Drei Betäubungsmittel für die endzeitliche Christenheit

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Häresie
Bewertung

Vorbemerkungen

Nemo / Pixabay
Nemo / Pixabay

In unserer Zeit spricht man oft über „Betäubungsmittel“, die von außen in die Gemeinden eindringen. Heute möchte ich jedoch über „Betäubungsmittel“ reden, die von innen kommen, was wesentlich schwieriger ist, weil wir dabei selbst betroffen sind. Ich habe früher auch einige diese„Betäubungsmittel“ vertreten, und so mancher wird unter uns sein, der vielleicht der einen oder anderen Lehre anhängt, die ich nachfolgend von meinem Gewissen her nennen muss. Dazu möchte ich sagen, dass auch meine Erkenntnis natürlich Stückwerk ist. Ich bin zur Korrektur bereit und lasse mich jederzeit dort, wo ich mich irre, von der Bibel her widerlegen.

Die im folgenden angesprochenen Fragen liegen mir schon seit Jahren auf dem Herzen. Bisher habe ich darüber kaum etwas veröffentlicht oder öffentlich darüber geredet. Aber es sind doch Lehren, die uns auf Schritt und Tritt im evangelikalen und konservativen Bereich begegnen und zu denen man auf Dauer nicht schweigen kann – vor allem dann nicht, wenn sie zu Betäubungsmitteln in der Endzeit zu werden drohen.

Hinweis: Diese Ausführungen gehen auf einen Vortrag des Verfassers zurück. Der Redestil wurde beibehalten.

Gottes Wort ruft uns auf, wachsam zu sein:

Matthäus 26, 41; Markus 24, 42; 25, 13; 13, 33.37; 1. Korinther 16, 13
Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach  Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt  Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde  Seht euch vor, wachet! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist  Was Ich aber euch sage, das sage Ich allen: Wachet! Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!

Der Teufel aber möchte uns einschläfern. Zu seinen Schlafmitteln gehören unzählige Lehren und Systeme aus dem Bereich der Weltanschauungen, Religionen und Theologien. Als Beispiele mit weitreichender verführerischer Wirkung nenne ich hier nur:

– die Leugnung der Existenz Gottes durch den Atheismus
– die Propagierung falscher Götter durch alle nichtbiblischen Religionen
– die Propagierung von Ersatzgöttern durch ein Heer von Ideologien
– die Verherrlichung des Menschen anstatt Gottes durch den Humanismus
– die Leugnung der Verdorbenheit und Verlorenheit des Menschen infolge der Sünde
– die Konstruktion von Ersatz-Heilswegen unter Umgehung von Jesus Christus als einziger Weg zum Heil
– die Leugnung der Existenz des Teufels, der Hölle und der ewigen Verdammnis
– die Beruhigung der Massen durch äußere religiöse Traditionen und Rituale
– die Verkündigung einer billigen Gnade ohne Gehorsam gegenüber Gott und Seinen Geboten
– das Ausruhen auf einer einmaligen Bekehrung ohne erneute Buße und tägliche geistliche Erneuerung.

Diese Aufzählung könnte leider lange fortgesetzt werden.

Um geistlich wach zu bleiben, gilt es, täglich die Bibel zu lesen, zu beten und sich vom HERRN Stärkung und Orientierung zu erbitten, um vor Verführung gewarnt zu sein und auf dem schmalen Weg zum Himmelreich zu bleiben.

Hier nun möchte ich mich – wie schon erwähnt – mit nicht so offensichtlichen Betäubungsmitteln beschäftigen, die im Bereich wahrer Gläubiger verbreitet und nicht so leicht zu durchschauen sind wie die oben genannten. Es sind Lehren, die auch im evangelikalen, konservativen Bereich oft eine stattliche Anhängerschaft haben. Ich möchte niemand den Glauben absprechen, der eine oder mehrere dieser Lehren vertritt, aber doch jeden bitten, nachzuprüfen, ob diese Lehren nicht die Wachsamkeit bezüglich des Heils und der Ewigkeit vermindern können. Darum geht es hier – und nicht um eine ausführliche Lehrdiskussion, die bei jedem der sechs nun nachfolgend angesprochenen Themen jeweils eine ganze Buchreihe füllen könnte.

Man möge mir also den Stückwerkcharakter der nachfolgenden Skizze verzeihen. Aber vielleicht wird dadurch doch deutlich, dass alle diese Lehren – sollten sie biblisch gesehen nicht stimmen – Betäubungsmittel sein können, die die Gläubigen in einer falschen Sicherheit wiegen und dadurch gefährlich sein können.

1. Taufwiedergeburtslehre

Hier wird gelehrt, dass im Rahmen einer Taufe (bzw. einer als „Taufe“ verstandenen rituellen Handlung) die geistliche Wiedergeburt erfolgt und man dadurch ein Christ geworden ist. Viele Pfarrer in katholisch und evangelisch geprägten Kirchen vertreten diese weit verbreitete Ansicht, wobei der Glaube nicht völlig ausgeblendet wird. Jedoch wenn der Säugling „getauft“ worden ist – so liest und hört man immer wieder – ist er aufgrund einer sakramentalen Gnaden-Eingießung „Christ“ und wurde für den Himmel gewonnen.

Die Römisch-Katholische Kirche lehrt ausdrücklich die Taufwiedergeburt und betrachtet die katholische „Taufe“ als Sakrament des Eintritts in die Kirche (Initiation). Die „Taufe“ besitzt in der katholischen Lehre eine grundlegende Bedeutung. Ihr werden viele Wirkungen zugeschrieben, die sich im Neuen Testament auf den persönlichen Glauben beziehen. So heißt es im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK):

Durch die Taufe werden wir von der Sünde befreit und als Söhne Gottes wiedergeboren; wir werden Glieder Christi, in die Kirche eingefügt und an ihrer Sendung beteiligt: „Die Taufe ist das Sakrament der Wiedergeburt durch das Wasser im Wort.“ (KKK Nr. 1213).

Da die „Taufe“ als Initiationsritus (Einweihungshandlung) verstanden wird, ist es selbstverständlich, dass für Katholiken die sogenannte Säuglingstaufe als Regelfall gilt:

Die Kirche und die Eltern würden dem Kind die unschätzbare Gnade vorenthalten, Kind Gottes zu werden, wenn sie ihm nicht schon bald nach der Geburt die Taufe gewährten (KKK Nr. 1250).

Ähnlich schreibt leider Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus:

Was gibt oder nützt die Taufe? Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tode und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten.

Diese Lehre ist aber ein gefährliches und sehr zeitgemäßes Ruhekissen, weil dieser Irrtum in Kirchen landauf landab verkündet wird und unzählige Menschen in falscher Sicherheit gewiegt werden. „Wenn ich als Kind getauft bin, bin ich ja ein Christ und komme in den Himmel“ – so heißt es dann.
In Markus 16, 16 steht jedoch geschrieben:

Markus 16, 16
Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

Ohne Glaube gibt es keine Rettung. Der Glaube steht zuerst – und dann folgt die Taufe im biblischen Sinn. Im Neuen Testament wird durchgehend Folgendes bezüglich des Verhältnisses von Glaube und Taufe deutlich:

Die klare Reihenfolge im Neuen Testament lautet: erst Glaube, dann Taufe. Man lese hierzu Markus 16,16 (s.o.) sowie folgende Bibelstellen:

Apostelgeschichte 2, 38.41; 8, 12f.36-38
Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes … Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen … Als sie aber den Predigten des Philippus von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi glaubten, ließen sich taufen Männer und Frauen. Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen.

Vgl. auch Apostelgeschichte Kapitel 8, die Verse 26-39, ebenso Apostelgeschichte 9,18; 10,43-48; 18,8; 22,16; Galater 3,26f. u.a.. Es gibt im Neuen Testament keinen einzigen geschilderten Fall, wo zuerst jemand getauft wird und danach erst zum Glauben kommt! Getauft werden nur Menschen, die über ihr altes Leben Buße getan und Jesus Christus als ihren Erlöser und HERRN angenommen haben.

Die christliche Taufe symbolisiert das Sterben des alten Menschen im Wasser (Taufgrab) und das Auferstehen des neuen, durch den Glauben erretteten Menschen (vergleiche das Vorbild der Arche in 1. Petrus 3,20f. sowie Römer 6,3ff. und Kolosser 2,12).

Aus diesen klaren Grundlehren der Heiligen Schrift ergibt sich die Folgerung, dass auch die sogenannten „Haustaufen“ in der Apostelgeschichte und in 1. Korinther 1,16 diese Kennzeichen tragen, zumal dabei ausdrücklich erwähnt wird, dass den Täuflingen vorher das Evangelium verkündigt worden ist und sie zum Glauben gekommen sind:

Apostelgeschichte 16, 32; 18, 8
Und sie sagten ihm das Wort des HERRN und allen, die in seinem Hause waren  Krispus aber, der Synagogenvorsteher, kam mit seinem ganzen Hause zum Glauben an den HERRN; und viele Korinther, die zuhörten, wurden gläubig und ließen sich taufen

Also auch hier die Reihenfolge: erst bußfertiger Glaube aufgrund der Wortverkündigung – und dann erst Taufe.

Ferner ergibt sich aus den klaren Grundlehren des Neuen Testaments die Folgerung, dass in Matthäus 28,19-20 die Jünger aus allen Völkern (und nicht die Völker als Gesamtheit!) gemeint sind, die – nachdem sie zu Jüngern geworden sind – getauft und weiter im Glaubensleben unterwiesen werden:

Matthäus 28,20
Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Gemeinde Jesu ist im Neuen Testament durchgehend Jüngergemeinde – und nicht Volkskirche! Es können keine Völker getauft werden. Früher wurde solches zum Teil mit dem Schwert erzwungen. Das kann aber nicht unsere Erkenntnis aus der Heiligen Schrift sein, dass wir ganze Völker taufen oder christianisieren könnten. Die Bekehrung ist immer ein individuelles Ereignis durch die persönliche Wiedergeburt aus Wasser und Geist.

Was bedeutet „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“? Jesus Christus spricht:

Johannes 3, 5
Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir, es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen

Manchmal wurde behauptet, hier sei das Taufwasser gemeint. Doch das Wasser ist ein Symbol für die Reinigung gemäß Hesekiel 36, 24-27, wo Gott der HERR spricht:

Hesekiel 36, 24-27
Denn Ich will euch aus den Heiden holen und euch aus allen Landen versammeln und wieder in euer Land führen und will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet. Von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will Ich euch reinigen. Und Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will Meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in Meinen Geboten wandeln und Meine Rechte halten und danach tun.

Der Mensch muss durch das Wasser gereinigt werden, durch das Wasser, das geistlich gesehen aus dem Leib Jesu fließt, und dann zugleich mit Seinem Geist erfüllt werden. Und hierfür ist die Taufe ein Symbol – nicht im Sinne einer Taufwiedergeburt, sondern der Mensch bekehrt sich zuerst, wird wiedergeboren durch Gottes Geist – und danach ist die äußere Taufe ein Zeichen dessen, dass er sich zuvor hat reinigen lassen durch das Wasserbad des Wortes (Titus 3, 5).

Die Herzensbeziehung zu Jesus Christus ist das entscheidende Kennzeichen eines errettenden Glaubens – die äußeren Formen können sich durchaus unterschiedlich zeigen. Rettender Glaube ohne Taufe ist möglich, denn auch der Schächer am Kreuz konnte nicht mehr getauft werden, wurde aber errettet (Lukas 23, 40-43), aber Taufe ohne Glaube bringt den Menschen nicht zur Wiedergeburt.

Im Hinblick auf etwaige andere Erkenntnisse möchte ich darauf hinweisen, dass es auf jeden Fall ein gefährliches Ruhekissen ist, wenn man von einer Taufwiedergeburt ausgeht und behauptet, schon der „getaufte“ Säugling sei ein Christ, die Sünden seien ihm weggenommen usw. Das, was unser Volk geistlich lähmt, ist die Tatsache, dass viele Menschen meinen, sie seien gute Christen, nachdem sie als Säuglinge mit Wasser begossen worden sind. Das reicht aber nicht aus und ist sogar eine Fehldeutung der Heiligen Schrift. Vielmehr geht es darum, dass der lebendige, persönliche Glaube an Jesus Christus im Zentrum stehen muss.

2. Allversöhnungslehre

Die Allversöhnungslehre ist besonders in Süddeutschland sehr verbreitet. Es handelt sich hierbei um eine Lehre, die rein menschlich gesehen durchaus verständlich ist. Welcher ernsthafte Christ wünscht sich denn, dass irgendein Mensch verloren geht? Selbst Gott will ja, dass alle Menschen gerettet werden (1. Timotheus 2, 4). Aber gilt das auch für diejenigen, die Gottes Retterwillen ablehnen? Das ist die entscheidende Frage.

Die Lehre der Allversöhnung oder des Universalismus stellt sich so dar: Weil Gott Liebe ist, wird Er schließlich alle Menschen erretten – am Ende womöglich sogar Satan und die Dämonen. Ferner – so wird behauptet – könnten die Erlösten im Himmel nicht selig sein, wenn sie daran denken, dass andere verdammt sind und ohne Ende in der Feuerhölle schmoren. Die Theosophie („Gottesweisheit“) ist durch Origines aus dem alexandrinischen Religionsbereich Ägyptens in das Christentum im 3./4. Jahrhundert eingedrungen.

So schreibt zum Beispiel der schwäbische Theosoph Johann Michael Hahn, auf den die Hahnschen Gemeinschaften in Württemberg zurückgehen:

Nein, es wird endlich kein Tod, keine Hölle, kein Feuersee, kein Satan und Belial mehr sein; denn so lange das alles ist, kann Gott nicht selbst Alles in Allem sein. Wenn aber Tod, Teufel und Hölle und also alles Böse nicht mehr ist, wo ist es denn hingekommen? Ist es dann vernichtet und so aufgelöst und aufgehoben, dass es gar nicht mehr existiert und ist? – Nein! So nicht. Sondern es ist durch den Wiederbringer und die Wiederbringungs-Anstalten herwiederbracht. Das Kranke ist gesund und geheilt, das Tote lebendig gemacht worden; der Rebellen sind nun keine mehr; selbst der Allerärgste, also der letzte Feind ist aufgehoben. (Zitiert nach: Stroh W. F., Die Lehre des württembergischen Theosophen Johann Michael Hahn, systematisch entwickelt und in Auszügen aus seinen Schriften dargestellt, Stuttgart 1936, S. 577).

Hahn lehrt also, dass auch der Teufel am Ende noch mit Gott versöhnt wird und dann nichts Böses mehr existiert. Alles wird durch „äonische Läuterungsgerichte“ hindurch in das Gute hinein verwandelt. Einer meiner Bekannten, der diese Lehre vertritt und den ich gefragt habe: „Kannst du dir wirklich vorstellen, mit Satan, Hitler und Stalin zusammen im Himmel zu sein?“, hat mir geantwortet: „Ja, Gott wird sein Alles in Allem. Aber wenn ich im Himmel schon ganz oben bin, dann sind die noch ganz unten.“ Wir merken also: Bei der Theosophie mit ihrer Allversöhnung steckt die Lehre der Evolution in den geistigen Welten dahinter – die Höherentwicklung der Menschheit hin zum „Kosmos der Liebe“. Diese Vorstellung findet sich bei christlich geprägten Theosophen wie Johann Michael Hahn, Friedrich Christoph Oetinger, Theodor Böhmerle, Adolf Heller und Heinz Schumacher, aber ebenso bei Esoterikern und Sektierern wie Helena Petrovna Blavatsky, Rudolf Steiner, Anselm Grün oder Ivo Sasek. Nach deren Vorstellung gibt es am Ende keine Verdammten mehr. Die Hölle sei leer. Auch bei modernen Evangelikalen setzt sich diese angenehme Lehre immer mehr durch, etwa durch Bücher von Rob Bell und anderen.

Eine andere Form der Allversöhnung vertritt der vom Calvinismus geprägte Theologieprofessor Karl Barth, der durch seine Lehren großen Einfluss auf weite Teile der Theologen und Pfarrerschaft („Barthianer“) ausgeübt hat. Auch die Bewegung der Emerging Church wurde durch ihn beeinflusst. Er war wohl der bedeutendste Theologe im 20. Jahrhundert, aber leider kein bibeltreuer Mann. Barth führt aus, dass durch das stellvertretende Sühneopfer Jesu Christi alle Menschen mit Gott versöhnt seien, da Er die Verwerfung und das Gericht auf sich geladen hat. Dadurch aber sei kein Nicht-Christ – und zwar

kein einziger unter ihnen, und wenn er sich als der erbittertste und verstockteste Gottlose gäbe und gebärdete“ – zur „Geistlosigkeit“ verurteilt. Vielmehr kann „keine Abwendung, keine Revolte und Resistenz und Ungebühr des Nicht-Christen etwas ändern, dass auch er in der von Gott gut, nämlich als äußerer Grund des Bundes und so auch zu seinem Heil geschaffenen – mehr noch: in der in Erfüllung dieses Bundes, in Vollstreckung der Erwählung, in der auch er erwählt ist, in Jesus Christus versöhnten Welt, dass auch er als ein mit Gott Versöhnter existiert“. Der Geist „ist auch ihm verheißen. Er ist nicht einfach nicht sein Empfänger, Träger und Besitzer: er ist es noch nicht, indem er Jesus Christus noch nicht erkennt. (Karl Barth, Kirchliche Dogmatik IV/3, S. 410.)

Weil also – so Barth – in Christus alle verworfen und erwählt worden sind, werden schließlich auch alle gerettet. Sie haben es nur noch nicht erkannt. Also gilt es, das Erwählungshandeln Gottes in der Welt bekannt zu machen. Man muss den Leuten sagen: „Du bist schon in Christus erwählt. Du musst nur noch erkennen, dass du schon ein gerettetes Gotteskind bist.“ Was aber geschieht mit denjenigen, welche die Heilsbotschaft nicht erreicht oder die sich ihr gegenüber verschließen?

Sie existieren nach Barths Lehre dennoch als mit Gott Versöhnte. Eine ewige Verdammnis gibt es folglich für sie nicht. Damit aber hat Barth der Mission im biblischen Sinn, der es um die Errettung solcher Menschen geht, die ohne die Heilsbotschaft von Jesus Christus verlorengehen, die Spitze abgebrochen. Diese Lehre hat weite Teile der Pfarrerschaft beeinflusst. Das sind dann die „Geistlichen“, die auf den Friedhöfen bei Beerdigungen sagen: „Er darf schauen, was er geglaubt hat“, obwohl der Verstorbene vielleicht nie in einem Gottesdienst gesehen wurde.

Diese Auffassung jedoch ist ein frommer Wunschtraum. Thomas Zimmermanns bemerkt zur Allversöhnungslehre in ihren unterschiedlichen Schattierungen grundsätzlich Folgendes:

Die Allversöhnungslehre ist mit zahlreichen Bibelstellen nicht zu vereinbaren, die eindeutig nicht nur von einer ewigen Seligkeit der Erretteten bei Gott sprechen, sondern auch von einer ewigen Verdammnis der im Weltgericht Verurteilten (vergl. z.B. Mt 3,12; 25,41; Mk 9,43 ff., Jud 7 [ewiges Feuer]; Mt 25,46 [ewige Pein]; Hebr 6,2 [ewiges Gericht]; 2. Thess 1,9 [ewiges Verderben]). Schon Daniel sagt in Dan 12,2 über die Auferstehung, dass die einen zum ewigen Leben aufwachen werden, die anderen aber zu ewiger Schmach und Schande. Es ist nun bereits sprachlich ausgeschlossen, dass ´ewig` im Zusammenhang mit der Seligkeit tatsächlich ´ewig` im Sinne von ´endlos` bedeuten soll, im Zusammenhang mit der Verdammnis dagegen nur einen sehr langen Zeitraum.
´Wenn die Spreu verbrannt wird mit ewigem Feuer (Mt 3,12), wenn Er (Jesus Christus; Th.Z.) feierlich dreimal bezeugt, dass der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlischt bei den Gottlosen (Mk 9,43 ff.) (heißt das etwa: so lange, bis es der kluge Menschenverstand ausbläst?), ist da unsere Vernunft wirklich berechtigt, ein Fragezeichen neben solche Stellen zu machen?` (Heinrich Coerper). (Thomas Zimmermanns, Artikel „Allversöhnung“, in: Lothar Gassmann (Hrsg.), Kleines Theologie-Handbuch Band 1, Schacht-Audorf 2008, Seite 10.)

Im 2. Korintherbrief 5, 16-19 – einer Stelle, die oft für die Allversöhnung herangezogen wird – steht geschrieben:

2. Korintherbrief 5, 16-19
So kennen wir denn von nun an niemand mehr nach dem Fleisch; wenn wir aber auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir Ihn doch nicht mehr so. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden! Das alles aber [kommt] von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem Er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte.

So weit – könnte man vielleicht behaupten – entspricht es der Allversöhnung, aber jetzt geht es weiter. Wir müssen immer den Kontext berücksichtigen und dürfen keine Stellen aus dem Zusammenhang reißen:

2. Korintherbrief 5, 20.21
So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, dass Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in Ihm [zur] Gerechtigkeit Gottes würden.

Die Grundlage zur Versöhnung ist einerseits gelegt, gleichzeitig kommt dann aber als Aufruf und Appell: Lass dich versöhnen! Hier gibt es keinen Automatismus.

Es wird keiner zu etwas gezwungen, was er zu Lebzeiten abgelehnt hat. Der Teufel wird auf keinen Fall von Gott in den Himmel gezwungen. Er hat sich ja von Gott losgesagt – und der Eintritt in den Himmel wäre gegen seinen Willen. Auch Hitler hat sich bestimmt nicht den Himmel der Bibel, die er mit dem ihm so verhassten Judentum identifizierte, vorgestellt. Es wird keiner zu seinem Heil gezwungen.

Gottes Erwählungshandeln und des Menschen Bekehrung – beides geschieht zusammen. Der Mensch, nicht als willenlose Marionette erschaffen, hat die Möglichkeit, auf Gottes Gnadenangebot mit „Ja“ oder „Nein“ zu reagieren, was keinerlei Hinzufügung zum vollbrachten Heilswerk Gottes ist. Wer die vollbrachte Versöhnung am Kreuz auf Golgatha ablehnt, ist nicht automatisch befriedet mit Gott, wie Er sich in der Heiligen Schrift geoffenbart hat. Aber wenn wir Jesu Opfer auf Golgatha annehmen, nehmen wir das 100% von Ihm für uns vollbrachte Erlösungswerk an. Dazu sind wir aufgerufen und durch Gottes Retterwillen ermächtigt, aber nur zu Lebzeiten auf der Erde. Wäre es anders, dann würde nicht so oft in der Bibel stehen:

Bekehre dich“, „Kehre um“ und „Lasset euch versöhnen mit Gott“!

Die Allversöhnungslehre kann aufgrund dessen ein sehr trügerisches Ruhekissen sein, nachdem überdies eine allgemeine Bekehrung im Jenseits als eine sehr fragliche Lehrauffassung so in der Bibel nicht zu finden ist. Die Stelle 1. Petrus 3, 19-20 meint vom Textzusammenhang her nur die Generation zur Zeit Noahs.)

3. Vorentrückungslehre

Die Frage des Entrückungs-Zeitpunktes ist ein schwieriges Thema. Man kann dabei sozusagen „auf zwei Seiten vom Pferd fallen“. Die einen sagen: „Wir können den Zeitpunkt der Entrückung genau berechnen und müssen nicht allezeit wachsam sein. Der HERR kommt erst, wenn dies oder jenes geschehen ist (zum Beispiel: wenn der Tempel in Jerusalem wieder steht). Vorher können wir die Entrückung nicht erwarten.“

Dies widerspricht aber dem vielfachen Aufruf unseres HERRN Jesus und Seiner Apostel, ständig zu wachen und allezeit zur Erwartung Seiner Wiederkunft bereit zu sein (siehe die Bibel-Zitate am Anfang meiner Ausarbeitung!). Wer nicht ständig wachsam ist und den HERRN erwartet, unterliegt einem gefährlichen Betäubungsschlaf.

Die anderen sagen: „Die Zeit des Antichristen betrifft uns nicht mehr, denn wir werden vorher entrückt. Ab Kapitel 4 gilt die Johannesoffenbarung nur noch für Israel, nicht mehr für die Gemeinde. Die Gemeinde muss weder die Siegel- noch die Posaunennoch die Zornschalengerichte miterleben.“

Dies ist die Lehre der Vorentrückung. Diese steht aber im Widerspruch zu vielen Stellen im Neuen Testament, die besagen, dass die aus Juden- und Heidenchristen zusammengesetzte eine Gemeinde (vgl. Epheser 2) doch noch durch manche Prüfungen und Leiden hindurchgehen muss, ja dass der Antichrist (das Tier aus dem Völkermeer) sogar eine begrenzte Zeit lang Macht haben wird, die Heiligen zu überwinden (Offenbarung 13, 7). Vor allem aber widerspricht sie dem, was der Apostel Paulus im 2. Thessalonicherbrief schreibt:

2. Thessalonicher 2, 1-4
Was nun das Kommen unseres HERRN Jesus Christus angeht und unsere Vereinigung mit Ihm, so bitten wir euch, liebe Brüder, dass ihr euch in eurem Sinn nicht so schnell wankend machen noch erschrecken lasst – weder durch eine Weissagung noch durch ein Wort oder einen Brief, die von uns sein sollen -, als sei der Tag des HERRN schon da. Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens. Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott.

Das heißt mit klaren Worten, dass die Vereinigung der Gemeinde mit Jesus Christus, also die Entrückung, erst dann geschieht, nachdem der Antichrist geoffenbart worden ist, also mit seinem Wirken begonnen hat! Das bzw. der Aufhaltende in den darauf folgenden Versen (2. Thessalonicher 2, 6-8) kann unterschiedlich gedeutet werden, zum Beispiel als Ordnungsmacht, Engelwesen oder auch als die christliche Gemeinde. Aber selbst wenn Letzteres (die christliche Gemeinde bzw. der Heilige Geist in den Gläubigen) das Aufhaltende gegenüber der Macht der Bosheit sein sollte (was von vielen so gesehen wird), so spricht dies nicht unbedingt für die Vorentrückung vor der siebenjährigen Trübsalszeit, sondern eher für die Entrückung während der Trübsal, – und zwar dann, nachdem – wie deutlich geschrieben steht – der Mensch der Bosheit bereits offenbart worden ist und bevor er seine völlige dämonische Macht entfalten kann. Seine volle böse Macht kann er erst entfalten, nachdem die Gemeinde hinweg genommen worden ist:

2. Thessalonicher 2, 6-10
Und ihr wisst, was ihn noch aufhält, bis er offenbart wird zu seiner Zeit. Denn es regt sich schon das Geheimnis der Bosheit; nur muss der, der es jetzt noch aufhält, weggetan werden, und dann wird der Böse offenbart werden. Ihn wird der Herr Jesus umbringen mit dem Hauch Seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch Seine Erscheinung, wenn Er kommt. Der Böse aber wird in der Macht des Satans auftreten mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern …

Ich hoffe sehr, dass diejenigen Geschwister, die an die Vorentrückung glauben, trotzdem zum Leiden bereit sein sollten, falls sie einmal erkennen müssten, dass ihre Lehrauffassung nicht stimmt und sie doch noch hineinkommen in die Anfangszeit des Antichristen. Wird die Vorentrückungslehre nicht hinterfragt, kann sie als beharrlich wiederholte Versicherung von führenden Leitern Schaden anrichten, wenn den Menschen einsuggeriert wird, dass keinerlei Ungemach oder Leiden bei der Erscheinung des Antichristen den ernsthaften Christenmenschen erwarten kann.

Dies kann dann zu einem bösen Erwachen führen. Jeder Nachfolger Jesu sollte sich hingegen darauf einrichten, dass wir eventuell noch eine bestimmte Zeitspanne in diese Trübsal hineingehen werden, und mit einer inneren Haltung der Wachsamkeit über diese Fragen mit Gottes Hilfe nachdenken. Die Entrückung während der siebenjährigen Trübsalszeit wird nach meiner Erkenntnis noch von weiteren Bibelstellen bestätigt, besonders von 1. Korinther 15, 51.52. Dies ist die einzige Stelle, an der sich ein ungefährer zeitlicher Hinweis (aber natürlich kein genau datierbarer Zeitpunkt) für die „Verwandlung“ der Gläubigen findet:

1. Korinther 15, 51.52
Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

Damit stimmen auch folgende Bibelstellen überein, die ebenfalls von Posaunenschall und zudem der Wirksamkeit von Engeln zur Zeit der Entrückung berichten:

Matthäus 24, 31; 1. Thessalonicher 4, 16.17
Und Er wird Seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden Seine Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern  Denn Er selbst, der HERR, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem HERRN entgegen; und so werden wir bei dem HERRN sein allezeit.

Die Diskussion dreht sich im Wesentlichen darum, um was für eine Posaune bzw. „letzte Posaune“ es sich handeln mag. Versteht man die Bibel einfach und wörtlich, so wie es geschrieben steht, dann kann die letzte Posaune meines Erachtens nur die siebte Posaune in der Johannesoffenbarung sein, zumal bei dieser Engel beteiligt sind. Über die letzte Posaune steht Folgendes geschrieben:

Offenbarung 11, 15-18; 10, 7
Und der siebte Engel stieß in die Posaune; da ertönten laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Die Königreiche der Welt sind unserem Herrn und Seinem Christus zuteil geworden, und Er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die 24 Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen saßen, fielen auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Wir danken dir, o HERR, Gott, Du Allmächtiger, der Du bist und der Du warst und der Du kommst, dass Du Deine große Macht an Dich genommen und die Königsherrschaft angetreten hast! Und die Heidenvölker sind zornig geworden, und Dein Zorn ist gekommen und die Zeit, dass die Toten gerichtet werden, und dass Du Deinen Knechten, den Propheten, den Lohn gibst, und den Heiligen und denen, die Deinen Namen fürchten, den Kleinen und den Großen, und dass Du die verdirbst, welche die Erde verderben! … in den Tagen, wenn der siebente Engel seine Stimme erheben und seine Posaune blasen wird, dann ist vollendet das Geheimnis Gottes, wie er es verkündigt hat seinen Knechten, den Propheten.

Dies ist auch der direkte Zusammenhang innerhalb des Neuen Testaments, wie der Geist Gottes es den Aposteln des Neuen Bundes offenbart hat. Die letzte Posaune wird im Auftrag des HERRN von einem Engel geblasen. Sie nimmt die Knechte Gottes hinweg zum Preisgericht der Erlösten (1. Korinther 3) und lässt durch das Ausschütten der Zornschalen die schlimmsten Strafgerichte aller Zeiten über die dem Antichristen verfallene Menschheit hereinbrechen.

Einige Einwände besagen, dass es sich bei der Entrückung nicht um die siebte Posaune der Johannesoffenbarung, sondern stattdessen um ein Schofarhorn des Alten Bundes handle, etwa wie bei der Lagerung des Volkes Israel am Berg Sinai vor der Offenbarung der Zehn Gebote (2. Mose 19). Oder die „letzte Posaune“ sei der „formale Ausdruck für den letzten, langgezogenen und äußerst bedeutsamen Posaunenton beim Fest der Posaunen“ im alten Israel (3. Mose 23, 23-25; Jesaja 27, 13 – so schreibt der messianische Jude Arnold Fruchtenbaum).

Oder man behauptet gar, die „letzte Posaune“ sei die dritte Posaune im römischen Heer, die zum Aufbruch blase (so schreibt z.B. der christliche Autor Norbert Lieth). Aber wo steht Letzteres denn in der Bibel? Alle diese Deutungen übergehen den viel näher liegenden unmittelbaren Zusammenhang der Posaunen innerhalb des Neuen Testaments. Sie sollen offensichtlich dazu dienen, die Vorentrückungslehre zu stützen, indem jeder Zusammenhang zwischen der letzten Posaune bei Paulus und der siebten Posaune bei Johannes abgestritten werden muss.

Deshalb wird von Vertretern der Vorentrückungslehre zum Teil sogar argumentiert, dass die letzte Posaune bei Paulus deshalb nicht die siebte Posaune der Offenbarung sein könne, weil die Johannes-Offenbarung ja einige Jahrzehnte nach dem 1. Korintherbrief geschrieben worden sei. Aber ist das nicht „fromme Bibelkritik“? Man geht hierbei davon aus, Paulus habe noch nichts von Johannes und der ihm geschenkten Offenbarung gewusst. Aber der Geist Gottes hat es doch im Voraus gewusst! Wäre das nicht so, dann hätte ja zum Beispiel auch König David im Psalm 22 noch nichts von der Kreuzigung Jesu wissen können. Aber in Psalm 22 sind sämtliche Einzelheiten der Kreuzigung Jesu rund 1.000 (!) Jahre früher vorausgesagt worden.

Entweder gibt es Prophetie oder es gibt keine. Und wir wissen: Gottes Geist hat die Gesamtheit der Heiligen Schrift eingegeben, so dass auch die beiden angesprochenen neutestamentlichen Schriften einander nicht widersprechen können. Gott hat fraglos vorher gewusst, dass im Buch der Offenbarung ausführlich von den sieben Posaunen berichtet werden wird und bereits vorher seinem Apostel Paulus prophetisch den Hinweis auf die „letzte Posaune“ eingegeben. So sehe ich die letzte Posaune als die siebente an, die konkret in Offenbarung 11 gezeigt wird, etwa zu der Zeit, zu welcher die zwei Zeugen hinweg genommen werden.

Allerdings streite ich über diese Frage nicht und kann auch Christen mit anderer Erkenntnis auf diesem Gebiet als meine Brüder und Schwestern im HERRN respektieren. Es ist jedenfalls – so steht es in Offenbarung 11 geschrieben – beim Blasen der siebten Posaune (der Engel bläst die Posaune Gottes im Auftrag und in Stellvertretung für den HERRN) die Zeit gekommen, um den Knechten den Lohn zu geben – wie schon erwähnt: ein entscheidender Hinweis auf das Preisgericht (1. Korinther 3), das unmittelbar auf die Entrückung folgt. Zugleich beginnen auf der Erde die Zornschalengerichte. Vorher nimmt der HERR Seine Gemeinde gnädig hinweg. Er verkürzt also ihre Leidenszeit unter der antichristlichen Herrschaft. Damit ist das Geheimnis Gottes erfüllt (das prophetische Signalwort „Geheimnis“ begegnet sowohl in 1. Korinther 15, 51 f. als auch in Offenbarung 10, 7, was zusätzlich beweist, dass es sich um dieselbe Posaune handelt).

Dies wird weiter bestätigt durch Offenbarung 7, 13-14. Hier ist nicht die Rede von den Heiligen speziell aus Israel (das sind die 144.000 in Offenbarung 7, 1-8), sondern von der großen Schar der Erlösten aus allen Nationen. Und diese kommen aus der großen Trübsal, sind also nicht vorher hinweg genommen worden. Diese Deutung passt genau zu dem, was der HERR Jesus in Matthäus 24,21.22 sagt:

Offenbarung 7, 13.14; Matthäus 24, 21.22
Und einer der Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind’s, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes  Denn dann wird eine große Drangsal sein, wie von Anfang der Welt an bis jetzt keine gewesen ist und auch keine mehr kommen wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen sollen jene Tage verkürzt werden.

An dieser Stelle wird nicht ausgedrückt, dass dieser Zeitabschnitt der Drangsal einfach den Christen erspart wird, so dass diese gar nicht in die Drangsal hineinkommen würden (Vorentrückung). Es wird auch nicht gesagt, dass sie bis zum Ende darin ausharren müssen (Nachentrückung). Vielmehr wird die Zeit verkürzt. Diese Aussage deutet meines Erachtens auf eine Entrückung etwa in oder ab der Mitte dieser Drangsal hin, wenn diese letzte, nämlich die siebente Posaune geblasen wird, nach der Himmelfahrt der zwei Zeugen.

Wenn die Zornschalengerichte sich entfalten, wenn das Reich des Antichristen sich formiert hat und die Gerichte über dieses Reich hereinbrechen, dann geschieht es. „Wenn die Not am größten, ist die Hilf am Nächsten“. Dann bewahrt der Herr seine Gemeinde. Er bewahrt sie aus der Stunde der Versuchung heraus (es findet sich die Präposition „ek“ – „aus heraus“ in Offenbarung 3, 10, eine weitere Bestätigung für die Entrückung während der Trübsal). Damit sollte ausgedrückt werden, dass auch wir Christen in Europa uns auf Leiden und Beschwerlichkeit einzustellen haben und wachsam und konzentriert an der Hand des HERRN Jesus gehen, auch wenn die Zeiten bedrückender werden.

Betont sei nochmals, dass wir freilich dennoch allezeit wachsam sind und vorbereitet auf die Entrückung leben, denn wir wissen ja nicht genau, wann die Trübsalszeit beginnt und ob sie schon begonnen hat. Es kam schon zu mancherlei Friedensschlüssen mit Israel und wird vielleicht noch manche weiteren geben – und mit einem dieser „Bündnisse“ beginnt die Trübsalszeit (wohl identisch mit der 70. Jahrwoche) mit dem Auftreten des Antichristen zu laufen (vgl. Daniel 9,27). Wer also die Entrückung etwa in der Mitte der Trübsalszeit vertritt, erwartet durchaus den HERRN jederzeit, wozu wir im Neuen Testament unmissverständlich aufgerufen sind (Matthäus 24 f.).

3 Gedanken zu „Drei Betäubungsmittel für die endzeitliche Christenheit

  1. Was passiert eigentlich mit Menschen, die nie etwas von Jesus gehört habe , weil sie beispielsweise vor Christi Geburt gelebt haben ?

    1. Hallo Manfred,

      herzlichen Dank für Deine Frage.

      Im Alten Testament war der „Scheol“ der Bestimmungsort der Toten. Zum Beispiel erwähnte Jakob den „Scheol“:

      1.Moses 37, 34.35 (Schlachter 2000):
      Und Jakob zerriss seine Kleider und legte Sacktuch um seine Lenden und trug lange Zeit Leid um seinen Sohn. Da machten sich alle seine Söhne und Töchter auf, um ihn zu trösten; er aber wollte sich nicht trösten lassen, sondern sprach: Ich höre nicht auf zu trauern, bis ich zu meinem Sohn hinabfahre ins Totenreich! So beweinte ihn sein Vater.

      Der Begriff „Totenreich“ ist die deutsche Übersetzung des hebräischen Wortes SCHEOL. Die Gläubigen im Alten Bund kamen also nicht in den Himmel, sondern ins Totenreich.

      Im Neuen Testament wird bezeugt, dass GOTT alle Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren (Römer 3,24-26).

      Jetzt stellt sich noch die Frage: Wer war ein Gerechter im Alten Bund? Den Menschen im AT wurde deren Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. Der Hebräerbrief enthält diesbezüglich viele Informationen.

      Shalom
      Roland

  2. In meiner Bibelkonkordanz finde ich zwischen Apostelgeschichte und Offenbarung mehr als 30 Bibelstellen die den Begriff „Trübsal“ zum Inhalt haben. Wer die Entrückung vor dem Beginn der 70. Jahrwoche Daniels erwartet, kann sich also keineswegs um Trübsale herumdrücken. Diese Trübsale sollten aber von der einzigartigen „grossen Drangsal“ von Offb 7.14 unterschieden werden. – Die Aussicht von einer Entrückung vor der Erscheinung des kommenden Antichristen erspart uns nicht die Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Antichristen, siehe Chronologie von 1.Joh 2.18. – Nach meinem Verständnis sollten wir uns in 2.Thess 2 nicht vor der Entrückung, sondern vor politisch/religiös wirkenden falschen Messiassen, Führern, Politikern etc. in Acht nehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Optionally add an image (JPEG only)