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Der Alexandrinische Texttyp unter der Lupe

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Weshalb auf Ägypten hören?

LoggaWiggler / Pixabay
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Während der letzten hundert Jahre war es für die neutestamentliche Kritik üblich, zu argumentieren, dass der Alexandrinische Texttyp der verlässlichste unter den vorhandenen sei, und dass er in jedem Versuch, den Originaltext des Neuen Testamentes zu rekonstruieren, die größte Berücksichtigung erhalten sollte. Das war und ist weiterhin die vorherrschende Ansicht [vieler Gelehrter]. Eigentlich unterstützt jeder, der eine UBS-Ausgabe (United Bible Society, UBS3) oder eine Nestle-Aland-Ausgabe des griechischen Textes benützt, diese Position, ebenso jeder, der eine Übersetzung benützt, die diese Textausgaben als Grundlage verwendet (d. i. fast alle modernen englischen und deutschen Übersetzungen). Das ist die de facto-Position der Internationalen Übersetzungsabteilung der Wycliff Bibelübersetzer, seit deren exegetische Hilfsmittel und semantische Strukturserien grundsätzlich UBS3 folgen.

Soweit die Fakten. Aber ist es eine gute Sache? Es bestehen über 6000 Unterschiede zwischen UBS3 und der durch die weite Mehrheit Griechischer Manuskripte dargestellten Textform. Nicht selten folgt UBS3 einigen ägyptischen Zeugen gegen die vereinte Stimme der übrigen Welt. Schlägt die Vernunft eine Infragestellung in diesem Punkt vor?

Das ist die Überzeugung des Verfassers dieses Artikels.

Welche Forderung erhebt Ägypten an unser Vertrauen? Warum sollten wir auf Ägypten hören, wenn der Rest der Welt dagegen steht? Ich gehe von dem Standpunkt all derer aus, die glauben, und/oder behaupten, dass das Neue Testament Gottes Wort ist. Warum denn sollte Gott sich um die Bereitstellung einer geschriebenen Offenbarung kümmern? Wenn es Seine Absicht war, Seine Mitteilung zu einem gegebenen Zeitpunkt der Geschichte auf eine einzelne Person, Gemeinschaft oder [auf ein einzelnes] Volk zu beschränken, würde Er als Mittel vermutlich gesprochene Sprache benützen. Wenn es Seine Absicht war, alle Menschen und alle Generationen zu erreichen, war als Mittel geschriebene Sprache nötig. 2.Tim. 3,16 berichtet über die Absicht (bzw. über die Nützlichkeit) der Schrift; diese ist nicht auf eine Generation beschränkt. Jedenfalls wurde das Alte Testament zum Nutzen der nachfolgenden Generationen geschrieben –

1. Korinther 10, 11
auf die Enden der Weltzeiten hin

Worum es geht, ist: Wenn Gott will, dass Seine schriftliche Offenbarung zum Nutzen künftiger Generationen gereicht, muss sie für diese bewahrt werden. Sie muss auch als das erkannt werden, was sie ist. Mit anderen Worten, als der Heilige Geist die neutestamentlichen Bücher inspirierte, musste Er auch einen Plan gehabt haben, um sicher zu gehen, dass sie als Heilige Schrift erkannt und durch die Jahrhunderte getreu überliefert würden.

Wie also würde nun Gott vorgehen, um diese zwei Ziele zu erreichen? Er arbeitete offensichtlich durch die Gemeinde. Er benutzte gottesfürchtige Menschen. Die Apostel wussten, dass sie Wort Gottes [d.h. „heilige Schrift“] schrieben, und die uns erhaltenen Schriften der frühesten Kirchenväter des ersten und zweiten Jahrhunderts zeigen klar, dass sie die Schriften des Neuen Testamentes als Heilige Schrift erkannten und benutzten. Irenäus schrieb vor dem Jahre 200 n. Chr. In seinem [uns] erhaltenen Schriften zitiert er aus jedem Buch des Neuen Testamentes, ausgenommen Philemon und 3. Johannesbrief (aber möglicherweise hat er auch diese beiden in Schriften benutzt, die uns nicht erhalten sind). Offensichtlich war der Umfang der Bücher, die Irenäus als neutestamentlichen Kanon, erkannte, demjenigen, den wir heute haben, sehr, sehr ähnlich. Ich lege große Betonung auf die frühe, praktisch unmittelbare Anerkennung der Kanonizität der neutestamentlichen Schriften, denn sie ist ein entscheidender Faktor für ein korrektes Verständnis für das, was bei deren Überlieferung geschah.

Welche Faktoren also würden wichtig sein, um eine getreue Überlieferung der neutestamentlichen Schriften zu garantieren bzw. zu erleichtern? Ich behaupte, es gibt drei Hauptfaktoren:

(1) eine gebührende Haltung dem Text gegenüber,

(2) eine entsprechende Fertigkeit im [Beherrschen] der Ausgangssprache und

(3) ein direkter Zugang zu den Originalen [= Urschriften].

1. Die gebührende Haltung dem Text gegenüber

Wenn sorgfältige Arbeit erfordert wird, dann ist die Haltung [die Einstellung] derer, denen die Aufgabe anvertraut ist, entscheidend. Sind sie sich der Sache bewusst? Sind sie einverstanden? Wenn sie den Charakter [das Wesen, die Beschaffenheit] ihrer Aufgabe nicht verstehen, wird die Qualität wahrscheinlich leiden. Wenn sie ihn verstehen, aber nicht einverstanden sind, könnten sie diese sogar zu absichtlich beeinträchtigen.

Im Falle der neutestamentlichen Bücher wollen wir mit der Frage beginnen: „Warum würden Abschriften hergestellt werden?“ Wir haben gesehen, dass die Gläubigen die Autorität der neutestamentlichen Schriften von Beginn an anerkannten; somit hat man unmittelbar mit der Herstellung von Abschriften begonnen.

Eine zweite Frage wäre: „Was für eine Einstellung hatten die Abschreiber zu ihrer Arbeit?“ Da sie Nachfolger Christi waren und daran glaubten, dass sie mit Heiliger Schrift umgingen, wird sich zu ihrer grundlegenden Einstellung der Aufrichtigkeit auch Ehrfurcht in ihrem Umgang mit dem Text gesellt haben. Im Lauf der Zeit, unter der Annahme, dass die Gläubigen Personen von zumindest durchschnittlicher Integrität und Intelligenz waren, werden sie sorgfältige Abschriften von den Manuskripten erstellt haben, welche sie von der vorhergehenden Generation erhalten hatten – von Personen, denen sie vertrauten, und sie waren sich sicher, dass jene den wahren Text überlieferten. Möglicherweise kamen in ihren Arbeiten versehentliche Abschreibfehler vor, jedoch nicht bewusste Textveränderungen. Es ist wichtig, festzuhalten, dass die frühesten Christen es nicht nötig hatten, „Textkritiker“ zu sein. Mit dem beginnend, wovon sie wussten, dass es der reine Text war, mussten sie lediglich genügend aufrichtig und sorgfältig sein. Ich behaupte, dass wir Grund genug haben, zu glauben, dass sie sorgfältig waren.

Als der Einfluss des Christentums sich jedoch ausbreitete und begann, eine Wirkung auf die Welt auszuüben, erhob sich Opposition verschiedener Art. Auch kam es zu Spaltungen innerhalb der großen christlichen Kirche. In manchen Fällen wurde die Treue zu einer ideologischen Position offensichtlich wichtiger als die Treue zum Text des Neuen Testaments. Es ist sicher, dass Kirchenväter, die während des zweiten Jahrhunderts schrieben, sich bitterlich über die von Häretikern begangenen bewussten Textveränderungen beklagten. Solch ein Szenario war absolut voraussehbar. Wenn das Neue Testament tatsächlich Gottes Wort ist, dann müssen beide, Gott und Satan, ein lebhaftes Interesse an dessen Schicksal haben. Wenn man an die neutestamentliche Textkritik herangeht, ohne diesem Interesse Rechenschaft zu tragen, ist das unverantwortlich.

2. Die Notwendigkeit einer Fertigkeit im [Beherrschen] der Ausgangssprache

Als Sprachwissenschaftler und als einer, der im Bibelübersetzungsprozess für einige Jahre mitgemischt hat, kann ich bestätigen, dass eine „perfekte“ Übersetzung unmöglich ist. Tatsächlich ist eine tolerierbar vernünftige Annäherung oft schwierig genug zu erreichen. Daraus folgt: Jegliche göttliche Fürsorge für die genaue Form des neutestamentlichen Textes wird durch die Sprache der Urschriften – d.i. durch das Griechische – übermittelt. Sicherlich geben alte Übersetzungen (syrische, lateinische, koptische) eine Stimme für bedeutendere Lesarten ab, aber Präzision ist (im Falle des Neuen Testaments) nur im Griechischen möglich. Soviel über den Hintergrund; im Folgenden aber gilt unsere Hauptsorge den Abschreibern.

Einen Text von Hand abzuschreiben in einer Sprache, die man nicht versteht, ist eine mühevolle Sache, und es ist beinahe unmöglich eine perfekte Kopie herzustellen. Betrachten wir z.B. P66. Dieses Papyrusmanuskript ist wahrscheinlich das älteste (ca. 200 n. Chr.) aller noch vorhandenen Manuskripte des Neuen Testaments (aller Manuskripte, auch die kleinsten einbezogen). P66 ist eine der schlechtesten Abschriften, die wir besitzen. Es weist durchschnittlich etwa zwei Fehler pro Vers auf – viele davon sind offensichtliche, dumme Fehler, unsinnige Fehler. Ich behaupte bedenkenlos, dass die Person, die P66 herstellte, nicht Griechisch konnte. Hätte jener Abschreiber den Text verstanden, wären die Anzahl und die Art von Fehlern, die er machte, nicht geschehen.

Betrachten wir nun das Problem von Gottes Standpunkt aus. Wem sollte er die Hauptverantwortlichkeit für die getreue Überlieferung des neutestamentlichen Textes anvertrauen? Wenn der Heilige Geist eine aktive Rolle in diesem Prozess spielen sollte, worauf sollte er Seine „Anstrengungen“ konzentrieren? Abschreibern, die fließend Griechisch sprachen, würde man wohl den Vorrang geben, und Gegenden, wo Griechisch weiterhin in aktivem Gebrauch war, würden wohl als vorrangig gelten. Damit eine getreue Überlieferung gewährleistet sei, müssten die Abschreiber im Griechischen bewandert sein.

3. Wer hatte direkten Zugang zu den Urschriften?

Dieses Kriterium galt wohl nur für die ersten hundert Jahre (danach waren die Originale vermutlich zerfranst und zerfallen), aber es ist für ein richtiges Verständnis der Textüberlieferungsgeschichte höchst bedeutungsvoll. Bereits im Jahre 100 n. Chr. muss es viele Abschriften von den verschiedenen neutestamentlichen Büchern gegeben haben; in dieser Zeit war es sicher immer noch möglich, eine Abschrift mit dem Original zu vergleichen, falls eine Frage [oder Unsicherheit in Bezug auf die Genauigkeit der Abschrift] auftauchen sollte.

Der entscheidende Punkt ist: Es bestand ein anwachsender Strom [d.h.: eine große Anzahl] von getreu angefertigten Abschriften ausgehend von den Besitzern der Urschriften [= der Originale] hin zum Rest der christlichen Welt. In diesen frühen Jahren waren sich die Hersteller der Abschriften bewusst, dass der wahre Wortlaut nachgeprüft werden konnte; das wird sie davon abgehalten haben, sich Freiheiten mit dem Text herauszunehmen [d.h. bewusst Textänderungen vorzunehmen].

Wie auch immer, die geographische Entfernung ist ein Faktor, der beachtet werden sollte. D.h.: Ich denke, wir dürfen begründeterweise den Schluss ziehen, dass im Allgemeinen die Qualität der Abschriften in der Gegend, wo die Autoren gelebt hatten, ausgezeichnet war, und dass sie sich, je weiter man entfernt war, allmählich verschlechterte. Wichtige geographische Barrieren würden diese Tendenz noch verstärken.

Um das Jahr 208 behauptete Tertullian, dass die „eigenen, authentischen“ Schriften der Apostel immer noch in Gemeinden, die diese empfangen hatten, gelesen würden. Man könnte das so verstehen, dass er sich auf die Autographen [= die Urschriften] bezog, obwohl es kaum möglich scheint, dass die Urschriften so lange überlebt haben könnten; aber jedenfalls muss das bedeuten, dass die jeweiligen Gemeinden exakte Abschriften benutzten. War etwas anderes zu erwarten? Wenn zum Beispiel die Ältesten der Gemeinde von Ephesus sahen, dass das Original vom Brief des Paulus am Zerfallen war, würden sie nicht sorgfältig eine identische Kopie für ihren eigenen ständigen Gebrauch anfertigen? Würden sie es zulassen, dass das Original umkäme, ohne dass eine solche Kopie hergestellt würde? Würden wir es zulassen? Ich denke, wir sind verpflichtet den Schluss zu ziehen, dass die Gemeinde von Ephesus im Jahre 200 immer noch in der Lage war, den exakten Originalwortlaut ihres Briefes zu bestätigen (und ebenso war es mit den Besitzern der restlichen Urschriften), also in der Zeit, aus der auch P46, P66 und P75 datieren!

Wer also besaß diese Originale, die Urschriften? In Regionen ausgedrückt, hatte Kleinasien sicher zwölf (Joh, Gal, Eph, Kol, 1. und 2.Tim, Philem, 1.Petr, 1.-3.Joh und Off), Griechenland hatte sicher sechs (1. und 2.Kor, Phil, 1. und 2.Thes und Titus in Kreta), und Rom hatte auf jeden Fall zwei (Mk und Röm). Was den Rest betrifft: Lk, Apg und 2.Petr waren wahrscheinlich entweder in Kleinasien oder Rom, Mt und Joh entweder in Kleinasien oder Palästina, Hebr in Rom oder Palästina; Jud war möglicherweise in Kleinasien. Wenn wir Kleinasien und Griechenland zusammennehmen, besaß die ägäische Region die Originale von mindestens achtzehn, möglicherweise sogar vierundzwanzig, von den siebenundzwanzig Büchern des Neuen Testaments; Rom hatte mindestens zwei, möglicherweise bis zu sieben; Palästina mag bis zu drei gehabt haben; und Alexandria (Ägypten) hatte keines! Die ägäische Region hatte klar den besten Start und Alexandria den schlechtesten.

Sind die Alexandrinischen Manuskripte vertrauenswürdig?

Wie schneidet Ägypten in Bezug auf die drei oben besprochenen Hauptfaktoren ab?

Zum ersten: [Betreffend die gebührende Haltung dem Text gegenüber:] Wann kam das Christentum nach Ägypten, und wie stark war dort die christliche Kirche während des ersten und zweiten Jahrhunderts? Meines Wissens gab es keinerlei apostolischen Dienst in Ägypten, auch wenn gemäß einer Überlieferung der Evangelist Markus dort gearbeitet haben soll. Der Hauptstrang der Ausbreitung scheint Richtung Norden gewesen zu sein (nach Kleinasien) und Richtung Westen (nach Europa). Die Gemeinden, die die „Briefe“ des erhöhten Christus (Off 2 und 3) erhielten, befanden sich in Kleinasien; wenn wir diese Tatsache als Leitlinie nehmen dürfen, dann würde das bedeuten, dass am Ende des ersten Jahrhunderts der Schwerpunkt der Gemeinde Jesu sich von Palästina nach Kleinasien verlegt hat.

Ist es möglich, deren Haltung dem Text gegenüber abzuschätzen? Die Schule der Literarkritik, die in Alexandria bestand, wäre ein negativer Faktor gewesen. Doch es gibt einfaches Beweismaterial, dass man zur Zeit des Eusebius [im 4. Jhdt.] den alexandrinischen textkritischen Praktiken folgte, zumindest in einigen der Skriptorien [d.i.: Schreiberschulen], in denen Manuskripte des Neuen Testaments hergestellt wurden. Wann genau man begann die alexandrinischen textkritischen Prinzipien anzuwenden, ist nicht bekannt. Die von Pantaenus um 180 n. Chr. in Alexandria gegründete christliche Schule war zwangsläufig von den Wissenschaftlern der großen Bibliothek in dieser Stadt beeinflusst.

In dem Maße, in dem die Wurzeln der allegorischen Bibelauslegungsmethode, die in Alexandrien während des dritten Jahrhunderts blühte, schon vorhanden waren, wären auch sie ein negativer Faktor. Da Philo von Alexandrien auf der Höhe seines Einflusses war, als die ersten Christen dorthin kamen, könnte es sein, dass seine allegorischen Interpretationen des Alten Testaments bereits im ersten Jahrhundert auf die junge Kirche abfärbten. Ein Literalist ist verpflichtet, über den genauen Wortlaut des Textes besorgt zu sein [bzw mit dem genauen Wortlaut des Textes sorgfältig umzugehen], da seine Interpretation oder Exegese davon abhängt. Da ein Allegoriker seine eigenen Ideen in den Text hineinlegt, hat er vermutlich weniger Hemmungen, ihn zu ändern.

Wie steht es mit der Fertigkeit im [Beherrschen] des Griechischen? Der Gebrauch des Griechischen in Ägypten ging schon am Anfang der christlichen Ära zur Neige. Bis zu welchem Ausmaß war Griechisch die Muttersprache der Bevölkerungsmehrheit? Im dritten Jahrhundert war die Abnahme offensichtlich weit fortgeschritten. Ich habe schon erwähnt, dass der Abschreiber, der P66 anfertigte (ca. 200 n. Chr.) nicht Griechisch konnte. Betrachten wir nun den Fall von P75 (ca. 220 n. Chr.). E.C. Colwell analysierte P75 und fand über 145 Itazismen und 257 andere Einzellesarten, 25% davon ohne Sinn. Von dem Fehlermuster her ist es klar, dass der Abschreiber, der P75 anfertigte, Buchstabe für Buchstabe kopierte. Das heißt, dass er nicht Griechisch konnte. (Wenn man in eine Sprache, die man kennt, abschreibt, kopiert man Satz für Satz, oder zumindest Wort für Wort.) Vor [dem Jahre] 200 n.Chr. hatte der Trend gegen den Gebrauch des Griechischen in den Gegenden, in denen man Lateinisch, Syrisch oder Koptisch sprach, begonnen; und fünfzig Jahre später war der Übergang zu den örtlichen Sprachen weit fortgeschritten.

Im vierten Jahrhundert muss das Niveau des Beherrschens der griechischen Sprache in Ägypten stark gesunken gewesen sein; und gerade im vierten Jahrhundert entstanden zwei höchst wichtige, üblicherweise dem Alexandrinischen Texttyp zugeschriebene Zeugen. Der Pergament-Codex „C“ (Vaticanus) und der Codex „Aleph“ (Sinaiticus) werden dem vierten Jahrhundert zugeschrieben und allgemein als in Ägypten hergestellt betrachtet. In den Evangelien allein differieren diese zwei Manuskripte über 3000mal. (Diese Zahl schließt kleinere Fehler wie Rechtschreibung nicht ein, auch nicht Varianten von bestimmten Synonymen.) Nun erfordert einfache Logik die Schlussfolgerung, dass entweder das eine oder das andere 3000 (und mehr) Mal falsch sein muss – das heißt, diese zwei haben untereinander allein in den Evangelien über 3000 Fehler!

Schließlich, wie steht es mit dem direkten Zugang zu den Originalen? Nun, in dieser Hinsicht ist es um Ägypten wirklich schlecht bestellt. Nicht nur hatte die ägyptische Kirche [d.i. Gemeinde] keinen Zugang zu irgendwelchen Originalen (die [geographisch] nächsten waren wahrscheinlich erst in Jerusalem, und zwar nur bis zum Jahre 70 n. Chr.), die große Mehrheit befand sich jenseits des Meeres. Wenn wir bedenken, dass die Kirche [d.i. Gemeinde] in Ägypten einen langsamen Anfang hatte und bis ins zweite Jahrhundert schwach geblieben war (ganz zu schweigen von den gnostischen Einflüssen, die dort herrschten), müssen wir uns fragen, bis zu welchem Grad man das Bedürfnis empfunden haben mag die Originalschriften zu konsultieren oder bis zu welchem Ausmaß man bereit war, den Preis dafür zu bezahlen.

Fazit

Alles zusammengenommen, welche Forderungen stellt Ägypten an unser Vertrauen? Es scheint mir ehrlich gesagt, praktisch unmöglich zu sein, dass eine getreue, hochqualitative Überlieferung des neutestamentlichen Textes in Ägypten stattgefunden haben könnte; dafür fehlten einfach die nötigen Voraussetzungen. Abgesehen davon haben wir Beweise vorliegen: Jedes der frühen Manuskripte, das dem Alexandrinischen Texttyp zugeschrieben wird, ist in sich selbst eine schlechte Abschrift – was man [leicht] aufzeigen kann. Und nicht nur das, die Manuskripte [dieses Texttyps] sind untereinander in einem erstaunlichen Maße uneinig [d.h. die Lesartenunterschiede sind sehr groß], abgesehen von den Hunderten, ja Tausenden, von Fällen, in denen sie als Gruppe mit dem Rest der Welt nicht übereinstimmen.

Gibt es einen besseren Weg? Nun, wohin deuten die drei Hauptfaktoren? Die ägäische Region war die Gegend, die unter jedem Gesichtspunkt die besten Voraussetzungen hatte, den wahren, ursprünglichen Text zu überliefern – und zwar von Anfang an. Ich weiß von keinem Grund, warum man daran zweifeln sollte, dass der Byzantinische Texttyp tatsächlich die Form des Textes ist, die bekannt war und von Beginn an in der ägäischen Region überliefert wurde. Er ist das Resultat der normalen, getreuen Überlieferung des neutestamentlichen Textes; in jedem Zeitalter, das zweite und dritte Jahrhundert eingeschlossen, war dieser Texttyp der traditionelle Text.

Übersetzung: Eveline Brühwiler und Thomas Jettel [Gelegentlich wurden Ergänzungen in eckigen Klammern hinzugefügt.]

Der englische Originaltext ist unter: http://www.peconic.net/members/f4bs zu finden.

Für weitere Informationen kontaktiere bitte:

Foundation for Biblical Studies
c/o U.S. Post Office Box 769
Wiggins, Mississippi
Confederate States of America
f4bs@peconic.net

http://www.peconic.net/members/f4bs

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