Quo vadis Christival?

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Die Masse tobt. Sie feiern Jesus … Eine regelrechte Jesus-Euphorie überzieht die Region. Alle sind begeistert – alle, außer Jesus! Der räumt lieber schleunigst das Feld, weil er von diesem Fankult überhaupt nichts hält.

Nemo / Pixabay

Diesen Ausführungen von Klaus Göttler, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Jugendkongresses „Christival“, der im Oktober 2002 in Kassel stattfinden soll, kann ich von Herzen zustimmen. Er schreibt diese Sätze in der Christival-Zeitung Nr. 2 (Seite 3), die im März 2002 in 300.000 Exemplaren gedruckt wurde und zur Zeit landauf landab als Anmeldeexemplar in Kirchen und Gemeinden verteilt wird.

Leider aber stimmen viele weitere Ausführungen und Veranstaltungshinweise in dieser Zeitung überhaupt nicht mit diesen Sätzen überein. Liest man insbesondere die Hinweise zu den für die Abende geplanten „Festivals“ (auch die morgendlichen Bibelarbeiten heißen jetzt „Bibelfeste“! – siehe Seite 6 und 7), dann gewinnt man doch den Eindruck, dass es hier eher um eine Party als um die Anbetung des heiligen GOTTES und Seines Sohnes JESUS CHRISTUS geht. Hierzu einige Beispiele aus der Christival-Zeitung:

Wenn es Nacht wird, ist mit Christival noch lange nicht Schluss. Mit ‚Stille Nacht, Schrille Nacht’ und ‚Heilige Nacht’ legen wir die Nachtschicht ein … Das ultimative Angebot: Kultur, Kleinkunst, Gottesdienst, Worship, chill out, Nachtschwimmen, Party bis zum Abwinken lassen jede Nacht zum unvergesslichen Erlebnis werden“ (Seite 7). „Schwimmbad-Festival: Crazy Music und cooler Talk, nasse Action und krasse Effekte … ohne dass du nasse Füße bekommst – also, pack die Badehose ein! (Seite 9).

Jesus Dance Experience: Die Dance- und Hip-Hop-Party mit Jesus im Mittelpunkt. Mit Jesus Party machen, sich von ihm begeistern lassen: Dieses Festival bringt dich in Bewegung. Heiße Beats und fette Styles sorgen für den passenden Rahmen. ›Jesus first‹ heisst hier: Jesus bestimmt den Groove dieser Party und lädt dich ein, den passenden Grundrhythmus für dein Leben zu finden (Seite 9).

Welcome to Showbiz … Man nehme 100 % ‚echte Stars’, einen Hauch ‚Glamour’, eine Tasse ‚Games’, eine Prise ‚Action’ und würzt dieses spannungsgeladene Gemisch mit den nötigen VIPs und Promis. Und fertig ist das Feuerwerk der Unterhaltung: Das Christival-Showbiz-Festival! (Seite 9).

Laugh-Parade. Das Festival für alle, die es lieben zu lachen! Humor, Witz und Spaß ohne Pause … Dabei sind: Jesus Christus, Arno Backhaus, Die Misteln, David Kadel, Stefan Schneider, Katharina Brudereck, Torsten Hebel und andere!“ (Seite 9).

Unter den Seminaren finden sich – neben vielen guten Angeboten! – auch solche:

S 402: update-Freizeitprogramme: Schon mal im ‚Harry-Potter-Stil’ gefreizeitet? Bravo-Hits verandachtet? Oder ein Evangelium versoapt? Ideen von gestern und morgen. – S 403: Hip-Hop-Tanzworkshop. – S 409: Christsein und Kampfsport mit Jesus Christus als Priorität im Leben. Wir lernen Möglichkeiten vom Kampfsport kennen… (Seite 14).

Diese Beispiele zeigen, dass die Grenzen zur Welt, ja sogar zum Okkultismus („Harry Potter“, „Kampfsport“, ekstatisierende okkulte Musik) und zur Gotteslästerung (z. B. „Laugh-Parade“ mit Jesus als „Teilnehmer“!) in christlichen Kreisen längst überschritten sind. Die Sprache, in die hier die Einladung zum Evangelium verpackt ist, stellt weit mehr als nur eine Geschmacklosigkeit dar – sie ist äußerer Ausdruck der inneren geistlichen Verflachung und Verarmung vieler christlicher Kreise! Ich sage dies mit großer Trauer, denn ich hatte mich bisher auch zu den Evangelikalen gezählt und in früheren Jahren selber beim Christival mitgewirkt, ohne freilich alle Entwicklungen mittragen zu können. Ja, es stimmt mich traurig, dass offensichtlich immer mehr Menschen im evangelikalen Bereich im Begriff stehen, jede Ehrfurcht vor GOTT zu verlieren und das Heilige auf eine zeitgeistige und für ernsthafte Christen anstößige Ebene herunterzuziehen…….

Der grundlegende Schaden jedoch, der zu solchen Auswüchsen führt, liegt im Zurücktreten der Bibel zugunsten von Happening, Show, Psychologie und Politik. Über folgende Fragen bitte ich alle Veranstalter und Mitwirkenden bei Christival nachzudenken: Ist JESUS CHRISTUS ein Unterhaltungsgegenstand – oder der heilige und unbefleckte Sohn GOTTES? Sind Themen wie „Sünde“, „Buße“ und „Kreuz“ Dinge, die in ein Unterhaltungsprogramm passen – oder besteht hier nicht ein unvereinbarer Widerspruch? Können und dürfen wir GOTT mit ekstatisierenden Techno- und Hip-Hop-Rhythmen loben, die Menschen für dämonische Mächte öffnen – oder aber mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern (Kolosser 3,16). Evangelikale – wohin?

Die Unterscheidung, die Dr. A. W. Tozer bereits vor vielen Jahren im Blick auf „das alte und das neue Kreuz“ vornahm, trifft in geradezu prophetischer Weise auf die heutige Entwicklung zu. Tozer schreibt:

Gänzlich unbemerkt ist in unserer modernen Zeit ein neues Kreuz in viele gläubige Kreise eingedrungen … Das alte Kreuz hat nichts mit der Welt zu schaffen. Für Adams stolzes Fleisch bedeutet es den Tod … Das neue Kreuz steht nicht im Gegensatz zur Welt. Es ist eigentlich ein freundlicher Kumpan und, wenn man recht versteht, die Quelle guter, sauberer Unterhaltungen und unschuldiger Vergnügen. Es lässt den Menschen unbehelligt leben. Seine Lebensmotive sind unverändert geblieben. Er lebt noch immer zu seinem eigenen Vergnügen, nur dass er jetzt christliche Lieder singt und sich religiöse Filme ansieht, anstatt anstößige Lieder zu singen oder stark alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Die Betonung liegt noch immer auf Vergnügen, obwohl es nun einen moralisch höheren Standard, wenn nicht gar einen intellektuellen erreicht hat.

Und Tozer folgert, an die Adresse der Verkündiger gerichtet:

Die Verkündigung, die zwischen dem Weg Gottes und dem der Menschen freundliche Parallelen zieht, ist von der Sicht der Bibel aus gesehen falsch und ein grausames Vergehen an den Herzen derer, die zuhören. Der Glaube CHRISTI verläuft nicht parallel mit der Welt, sondern durchtrennt sie. Wenn wir zu CHRISTUS kommen, bringen wir unser altes Leben nicht auf eine höhere Ebene, sondern lassen es am Kreuz. Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben.

Wir, die wir das Evangelium predigen, müssen uns nicht als öffentliche Vermittler vorkommen, die gesandt wurden, um zwischen CHRISTUS und der Welt ein gutes Einvernehmen herzustellen. Wir dürfen uns nicht einbilden, es sei unsere Aufgabe, CHRISTUS dem Fortschritt, der öffentlichen Meinung, dem Sport oder der modernen Bildung anzupassen. Wir sind keine Diplomaten, sondern Propheten, und unsere Botschaft ist kein Kompromiss, sondern ein Entweder-Oder.

Können wir heute auf diese warnende Stimme noch hören?

(Quelle: Informationsbrief der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium”, Nr. 212 (Juni 2002), S. 19 f.)

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