes für irrtumslos hält und Gott für vollkommen. Buße sei der einzige Ausweg. Wenn es zu keiner bußfertigen Umkehr komme, müsse der Gemeinde Jesu Bescheid gesagt und sie zur gebotenen Tat angehalten werden (1Kor 5,13)! Ein Ältester war wachsam und hat informiert! Wir danken Pfarrer Möller dafür und empfehlen sein Buch als Lektüre zur eigenen Urteilsbildung.

In der Zwischenzeit hatten sich auch immer mehr Seminaristen[10] hilfesuchend an den Verfasser gewandt, besonders diejenigen, die von CTL-Seminaren entlassen worden waren. Unter diesen befand sich z.B Uwe Scholz aus Ditzingen. Dieser musste Anfang 2000 das Theologische Seminar Tabor verlassen. Er schrieb am 5. April 2000 an mich:

Vor kurzem bin ich vom „Theologischen Seminar Tabor“ kraft Leitungsbeschluß entlassen worden. Ich hatte im September vergangenen Jahres eine Ausbildung zum Prediger begonnen und recht bald gemerkt, was für weitreichende Veränderungen durch den CTL-Verbund in den Unterricht eingeflossen sind. Gegen bibelkritische Elemente habe ich mich gewehrt, ebenso gegen theologische Vorstellungen wie z.B. in der Frauenfrage. Eine weitere Beobachtung war, wie Methodik und Psychologie anstelle der Charismen des Geistes treten. Meine Kritik wurde im Hause „Tabor“ nicht mehr länger geduldet. Es gab ein paar bedrängende Gespräche, dann wurde der sofortige Abgang beschlossen. Es sind sehr unschöne Dinge abgelaufen, über die es viel zu erzählen gäbe.

Bevor ich gehen mußte, bin ich für eine Woche beurlaubt worden. Das war in der Zeit, als in Liebenzell die CTL-Tagung stattgefunden hat. Von Ihrem dortigen Traktateinsatz hörte ich leider nur kritische Stimmen. Die Antwort von „Tabor“ auf Ihren Brief unterstützte ich nicht. Denn Ihre Bemerkung zur Bibelkritik „… was von Lehrkräften entweder gelehrt oder offengelassen‘ wird“, ist richtig! …

Mit mir mußte übrigens auch ein weiterer Bruder das Seminar verlassen. Auch in vergangenen Zeiten unter der neuen Tabor-Leitung ist man gegen „unliebsame“ Brüder vorgegangen. Mit einem anderen treuen Bruder werden derzeit Gespräche geführt Diese Entwicklungen stimmen mich sehr bedenklich.[11]

Wo die Bibel nicht mehr als absolute Grundlage gilt, tritt die Mystik und treten andere Irrlehren an ihre Stelle. So hielt zum ersten Mal in der über 100-jährigen Geschichte der Liebenzeller Mission beim Pfingstmissionsfest 2001 eine Frau, Heidi Krause-Frische, die Hauptpredigt (man vgl. hierzu 1. Kor 14,33 ff.; 1. Tim 2,11 ff.!). Im Monbachtal bei Liebenzell wurde ein „Haus der Stille“ gebaut, in dem – wie sonst in der Römisch-Katholischen und Orthodoxen Kirche üblich – Tagzeitengebete stattfinden sollen. Dieses Haus sollte gemeinsam geleitet werden vom Liebenzeller Missionsdirektor, Pfarrer Hanspeter Wolfsberger, und einer Pfarrerin: Evelyn Hauser. Wolfsberger ist allerdings inzwischen als Direktor zurückgetreten und in den Gemeindepfarrdienst zurückgekehrt. In einer neu errichteten Kapelle im Monbachtal kann man vor einem Holzkreuz und einer Ikone knien (man vgl. hierzu 2. Mose 20,4!; vgl. Kap. 5.3). Dies hat manchen Widerspruch unter anderem von solchen Liebenzeller Missionaren hervorgerufen, die in katholisch geprägten Ländern eingesetzt sind. War früher Rockmusik auf dem Missionsberg verpönt, so finden sich heute Rockmusik, Show, Tanz, Lobpreisteams und Pantomime in den Räumen und Veranstaltungen der Liebenzeller Mission.

Trotz aller Warnungen und Proteste haben sich die Gremien der Liebenzeller Mission auf die Theologie von Dr. Heinzpeter Hempelmann festgelegt. Die Diskussion hat sich in den letzten Jahren – etwa durch die Publikation etlicher Bücher, Aufsätze und Zeitschriftenartikeln auf beiden Seiten[12] – immer weiter ausgedehnt, was einerseits zu begrüßen ist (hat man doch zunächst versucht, die Diskussion totzuschweigen; s.o.). Andererseits wurde sie so massiv in die Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten hineingetragen, dass sie diese zu spalten droht. Den Vertretern der absoluten Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel (z.B. Bibelschule Brake, Freie Theologische Akademie Gießen, Bibelcenter Breckerfeld, Studiengemeinschaft Wort und Wissen) stehen die Befürworter einer gemäßigten Bibelkritik à la Hempelmann (z.B. die CTL-Seminare) gegenüber. Im Moment der Drucklegung dieses Buches ist das Ergebnis dieser Diskussion noch nicht abzusehen. Doch gibt es meines Erachtens nur drei Möglichkeiten:

1. Die Seminare, die sich der gemäßigten Bibelkritik geöffnet haben, kehren – etwa durch die Anerkennung der ersten Chicago-Erklärung oder ein ähnlich klares Bekenntnis – zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift zurück. Dies wäre die erfreulichste Lösung.

2. Man einigt sich auf einen Mittelweg und verfasst ein Kompromisspapier. Dies würde aber zu einer unerträglichen Verwässerung der biblischen Klarheit führen und mehr schaden als nützen.

3. Es kommt zur Spaltung der KBA. Dies wäre zwar nicht wünschenswert, wäre aber um der biblischen Klarheit willen das kleinere Übel, falls die in Punkt 1 erwähnte Umkehr nicht eintritt.

(Inzwischen hat man sich leider für Möglichkeit 2 entschieden und sowohl die Chicago-Erklärung zur biblischen Irrtumslosigkeit als auch die gemäßigt-kritische „Hermeneutik der Demut“ in einem Kompromisspapier der KBA als „bibeltreu“ anerkannt – unbegreiflich!).

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass sich auch andere Werke im Pietismus und Evangelikalismus, etwa die württembergische Ludwig-Hofacker-Konferenz, der Gnadauer Verband und die Deutsche Evangelische Allianz, in die Diskussion über CTL eingeschaltet haben. Sie plädieren für Toleranz bezüglich CTL – und dulden damit die gemäßigte Bibelkritik in den Reihen der „Stillen im Lande“. So erklären sich auch viele der Entwicklungen, die ich in früheren Kapiteln kritisieren musste: Wo das klare Fundament fehlt oder „aufgeweicht“ wird, wird man mehr und mehr „für alles offen“. Die Bibelfrage ist die Entscheidungsfrage des Pietismus und jeder christlichen Strömung! Und hier sieht es zur Zeit nicht gut aus.

Als Beleg sei aus der Stellungnahme der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) vom März 2003 zum Thema „Fundamentalismus und Bibeltreue“ die betreffende Passage wiedergegeben (vgl. Idea-Spektrum Nr. 15/2003, S. 4):

Die DEA bekennt sich mit ihrer Glaubensbasis „zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung“ (die Irrtumslosigkeit in historischen, geographischen und naturwissenschaftlichen Fragen fehlt!; d. Verf.). Ehrfurcht vor und Liebe zur Bibel ist Voraussetzung evangelikaler Theologie. Deshalb gehören zur DEA selbstverständlich auch Christen und Einrichtungen, die die „Chicago Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift“ (1978) als Grundlage ihres Bibelverständnisses vertreten. Die Evangelische Allianz warnt aber davor, die Inspirationslehre der „Chicago Erklärung“ zum entscheidenden Maßstab der Bibeltreue zu erheben. Der Hauptvorstand wendet sich gegen Versuche, Theologen, Werke und theologische Zusammenschlüsse, die auf der Glaubensbasis der DEA arbeiten, als nicht mehr bibeltreu zu verdächtigen und auszugrenzen.

Darauf antwortete Rektor Dr. Helge Stadelmann im Rundbrief der Freien Theologischen Akademie Gießen vom April 2003 sehr treffend (vgl. auch die Meldung in Idea-Spektrum Nr. 17/2003, S. 12: „Wer bestimmt künftig über ´Bibeltreue`?“):

… Problematisch wird die Sache dann, wenn die Allianz die eigene Weite zum gültigen Maßstab für Bibeltreue erklärt und auf dieser Basis einseitig Partei ergreift in einer Diskussion, die innerhalb der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA) um die unveränderte Gültigkeit ihres Bibelbekenntnisses geführt wird. Der Hauptvorstand (der Allianz; d. Verf.) geht dabei von Folgendem aus: 1. Jeder, der im Rahmen der Allianz arbeitet, ist bibeltreu. 2. Die Chicago-Erklärung darf nicht als Maßstab für Bibeltreue gelten. 3. Die KBA darf in ihrer Mitte gegenüber Allianz-verbundenen Werken und Theologen die Frage nach der Bibeltreue nicht stellen, ohne unter Ausgrenzungsverdacht zu geraten.

Solch eine einseitige Kommentierung hat die KBA nicht verdient. Denn schon seit 40 Jahren bezeichnet sie sich als Zusammenschluss „bibeltreuer“ Ausbildungsstätten und hat von vornherein nur Mitglieder aufgenommen, die Bibelkritik in jeder Form ablehnen. Die Allianz versteht sich dagegen als einen breiteren Zusammenschluss von wiedergeborenen Christen und akzeptiert, dass sich manche in ihren Reihen zugleich zur Glaubensbasis der Allianz und zu historischer Bibelkritik in gemäßigter Form stellen. Letzteres hat die KBA immer abgelehnt. Nachträglich soll nun der KBA das Recht auf ein eigenes Verständnis von Bibeltreue genommen werden und statt dessen das Allianz-Spektrum zum Maßstab für Bibeltreue werden. Nicht beachtet wird, dass etwa der Gründer und langjährige Leiter der KBA, Direktor Heinrich Jochums, die Chicago-Erklärung uneingeschränkt vertreten hat und der spätere KBA-Vorsitzende und Gründungsrektor der FTA, Dr. Cleon Rogers, als Vertreter der KBA bei der Abfassung der Chicago-Erklärung 1978 zugegen war (Der feste Grund 2/1979, S. 30f). Übersehen wird auch, dass es bei dem Klärungsprozess innerhalb der KBA nicht um „verdächtigen und ausgrenzen“ geht, sondern um zweierlei: a) Kann die sog. Quellenscheidungstheorie in den Mosebüchern und die Deuterojesaja-Theorie als „bibeltreu“ gelten? und b), kann es angehen, dass der Direktor eines Theologischen Seminars innerhalb der KBA (gemeint ist Heinzpeter Hempelmann; d. Verf.) die Chicago-Erklärung öffentlich als nicht bibeltreu, vielmehr als von heidnisch-rationalistischer Philosophie bezeichnet, während diese in der Sache genau das zusammenfasst, was man innerhalb der KBA seit ihren Anfängen als „bibeltreu“ verstand?

6.4. Warnung auch vor „gemäßigter“ Bibelkritik

Bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts – kurz vor seinem Heimgang – warnte Friedrich Heitmüller, der frühere Vizepräses des Gnadauer Verbandes (vgl. Kap. 4.5.), eindringlich vor der gemäßigten Bibelkritik. Ihm soll in dieser Diskussion das letzte Wort gehören. Heitmüller schreibt:

Wir stehen vor dem Tatbestand, dass auch im Raum des Pietismus die „gemäßigte“ Bibelkritik ihren Eingang gehalten hat. Seit einiger Zeit wird auch hin und her in Predigerseminaren Bibelkritik getrieben, wenn auch nicht mit dem ehrfurchtslosen gott- und christusfeindlichen Radikalismus Bultmanns und seiner Schüler, so doch in der Verneinung der Inspiration der Bibel durch den Heiligen Geist und in der Bejahung der Notwendigkeit einer „zweifachen Buchführung“, das heißt, einer Unterscheidung zwischen zuverlässigen heilsgeschichtlichen Wahrheiten und unzuverlässigen, sich widersprechenden profangeschichtlichen (= naturkundlichen, geschichtlichen) und sonstigen Aussagen. Auch die „gemäßigte“ Bibelkritik spricht von „Irrtümern“ und „Widersprüchen“, die nun einmal zur „Knechtsgestalt“ der Bibel gehören sollen, und sie machen uns den Vorwurf, dass die Bibel für uns ein „papierener Papst“ sei, und dass wir das Wort des Apostels Paulus: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“ (2. Kor. 3, 6), offenbar nicht kennten. Sie wissen nicht, dass Paulus mit dem „Buchstaben“ nicht den Text des Alten und Neuen Testamentes, sondern das alttestamentliche Gesetz vom Sinai meint. Der Zeitpunkt für einen breitangelegten „Kirchenkampf um die Bibel“ dürfte verpaßt sein. Theologie und Kirchen sind schon zu stark durchsetzt und gelähmt von dem Gift der Bibelkritik, als dass sie noch zu einem rückhaltlosen Kampf für die Autorität der Bibel fähig wären.

So liegen heute die Dinge: Neben dem Haufen der „radikalen“ Bibelkritiker der Bultmann-Schule, die die Bibel wie ein Gebäude auf Abbruch behandeln, steht die lange und breite Front der „gemäßigten“ bibelkritischen Theologen und Pfarrer, die für die Gemeinde Jesu deshalb eine große Gefahr sind, weil sie durchweg die zentralen Wahrheiten der biblischen Botschaft, wie sie z. B. im Apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefaßt sind, bejahen und verkündigen. Aber es hilft alles nichts: auch sie untergraben und zerstören mit ihrer Bibelkritik das Vertrauen zu der vom Heiligen Geist inspirierten Offenbarung Gottes, wie sie uns im Bibelwort überliefert ist. Es liegt mir fern, ein absprechendes Urteil über ihren Glaubensstand und ihr Glaubensleben auszusprechen. Wer bin ich, dass ich das dürfte und könnte! Aber ich bedaure es außerordentlich, dass sie, die im Gegensatz zu den „Radikalen“ zu den „Getreuen“ und zu der „Rechten“ gehören wollen und auch gehören, in Verkennung der Inspirationstatsache der Heiligen Schrift, mehr oder weniger laut in den Chor derer einstimmen, die das Vertrauen zur ganzen Bibel untergraben, anstatt zu einem „vollen Vertrauen zur ganzen Bibel“ aufzurufen.[13]

 



[1] Ursprünglich beinhalteten die Begriffe „Unfehlbarkeit“ und „Irrtumslosigkeit“ das Gleiche, nämlich die absolute Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift auf allen Gebieten aufgrund ihrer vollkommenen göttlichen Inspiration. Erst die Diskussionen über die Glaubensgrundlagen am Fuller-Seminar/USA (vgl. Lindsell 1976, S. 27.112-121) führten zur Aufspaltung der Begriffe, wie sie heute nun üblich ist und um der Eindeutigkeit der Definitionen willen hier auch von mir verwendet wird.

[2] Vgl. hierzu auch die CTL-Dokumentation im Internet unter: http://home.t-online.de/home/logass/ctl-doku.htm

[3] Die Zitate in diesem Kapitel beginne und beende ich ohne Anführungszeichen, da der Text (Zitat im Zitat) sonst zu unübersichtlich würde. Sie sind jedoch durch den Kleindruck als Zitate erkennbar.

[4] Hempelmann/Dieterich/Schlaudraff 2000, S. 5 f.

[5] Vgl. Gese 1983, S. 63 (im Original bei Gese findet sich der Schreibfehler „Vasalität“ nicht).

[6] Vgl. zum Gesamten: Geses Aufsatz „Das Gesetz“, ebd., S. 55-84.

[7] Hervorzuheben ist z.B. die Stellungnahme der früheren Bultmannschülerin und emeritierten Professorin für Neues Testament Eta Linnemann, die sich aus bibeltreuer Sicht kritisch mit Hempelmann auseinandersetzte (vgl. ihren Aufsatz: „Unüberbietbar bibeltreu?“, in: Fundamentum, Nr. 1/2001, S. 33-40).

[8] H. Hempelmann, Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr. Grundsätze und Grundzüge einer Hermeneutik der Demut, Lahr 2000.

[9] Vgl. hierzu auch die kritische Analyse der Theologie Scheurers durch W. Hilbrands, in: Stadelmann 2002, S. 49-71.

[10] Bereits Anfang 2000 – noch vor meinem ersten kritischen Brief bezüglich CTL – hatten sich 15 Seminaristen des zweiten Studienjahres in Liebenzell mit einem kritischen Brief an die Leitung ihres Seminars gewandt und den bibelkritischen Kurs innerhalb ihres Ausbildungsangebots beanstandet (vgl. Topic Nr. 5/2000, S. 9; Möller 2001, S. 29). Aus der Mitte dieser Seminaristen kam die Bitte an mich, für sie meine Stimme zu erheben.

[11] Eine ausführliche Darstellung von Uwe Scholz über seine Erlebnisse in Tabor erschien in zwei Folgen in der Zeitschrift „Zeitruf“ Nr. 1 u. 2/2001 („Der Weg heutiger Bibelschulen. Abwärtstrend der CTL am Beispiel: ´Theol. Seminar Tabor`“).

[12] Bücher pro CTL: Hempelmann 2000 u. 2001. – Kritisch zu CTL: Möller 2001; Stadelmann 2002. – Vermittelnd: Schirrmacher 2001. – Vgl. die ausführliche Rezension dieser Bücher (außer Möller) durch Kotsch 2003.

[13] Heitmüller (1963), in: Jochums 2000, S. 75 ff.

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