Wie ökumenefähig sind die Baptisten?

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Heiligenstadt (idea) – Auf Widerspruch ist Kritik des Theologieprofessors Kim Strübind (Oldenburg) am Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) gestoßen.

Unter der Überschrift „Abschied von der Placebo-Kirche“ hatte Strübind Ende vergangenen Jahres in seiner „Zeitschrift für Theologie und Gemeinde“ einen Aufsatz veröffentlicht, in der er den Baptisten Unfähigkeit zur Ökumene vorwirft. Außerdem kündigte er seinen Übertritt von der Freikirche zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg an. Hintergrund sind unterschiedliche Ansichten über Gemeindemitgliedschaft und Taufe. Baptisten lehnen die Kindertaufe als unbiblisch ab und praktizieren stattdessen die Taufe von Jugendlichen und Erwachsenen, wenn diese sich persönlich zu Jesus Christus bekennen. Ein als Kind getaufter Christ, der der Freikirche beitreten will, muss sich nochmals – nach baptistischer Überzeugung erstmals – taufen lassen. Strübind hält eine Anerkennung der Säuglingstaufe durch die Baptisten für möglich, während er die Nichtanerkennung als

„groben Verstoß gegen die Einheit der Christenheit im Glauben“

betrachtet. Für den Theologen ist der deutsche Baptismus

„meist nicht mehr als eine Versammlung rituell getaufter Spießbürger, die einen kruden Biblizismus mit theologischer Bildung verwechselt.“

Mit den Themen Glaube, Taufe und Mitgliedschaft wird sich das Parlament der Freikirche, der Bundesrat, auf seiner Tagung vom 17. bis 19. Mai beschäftigen.

Ökumenische Grundregeln verletzt

Im Vorfeld weist ein ehemals führender Baptist den Vorwurf zurück, die Freikirche sei nicht ökumenefähig. In einem Offenen Brief wirft Pastor i.R. Günter Wieske (Heiligenstadt/Fränkische Schweiz) Strübind vor, ökumenische Grundregeln zu verletzen, insbesondere den Respekt vor anderen Kirchen und der theologischen Basis des Ökumenischen Rates der Kirchen. Wieske – vor seinem Ruhestand Referent für Heimatmission der Freikirche – arbeitete in Leitungsgremien der deutschen und norwegischen Baptisten, der Europäischen Baptistenföderation und des Baptistischen Weltbundes sowie in der Ökumenischen Centrale in Frankfurt am Main mit. Bei keiner ökumenischen Arbeitstagung habe er „eine derart verachtende Sprache“ wie in Strübinds Aufsatz erlebt, schreibt Wieske. Dass Strübind Baptisten als „Taufsekte“ bezeichne, sei „eindeutig pseudo-ökumenischer Fundamentalismus“, bei dem ein Mensch über den Glauben anderer herrschen wolle. Die ökumenische Gesinnung der Baptisten zeige sich auch darin, dass sie bei der Gründung der Evangelischen Allianz 1846 mitgewirkt hätten.

Kaum Christen in der Volkskirche

Wieske hinterfragt auch Strübinds beabsichtigtem Wechsel zur oldenburgischen Landeskirche. Dort gingen nach eigener Statistik nur 2,6 Prozent der Kirchenmitglieder sonntags zum Gottesdienst. Das bedeute, dass 97 von 100 Mitgliedern nicht als Christen bezeichnet werden könnten. Die meisten von ihnen seien als Säuglinge ohne Glauben, Wissen und Bekennen getauft worden.

„Unser Bruder, Kritiker der Baptisten, geht in eine Volkskirche, die einen gewaltigen Reformationsbedarf in sich trägt,“

so Wieske. Es gebe keinen Grund, sich von einer angeblichen „Placebo-Kirche“ zu verabschieden.

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Ein Gedanke zu „Wie ökumenefähig sind die Baptisten?

  1. Herr Strübind ist mutig und er hat sogar Recht, wenn er von „Täufersekte“ spricht. Der fundamentalistische Moment der Freikirchenanhänger beginnt genau in dem Augenblick, in welchem versucht wird, zwischen wahren und falschen Christen zu selektieren. („Nur 2 Prozent gehen Sonntags zur Kirche, der Rest sind keine Christen“) Nur Sie wissen also, wann man echter Christ ist!?
    Wenn man Mitglied der „Täufer“ wird, ist man nicht gleich unter anderen Christen, sondern man ist vor allem Mitglied einer im soziologischen Sinne gesehen „Sekte“. Alle reden dort gleich („Jesus annehmen, dem Herrn das Leben überschreiben…“) Wir alle wissen, dass es mehr als schwer ist, im Alltag christlich zu leben, wer kann das schon? Ist man erst einmal Mitglied werden ausschließlich Kontakte in die Gruppe gepflegt, das wird dann mit „Christsein“ erklärt, in Wahrheit aber ist es Mitgliedschaft in einer „Täufersekte“. Der Kontakt zu anderen wird erschwert und in Folge unmöglich, weil man es überall mit nicht Bekehrten zu tun hat. Dann werden Spenden gezahlt, um anerkannt ud heimisch zu werden. Die Mitgliedschaft in der „Täufersekte“ wird zu einer Art „Lebensversicherung“ für viele arme Menschen, die vielleicht und oft sonst niemanden mehr haben…Emotionaler Missbrauch geschieht, wenn Gefühle und Defizite der Hilfesuchenden ausgenutzt werden, um „Jesu wirken“ beweisen zu wollen (Drogenabhängige, Alkoholkranke u.a.) In Wahrheit waren es die Menschen , die sich missionarsisch zeigten und aber auch damit emotional erpressten. „Jetzt bist du geheilt, Jesus war es!“ In Wirklichkeit waren es aber die „helfenden verbalen Praktiken“ der Freikirchler, die eben anders sind als die der Landeskirchler.

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