Geschichtsklitterung

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Den Anspruch, die allein wahre Kirche Christi zu sein, stützt die römisch-katholische Kirche auf zwei Thesen:

1. Das Wort des HERRN:

Matthäus 16,18a
du bist Petrus und auf diesen Stein will ich meine Gemeinde bauen

sei die göttliche Legitimation der katholischen Kirche.

2. Petrus sei der Gründer und erste Bischof der Gemeinde von Rom gewesen.

Können diese beiden Thesen nicht begründet werden, hat die katholische Kirche kein Fundament und schwebt in der Luft wie ein Wolkenkuckucksheim. Deswegen haben katho- lische Kirchengeschichtler immer größten Wert darauf gelegt, diese beiden auf Fälschung, Geschichtsklitterung und falschen Bischofslisten gegründeten Thesen, aufrecht zu erhalten. Man muss in der Kirchengeschichtsforschung beachten, dass katholische Theologen, jedenfalls auf diesem Gebiet, grundsätzlich nicht ernst zu nehmen sind, weil ihr Forschen durch ihr Gehorsamsgelübde auf den Papst zweckgebunden ist. Sobald Forschung nicht mehr frei ist, hat sie aufgehört Forschung zu sein, sondern wird von Machthabern instrumentalisiert.

MissPiggy / Pixabay
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Wir untersuchen nun die zwei Thesen der Katholiken und werden nachweisen, dass die katholische Kirche eine Fehlentwicklung des Christentums ist. Du bist Petrus und auf diesen Stein will ich meine Gemeinde bauen. Die katholische Auslegung dieses Herrenwortes macht aus der Gemeinde JESU eine reine Petruskirche. Was sollte das für ein seltsames Gebäude sein, dessen Fundament nur aus dem einzigen Grundstein Petrus besteht? Vielleicht ein Obelisk. Da könnte der Papst dann als Säulenheiliger draufsitzen. Ein normales Gebäude und erst recht der Tempel GOTTES, die Gemeinde, hat ein Fundament, das aus vielen Grundsteinen besteht. Aber auch wenn man Petrus nicht als Grundstein verstehen will, sondern als ein Felsplateau, auf dem die Kirche erbaut sei, so wäre Petrus bei dieser Auslegung sogar wichtiger als der HERR: Petrus wäre das Baufundament, das die Grundmauer und den Eckstein JESUS trägt. GOTTES Wort aber bezeugt uns, dass die Apostel, also auch Petrus, Grundsteine sind, wobei der wichtigste Stein im Fundament nicht Petrus, sondern der Eckstein JESUS ist: erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist (Epheser 2,20). Dies Bibelwort beweist, daß Petrus kein monarchisches Episkopat (Alleinherrschaft) ausüben sollte, sondern ein Stein unter anderen Steinen war. Wir sehen, wie die Katholiken im Laufe ihrer Entwicklung die Rolle des Petrus immer mehr übersteigerten, bis aus der Jesus-Kirche die Petrus-Kirche geworden ist. Es gab nun neben des Satanas Thronstuhl in Pergamon (Offb.2,13) noch den Stuhl Petri in Rom, gegen den der Seher Johannes in apokalyptischen Bildern weissagen mußte.

Wenn JESUS zu Petrus sagte: auf diesen Stein will ich meine Gemeinde bauen, heißt das nichts anderes, als dass Petrus aufgrund seines Christus-Bekenntnisses gewürdigt wurde, ein Stein im Fundament zu sein, auf das die Kirche gebaut werde. Zudem war ja Petrus nicht der einzige, der das Christus-Bekenntnis gesprochen hatte, sondern auch die anderen Jünger (Matth. 14,33), auch Martha bekannte: ich glaube, dass du bist Christus, der Sohn Gottes (Johannes 11,27). Das alles wird bestätigt dadurch, dass nicht nur Petrus die Schlüsselgewalt bekam, sondern alle Jünger: Was ihr auf Erden bindet, soll auch im Himmel gebunden sein… (Matthäus l8,18).

Der HERR hatte Seine Jünger sehr lieb, darum bereitete Er sie gründlich auf die Zeit nach Seinem Weggang vor. JESUS hatte dem Petrus den Märtyrertod angekündigt (Joh.21,18). Sollte der HERR ausgerechnet einen Todeskandidaten zum alleinigen Leiter der kommenden Kirche eingesetzt haben? Dann hätte Er mit Sicherheit zugleich einen Nachfolger bzw. Stellvertreter mitbenannt. Du bist Petrus und auf diesen Stein will ich meine Gemeinde bauen. Dieses Herrenwort wurde von Anfang an nie so ausgelegt, dass Petrus als die “Primaballerina” unter den Jüngern auftreten konnte. Im Gegenteil. Petrus war zwar von seinem Naturell her immer der Wortführer, auch schon bevor der HERR ihn Kephas genannt hatte (Matth. 14,28), galt aber neben Johannes und Jakobus nur als eine der drei Säulen der Gemeinde: Jakobus und Kephas und Johannes, die für Säulen angesehen werden (Gal.2,9). Und bei aufkommenden Rangstreitigkeiten betonte der HERR: Einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder (Matthäus 23,8). Die gesamte Lehre JESU läßt die römisch-katholische Auslegung vom monarchischen Episkopat des Petrus bis hin zu weltlicher Herrschaft des Papstes gar nicht zu. Die weltlichen Herrscher herrschen über die Völker, so aber soll es nicht unter euch sein (Mk. 10,42) war vielmehr die Devise. Die katholische Petruskirche aber hat gerade den entgegengesetzten Weg eingeschlagen. Sie gehört selbst zu den weltlichen Herrschern: Der Kirchenstaat ist seit 754 (Pippinische Schenkung) ein weltlicher Staat und seit 1929 weltliches Hoheitsgebiet auf Grund der Lateran- verträge. Das ist die Endstation einer falschen Lehre. Und jetzt lass die Worte des HERRN noch einmal in deinen Ohren nachklingen: Die weltlichen Herrscher herrschen …

Es gibt zwei Bücher, die diese Entwicklung authentisch bezeugen, beide um etwa 100 n. Chr. geschrieben: die Offenbarung des Johannes und der erste Clemensbrief. Johannes sah schon sehr früh die Entwicklung der römischen Gemeinde zur Hure Babylon. Bedenke folgendes: Johannes lebte noch, als in Rom schon der dritte Papst regierte. Die Stellung der Gemeinde zu Rom war damals bereits so mächtig, dass die Gemeinde zu Korinth sich wegen Gemeindestreitigkeiten nicht an Johannes wandte, den einzig noch lebenden Jünger JESU, sondern an Clemens, den dritten Papst in Rom. Der erste Clemensbrief berichtet darüber. Den Apostel Johannes hat das sicher geschmerzt. Und dieser Schmerz war auch der Hintergrund seiner Weissagungen über die römische Hure Babylon. Doch nehmen wir einmal an, Petrus hätte tatsächlich die Alleinherrschaft über die Christen erhalten, so hätte das noch lange nichts mit Rom zu tun, eher mit Jerusalem; denn dass Petrus ein Fels sei, sagte ihm der HERR in der Gegend von Cäsarea Philippi, also in Israel. Petrus wäre dann höchstens vorstellbar als Papst von Palästina oder der Jerusalemer Urgemeinde. Die Verbindung nach Rom ist das missing link (fehlendes Glied) in der Beweiskette der katholischen Theologen, darum wurde es durch gefälschte Bischofslisten künstlich hergestellt; denn wenn man nicht nachweisen kann, dass Petrus der Gründer und erste Bischof der Gemeinde von Rom war, wie sie behaupten, hängt der gesamte römisch-katholische Popanz samt dem Stuhl Petri schräg in der Luft. Außer Sagen und Legenden haben die katholischen Theologen nichts in der Hand, was auf ein Bischofsamt des Petrus in Rom hinweist. Es ist völlig frei erfunden. Petrus war überhaupt nie Bischof einer Gemeinde (ebensowenig Paulus), sondern Apostel. Die Apostel setzten wohl Bischöfe (Älteste) ein, hatten aber als direkt von JESUS beauftragte Männer einen höheren Rang als Bischöfe. Ein Apostel hat auch keinen Nachfolger wie ein Bischof einer Gemeinde, weil das Apostelamt nicht auf andere übertragbar ist oder weitergegeben werden kann. Apostel sind Männer, direkt von GOTT gesandt. Wenn sie sterben, ist ihre Mission zu Ende. Somit hatte auch der Apostel Petrus keinen Nachfolger. Die katholische Lehre von der Sukzession scheitert also bereits am Apostelamt des Petrus. Nicht so bei einem Bischof oder Ältesten der Gemeinde. Wenn ein Bischof stirbt, stirbt seine Gemeinde ja nicht mit ihm, sondern sie muss weitergeführt werden und bedarf eines Nachfolgers.

Wäre Petrus tatsächlich, wie die katholische Kirche behauptet, 25 Jahre lange Bischof von Rom gewesen, Paulus hätte seinen Brief an die Römer mit Sicherheit zuerst an Petrus gerichtet, doch in der Grußliste (Röm.1 und 16) kommt Petrus überhaupt nicht vor. Außerdem wäre Petrus, als Bischof von Rom, dem Paulus in seiner Gefangenschaft beigestanden, doch Paulus klagt: Bei meinem ersten Verhör stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle. (2.Timotheus 4,16).

Petrus hat die Gemeinde von Rom auch nicht gegründet. Es gab dort schon eine Gemeinde lange bevor Paulus und Petrus nach Rom kamen. Der Römerbrief wendet sich in seiner Grußliste an das Haus des Aristobulus, den Hauskreis um Priska und Aquila und das Haus des Narzissus. Von einem Gemeindegründer Petrus oder einem Bischof Petrus ist nirgendwo die Rede. Erst seit dem 3. Jahrhundert tauchten gefälschte Bischofslisten auf, in die man Petrus als Bischof von Rom eingetragen hat, um das Papsttum zu rechtfertigen. In der frühest überlieferten römischen Bischofsliste aus dem 2.Jahrhundert wird ein Petrus überhaupt nicht erwähnt. In seinen beiden Briefen bezeugt Petrus, daß er erst vor seinem Martyrium nach Rom kam (1. Petr. 5,13; 2.Petr. 1,14. Beachte: Babylon war ein Deckname für Rom). Nicht nur der Anspruch auf geistliche Herrschaft ist also auf Betrug aufgebaut, erst recht ihr Anspruch auf weltliche Herrschaft. Mit einer Urkundenfälschung, der sogenanntenKonstantinischen Schenkung haben sie sich die weltliche Herrschaft ergaunert, d.h. Kaiser Konstantin habe ihnen angeblich per Urkunde Rom und das westliche römische Reich übertragen. Auf diese Fälschung ist die gesamte politische Macht der mittelalterlichen Päpste aufgebaut. Doch bereits im 15. Jahrhundert kam der Schwindel ans Licht und war mit ein Grund für den reformatorischen Aufstand gegen das Papsttum. Eine Kirche, die mit Betrug und Urkundenfälschung die Vorherrschaft über die gesamte Christenheit an sich gerissen hat, ist nie die Gemeinschaft der Heiligen.

(Quelle: Glaubensnachrichten 09/2004)

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