Hamartiologie

Sieg über die Sünde

Bewertung

Kolosser 3, 1 - 5
Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, unser Leben, offenbar werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht, die Götzendienst ist…

Zerrissen zwischen ihrem ernsthaften Begehren dem Herrn zu dienen und Ihn zu ehren und dem inneren Aufruhr fleischlicher Lüste sowie dem verführerischen Zug weltlicher Freuden und Ehren, mühen sich viele Christen ab, für Christus zu leben. Für sie beinhaltet Christentum große Anstrengungen, wenig Freude, viel Frustration und Ernüchterung, und der Verlust (wenn sie genügend Willenskraft haben, sich zu verleugnen) von so vielem, was sie einst im Leben genossen haben. Sie ringen damit, Paulus‘ Liste der Dinge, „die man nicht tut“ zu vermeiden:

Kolosser 3, 5 - 8
Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht, die Götzendienst ist… Jetzt aber legt auch ihr das alles ab – Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, hässliche Redensarten aus eurem Mund.

Weil sie wiederholt versagen, tun sie reuevoll Buße und zerbrechen sich den Kopf über ihre Unfähigkeit zu leben, wie sie sollten – aber anscheinend nicht können.

Es ergeht ihnen nicht besser mit Paulus Liste der „Dinge, die zu tun sind“, die danach folgt (V 12-25);

Kolosser 3, 5 - 8
So zieht nun an als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Langmut; ertragt einander und vergebt einander… [zieht] die Liebe [an]…. Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen…. Und was immer ihr tut in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn…

Ist es wirklich möglich, allezeit freundlich, gütig, demütig, liebend und vergebend zu sein? Der Geist ist willig, aber das Fleisch erweist sich immer als peinlich schwach. Wie kann man diesem hohen Standard, den die Bibel für das christliche Leben setzt, gerecht werden? Übersehen wir ein Geheimnis? Die beiden Schlüsselworte „tötet“ …und „zieht nun an“… vergrößern nur die Verwirrung und den Sinn für das Versagen. Ist es wirklich möglich, gottlose Begierden „zu töten“ und jenen Leib des Todes sozusagen abzuwerfen, um in einem Auferstehungsleib der Frömmigkeit gekleidet zu werden? Gewiss verhöhnt uns Paulus, geführt vom Heiligen Geist, nicht mit Zielen, die nicht erreicht werden können und die überhaupt nicht praktisch sind. War er nicht selbst ein Beispiel dieser Lebensweise, und sagte er nicht mehr als einmal,

1. Korinther 4, 16; 11, 1
Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich [Nachahmer] des CHRISTUS bin

Warum also versagen wir? Woher kommt die Motivation und die Stärke zu vollbringen, was zugleich so wünschenswert ist und doch scheinbar so unmöglich?

Viele erkennen die Bedeutung eines kleinen Wortes nicht, das sowohl in Vers 5 wie 12 vorkommt. Es beinhaltet die Antwort auf unser Dilemma. Paulus sagt nicht, „Tötet eure Glieder“ und „So zieht an… herzliches Erbarmen….“ Das würde uns eine „do-it-yourself“ Religion aufbürden, wo wir die Zähne zusammenbeißen und uns abmühen müssen, ein Leben mit hohen moralischen Standards zu führen – nicht anders als der Versuch von Atheisten und Buddhisten. Das ist kein Christentum. Paulus sagte sorgfältig und treffend, „Tötet deshalb…“ und „So zieht nun an…“ „Therefore“ – „deshalb“ („daher“, „nun“) bezieht sich auf etwas, wovon Paulus überzeugt ist, dass es den Christen die Motivation und Macht gibt zu tun, was er gebietet und die Christen über das unmögliche Ringen des Fleisches erhebt, das versucht, ein frommes Leben zu führen. Es ist, daher, des Christen Geheimnis für ein glückliches, fruchtbares und heiliges Leben, das Gott gefällt.

Das Töten der alten Taten und das Anziehen der neuen ist nur möglich, da die vorhergehenden Verse erklären, „denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem CHRISTUS in GOTT“ (Kolosser 3,3). Über die Anhänger Buddhas, Mohammeds, Krishnas und andere kann man das sicher nicht sagen. Das Christentum ist dadurch einzigartig und getrennt von allen Religionen. Hierin liegt die geheime Dynamik des christlichen Lebens. Warum also erfährt nicht jeder Christ diese Macht im täglichen Leben? Leider haben viele, die sich als Christen bezeichnen, ein sehr oberflächliches Verständnis vom Evangelium, das sie behaupten, angenommen zu haben: „dass Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften, und dass er begraben worden ist und dass er auferstanden ist am dritten Tag…“ (1 Kor 15,3.4).

Für viele, die glauben, dass Christus für ihre Sünden starb, ist dieses Ereignis eher mystisch als historisch. Der schreckliche Tod am Kreuz ist etwas, das Christus geschah. Für sie aber ist das nur eine theoretische und nicht so sehr praktische Verbindung. Sie haben ein so fehlerhaftes Verständnis, was Christi Tod bedeutet, dass sie gar keine wahren Christen sind. Sie haben sich vorgestellt, der Tod Christi an ihrer Stelle habe sie von ihrer verdienten ewigen Bestrafung in der Hölle erlöst, so dass sie, wie Barabbas, leben könnten, wie es ihnen gefiel. Sie haben nie begehrt, worin sich Paulus erfreute:

Galater 2, 20
Ich bin mit CHRISTUS gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich [selbst], sondern CHRISTUS lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn GOTTES, Der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat

Paulus äußerte keine inspirierende, aber leere Binsenweisheit. Für diesen großen Apostel war das Kreuz nicht einfach ein religiöses Symbol, sondern der Ort, wo er dem Leben gestorben war, wie er es leben würde, und angefangen hat, das wahre Leben Christi zu erfahren, das in ihm gelebt wurde. Er wusste, dass Christus Auferstehungsleben schenkt; deshalb können es nur jene erfahren, die gestorben sind. Voll Staunen, Verwunderung und tiefer Dankbarkeit begriff er, dass Christus in der Tat seine Stelle vor einem gerechten heiligen Gott eingenommen hatte – und dass Gott Christus hingerichtet hatte für seine (Paulus) Sünden. Deshalb war Paulus ein toter Mann. Christi Tod an seiner Stelle war buchstäblich sein eigener Tod, und er freute sich an dieser Tatsache. Wenn er danach Leben erfahren würde, musste es der auferstandene Christus sein, der in ihm lebt.

Die Verwandlung in Paulus war zugleich bemerkenswert, doch nicht überraschend. Auf die verführerischste Versuchung, die sich Satan ausdenken kann, reagiert kein Toter. Beleidige einen Toten ins Angesicht, und er wird nicht wütend zurückschlagen. Als toter Mensch erfuhr Paulus eine neue Freiheit von Sünde, die er zuvor nie gekannt hatte. Doch obwohl er tot war, war Paulus lebendiger denn je: „Ich bin mit CHRISTUS gekreuzigt; und nun lebe ich.“ Tot der Sünde, war er durch Christus für Gott am Leben. Für Paulus war es so wirklich, als ob Christus selbst in ihm lebte – und in der Tat, Er lebte in ihm! Christus wurde sein wirkliches Leben – und darum geht es, sagt Paulus, im Christentum überhaupt.

Paulus erinnerte die Heiligen von Kolossä, der Sieg über Sünde und Selbst sei nicht durch Willenskraft und fleischliches Bemühen möglich. Wahrer Sieg konnte nur durch Verständnis und Glauben dessen, was Christi Tod für ihre Sünden und Auferstehung zu ihrer Rechtfertigung wirklich bedeutete, kommen. Paulus erklärte, dies sei das Geheimnis seiner eigenen, vollständigen Umwandlung – und so müsse es bei ihnen sein.

Aber wie konnte Christi, Tod, Beerdigung und Auferstehung für sie so wirklich sein wie für Paulus – so wirklich, dass ihr Leben total verändert würde? Paulus erklärte: Sie müssen glauben, Christus komme jeden Moment, um sie in den Himmel aufzunehmen, wonach sie mit Ihm in Herrlichkeit erscheinen würden. Die Hoffnung auf Christi unmittelbar bevorstehende Rückkehr macht den Unterschied aus zwischen Sieg und Niederlage im christlichen Leben!

Diese Hoffnung ist eindeutig der Schlüssel zu siegreichem Leben. Beachte nochmal Paulus überwältigende Erklärung:

Kolosser 3, 1.2
Wenn der CHRISTUS, unser Leben, offenbar werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. Tötet daher….

Das war eine so lebendige Hoffnung mit so gewissem Zustandekommen, dass Paulus dieses Kapitel mit der Aussage begann:

Kolosser 3, 1.2
Wenn ihr nun mit CHRISTUS auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo der CHRISTUS ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist

Darin liegt das Geheimnis des gottgefälligen Lebens, das Paulus selbst lebte und von den Kolossern ebenso erwartete. Sie sollten so himmlisch orientiert sein, dass die Dinge dieser Erde keinen Reiz für sie und somit keine Macht über sie haben würden.

Auch sollte diese Orientierung weg von der Erde zum Himmel keine bloß „Gesinnung“ sein, die sie ohne wirkliche Grundlage angenommen hatten. Es war kein „positives Wunschdenken“, sondern Wahrheit, die ihr Leben ändern würde. Durch das Kreuz Christi wurden Christen der Welt gekreuzigt und die Welt ist ihnen gekreuzigt, wie Paulus fest verkündet hatte (Galater 6,14). Ein Mensch, der soeben tot vom Kreuz abgenommen wurde, hat an dieser Welt kein Interesse, noch hat sie Ansprüche an ihn. Die gekreuzigte Person und die, die sie kreuzigten, haben nichts weiter miteinander zu tun. So ist es mit dem Christ und der Welt durch das Kreuz des Christus. Der bösartige Hass, den diese Welt auf Christus hat, und ihre unvereinbare Feindseligkeit gegen alles, wofür Er steht, wurden in ihrer Ablehnung und Kreuzigung unseres Herrn voll bloßgestellt. Christus verkündete, die Welt würde uns hassen und verfolgen wie Ihn (Johannes 15,18-20; 16,2; 17,14). Durch Sein Kreuz sind wir genauso gewiss von dieser Welt abgetrennt, wie Ihm dies geschah.

Der Tod beendete nicht alles. Christus stieg triumphierend aus dem Grab und dann hinauf zur rechten Hand des Vaters im Himmel. Überdies kommt Er in Macht und Herrlichkeit wieder, um die, die Ihn abgelehnt haben, zu richten und an ihnen Rache zu nehmen – und wir, die sich Ihm in Seiner Zurückweisung und Tod gleichgesetzt haben, werden an Seinem Triumph und Herrlichkeit teilhaben. Auch liegt das Zweite Kommen nicht in so weiter Zukunft, dass es für uns heute keine praktische Bedeutung hat. Im Gegenteil, es könnte heute stattfinden. Die herrliche Erfüllung der Hoffnung, welche das Evangelium in unseren Herzen erweckt hat, könnte jeden Moment unvermutet auf uns treffen. Dadurch dringt die Ewigkeit in die Gegenwart ein und bringt den Christen dazu, nicht länger von dieser Welt zu sein.

Hört Paulus es noch mal sagen; „Denn ihr seid tot und euer Leben ist mit Christus in Gott verborgen.“ Zuzustimmen, tot zu sein und willens, dass Christus ihr Leben ist, war nicht nur die Basis für den Sieg der Kolosser, sondern die wesentliche Bedeutung des Evangeliums, das sie annehmen mussten. Sonst konnte es keine Rettung geben. Ohne das wären sie wie Barabbas, dankbar, dass Christus an ihrer Stelle gestorben war, aber irrigerweise annehmend, sie seien „gerettet“ worden, um für das „Ich“ zu leben. Sollten sie nicht willens sein, Christi Tod als ihren wirklich eigenen anzuerkennen und das Leben aufzugeben, das sie gelebt hätten, so dass Christus ihr Leben werden konnte, dann konnten sie nicht den Sieg über Sünde und Ich erfahren, den Paulus predigte. Tatsächlich hätten sie überhaupt nicht der Evangeliums Botschaft zugestimmt!

Und was machte die Tatsache ihres Todes, Begräbnisses und Auferstehung mit Christus zur dynamischen Kraft, die ihr Leben veränderte? Es war diese Verheißung: „Wenn der Christus, unser Leben, offenbar werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“ Sobald diese Wahrheit ihre Herzen ergriffen hatte, so dass sie täglich Sein „Erscheinen“ erwarteten und erhofften, war Christi Tod und Auferstehung jetzt so wirklich für sie, dass sie in neue Personen verwandelt wurden. Als solche galt für sie, so Paulus, „sucht das, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ Möge jeder von uns diese Aufforderung von ganzem Herzen verfolgen.

Lasst uns sorgfältig und enthusiastisch „das suchen, was droben ist, wo der CHRISTUS ist, sitzend zur Rechten GOTTES.“ Lasst uns „nach dem trachten, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“ Warum?

Philipper 3, 20.21
Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, so dass er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann

Preis GOTT!

Quelle: The Berean Call 08-2015, zuletzt publiziert: Oktober 2006

Bildnachweis:
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Herzlichen Dank an Praise Poster

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