GOTTES Eigenes Blut (Apg. 20,28)

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Apostelgeschichte 20,28 ist bei Bibelübersetzern und Exegeten sehr umstritten. Zwei Bibelübersetzungen mögen dies verdeutlichen:

So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu weiden, welche er durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat! (Schlachter 1951)

Gebt also (stets) Acht auf euch selbst und auf die ganze kleine Herde, in der der Heilige Geist euch zu Aufsehern setzte, um Hirten zu sein für die Gemeinde Gottes, die er sich durch das eigene Blut erwarb… (Jantzen-NT)

kropekk_pl / Pixabay
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Welche Übersetzung gibt diesen Vers korrekt wieder? Hat GOTT durch das Blut seines SOHNES die Gemeinde erworben oder durch Sein Eigenes Blut?

Je länger ich mich mit diesem Vers beschäftige, desto weniger kann ich mich darin anschließen, dass hO IDIOS mit dem „SOHN GOTTES“ identisch sein kann, obwohl dies natürlich theologisch möglich ist und einen sehr guten Sinn geben würde.

Sprachlich wäre dies jedoch eine echte Einmaligkeit, d.h. nur unter echter Forcierung der sprachlichen Seite wäre m.E.:

„durch das Blut des eigenen (Sohnes)“

möglich.

Ich möchte jetzt weniger theologisch argumentieren, sondern sprachwissenschaftlich. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass ich auch kein Problem damit habe, rein theologisch zu argumentieren, da GOTT per Menschwerdung natürlich „im Fleisch geoffenbart“ wurde (1. Timotheus 3,16) bzw. das Wort Fleisch wurde und unter den Menschen wohnte (Johannes 1).  Ferner ist zu berücksichtigen, dass CHRISTUS als Mensch nie aufgehört hatte, wahrer GOTT zu sein.

Meine Begründung lautet wie folgt:

a)    Wenn der „eigene Sohn“ gemeint ist, steht hUIOS im NT konkret im Text: Römer 8,32 „TOU IDIOU hUIOU“.

b)    Weder innerhalb der Heiligen Schrift (s.o.) – noch außerhalb davon – wird „eigener Sohn“ elliptisch mit „hO IDIOS“ ausgedrück, sondern vielmehr _immer_ ausdrücklich als hUIOS beschrieben (einige Beispiele: siehe Anhang)

c)    Ebenso wird „eigener Vater“ im theol. und nicht-theol. Kontext (siehe Anhang b) nicht in dieser Art ausgedrückt. Auch nicht (nur nebenbei): „eigenes Kind/Bruder“ (siehe Anhang c.).

d)    Ein alleinstehendes „hO IDIOS“ wird nie (!) für „der Eigene“ im Sinne von „Sohn“ verwendet.Weder im AT, noch im NT, noch in außerbiblischer Literatur

e) Auch andere Benennungen für den Sohn Gottes werden konkret – nicht elliptisch- benannt, etwa, wenn Christus als Gottes „eigenes Wort“ bezeichnet wird (siehe Anhang Punkt d).

M.E. wird das Adjektiv „eigenen“ hier als Substantiv gebraucht.

Die Bedeutung ist „das Blut seines „eigenen Sohnes“, halte ich persönlich (sprachlich) für hochspekulativ und ohne Beispiel – sowohl in der biblischen als auch in außerbiblischen Literatur.

ho IDIOS bedeutet also nirgendwo: eigener Sohn, eigener Vater etc., daher bleibe ich – auch für NA, für M/TR ohnehin – bei folgender Übersetzung:

um die  Gemeinde GOTTES zu hüten, die er sich durch das eigene Blut erwarb

ANHANG:

a)    Apollonius: hUION IDION,

Plutarch: hUIOIS IDIOIS,

Irenäus: CRISTON hUION IDION,

Hippolyt: PATHR PERI TOU hUIOU TOU IDIOU,

Gregor v.N: EINAI hUIOU PATERA IDIOU,

Epiphanius: hUION TIMAN TON IDION PATERA,

Chrysostomos: „TON hUION TON IDION“,

Apollonaris „hUION IDION TOU QEOU KAI PATROS“,

Cyrill: „TON hUION TO IDION AUTOU“,

Ephraem: „hUION IDION“,

Severianus: „TOU IDIOU hUIOU“
Interessant ist auch:

– KAI hWS QEOU TOU AEI ONTOS IDIOS WN hUIOS, AIDIWS hUPARCEI (Athanasius, 42 26.41.23). Bei Athanasius IDIOS nie ohne hUIOS (ca. 54x).

– „hO DE hUIOS MONOS IDIOS EK THS TOU PATROS OUSIAS“ (Theodoretus)

b) „Vater“ wird nicht durch alleinstehendes hO IDIOS ausgedrückt, sondern mit etwa „KAI hUION APO TOU IDIOU PATROS“ (Epiphanius, Haer 3.201.23) oder „KAI TOU hUIOU, PATERA IDION EINAI TON QEON“ oder Basilius: „hUIOU KAI IDION PATROS“ (39 31.601.26) oder „PARA TOU IDIOU PATROS“ (Cyrill)

oder Flavius Justinianus:“TON IDION PATERA“, Chronicon: „EIS TON IDION […] PATERA“ und „TON IDION PATERA“. Georgius „TON IDION PATERA“

c) Auch eigener Bruder, eigenes Kind etc. werden nicht durch Ellipse ausgedrückt, sondern immer ausdrücklich erwähnt: z.B. „ADELFON IDION“ (Pherecydes) „TON IDION PAIDA“ (Constit. Ap.)

d) Auch, wenn Christus als das eigene Wort Gottes beschrieben wird, wird dies nicht durch alleinstehendes „hO IDIOS“ ausgedrückt: „hOUTOS IDIOS KAI ALHQHS TOU QEOU LOGOS“ (Epiphanius, Haer 3.257.26) bzw. Marcellus (1 129.32): „hOUTOS hUIOS, hOUTOS DUNAMIS, hOUTOS SOFIA. hOUTOS IDIOS KAI ALHTHS TOU QEOU LOGOS, hO KURIOS hHMWN IHSOUS CRISTUS“

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