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Evangelikale Correctness 1: Darf man Verführer in der Gemeinde nicht öffentlich angreifen?

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„Du darfst einen Verführer nicht öffentlich angreifen, wenn Du ihn nicht zuerst persönlich gesprochen und ermahnt hast!“

Oftmals wird uns Brüdern, die wir öffentlich gegen falsche Lehrtendenzen und Entwicklungen in der Gemeinde Stellung beziehen, dieser Vorwurf gemacht: „Hast Du, wie es Matthäus 18 sagt, Deinen Bruder zuerst unter vier Augen gesprochen? Wenn nicht, hast Du kein Recht, gegen ihn vor anderen etwas zu sagen!“ Nun, eine solches „Gesetz“ würde in der Tat die allermeiste Aufklärungsarbeit zunichte machen. Die betroffenen Brüder müßten viel Zeit und Geld investieren, um vor jedem Artikel womöglich in die USA zu fliegen und sich um ein persönliches Gespräch mit Rick Warren, Robert Schuller oder Max Lucado zu bemühen, bevor sie ein Wort über gewisse Entwicklungen sagen dürften. Aber ist der Hinweis auf Matthäus 18 wirklich berechtigt? Dort lesen wir:

Matthäus 18, 15-17
Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner.

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Es geht also hier darum, daß ein echter Gläubiger an mir persönlich gesündigt hat. Dann sollte ich diesen biblischen Weg einschlagen, bevor ich seine Sünde öffentlich mache. Doch wenn jemand in der Gemeinde als Lehrer oder Prophet auftritt und öffentlich Dinge verkündigt, dann liegt hier eine ganz andere Situation vor. Wenn es sich dabei um Irrtümer, schädliche Lehren oder gar verderbliche Irrlehren handelt, dann bin ich berechtigt und verpflichtet, dies genauso öffentlich zu widerlegen und richtigzustellen.

Das sehen wir sogar in bezug auf den Apostel Petrus, als er in Antiochia den falschen Lehren der Judaisten nachgab. Der Apostel Paulus wies seinen Mitapostel öffentlich, „vor allen“ zurecht (vgl. Gal 2,11-14). Gegenüber Timotheus gibt er die wichtige Anweisung, daß ein Ältester, der sündigte, „vor allen“ zurechtgewiesen werden sollte – wenn die Verfehlung öffentlich ist und viele beeinflußt, dann muß es auch die Zurechtweisung sein, damit der Schaden geheilt werden kann! (1Tim 5,20-21). Wenn dies schon für irrende Brüder gilt, wieviel mehr für Irrlehrer und Verführer, die die Gemeinde Gottes verderben wollen! Hier ist der Apostel Paulus sehr klar und scharf, wie wir immer wieder sehen (vgl. z. B. 2Kor 11,3-15; Gal 1,6-10; Gal 5,7-12; 2Tim 2,16-18; 2Tim 3,1-9).

„Du darfst keine Namen nennen, wenn Du Verführungsströmungen angreifst!“

Auch das ist ein scheinmoralisches, humanistisches Gebot, das der biblischen Wächterdienst erschweren oder gar unmöglich machen würde. Das Problem ist ja, daß Verführer nicht offen und aufrichtig über ihre Absichten informieren. Sie schleichen sich unbemerkt in die Reihen der Gläubigen ein (Judas 4; Gal 2,4), und ihre Arbeit tun sie im Verborgenen. Wenn man ihre Namen nicht nennen dürfte, könnten sie ihr Werk unerkannt tun und viele schädigen und verführen. Wenn man dagegen ihre Namen samt ihren Werken aufdeckt, dann sind die Gläubigen gewarnt und können sich dagegen rüsten.

Epheser 5, 10-13; 2. Korinther 4, 2
Prüft also, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf; denn was heimlich von ihnen getan wird, ist schändlich auch nur zu sagen. Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Lichtsondern wir lehnen die schändlichen Heimlichkeiten ab; wir gehen nicht mit Hinterlist um und fälschen auch nicht das Wort Gottes; sondern indem wir die Wahrheit offenbar machen, empfehlen wir uns jedem menschlichen Gewissen vor dem Angesicht Gottes.

Wir sehen bei dem Apostel Paulus, wie er in einigen Fällen Irrlehrer und falsche Christen beim Namen nennt: Hymenäus und Alexander (1Tim 1,19-20); Phygellus und Hermogenes (2Tim 1,15); Hymenäus und Philetus (2Tim 2,16-18); Alexander der Schmied (2Tim 4,14-15). Auch wir dürfen und müssen Leute beim Namen nennen, die in der Gemeinde verführerisch und zerstörerisch wirken. Das gilt in bestimmten Fällen auch für irrende Brüder, wie wir am Beispiel des Petrus oben gesehen haben.

„Du mußt immer zuerst das Gute hervorheben, das ein Verführer an sich hat, bevor Du etwas Negatives über ihn sagst!“

Hier wird etwas unzulässig verallgemeinert, was wir an den Sendschreiben des erhöhten Herrn in Offenbarung 2 bis 3 beobachten. Dort redet der Herr mit den Sendboten („Engeln“) der verschiedenen Gemeinden sehr ernst und zugleich liebevoll. Tatsächlich können wir sehen, daß er bei den meisten Sendschreiben (Ausnahme: Laodicäa!) zuerst das Lobenswerte der entsprechenden Gemeinde betont, bevor er das erwähnt, was zu tadeln ist. Ähnliches können wir in manchen Briefen des Apostels Paulus an Gemeinden beobachten, etwa in 1. Korinther 1, im Philipper- und Kolosserbrief. In anderen Briefen aber, besonders im Galaterbrief, finden wir dieses Muster nicht, und wir finden nirgends ein entsprechendes allgemeines Gebot.

Wenn diese Regel auch eine gewisse Bedeutung im Umgang mit wahren Gläubigen hat, so ist doch von der biblischen Lehre her ganz deutlich, daß das nicht für die Auseinandersetzung mit Irrlehrern und Verführern gilt. Falsche Propheten, falsche Lehrer und falsche Apostel sind nach der Lehre der Bibel nämlich keine Brüder, keine echten Kinder Gottes, sondern Werkzeuge des Teufels, die unter Gottes Gericht stehen. Genauso behandeln sie auch die Apostel und Diener des Herrn:

Matthäus 7, 22.23; Apostelgeschichte 8, 20-23; 2. Korinther 11, 13-15
Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen! … Petrus aber sprach zu ihm [Simon dem Zauberer]: Dein Geld fahre mit dir ins Verderben, weil du meinst, die Gabe Gottes mit Geld erwerben zu können! Du hast weder Anteil noch Erbe an diesem Wort; denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott! So tue nun Buße über diese deine Bosheit und bitte Gott, ob dir die Tücke deines Herzens vielleicht vergeben werden mag; denn ich sehe, daß du in bitterer Galle steckst und in Fesseln der Ungerechtigkeit! … Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die sich als Apostel des Christus verkleiden. Und das ist nicht verwunderlich, denn der Satan selbst verkleidet sich als ein Engel des Lichts. Es ist also nichts Besonderes, wenn auch seine Diener sich verkleiden als Diener der Gerechtigkeit; aber ihr Ende wird ihren Werken entsprechend sein.

Die Beispiele könnten noch vermehrt werden. Ein Irrlehrer, eine Verführungsströmung hat nichts „Gutes“, „Lobenswertes“ an sich; wir dürfen gar nicht irgendwelche „Vorzüge“ an solchen Leuten suchen, sonst führen wir noch die Gläubigen in die irre und fördern das böse Geschäft der Betrüger. Deshalb ist es auch falsch, wenn manche Brüder Abhandlungen schreiben, in denen etwa „Zehn Stärken und zehn Schwächen der Charismatischen Bewegung“ aufgelistet werden. Eine Verführungsbewegung hat keine „Stärken“; man kann auch nicht sagen, es sei eine „Stärke“, wenn die Charismatiker viel beten oder „evangelisieren“, denn sie tun dies in schwarmgeistiger Weise. Genausowenig kann man sagen, es sei eine Stärke oder etwas Lobenswertes an den Zeugen Jehovas, daß sie so eifrig „evangelisieren“, denn sie verbreiten ein falsches Evangelium!

Wir handeln dagegen durchaus biblisch und geistlich, wenn wir sachlich und nüchtern, klar und scharf herausstellen, wie verderblich die Irrlehren solcher Leute sind. Das schließt jegliche fleischliche Überspitzung oder persönliche Polemik unter der Gürtellinie aus; so etwas ist des Herrn nicht würdig. Wir müssen in der Auseinandersetzung mit Irrlehrern beachten, was das Wort Gottes uns dazu sagt:

Titus 1, 7-11; 2, 7-8
Denn ein Aufseher muß untadelig sein als ein Haushalter Gottes, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht der Trunkenheit ergeben, nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern gastfreundlich, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, beherrscht; einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht, damit er imstande ist, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen. Denn es gibt viele widerspenstige und leere Schwätzer und Verführer, besonders die aus der Beschneidung. Denen muß man den Mund stopfen, denn sie bringen ganze Häuser durcheinander mit ihrem ungehörigen Lehren um schändlichen Gewinnes willen. (…) In allem mache dich selbst zu einem Vorbild guter Werke. In der Lehre erweise Unverfälschtheit, würdigen Ernst, Unverderbtheit, gesunde, untadelige Rede, damit der Gegner beschämt wird, weil er nichts Schlechtes über euch sagen kann.

Was die Überzeugung irregeführter Gläubiger angeht, so haben wir auch hier eine beherzigenswerte Anweisung im Wort:

2. Timotheus 2, 23-26
Die törichten und unverständigen Streitfragen aber weise zurück, da du weißt, daß sie nur Streit erzeugen. Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen.

Im Gegensatz zu den selbstauferlegten Gesetzen der „evangelikalen Correctness“ sind die Anweisungen der Bibel geistlich und weise, sie unterscheiden zwischen irrenden Gotteskindern und Verführern; sie sind eine wertvolle Hilfe in dem so nötigen Kampf um den überlieferten Glauben, während die humanistischen Menschengebote diesen nur hindern und blockieren.

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