Textfamilien

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1Joh57-1An dieser Stelle sollen in Zukunft Begriffe und Sachverhalte behandelt werden, die bei der Diskussion „welche Bibel?“ immer wieder auftauchen.

Ziel ist es, dem einzelnen bibelgläubigen Christen genug Fakten in die Hand zu geben, dass er sich ein eigenes Urteil bilden kann, anstatt auf die Auswertungen von (z. T. ungläubigen!) Professoren und Lehrern vertrauen zu müssen.

Sollte jemand Fragen über Begriffe zum Thema haben, werden sie gerne aufgegriffen.

1. Textfamilien:

Nach einer Zusammenstellung von Prof. Aland gibt es z. Zt. 5255 griech. Handschriften, die Teile des Neuen Testamentes enthalten. Davon sind: 81 Papyrusfragmente, 267 „Majuskule“, auch „Uniziale“ genannt (d.h. aus Großbuchstaben), 2764 „Miniskule“ (d.h. nur Kleinbuchstaben) und 2143 Lektionare (NT-Zitate in Büchern, die im Gottesdienst gemeinsam gelesen wurden).

N.b.: Es gibt also keinen „griech. Urtext“ per se. Welche Fragmente als echt gelten, ist Interpretationssache der einzelnen Herausgeber!

Diese Fragmente werden je nach ihrem Fundort in „Textfamilien“ aufgeteilt.

Die drei Hauptfamilien sind:

1. Die traditionelle oder byzantinische Familie: sie enthält Handschriften aus dem Bereich von Antiochien in Syrien. Prof. Aland hat für diese Familie den Namen „Mehrheitstext“ geprägt; ca. 90% dieser Texte stimmen mit dem „Textus Receptus“ überein. (Selbst alle Handschriften zusammen genommen, stimmen noch zu 80% mit dem TR überein, so daß man den TR ohne Bedenken als Repräsentant der Mehrheit aller Textzeugen bezeichen kann!)

2. Westliche Familie: NT-Zitate in den Schriften der westlichen Kirchenväter wie Iranaeus, Tertullian und Zyprian;

3. Alexandrinische Familie: NT-Zitate in Schriften von Origenes und anderen „Kirchenväter“ aus Alexandrien (Ägypten).

2. Textus Receptus:

Lat.: „der angenommene (d.h. akzeptierte) Text“.

Im 16. Jh. stellte Erasmus von Rotterdam aus den verschiedenen griech. Manuskripten einen Text zusammen. Dieses NT wurde 1516 zum ersten Mal veröffentlicht (= „das Ei, das Erasmus legte und Luther ausbrütete“); 1550 veröffentlichte Stephanus sein griech. NT, 1590 Beza und 1624 Elzevir. Diese vier Ausgaben unterscheiden sich nur in 252 Stellen im gesamten NT.

Dieser Text diente als Grundlage für Luthers Übersetzung sowie für die engl. King James Bibel.

Der Name „Textus Receptus“ entstand, da diese Zusammenstellung von den protestantischen Reformatoren „angenommen“ wurde.

 

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2 Gedanken zu „Textfamilien

  1. Richtigstellung:
    „Der Name „Textus Receptus“ entstand, da diese Zusammenstellung von den protestantischen Reformatoren „angenommen“ wurde“.

    Dieser Satz stimmt nicht, denn diese Bezeichnung hat Estienne, der Drucker aus Frankreich erst um 1850 dem Textus Receptur von Erasmus gegeben.

    1. Ende des 15. Jh. erschienen die ersten gedruckten Ausgaben des hebräischen Masoretischen Textes, so dass erstmals der zuverlässige Text des AT auch für Nichtjuden frei zur Verfügung stand. Und 1516, ein Jahr vor dem Beginn der Reformation, sorgte GOTT dafür, dass der Text des Neuen Testaments auf Griechisch als Buch veröffentlicht wurde. Das war die Geburtsstunde des „Textus Receptus“, des von allen Gläubigen anerkannten griechischen Textes des NT, der über 350 Jahre lang der Grundtext aller reformatorischen Bibeln bleiben sollte.

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