Ekklesiologie

Die Gemeinde und das Geld

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Begründung der Ausarbeitung

geralt / Pixabay
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Jeder, der sich in der christlichen oder kirchlichen Szene bewegt, hört sehr viel zum Thema „Geld”. Seltener in Form einer Bibellehre, viel öfter in Form von Appellen, Geld zu geben. Diese Aufrufe erfolgen manchmal in einer geradezu fordernden Art, oftmals sogar „maßlos”, weil im wörtlich gesprochenen Sinn verlangt wird, „alles” zu geben. Viele kleine und große Gemeindeveranstaltungen werden am Anfang oder am Ende durch Einschübe unterbrochen, die man vielleicht am treffendsten als „Opferpredigten” bezeichnen könnte und die in keinem erkennbaren Sachzusammenhang zum eigentlichen Thema der Versammlung stehen. So sehr sich auch die religiösen Gemeinschaften unterscheiden mögen – die „Opferpredigten” stimmen weitgehend überein. Es wird darauf hingewiesen, dass nun gleich Gelegenheit sein wird (wie großzügig), Geld zu geben. Gleich anschließend wird erwähnt, daß dies eine besondere Chance sei, dafür eine Belohnung von GOTT durch reichlichen Segen zu empfangen. Auch auf die sich daraus ergebende Konsequenz wird sogleich verwiesen: Viel Geben = viel Segen, wenig Geben = wenig Segen. Um nun auch diejenigen zu motivieren, die bislang eigentlich recht zufrieden mit dem Segen sind, den sie schon empfangen, folgt danach sehr oft der Hinweis, daß es ganz allgemein Ungehorsam gegen GOTT sei, (jetzt und hier) nicht zu geben. Auch die Wortspielerei mit der Gleichsetzung der Aufforderung „Geb(e)t” mit dem Wort „Gebet” wird gern verwendet. Manche Opferprediger schließen ihre Ansprache mit dem Verlangen, nicht an persönlichen Vornahmen oder biblischen Vorgaben, beispielsweise dem „Zehnten” festzuhalten, sondern „viel mehr” zu geben. Und dann stehen sogleich eifrige Helfer bereit, die den Erwartungen entsprechend große Behälter – üblich geworden sind 5-Liter-Eimer – durch die Reihen reichen. Bei mehrtägigen Veranstaltungen oder schnellen Zählmannschaften wird manches Mal dann zum Schluss der Veranstaltung noch angemerkt, ob die Erwartungsvorgabe des Opferpredigers erreicht oder verpasst wurde – nicht selten gefolgt von einer zweiten Sammlung.

Auch bei der Anmeldung zu Seminaren oder Konferenzen haben die Teilnehmenden durchaus keine Sicherheit, dass mit der Veranstaltungsgebühr tatsächlich die Kosten gedeckt sind. Zumindest erwecken die Kollektenaufrufe, die im Rahmen der Konferenz erfolgen, den Eindruck, daß die für die Anmeldung gezahlten Beträge eigentlich fast ohne Bedeutung sind. Es scheint, daß erst die nun aktuell vorgenommene Sammlung geeignet sei, die von den Veranstaltern vorgestreckten Kosten zu decken, weshalb mit einer Selbstverständlichkeit entsprechend namhafte Beträge angemahnt werden – üblicherweise mit einer der beschriebenen „Opferpredigten”.

Aufgrund von – meist gemeindeinternen – Rundschreiben entsteht zudem manchmal der Eindruck, dass es zumindest beim Geld eine große Übereinstimmung zwischen freien Gemeinden und den Landeskirchen gibt. Die schwierige Finanzlage der Landeskirchen aufgrund schwindender Mitgliedszahlen und damit weiter rückläufiger Kirchensteuer- einnahmen ist allgemein bekannt, die Reaktionen auf die Misere lassen Phantasie erkennen, die man sich an anderen Stellen wohl schon lange gewünscht hätte. Aber auch Freikirchen sind offenbar nicht frei von Geldsorgen und stabile Mitgliederzahlen sind noch keine Garantie für stabile Einkünfte in Höhe des erwarteten „Gemeindezehnten”. So stehen in der Konsequenz auch viele freie Gemeinschaften die Notwendigkeit für sich, mit Zahlungsaufrufen an ihre Mitglieder heranzutreten – Tendenz zunehmend, wie bei den Landeskirchen.

Als schlechtes Beispiel soll hier eine Pfingstgemeinde dienen. Es wurde eine Prognose erstellt, wie stark das Wachstum der Gemeinde in den nächsten Jahren sein wird – und dementsprechend auch die finanziellen Einnahmen („Gemeindezehnter”, „Opfer” usw.) Aufgrund der erwarteten Einnahmen wurden entsprechende Projekte in die Wege geleitet.. Die Wachstums-Prognose hatte sich allerdings nicht bestätigt und dementsprechend schlecht sieht die finanzielle Situation des Vereins aus. Der Pastor wurde übrigens in die „Wüste geschickt”, pardon „versetzt”.

Auf der anderen Seite gibt es inzwischen einen großen Markt in der christlichen Szene. Bücher, Vortragscassetten (Audio und Video) und die gesamte Musiklandschaft wecken mit millionen- schweren Jahresumsätzen Träume, Visionen und vielleicht auch Begehrlichkeiten. Mancherorts präsentiert sich der Erfolg des Gemeinde- wachstums mit dem Bau großer und teurer Gemeindezentren. Selbstverständlich ist bei all dem das Geld der Gemeindemitglieder und der Christen überhaupt von zentraler Bedeutung. Diese Situation, dieser Millionenumsatz, scheint ein Schwerpunkt zu sein.

Darf man Gemeinden kritisch betrachten?

Es ist nicht nur erlaubt, sondern gefordert. Christen sind aufgerufen, gerade die handlungsweisen der Geschwister im HERRN zu beurteilen. So werden wir durch Paulus ermahnt, Streitigkeiten untereinander innerhalb der Gemeinde zu regeln, statt sie vor weltliche Gerichte zu tragen:

1. Korinther 6, 2.5
Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun durch euch die Welt gerichtet werden soll, seid ihr dann unwürdig, über die allergeringsten Dinge zu entscheiden? … Zur Beschämung sage ich’s euch: demnach ist also nicht ein einziger Sachverständiger unter euch, der ein unparteiisches Urteil fällen könnte für seinen Bruder…

Explizit sind also diejenigen zum Urteilen gerufen, die nicht zum prominenten Kreis der Gemeinde gehören.

Dabei handelt es sich bei der Frage nach Handlungsweisen ganzer Gemeinden nicht nur um etwas, das erlaubt ist. Vor allem geht es hier nicht nur darum, persönliche Auseinandersetzungen zu entscheiden:

Matthäus 7, 15.16
Hütet euch aber vor den falschen Propheten … An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen…

Es geht um viel mehr, nämlich um das Erkennen von Irrlehre und von Irrwegen, denen letztlich immer eines gemeinsam ist: Sie führen von JESUS weg. Es ist unverzichtbar, darüber zu urteilen und vielleicht auch auf Missstände hinzuweisen, um nicht einfach am Rande zu stehen, zuzusehen und damit selbst schuldig zu werden.

Sehr wichtig ist, zwischen dem Beurteilen von Reden und Taten und dem Richten von Personen zu unterscheiden. Selbstverständlich gilt die Ermahnung JESU genauso:

Lukas 6, 37
Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet; verurteilet nicht, so werdet ihr nicht verurteilt; sprechet los, so werdet ihr losgesprochen werden

Auch wenn bestimmte Handlungen als Irrweg bezeichnet werden müssen, gibt das niemandem das Recht, die handelnde Person oder Gemeinde zu verurteilen und schon gar nicht, sich über diese zu erheben.

Lukas 6, 41
Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber, der in deinem eigenen Auge ist, nimmst du nicht wahr?

Aus diesem Grund werden hier keine namentlichen Beispiele aufgeführt. Es geht weder darum, bestimmte Gemeinschaften, Organisationen oder Vereine anzuprangern, noch darum, fruchtlose Diskussionen um Einzelfälle auszulösen. Die nähere Beschäftigung mit GOTTES Wort zeigt aber, dass sich die eingangs geschilderte Praxis von der Wahrheit entfernt hat und das hier gefährliche Tendenzen festzustellen sind. Aus einem Abweichen von GOTTES Willen kann nichts Gutes entstehen, vielmehr wird es unvermeidlich zu Problemen führen; für einzelne ebenso wie für Gemeinden, intern genauso wie in der Betrachtung durch Nichtchristen. Christen sind aufgerufen, leuchtendes Vorbild und das Salz der Erde zu sein – da darf es keine Bereiche des Gemeindelebens geben, über die man besser nicht spricht. Etwas ganz anderes wird von JESUS gefordert:

Matthäus 5, 16
Also lasset euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.

Kann man ein “Opfer” einsammeln?

Ein Opfer ist, wie das Gebet, die natürliche Hinwendung des Menschen zu GOTT; ein Zeichen der persönlichen Hingabe und des Vertrauens auf GOTTES Gnade in dem Bewusstsein, daß das Geopferte nicht fehlen wird. Das hebräische Wort für „Opfer” („korban”) bedeutet „sich nähern”, „heranbringen” und bezeichnet dasjenige, was GOTT herzugebracht oder geopfert wird.  Dieser (allerdings selten verwendete) Begriff bezieht sich auf die gesetzlichen Bestimmungen der Priesterthora. Häufiger wird im AT das Oper durch die Art der Darbringung (Schlach-, Brand-, Schuld-, Sündopfer) oder der Opfergaben (Speis- und Ernteopfer) näher bezeichnet.

Dadurch wird das Opfer zum Zeichen der Anerkennung GOTTES als dem wirklichen HERRN – auch des eigenen Lebens -, das sich Ihm im Gehorsam unterordnet. Daraus ergibt sich, daß Opfer erforderlich sind, solange die Menschen nicht in Heiligkeit direkt mit GOTT zusammenleben, dass an Opfer besondere Anforderungen gestellt sind und das die Darbringung auch im richtigen Bewusstsein erfolgen muss.

Entscheidend ist, dass ein Opfer im glaubenden Gehorsam gegeben wird:

Hebräer 11, 4; 1. Samuel 15, 22
Durch Glauben brachte Abel Gott ein vorzüglicheres Opfer dar als Kain, durch welches er Zeugnis erlangte, daß er gerecht war, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben … Und Samuel sprach zu Saul: Hat Jahwe Lust an Brandopfern und Schlachtopfern, wie daran, daß man der Stimme Jahwes gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder.

Im Garten Eden, als Adam und Eva direkt bei GOTT lebten, opferten sie nicht. Aber bereits die ersten Söhne von Adam und Eva, Kain und Abel, opferten – und erlebten bereits, dass die innere Haltung dabei von entscheidender Wichtigkeit ist, woraufhin der Neid zum ersten Mord führte. Die ersten, in 1. Mose 4,3.4 erwähnten Opfer Kains und Abels waren Speiseopfer (hebr. „mincha”). Nachdem Noah die Arche verlassen hatte, baute er einen Altar und opferte. Das Oper Noahs war ein Brandopfer (hebr. „ola”, 1. Mose 8,20), worauf GOTT mit Noah und seinen Nachkommen den „Regenbogenbund” schloß. Abraham bewies seinen Gehorsam GOTT gegenüber durch seine besondere Opferbereitschaft (1. Mose 22) und das war sicherlich das bedeutungsvollste Opfer der alten Zeit. Als Jakob sich auf den Weg nach Ägypten machte, opferte er in Beerscheba, worauf eine wegweisende Veheißung GOTTES folgte (1. Mose 46,1ff.). Das Volk Israel erhielt genaue Anweisungen für die Opfer und schließlich kam die Erlösung aller Menschen durch das größte Opfer, das überhaupt denkbar ist: durch JESUS CHRISTUS selbst. Auch nach diesem entscheidenden Opfer ist das Opfern nicht aufgehoben, aber es hat sich aufgrund dessen grundlegend verändert. Daher bekommt der Gedanke des Opfers im NT eine völlig neue Dimension. An die Stelle der Darbringung von Opfergaben tritt die Hingabe des Christen selbst an GOTT – ein Opfer, das vom HEILIGEN GEIST erfüllten Menschen kann deshalb ein Opfer genannt werden, weil es für GOTT getan und ihm wohlgefällig ist. Paulus erklärt dies:

Römer 12, 1
Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist.

Diese Art des persönlichen Opfers ist erst seit der Erlösungstat CHRISTI möglich, denn erst seither können Menschen durch JESUS ein reines, heiliges Opfer sein, also die Anforderung der Bibel an Opfer erfüllen – alle Opfertiere mussten ohne Fehler sein (3. Mose 1ff.). Durch das Opfer CHRISTI ist also das Opfern von Tieren aufgehoben, nicht aber das Opfern selbst. Es ist vielmehr erst durch Ihn in der eigentlich geforderten und angemessenen Weise ermöglicht worden, weil Menschen dadurch zur Erfüllung ihrer Bestimmung gelangen und keinen Ersatz mehr brauchen (Hebräer 9 + 10).

Das Opfer ist also eine Gabe, die direkt an GOTT gegeben wird. Ihm allein steht es zu, ein Opfer einzufordern. Ohne aufrichtige Demut, GOTT gegenüber, wird jedes Opfer nichtig. Nun heißt es aber, dass durch JESUS CHRISTUS das ersatzweise Opfern von Tieren und Erträgen des Feldes aufgehört hat. Wenn nun trotzdem versucht wird, „ein Opfer” einzusammeln, bedeutet dieses Ansinnen dann nicht, das Opfer CHRISTI einzuschränken oder zu leugnen? Und mehr noch: Wenn Menschen nach CHRISTI erlösendem Opfer weiterhin „Ersatzopfer” für GOTT fordern, führt dies direkt auf einen Irrweg, weg von GOTT. Denn ein Mensch soll sich selbst als lebendiges, heiliges Opfer hingeben (vgl. Römer 12). Ein anderes Opfer gibt es seit der Erlösung in JESUS CHRISTUS nicht mehr. Von dieser Forderung, GOTT wohlgefällig zu sein, kann sich niemand „loskaufen”, indem er irgendwelche Geldbeträge spendet. Es gibt jetzt ausschließlich das Opfer des eigenen Lebens, und auch dieses wird im Vertrauen auf GOTTES Gnade dargebracht – denn Er verheißt dafür das ewige Leben. Dazu gibt es keine Alternative. Was soll Gutes dabei entstehen, wenn Menschen mit der Behauptung in die Irre geführt werden, man wolle ein „Opfer einsammeln”? Das kann allein GOTT, der HERR!

Das Handeln des vom HEILIGEN GEIST erfüllten Menschen wird deshalb als Opfer bezeichnet, weil es für GOTT getan und ihm wohlgefällig ist:

1. Petrus 2, 5
…ein heiliges Priestertum, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, GOTT wohlannehmlich durch JESUM CHRISTUM

Wie solche Opfer aussehen können, zeigt z. B. Paulus in Phil. 2,17 (vgl. 4,18), wo er beschreibt, wie er sich für den Glauben der Philipper opfert, jedoch tiefe Freude dabei erfhährt. Auch die Heidenchristen, die durch die Evangeliums- verkündigung zum Gehorsam des Glaubens kommen, sieht Paulus als ein Opfer,

Römer 15, 16
auf dass das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist

Mit dem Blick auf die „zukünftige Stadt” (Hebr. 13,14) ermahnt der Hebräerbrief zu konkreten geistlichen Opfern:

Hebräer 13, 15.16
Durch ihn nun laßt uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Des Wohltuns aber und Mitteilens vergesset nicht, denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.

Die Almosen

Es ist ein altes, unmodern erscheinendes Wort, das man nur noch selten hört. Der Begriff „Almosen” stammt aus dem Griechischen („eleaemosynae”) und bedeutet „Erbarmen”. Aber gerade das Geben von Almosen ist eine geistliche Tat, die dementsprechend auch an Voraussetzungen gebunden und mit großartigen Verheißungen versehen ist.

Schon das AT, besonders das mosaische Gesetz, weist das atl. Gottesvolk auf die Pflicht, den Armen wohl zu tun (3. Mose 19,9ff.). Das Almosengeben war eine besondere Bestätigung der Barmherzigkeit in Gestalt von Gaben, die oft in kleinen unverzinslichen Anleihen bestanden (3. Mose 25,35ff.; 5. Mose 15,7ff). Das wurde mit der Zeit vielfach zu einem äußerlichen Ausweis der Gerechtigkeit (vgl. Matth. 6,1). Zu den guten Werken gehörte das Beten, das Fasten und das Almosengeben. Im späteren Judentum waren „Gerechtigkeit” und Almosengeben nahezu gleichbedeutend (vgl. Dazu auch Daniel 4,24).

Falsche Ansichten über das Almosengeben

Almosen zu spenden betrachteten die Juden mit der Zeit als ein persönliches Verdienst, kraft dessen angeblich sogar für Sünden Sühne geleistet werden konnte. Der barmherzigen Gabe wird in den Apokryphen (die nicht zur Bibel gehören und viele Irrlehren enthalten) sündentilgende und errettende Kraft zugeschrieben (Tobias 4,11; 12,9; Sir. 3,33). Auf diese Stellen in den Apokryphen stützt sich die Häresie der römischen Kirche.

In Sprüche heißt es:

Sprüche 11, 4
Vermögen nützt nichts am Tage des Zornes, aber Gerechtigkeit errettet vom Tode,

erklärte man im Sinne des Talmuds folgendermaßen:

Wasser löscht lodernde Flammen aus; ebenso bewirken Almosen Sühne für Sünden (The Jewish Encyclopedia, 1976, Bd. I, S. 435).

Als der HERR JESUS auf der Erde war, machten offenbar einige aus dem Geben eine Zurschaustellung, was ihn dazu bewog, ein solches Verhalten in der Bergpredigt zu verurteilen (Matth. 6,2-4).

Almosen im Neuen Testament

Zur Zeit JESU war Betteln und Almosengeben eine gewöhnliche Erscheinung (Matth. 6,1ff; Mk. 10,46; Joh. 9,8; Apg. 3,2). Man sammelte durch Herumgehen von Haus zu Haus für die Armen des Ortes. Drei Leute gingen dazu alle Tage mit einem großen Brotkorb durch die Stadt. Überdies war in jeder Synagoge ein Armenkasten, an dem zwei Männer, Parnasim genannt, die Almosen einnahmen. Am folgenden Sabbat teilten drei Männer diese Gaben unter die Armen für die folgende Woche aus.

Auch das NT ermuntert, die Hand dem Armen nicht zu verschließen, ohne eine Verdienstlichkeit im Sinne der Selbstgerechtigkeit damit zu verbinden (vgl. 1. Joh. 3,17; Lk. 3,11; 6,30; 11,41; 12,33). Hier sind freiwillige Gaben selbstverständlicher Ausdruck brüderlicher Liebe und der Verbindung mit dem HERRN (vgl. Apg. 10,31 u.a.). Paulus hält es mit Recht für schlecht, müßiggängerische Bettelei durch Almosen zu unterstützen (2. Thess. 3,10). Christen werden ermuntert, gastfreundlich zu sein und mit anderen zu teilen. Darüber hinaus wird jedoch auf folgendes hingewiesen: die Versogrung der Glieder der eigenen Familie und die Unterstützung bedürftiger Brüder (Röm. 12,13; 1. Tim. 5,4.8; Jak. 2,15.16; 1. Joh. 3,17; 2,1-4). Wie der HERR zeigte, unterscheiden sich die „Schafe” von den „Böcken” dadruch, daß sie den „geringsten dieser meiner Brüder” Gutes tun (Matth. 25,31-46). Doch tun sie dies nicht aus rein philantropischen Gründen, sondern weil sie die Stellung der Nachfolger CHRISTI anerkennen (Matth. 10,40-42).

Damit der Gebende wirklich glücklich sein kann, muß er ohne Murren geben und darf nicht widerwillig oder aus Zwang handeln.

2. Kor. 9,7; vgl. auch Apg. 20,35; 1. Petr. 4,9
Ein jeder, wie er sich in seinem Herzen vorsetzt: nicht mit Verdruss oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat GOTT lieb.

Eingangs habe ich erwähnt, dass Almosen mit großartigen Verheißungen versehen sind. Almosen werden zum Schatz im Himmel und weisen den Weg zur Vollkommenheit:

Matthäus 19, 21
Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so gehe hin, verkaufe deine Habe und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach

Auch im Bericht über den Hauptmann Kornelius ist die Bedeutung des Almosengebens im Angesicht GOTTES dargestellt, obgleich er dabei selbst im Reichtum lebte und bei weitem nicht alles weggegeben hatte:

Apostelgeschichte 10, 2-4
(Der Hauptmann Kornelius war) fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Hause, der dem Volke viele Almosen gab und allezeit zu GOTT betete, sah in einem Gesicht ungefähr um die neunte Stunde des Tages offenbarlich, wie ein Engel GOTTES zu ihm hereinkam und zu ihm sagte: Kornelius! Er aber sah ihn unverwandt an und wurde von Furcht erfüllt und sagte: Was ist, Herr? Er sprach aber zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedächtnis vor GOTT.

Auf dem Geben von Almosen liegt Segen. Sie können sowohl an einzelne Menschen gegeben werden wie an Gemeinden. Aber auch Almosen gelten nicht ohne Demut vor GOTT. Der reiche Jüngling war ja bereits bemüht, GOTTES Geboten gehorsam zu sein, aber er wollte mehr – daraufhin riet JESUS ihm, Almosen zu geben, soviel er konnte. Hauptmann Kornelius war geottesfürchtig, seine Almosen und Gebete waren vor GOTT gekommen. Das Geben von Almosen hat geistliche Macht, aber es ist eine Angelegenheit zwischen GOTT und den gebenden Menschen, es ist nichts, was Menschen einzufordern hätten. Von solchem Ansinnen steht in der ganzen Bibel nichts.

JESUS lehrt aber sehr deutlich darüber, wie Almosen richtig gegeben werden:

Matthäus 6, 1-4
Habet acht, daß ihr euer Almosen nicht gebet vor den Menschen, um von ihnen gesehen zu werden; wenn aber nicht, so habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Straßen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du Almosen gibst, so laß deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut; damit dein Almosen im Verborgenen sei, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten

Wie schön wäre es, wenn Gemeindeleitungen es denjenigen, für die sie vor GOTT verantwortlich sind, wieder ermöglichen würden, Almosen im Verborgenen zu geben. Wie gibt man im Verborgenen in einen durch die Reihen gereichten Eimer? Wie hält man verborgen, ob man gibt oder nicht, ob es klappert oder raschelt? Gibt es bei diesem Geben, besonders im Rahmen der eigenen Gemeinde, wirklich keinen Gedanken daran, was wohl die Sitznachbarn denken (würden)? Kann das ein Almosengeben in der Art sein, die JESUS lehrt?

Der “Zehnte”

Es wird geradezu als Selbstverständlichkeit betrachtet und dementsprechend eingefordert, daß Mitglieder von freien Gemeinden 10 % ihres Einkommens an ihre Gemeinde geben. Die jeweiligen Gemeindeleitungen berufen sich darauf, daß die Gemeinde geistliche Nachfolgerin des israelischen Tempels sei und das Volk Israel ebenfalls von GOTT aufgerufen wurde, dafür den Zehnten vom gesamten Ertrag zu geben. Auch für das Geben des Zehnten wird GOTTES Segen versprochen; als Bonmot kursiert die Antwort eines Predigers auf die Frage, ob man den Zehnten vom Brutto- oder vom Nettoeinkommen geben müsse: „Willst du von GOTT brutto oder netto gesegnet werden?”

Tatsächlich aber lohnt es sich, der Frage nach dem Zehnten in der Bibel nachzugehen, um die Berechtigung der Forderung nach dem „Gemeindezehnten” zu prüfen.

Vor dem Bericht über die Schließung des Gesetzesbundes ist in der Bibel zweimal vom Entrichten des Zehnten an GOTT bzw. an seinen Vertreter die Rede. Der erste Fall betrifft Abraham, der Melchisedek den zehnten dessen gab, was er bei seinem Sieg über Kedorlaomer und seine Verbündeten erbeutet hatte (1. Mose 14,18-20). Der Apostel Paulus führt diese Begebenheit an, um zu  beweisen, dass CHRISTI Priestertum nach der Weise Melchisedeks besser ist als das Priestertum Levis, weil in Wirklichkeit, Levi – damals noch in den Lenden Abrahams – Melchisedek den Zehnten entrichtete (Hebräer 7,4-10). Der zweite Fall betrifft Jakob, der in Bethel gelobt hatte, GOTT den Zehnten seines ganzen Erwerbs zu geben (1. Mose 28,20-22).

In diesen beiden Fällen wurde der Zehnte jedoch freiwillig gegeben. Nirgendwo wird berichtet, Abraham oder Jakob habe eine Gepflogenheit, eine Sitte oder ein Gesetz eingeführt, das seine Nachkommen verpflichtet hätte, seinem Beispiel zu folgen. Jakob hätte gar nicht zu geloben brauchen, den zehnten zu geben, wenn es bereits seine Pflicht und Schuldigkeit gewesen wäre. Die Zehntgabe war bei den alten Hebräern offensichtlich weder Sitte noch Gesetz. Sie wurde erst mit der Einweihung des Gesetzesbundes eingeführt.

Die mosaische Zehntordnung

GOTT verfolgte mit den Zehntbestimmungen, die Er den Israeliten gab, einen ganz bestimmten Zweck. Die Zehnten sind einmalige Abgaben von der Kriegsbeute (1. Mose 14,20) oder regelmäßige, meist jährliche Abgaben von Ernte und Einkünften an das Heiligtum (3. Mose 27,30-33) oder den König (1. Sam. 8,15.17) und umfassen jeweils 1/10 des betreffenden Besitzes oder Einkommens. Sie waren auch außerhalb Israels, etwa bei Phöniziern und Karthagern, Neubabyloniern, Persern, Arabern, auch bei Griechen und Römern bekannt.

So gebot GOTT Seinem Volk:

3. Mose 27, 30
Und aller Zehnte des Landes, vom Samen des Landes, von der Frucht der Bäume, gehört JAHWE; er ist JAHWE heilig

Und Er bestimmt auch über die Verwendung dessen, was Ihm gehört:

4. Mose 18, 23-28
…die Leviten vielmehr sollen den Dienst des Zeltes der Zusammenkunft verrichten, und sie sollen ihre Ungerechtigkeit tragen: eine ewige Satzung bei euren Geschlechtern. Aber inmitten der Kinder Israel sollen sie kein Erbteil besitzen; denn den Zehnten der Kinder Israel, welchen sie JAHWE als Hebopfer heben, habe ich den Leviten zum Erbteil gegeben; darum habe ich von ihnen gesagt, daß sie inmitten der Kinder Israel kein Erbteil besitzen sollen. Und JAHWE redete zu Mose und sprach: Und zu den Leviten sollst du reden und zu ihnen sprechen: Wenn ihr von den Kindern Israel den Zehnten nehmet, den ich euch von ihnen als euer Erbteil gegeben habe, so sollt ihr davon ein Hebopfer für JAHWE heben, den Zehnten von dem Zehnten. Und euer Hebopfer wird euch gerechnet werden wie das Getreide von der Tenne und wie die Fülle von der Kelter. Also sollt auch ihr ein Hebopfer für JAHWE heben von allen euren Zehnten, die ihr von den Kindern Israel nehmet, und davon das Hebopfer für JAHWE Aaron, dem Priester, geben

GOTT hat also festgesetzt, dass 10 % von allem, was Er gibt, Ihm gehört und dass Er es dahin gibt, wohin Er will. Festzustellen ist, daß der Tempel durchaus nicht diesen Zehnten vom Volk erhalten hat. Der Stamm Levi, den GOTT zum Priester- und Tempeldienst berufen hat, bekam diesen Zehnten. Der Tempel erhielt den Zehnten vom Zehnten, also ein Prozent des Ertrages der Israeliten. Dieser Betrag wiederum entspricht auch in etwas der Höhe der Tempelsteuer, von der im Evangelium berichtet wird; interessanerweise auch in etwa der Kirchensteuer, die die Landeskirchen erheben. Es sei dabei noch die Anmerkung gestattet, dass die heutigen Gemeinden aus der geistlichen Nachfolgerschaft wohl den Anspruch auf den Zehnten ableiten; das damit verbundene Gebot, dass die Diener GOTTES deshalb keinen Erbbeseitz im Lande haben sollen, wird dagegen so gut wie nie erwähnt oder gar übertragen. Warum wohl?

Auch wenn die Gemeinde also als geistliche Nachfolgerin des Tempels betrachtet wird, kann nach dem israelitischen Gebot allenfalls eine Tempelsteuer in Höhe von 1 % eingefordert werden, wie es in Israel zur Zeit der Evangelien auch geschah. Die Forderung aber, den Zehnten zu geben, steht wiederum allein GOTT zu, keinem Menschen. Nur GOTT bestimmt, was mit dem geschieht, was Ihm gehört und Er allein legt fest, was nach dem Abriß des Tempels und dem damit verbundenen Ende des Dienstes des Stammes Levi mit Seinem Zehnten passiert.

Auf keinen Fall ist die Forderung, daß der Zehnte immer und in voller Höhe einer Ortsgemeinde zu geben sei, aus der Bibel abzuleiten. Der Stamm Levi war, wie auch der Tempel, eine überregionale Institution. Wenn sich die Gemeinden jetzt insgesamt als geistliches Israel verstehen, ist es sicher korrekt, wenn davon ausgegangen wird, daß der Zehnte – so ihn jemand gibt – an Werke, Einrichtungen, Gemeinden oder Personen zu geben ist, die in GOTTES Auftrag handeln, also in geistlicher Nachfolgerschaft der Leviten dienen. Das kann sich aus dieser Tradition aber heute ebensowenig auf einzelne Werke beziehen wie es damals der Fall war. Und das besondere Beanspruchen des Zehnten von Menschen durch Menschen geht auf jeden Fall an dem von GOTT gesetzten Prinzip vorbei.

Nun aber wieder zurück zum Volk Israel. Die Zehntenvorschriften sind in der Geschichte Israels häufig nicht oder nur teilweise beachtet worden, obgleich die Abgabe des Zehnten auch im Nordreich nach der Trennung vom Tempel in Jerusalem bestehen blieb (Amos 4,4), wir wissen aber nicht, in welcher Form. Bei der Reform Hiskias wurden auch die Zehnten von Vieh und Feldfrüchten wieder durchgeführt und die Vorratsräume des Tempels neu eingerichtet (2. Chron. 31,4-12). Nach der babylonischen Gefangenschaft tadelte Maleachi, daß die Zehnten nur z. T. abgeliefert wurden (Mal. 3,8-10), und bei der Verpflichtung auf das Gesetz unter Nehemia sind sie ausdrücklich genannt (Neh. 10,38). Die Getreide- und Früchtezehnten wurden jetzt wieder in den Vorratskammern des Tempels aufbewahrt (Neh. 12,44; 13,5-12); vom Viehzehnten ist dabei nicht die Rede. Vieh konnte aber auch nicht im Tempel untergebracht werden.

In ntl. Zeit hatten die Pharisäer die Zehntpflicht auf ihr gesamtes Einkommen ausgedehnt (Lk. 18,12), so dass auch die kleinsten Küchenkräuter darunter fielen (Mt. 23,23; Lk. 11,42).

Die Bibel berichtet von drei verschiedenen Zehnten

Die Bibel unterscheidet

– einen Zehnten, der an die Leviten gegeben wird (3. Mose 18),

– einen zweiten oder „heiligen Zehnten” (5. Mose 12; 14,22-27) und

– einen „Armenzehnten” (5. Mose 14,28f.),

ebenso sprechen der Talmud und die andere spätjüdische Literatur von drei Zehnten, worin der Viehzehnt aber nicht eingeschlossen ist.

Der erste (Getreide- und Früchte-) Zehnte wurde abgeliefert, der zweite oder „heilige Zehnte” blieb dem Besitzer und sollte bei Festbesuchen in Jerusalem verzehnt werden, der dritte oder „Armenzehnte” trat vielleicht in jedem dritten Jahr an die Stelle des zweiten Zehnten, aber darüber besteht keine Sicherheit (5. Mose 14,28.29; 26,12). Den Vollzug dieses Gebotes hatte jeder israelische Hausvater „vor dem HERRN”, d. h. wohl im Heiligtum, mit einer festen Formel zu bezugen (Vers 13-15). Jeweils zwei dieser Zehntenjahre (V. 12) fielen in den Zeitraum zwischen zwei Sabbatjahren, in denen nicht geerntet und also auch keine Zehnten gegeben wurden.

Die Bedeutung der Zehntordnung für das Volk Israel

Diese für Israel verbindliche Zehntordnung war nicht unzumutbar. Zudem darf man nicht vergessen dass GOTT verhieß, Israel Gedeihen zu schenken, indem Er „die Schleusen der Himmel” öffnen würde, wenn es die Zehntordnung einhielte (Mal. 3,10; 5. Mose 28,1; 2,11-14). Vernachlässigte das Volk seine Zehntpflicht, so wirkte sich das nachteilig auf den Priesterdienst aus, weil die Priester und Leviten dann gezwungen waren, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen, und demzufolge ihren Dienst vernachlässigten (Neh. 13,10). Solche Untreue wirkte sich auch negativ auf die geistliche Verfassung Israels aus. Als die zehn Stämme sich der Kälberverehrung zuwandten, wurde der Zehnte zur Förderung dieses Götzendienstes benutzt (Amos 4,4.5). War Israel GOTT jedoch treu und hatte es eine gerechte Regierung, so gab es den Leviten den Zehnten, und trotzdem herrschte, wie GOTT verheißen hatte, keine Knappheit (2. Chr. 31,4-12; Neh. 10,37.38; 12,44; 13,11-13).

Was ist mit dem Begriff „Vorratshaus” (oder „Kornhaus”) im Maleachi 3,10 gemeint?

Im Propheten Maleachi steht geschrieben:

Maleachi 3, 10
Bringet den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, auf daß Speise in meinem Hause sei; und prüfet mich doch dadurch, spricht JAHWE der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels auftun und euch Segen ausgießen werde bis zum Übermaß.

Die Schlachter 1951) und Lutherbibel übersetzen den Begriff „Vorratshaus” mit „Kornhaus”.

Was ist nun mit dem Begriff „Vorratshaus” gemeint? Findige Prediger erklären den Leuten, dass damit die Gemeinde gemeint sei, denn dort gibt es geistliche Nahrung. Die Intention dieser „Pastoren” ist offensichtlich: Es soll verhindert werden, dass Geld (vor allem der „Zehnte”) in eine andere Gemeinde/Institution gespendet wird, sondern das Geld soll ausschließlich in die eigene Gemeindekasse fließen.

Was bedeutet nun aber der Begriff „Vorratshaus” wirklich? Ein Vorratshaus war ein Lagerhaus in dem Nahrungsmittel (Wein und Öl, sowie kostbare Metalle oder Seine u.a. Dinge) aufbewahrt wurden. Ein Kornspeicher war ein Gebäude, in dem das gedroschene Korn gelagert wird. In alter Zeit waren Scheunen, Türme und andere Lagerräume üblich (1. Chr. 27,25; 2. Chr. 32,27.28; Joel 1,17; Haggai 2,19) und bestimmte Städte dienten hauptsächlich als Vorratszentren (2. Mose 1,11). Vorratshäuser wurden in Verbindung mit dem Heiligtum benötigt, um die Zehnten und die Beiträge der Israeliten für die Leviten von den Feldern, Obstgärten und Weinbergen zu lagern (Mal. 3,10). Einige Leviten wurden über die Vorräte gesetzt und verteilten sie an ihre Brüder (1. Chr. 26,15.17; Neh. 12,44; 13,12.13). Das Vorratshaus diente also der Versorgung der bedürftigen Israeliten und diente nicht dazu, den Tempel zu vergrößern o. ä. Deshalb ist jeder Vergleich einer örtlichen Gemeinde mit solch einem Vorratshaus nicht nur deplatziert, sondern schlichtweg falsch.

Interessant ist die Tatsache, dass der HERR JESUS Seinen Jüngern riet, wegen materieller Bedürfnisse nicht ängstlich besorgt zu sein, sondern sich nur um das „tägliche Brot” zu bemühen, und Er erinnerte sie daran, dass GOTT die Vögel ernähren würde, obwohl sie nicht in Vorratshäuser oder Scheunen einsammeln (Mattth. 6,11.25.26; Lukas 12,22.24). Um zu zeigen, dass das Leben nicht aus den Dingen kommt, die man besitzt, erzählte der HERR ein Gleichnis von einem reichen Mann, der immer größere Vorratshäuser bauen wollte, um dort seine große habe aufzubewahren, dann aber starb; seine materiellen Reichtümer waren ihm daher von keinem Nutzen (Lukas 12,13-21). Wie viele Gemeinden gibt es heute, die nur noch daran interessiert sind, ihre Vorratshäuser zu vergrößern – und somit in Gefahr stehen, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren!

Vom Geben in der Gemeinde

Treten wir nach diesem in das Zeitalter der Gemeinde ein, so haben wir nach vielen Seiten hin eine völlig andere Situation. Während Israel als ein Volk in einem Land, welches es von JAHWE erhalten hatte, beisammen wohnte, leben die Glieder der Gemeinde CHRISTI in der ganzen Welt zerstreut. Sie bilden weder ein Volk, noch sind sie Landesinhaber, sondern sind Untertanen der weltlichen Obrigkeit des Staates, in dem sie leben.

Ein triftiger Beweis dafür, dass GOTT den Zehnten gar nicht auf die Gemeinde übertragen hat, ist seine Nichterwähnung in den paulinischen Briefen. Nur in den Schriften, welche an die Beschneidung gerichtet sind, ist er zu finden (z. B. Matth. 23,23; Luk. 1,42; 18,12; Hebr. 7,5.6.9).

Den Christen in der urchristlichen Gemeinde wurde also niemals geboten, den Zehnten zu entrichten. Der Hauptgrund für die Zehntvorkehrung unter dem mosaischen Gesetz war der Unterhalt des Tempels und der Priesterschaft; folglich hörte die Pflicht, den Zehnten zu entrichten, auf, als das mosaische Gesetz durch CHRISTI Tod am Kreuz als erfüllt beseitigt wurde (Eph. 2,15; Kol. 2,13.14). Allerdings verrichteten levitische Preister den Tempeldienst in Jerusalem noch bis zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr., doch die Christen wurden von 33. Chr. an Glieder einer neuen Priesterschaft, die nicht durch Zehntabgaben unterhalten wurde (Röm. 6,14; Hebr. 7,12; 1. Petr. 2,9).

Christen wurden ermuntert, den christlichen Dienst durch Werke in diesem Dienst und durch Spenden zu unterstützen. Es wurde von ihnen nicht erwartet, daß sie einen festgelegten Beitrag zur Begleichung ver Versammlungsauslagen beisteuerten, sondern sie sollten „gemäß dem, was jemand hat”, spenden, so „wie er es in seinem Herzen beschlossen hat, nicht widerwillig oder aus Zwang, denn GOTT liebt einen fröhlichen Geber” (2. Kor. 8,12; 9,7). Sie wurden ermuntert nach dem Grundsatz zu handeln:

1. Timotheus 5, 17.18
Die Ältesten, welche wohl vorstehen, laß doppelter Ehre würdig geachtet werden, sonderlich die da arbeiten in Wort und Lehre. Denn die Schrift sagt: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“, und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert

Der Apostel Paulus bemühte sich jedoch beispielhaft, die Gemeinde in finanzieller Hinsicht nicht über Gebühr zu belasten (Apg. 18,3; 1. Thess. 2,9).

Fordern, Vertrauen und Freiheit

2. Korinther 9, 7
Ein jeder (gebe), wie er sich in seinem Herzen vorsetzt: nicht mit Verdruß oder aus Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb

Es soll schon vorgekommen sein, dass diese Mahnung von Paulus dazu benutzt wurde, der Forderung nach reichlichem Geben noch die Forderung nach Fröhlichkeit dabei hinzuzufügen. Damit würde dann ein doppelter Zwang entstehen, wobei sich doch Paulus hier schon gegen Zwang überhaupt wendet.

Tatsächlich ist es so, dass beides gilt:

2. Korinther 9, 6
Dies aber sage ich: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten, und wer segensreich sät, wird auch segensreich ernten,

ebenso wie die Freiheit des oder der Gebenden als Grundvoraussetzung für die vertrauensvolle Hinwendung zu GOTT im Geben. Vertrauen kann nicht erzwungen werden, weder zu Menschen noch zu GOTT. Klare Unterscheidungen sind sicher hilfreich: Es steht nirgends in der Bibel, daß ein Mensch, der an einem bestimmten Ort oder zu einer bestimmten Zeit nicht gibt, dafür von GOTT bestraft würde oder dass ein solches Geben oder Nichtgeben heilsentscheidend sei. Dagegen ist der Zusammenhang von vertrauensvoller, demütiger Hinwendung zu GOTT und dem Geben von Almosen und Zuwendungen an CHRISTI Nachfolger sehr klar beschrieben. Ein Geben aufgrund von schlechtem Gewissen, Gruppenzwang in der Versammlung oder persönlichem Druck durch Älteste steht in krassem Widerspruch zu dem, wofür GOTT Seinen Segen verheißt. Wenn sich die Leitung einer Gemeinde oder einer besonderen Versammlung gar noch dazu versteigt, mehr oder minder direkt den Entzug von GOTTES Gnade als Folge eines nicht reichlichen Gebens anzudrohen, ist jede biblische Grundlage verlassen und statt dessen das heidnische Verständnis vom Opfern als einer „Besänftigung der Götzen” erreicht.

Selbstverständlich wird niemand Mangel haben, der so gibt, wie GOTT es ihm oder ihr aufs Herz legt, auch wenn es scheinbar zu viel ist. Selbstverständlich hält GOTT Sein Versprechen, Segen auszuschütten über diejenigen, die im Vertrauen auf Ihn geben. Und natürlich ist es gut, darüber zu lehren, wie Menschen noch mehr von GOTTES Segen empfangen können, wie alle Tag für Tag GOTTES Versorgung, Seine Güte und damit eine immer stärkere Glaubensgewissheit erfahren können. GOTT möchte, daß wir Ihm vertrauen und unsere Sicherheit nicht in uns selbst oder anderen Menschen suchen. GOTT wünscht sich, daß wir Ihn als unseren liebenden und fürsorgenden Vater in aller Wirklichkeit des Lebens erkennen können. JESUS selbst lehrt es uns (Matthäus 6,25-33).

Und wie wäre es, wenn die Leiter von Gemeinschaften und Versammlungen dieses Vertrauen nicht nur von denen verlangten, für die sie vor GOTT verantwortlich sind, sondern selbst ein Vorbild für dieses Vertrauen darstellen würden? Ich verstehe es nicht, warum ein Leiter sorgenvolle Briefe an die Gemeindemitglieder verschickt, statt GOTT um Hilfe zu bitten. Hat dieser Leiter kein Vertrauen zu GOTT, meint er, GOTT wisse nicht, was die Gemeinde braucht oder würde sie gar im Stich lassen? Ich verstehe es nicht, warum ein „Opferprediger” 5, 10 oder gar 45 Minuten versucht, den Versammelten das Geld aus der Tasche zu reden, wenn er doch eigentlich darauf vertrauen kann, dass GOTT jedem einzelnen schon aufs Herz gelegt hat, wieviel er oder sie geben soll und sicher auch den Bedarf der Veranstalter besser kennt als diese selbst. Ich verstehe nicht, wie Leiter ihren Brüdern und Schwestern in CHRISTUS das Vertrauen zu GOTT geradezu aufdrängen, während es ihnen selbst an eben diesem Vertrauen grundlegend zu fehlen scheint – da sie doch so sorgenvoll predigen, weil sie offenkundig der Ansicht sind, daß ohne ihre mahnenden Worte GOTTES GEIST nicht ausreichend wirken wird und zu wenig Geld zusammen käme. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass jemand schließlich nicht wegen, sondern trotz einer Opferpredigt gegeben hat…

Folgende kleine Anekdote möchte ich dir nicht vorenthalten: Ein eifriger „Opferprediger” erzählte den Leuten, dass sie jeden Dollar, den sie spenden würden, GOTT mit dem Zehnfachen belohnen würde. Wenn sie also 1.000 Dollar spenden würden, bekämen sie von GOTT 10.000 Dollar zurück. Darauf stand ein Zuhörer auf und rief dem Prediger zu, dass er ihm doch die 1.000 Dollar geben sollte, damit er sich von GOTT die 10.000 Dollar abholen kann. Seltsamerweise ließ der Prediger sich nicht auf dieses „Geschäft” ein…….

Der Zwang des Geldes

Vor allem drei Bereiche sind es, die einer Gemeindeleitung Geldsorgen bereiten und immer wieder dazu führen, dass Spenden erbeten, erbettelt, angemahnt oder gefordert werden: Gebäude, Mitarbeiter und Großveranstaltungen. Sicherlich erfordern diese Dinge Geld und ebenso sicher ist, dass GOTT Seine Werke versorgen wird. Selbstverständlich sollen wir ordentliche Haushalter sein und verantwortungsbewusst mit dem wirtschaften, was GOTT uns zur Verfügung stellt – im Privaten und besonders in der Gemeinde. Zum Haushalten gehört noch etwas anderes: Die realistische Kalkulation. Der ordentliche Haushalter sorgt sich zuerst darum, dass er sich mit geplanten Ausgaben nicht übernimmt, damit er nicht hinterher über den Geldsorgen seine eigentlichen Aufgaben vergisst.

In diesem Zusammenhang kann man feststellen, daß es in der Bibel keinen Appell dazu gibt, Kirchen oder Gemeindehäuser zu bauen. Vielfach wird in der Apostelgeschichte und den Briefen erwähnt, daß sich die Gemeinden in den Häusern einzelner Gemeindemitglieder trafen (Hauszellengemeinde!). Auch bringt ein großes Haus offenbar noch keine große Gemeinde – sonst könnten ja die Hallen der Landeskirchen, die Platz für Hunderte bieten, nicht so leer stehen. Für wenige große Veranstaltungen im Laufe eines Jahres mag es eher zur ordentlichen Haushaltung passen, dafür anderweitig vorhandene Räume zu mieten als die Gemeinschaft mit hohen Kosten zu belasten. Auffallend ist, dass es viele besonders große und schöne Bauten gibt. Nichts spricht dagegen, dass ein Haus, in dem sich die Gemeinde des Höchsten trifft, schön sein darf. Wenn sich aber die Frage der Finanzierung zur drückenden Last für die Gemeinde entwickelt, so stellt sich eigentlich zwangsläufig die Frage, wessen Vision mit dieser Kirche verwirklicht wurde und auf welchem Weg die Gemeinde inzwischen ist. Denn sicher ist auf jeden Fall, dass GOTT Sein Wort hält und für unsere Bedürfnisse und die Seiner Gemeinde sorgt. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass viele Gemeinden, die an die Wiederkunft CHRISTI glauben und verkünden, dass wir in der Endzeit leben, die Gemeinde in große Schulden für Baukredite stürzen. Ob ihre Botschaft wirklich noch glaubwürdig ist?

Gerade bei Neugründungen von Gemeinden ist oft zu beobachten, dass die Gemeinschaften sehr darauf bedacht sind, sich in traditioneller bzw. unbiblischer Weise zu etablieren, eine nach menschlichen Maßstäben „solide” Grundlage zu schaffen. Dazu gehört, neben dem Kirchengebäude, auch zumindest ein „Pastor”, der hauptamtlich allein dieser Gemeinschaft zur Verfügung steht. Auch diese Gewohnheit entstammt nicht der Bibel. Tatsächlich ist es so, dass bereits die Unterscheidung zwischen haupt-, neben- und ehrenamtlicher Tätigkeit aus dem Arbeitsrecht hergeleitet ist und in der Bibel überhaupt nicht vorkommt. Auch der fünffältige Dienst, die Beschreibung der Gaben, Dienste und Aufgaben kennt keine derartige Unterscheidung. Sieht man vom Erfordernis traditionell geformter Gewohnheit ab, so stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt eine Gemeinde überhaupt einen „Hauptamtlichen” braucht, und wie viel an gemeinsamer Verantwortung und Freisetzung von Gaben möglich wäre, wenn sich nach biblischer Lehre alle Mitglieder mit dem eingeben (dürfen), was sie von GOTT empfangen haben. Manches Finanzproblem wäre nie entstanden, manche Sorge nie aufgetaucht, wenn Gemeinden mehr Vertrauen zu GOTT gehabt und nach Seinem Plan die Dienstgaben intern gesucht hätten, statt sie – unbiblischen Traditionen folgend – auf bezahlte Arbeit zu übertragen.

Dabei gibt es natürlich im Reich GOTTES auch Menschen, wie wir bereits gesehen haben, die keiner anderen Arbeit als der Verkündigung und Lehre nachgehen und selbstverständlich dafür Bezahlung erhalten: Die Ältesten, welche wohl vorstehen, laß doppelter Ehre würdig geachtet werden, sonderlich die da arbeiten in Wort und Lehre. Denn die Schrift sagt: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“, und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (1. Tim. 5,17.18). Paulus wehrt sich in diesem Zusammenhang gegen ungerechte Angriffe: „Meine Verantwortung vor denen, welche mich zur Untersuchung ziehen, ist diese: Haben wir etwa nicht ein Recht zu essen und zu trinken? Haben wir etwa nicht ein Recht, eine Schwester als Weib umherzuführen, wie auch die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas? Oder haben allein ich und Barnabas nicht ein Recht, nicht zu arbeiten?” (1. Korinther 9,3-6). Es ist auch in Ordnung, dem Beispiel des Paulus zu folgen und den Dienst in einer Gemeinde von einer anderen finanzieren zu lassen: „Andere Versammlungen habe ich beraubt, indem ich Lohn empfing zu eurer Bedienung” (2. Kor. 11,8); wobei allerdings die Formulierung darauf hinweist, dass dies wohl eher nicht der übliche Weg sein sollte.

GOTT selbst wird diejenigen belohnen, die Seine Diener versorgen. JESUS lehrt:

Matthäus 10, 40-42
Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer irgend einen dieser Kleinen nur mit einem Becher kalten Wassers tränken wird in eines Jüngers Namen, wahrlich, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren

Damit wird die Unterstützung, die man Dienern GOTTES gewährt, zu einem weiteren Weg, auf dem besonderer Segen GOTTES zu erlangen ist.

Andererseits ist aus all dem aber nicht herzuleiten, dass jede Gemeinschaft solchermaßen bezahlte Dienste individuell für sich und jederzeit verfügbar haben muß oder soll. Das Anrecht derjenigen, die ausschließlich für GOTT arbeiten, auf Versorgung durch die Geschwister in CHRISTUS  ist eine Sache; die Last, die eine Gemeinde tragen soll oder will, eine andere. Dort, wo GOTT Menschen in einen ausschließlichen Dienst für sich beruft und in eine bestimmte Gemeinschaft stellt, wird Er auch Sein Versprechen halten und für ihren Unterhalt sorgen.

Dagegen gibt es einen Bereich, in dem JESUS eindeutig verbietet, Geld zu nehmen:

Matthäus 10, 8
Heilet Kranke, wecket Tote auf, reiniget Aussätzige, treibet Dämonen aus; umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebet

Nicht nur manche „Evangelisations-Show” amerikanischer Fernsehsender, in der jeweils zwischen „Heilungen” Geld gesammelt wird, um die nächste „Heilung” zu „bewirken”, wird hier eine deutliche Absage erteilt. Auch in Gemeinden und bei Veranstaltungen  ist wohl zu bedenken, zu welchem Zeitpunkt eine Sammlung – wenn sie überhaupt stattfinden soll – durchgeführt wird, um nicht in eine gefährliche Nähe zu diesem von JESUS selbst als falsch bezeichneten Verhalten zu geraten.

Wichtig, aber sehr selten erwähnt ist auch der Umstand, dass Menschen, die in Wort und Lehre dienen, durchaus nicht verpflichtet sind, dafür Geld zu nehmen:

2. Thessalonicher 3, 7-9
Denn ihr selbst wisset, wie ihr uns nachahmen sollt; denn wir haben nicht unordentlich unter euch gewandelt, noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um nicht jemand von euch beschwerlich zu fallen. Nicht daß wir nicht das Recht dazu haben, sondern auf daß wir uns selbst euch zum Vorbilde gäben, damit ihr uns nachahmet

Es gibt hier kein „entweder-oder”, derselbe Paulus, der an anderer Stelle deutlich macht, daß Diener GOTTES Anspruch auf Versorgung durch die Gemeinde haben, verzichtet an anderem Ort darauf, um nicht nur im Wort, sondern auch in der Tat Vorbild zu sein. Und in keinem Wort ist erkennbar, daß der Dienst des Paulus aufgrund seiner Arbeit für seinen Unterhalt gelitten hätte.

Umgekehrt gibt es leider nicht wenige Beispiele dafür, daß Menschen darunter leiden, wenn sie unter unverantwortlichen Bedingungen eine ausschließliche Arbeit für eine Gemeinde oder ein Werk übernehmen. Geringe Bezahlungen bis hin zur Forderung, das eigene Gehalt selbst mitzubringen – einschließlich Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung – scheinen für manche Gemeinschaften die größte Selbstverständlichkeit zu sein. Unzureichende oder gar keine Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen bei Missionaren in fernen Ländern  haben manches Unglück über diejenigen und ihre Familien gebracht, die sich in besonderer Weise für die Evangelisation einsetzten. Hier ist ordentliches Haushalten gefordert: Sich  nicht zu übernehmen, nur das zu beginnen, was wirklich – ordnungsgemäß – finanzierbar ist und der Forderung in GOTTES Wort „ein Arbeiter ist seines Lohnes wert” zu entsprechen. Diese Verantwortung liegt unabwendbar bei der jeweiligen Leitung. Wer dagegen Einwände erheben will, sollte sich einfach fragen, ob er sich mit einem dieser „besonderen  Beschäftigungsmodelle” in die Öffentlichkeit begeben würde, um es als Beispiel für die Vorbildlichkeit christlicher Gemeinschaften darzustellen. Da JESUS uns ruft, das Licht der Welt, die Sadt auf dem Berg und das Salz der Erde zu sein, müssten die christlichen Beschäftigungsverhältnisse tatsächlich von denen der Welt abweichen – aber nicht, indem sie schlechtere, sondern indem sie vorbildlich gute Bedingungen bieten. Stellt eine Gemeinde fest, daß sie unter solchen Umständen nicht in der Lage ist, einen oder mehrere Mitarbeiter zu bezahlen, ist die Leitung gefordert, GOTT um Rat zu fragen und nicht, Wege zu suchen,die in finanzielle Schwierigkeiten führen oder an den Gesetzen der Obrigkeit oder gar an den Geboten der Bibel vorbei führen.

Eine gleiche Offenheit und ordentliche Haushaltung ist für die großen Veranstaltungen nötig. Da wird zu einem Evangelisationsgottesdienst eingeladen, etwa 2.000 Plätze stehen zur Verfügung und dann wird der Versammlung vorgerechnet, dass man heute gerne eine bestimmte Spendengrenze überschreiten möchte, weshalb man mindestens 7.000 Euro erwartet. Es wäre ehrlicher, ein Eintrittsgeld von 3,50 Euro pro Person zu erheben, als von einer „Einladung” zu sprechen und dann, wenn die Leute gekommen sind, nach Geld zu fragen. Welche Wirkung erhofft man sich von solchem Vorgehen bei den – mit der Evangelisation doch explizit angesprochenen – Nichtchristen?

Jeder erwartet von einer weltlichen Veranstaltung, dass klare Einnahmen-/Ausga- benrechnungen vorliegen, aufgrund derer eindeutige Teilnehmerbeiträge festgesetzt werden. Es scheint dagegen sehr schwierig zu sein, korrekte Kalkulationen für christliche Konferenzen zu erstellen. Wie anders ist es zu verstehen, wenn während der Konferenz gesammelt wird, um die Redner „finanziell zu segnen”? Abgesehen davon, dass dieser Begriff menschlicher Phantasie und nicht der Bibel entstammt, soll ein solches Anliegen bedeuten, dass die selbstverständliche, verantwortungsgemäße Bezahlung der Redner nicht in der Kalkulation der Konferenzgebühr enthalten ist? Gehört das zu den Dingen, woran sich die Welt ein Beispiel an den Christen nehmen soll?

Dabei wird so oft und bei mancherlei Gelegenheit darauf hingewiesen, daß wir durch Paulus darüber belehrt werden, der Obrigkeit des Landes untertan zu sein, solange diese nicht Dinge fordert, die gegen GOTTES Gebot stehen (z. B. Römer 13). Sicherlich gehören Steuergesetze, gerade auch der oft beklagte Steuerdschungel in Deutschland, eher zu den unrühmlichsten Ergüssen weltlicher Gesetzgebung. Es gibt sicher auch Grund zu der Hoffnung, dass Menschen berufen werden, um die jeweiligen Finanzminister an die schlimmen Folgen übermäßiger Besteuerung zum Beispiel unter Salomos Sohn zu erinnern. Trotzdem sind die Steuergesetze grundsätzlich nicht gegen GOTTES Gebot gerichtet. In der Bibel wird das Zahlen von Steuern an keiner Stelle als Sünde bezeichnet. Im Gegenteil, JESUS selbst zahlte die Steuern, die man von Ihm forderte und antwortete auf eine entsprechende Fangfrage der Pharisäer: „….Da spricht er zu ihnen: Gebet denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist” (Matthäus 22,21). Indem mit, nicht prüfbaren, Kollektenerträgen eine „finanzielle Segnung” vorgenommen wird, erhalten, steuerrechtlich betrachtet, Menschen ein Einkommen, das zumindest in den meisten Fällen steuerpflichtig ist. Diejenigen, die solche Beträge erhalten, setzen sich also dem Verdacht aus, in weltlicher Betrachtung Schwazgeldempfänger zu sein. Nun könnte man natürlich erwidern, daß christliche Gemeinden so etwas selbstverständlich nicht tun würden, daß die „finanziell gesegneten” Redner einen guten Ruf und Leumund hätten, einen gewichtigen geistlichen Dienst tun und schon das Aussprechen der Möglichkeit eines solchen Verdachtes unwürdig, wenn nicht gar dämonischen Ursprungs sei. Man könnte an einzelnen Beispielen belegen, daß es nachweislich hier und da völlig anders abgelaufen sei und die Versteuerung der (Auslands-)Einkünfte der Redner ordnungsgemäß erfolgt ist. Aber abgesehen von der vielleicht eigentümlichen Heftigkeit möglicher Reaktionen – darum geht es gar nicht. Wirklich wichtig ist, dass wir aufgerufen sind, schon präventiv Verdächtigungen, auch und gerade aus der Welt, zu vermeiden:

2. Korinther 8, 20.21
indem wir dies verhüten, daß uns nicht jemand übel nachrede dieser reichen Gabe halben, die von uns bedient wird; denn wir sind vorsorglich für das, was ehrbar ist, nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen

Eine grundsätzliche Frage

Betrachtet man zusammenfassend die Geldsorgen von christlichen Gemeinschaften, die daraus erwachsenden Geldpredigten, die tatsächlichen Bedürfnisse, Erfordernisse und über all dem die Verheißungen GOTTES, so ergibt sich ein sehr eigenartiges Bild.

Christen, die das Evangelium verkündigen, die von der Erlösung in CHRISTUS wissen und von allen anderen das uneingeschränkte Vertrauen zu GOTT erwarten, laufen mit sorgenvoller Miene durch ihre Gemeinde und scheinen alle Zusagen GOTTES vergessen zu haben, wenn sie ihre Kirchenkasse betrachten. Statt sich an GOTT zu wenden, versuchen sie, aus ihrer Kraft heraus Geld herein zu predigen. Dabei verlassen sie oft derart das Fundament der Bibel, dass sie andere von GOTT weg in die Irre führen, indem sie die vertrauensvolle Beziehung, die GOTT im Geben ermöglichen will, massiv stören. Manche Finanznot in Gemeinden mag einfach die direkte Folge solchen Handelns und Predigens sein. Mit größter Selbstverständlichkeit wird gelehrt, dass Buße, also Umkehr, von verkehrten Wegen nötig ist, um GOTT erneut Raum für Sein Handeln zu geben. Ist denn die Angst beim Geld so groß und das Vertrauen zu GOTT so klein, dass Buße an diesem Punkt so selten erfolgt? Wie sehr bestimmt inzwischen die Sorge um Besitzstände – das schöne Gemeindehaus, die MitarbeiterInnen und der Zehnte der Mitglieder – das Gemeindeleben!

GOTTES Wort warnt nicht vor Gebäuden oder „vollzeitlichen” Diensten, wohl aber vor dem Verlust der richtigen Orientierung. Einfach aus jahrhundertealter Tradition heraus bemühen sich Gemeinden und ihre Ältesten darum, mit passiven Dingen Zeichen zu setzen – aber nirgends in der Bibel sind passive Zeichen für JESU Nachfolger angegeben.

Es heißt nicht: „Sie bauten aber große Kirchen und sammelten viel Geld und so wuchs die Zahl der Gläubigen.” Vielmehr heißt es:

Apostelgeschichte 5, 12-16
Aber durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volke; und sie waren alle einmütig in der Säulenhalle Salomons. Von den übrigen aber wagte keiner, sich ihnen anzuschließen, sondern das Volk erhob sie. Aber um so mehr Gläubige wurden dem Herrn hinzugetan, Scharen von Männern sowohl als Weibern; so dass sie die Kranken auf die Straßen hinaustrugen und auf Betten und Lager legten, auf daß, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten einen von ihnen überschatten möchte. Es kam aber auch die Menge der umliegenden Städte nach Jerusalem zusammen, und sie brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte, welche alle geheilt wurden

Es heißt nicht: „Die Zeichen aber, die denen folgen werden, die glauben, sind diese: Sie werden schöne Häuser bauen und alle zu sich einladen.” Vielmehr heißt es:

Markus 16, 17.18); Johannes 13, 35
Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden, werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, so wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden … Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt

Es sind nicht die teuren und äußeren Formen, an denen Christen erkannt werden sollen, es sind die aktiven Zeichen, die der allmächtige GOTT durch Sein Volk bewirkt. Denn es geht um GOTTES Ehre, nicht um unsere. Die Menschen sollen GOTT erkennen, und nicht von Ihm abgelenkt werden. Es geht nicht um „die Gemeinde”, vielleicht gar „meine Gemeinde”, „unser Ansehen” in der Welt, sondern darum dass Christen GOTT Raum geben und Handeln von Ihm erbitten und glaubend erwarten. Darum ist das ganze Bemühen um das Geld so verkrampft – es ist der Fokus auf die falschen Dinge.

Dazu gibt es eine passende Anekdote: Anlässlich einer Privataudienz führte vor etlichen Jahren ein Papst einen Staatsmann auch durch die Schatzkammer des Vatikans. Er bemerkte dazu: „Ja, wir brauchen nicht mehr wie Petrus und Johannes zu dem Lahmen sagen: „Silber und Gold besitze ich nicht”. „Sicher”, antwortete der Staatsmann, „Sie können aber auch nicht mehr wie Petrus fortfahren und zu dem Lahmen sprechen: „Im Namen JESU CHRISTI des Nazoräers – geh umher!”

 

Literatur:

Rienecker, Fritz (Hg.): Lexikon zur Bibel, 9. Aufl., Wuppertal (Brockhaus Verlag) 1983

Hennig, Kurt (Hg.): Jerusalemer Bibellexikon, Neuhausen (Hänssler) 1989

Goegens, Harald: Die Gemeinde und das Geld, Osterholz-Scharmbeck 1999

Ein Gedanke zu „Die Gemeinde und das Geld

  1. Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen! Denn die, welche reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstricke und viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen in Untergang und Verderben stürzen. Denn die Geldgier ist eine Wurzel alles Bösen; etliche, die sich ihr hingegeben haben, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst viel Schmerzen verursacht.

    1.Timotheus 6, 8-10

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