Der Dispensationalismus

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Die Ursprünge des Dispensationalismus

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Der Begriff Dispensationalismus stammt von dem griechischen Wort OIKONOMIA (dieser Begriff kommt aus der Wirtschaft [„managen“, „regeln“, „verwalten“, „planen“] und beschreibt das Handeln GOTTES an der Menschheit) ab (engl. „dispensation“) und bedeutet „Hausverwaltung“, „Haushalt“, „Heilsordnung“ oder „Heilsplan“. Die Idee dahinter ist, das GOTT zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich mit der Menschheit umgeht.

Das Wort „Dispensation“ ist eingedeutscht aus dem lateinischen DISPENSATIO, das in der Vulgata benutzt wird, um das griechische Wort „oikonomia“ zu übersetzen. Das lateinische Wort bedeutet „abwiegen“ oder „verteilen“, „dosieren“.

Mit der Bedeutung des Begriffs „Dispensation“ sind drei grundsätzliche Vorstellungen verbunden:

1) der Vorgang des Verteilens oder Gliederns

2) der Vorgang des Verwaltens, Ordnens oder Bewirtschaftens; ein System, mittels dessen die Dinge verwaltet werden

3) der Vorgang des Verteilens (oder Dosierens) nach bestimmten Voraussetzungen

Die dogmatische Ausformung des Systems des Dispensationalismus entwickelte John Nelson Darby (1800 -1882). Die Lehre Darbys im Blick auf die Eschatologie lässt sich mit folgenden Sätzen zusammenfassen:

a) Die Heilige Schrift, auch ihre prophetischen Aussagen, sind literal zu interpretieren (wobei „literal“ beinhaltet, Geschichtsbericht als Geschichtsbericht, Bildwort als Bildwort, Gleichnis als Gleichnis zu verstehen).

b) Aus dem literalen Verständnis biblischer Aussagen und Voraussagen ergibt sich die Einteilung der Heilsgeschichte in genau voneinander abgrenzbare Epochen (Dispensationen) mit einem spezifischen Auftrag im Heilsplan. Daraus ergibt sich ferner die Erwartung der wirklichen Erfüllung von Prophezeiungen, etwa der alttestamentlichen Verheißungen an Abraham, David u. a. auf ein wiederhergestelltes Israel und messianisches irdisches Königreich. Dieses entsteht im Tausendjährigen Reich auf Erden.

c) Zwischen Israel und der Gemeinde ist streng zu unterscheiden. Die Bestimmung Israels ist irdisch, die Bestimmung der Gemeinde himmlisch. Die Gemeinde wird vor der Entstehung des nationalen Israel im Millennium, ja noch vor der Grossen Trübsalszeit entrückt (erste, unsichtbare Wiederkunft CHRISTI für die Heiligen, Vorentrückungslehre, Prätribulationismus). Die zweite, sichtbare Wiederkunft CHRISTI mit den Heiligen erfolgt nach der großen Trübsalszeit und zu Beginn des Millenniums, in welchem er vereint mit Seiner Brautgemeinde die Herrschaft über die Erde ausüben wird. Nach dem Millennium wird Satan noch einmal losgelassen, die letzte große Schlacht erfolgt, und nach dem Weltgericht vor dem grossen Weißen Thron Gottes tritt die Ewigkeit ein.

Die Entstehung des Dispensationalismus

Die heutigen Verfechter des Dispensationalismus führen oft die Bibel als Erklärung ihrer Überzeugung an. Dennoch müssen wir feststellen, dass die wenigsten Dispensationalisten überhaupt wissen, woher diese Lehre stammt und wann sie entstanden ist. Daher werden wir zunächst einmal die Geschichte dieser Lehre beleuchten, um dann einzelne Lehrinhalte zu diskutieren. In der Diskussion werden wir dann auch die biblischen Zeugnisse zu Wort kommen lassen.

Es ist wahr, dass durch Darby und die ‚Brüder ‚ine ganz bestimmte Art von Dispensationalismus entstanden ist. Doch es war nur eine Abwandlung von Aussagen, die man in anderer Form im Laufe der Kirchengeschichte seit dem 6. Jahrhundert immer wieder antraf. (Quelle: „Weil“)

Der wesentliche Unterschied zwischen Darbys Sicht und den hier aufgeführten Beispielen ist, dass Darby die verschiedenen Dispensationen als sich auflösende unwiderrufliche Zeiten des Versagens des Menschen ansah. Eine neue Dispensation ersetzte eine vorhergehende, die in Versagen und Verfall zu Ende gegangen war. Die meisten anderen Christen, die die Zeit in Dispensationen aufteilten, sahen sie als eine organische Entfaltung. Darbys Sicht war auch nicht so klar eingeteilt, wie es heute z.B. in der Scofield-Bibel zu finden ist.

Der Dispensationalismus ist also keine neue Lehre, die erst durch Darby entstanden ist. Hier einige Beispiele dazu (eine ausführliche Bearbeitung dieses Themas kann man in: „Medieval and Reformation Backgrounds of Dispensationalism von Edward E. Hindson (Dean of the Institute of Biblical Studies, Liberty University, Lynchburg, Virginia) finden. Internet: www.conservativeonline.org).

Aus dem Mittelalter gibt es die ‚Prophezeiung des Elias’, die die menschliche Geschichte in drei Epochen und sechs Zeitalter aufteilte. Die früheste englische Erwähnung stammt aus dem Jahr 1549. Eine Version lautet:

Die Welt wird sechstausend Jahre bestehen;
Zweitausend davon werden leer sein;
Zweitausend Jahre lang wird das Gesetz dauern;
und noch eintausend mehr.

Die sechs Zeitalter wurden dann folgendermaßen eingeteilt:

1. Adam bis Noah
2. Noah bis Abraham
3. Abraham bis David
4. David bis zur Gefangenschaft und Wegführung
5. Gefangenschaft bis Christus
6. Christus bis zum letzten Gericht

Durch die Hellenisierung kamen die Juden zu der Ansicht, dass GOTT siebentausend Jahre für die Geschichte der Menschheit vorgesehen hatte. Christen haben diesen Gedanken mit den sieben Tagen aus 1. Mose 1 verbunden und Stellen wie Ps. 90,4. und 2. Petr. 3,8 als Beweis für die Richtigkeit dieser Art der Aufteilung benutzt. Die Ansicht, dass die sechs Tage der Schöpfung mit sechs Zeitaltern der Menschen übereinstimmen, ist schon bei Isidore von Seville (560-636) und Bede (673-735) zu finden. Joachim von Fiore (1135-1202) betrachtete die sieben Siegel in der Offenbarung als die sieben Zeitalter der Kirchengeschichte. Mohammed war für ihn der falsche Prophet und Gog und Magog waren die Türken. Er teilte die Zeit in drei Epochen ein: Zeit des Vaters (Zeit des Alten Testamentes), des Sohnes (Zeit des Neuen Testamentes und der Gemeinde) und des HEILIGEN GEISTES (Zeit der Erneuerung). Robert Pont (1524-1606), ein schottischer Theologe, kombinierte die Prophezeiungen aus Daniel und der Offenbarung und kam auf sieben Zeitalter der Menschen:

1. Schöpfung bis Noah
2. Noah bis Abraham
3. Abraham bis Salomo
4. Salomo bis Christus
5. Christus bis 1056
6. 1056 bis zum Schluss
7. Tausendjähriges Reich

Thomas Brightman (1557-1607) wandte die sieben Kirchen der Sendschreiben aus der Offenbarung auf die Gesamtgeschichte der Kirche an:

1. Ephesus Apostel bis Konstantin (325)
2. Smyrna Konstantin bis Gratian (382) und der Kampf mit dem Arianismus
3. Pergamon 382-1300 war die Zeit der Zunahme der päpstlichen Macht
4. Thyatira 1300 – 1520 war der Kampf der wahren Gemeinde mit dem Katholizismus
5. Sardes Deutsche Reformation – diese (lutheranische) Kirche war „tot“, weil sie das Brot als den tatsächlichen Leib Christi sahen
6. Philadelphia Genfer Reformation
7. Laodizea Kirche Englands

Eine Übersicht über die Gesamtgeschichte der Gemeinde hängt immer davon ab, in welcher Zeit man sich gerade befindet. In Brightmans Zeit wurde die Genfer Reformation als ‚Philadelphia’ angesehen, dagegen sahen Darby und die ‚Brüder’ ‚Philadelphia’ als in ihre Zeit gehörend. Wie werden wohl Christen in 200 Jahren die Dinge einteilen und zuordnen?

Eine Sache haben die meisten Werke der Vergangenheit gemeinsam: sie versuchten festzulegen, wann das Ende kommen sollte, wann CHRISTUS wieder kommen würde. Ein vergebliches Unterfangen, wenn man bedenkt, was der HERR gesagt hat:

Matthäus 24, 36; Apostelgeschichte 1, 7
Um jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern allein Mein VATER … Er aber sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, die Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen, die der VATER in Seiner Eigenen Vollmacht festgesetzt hat …

Viele Christen folgten dem jüdischen Prinzip der Auslegung aus Daniel (siehe unten), dass ein Tag ein Jahr bedeutet und wendeten diese Formel auf die 1260 Tage aus der Offenbarung und die 2300 Tage aus Daniel an und benutzten sie für ihre Berechnungen. (Im Dezember 1830 vertrat Darby selbst noch diese ‚ein Tag = ein Jahr’-Sicht! Also immer noch, nachdem andere schon ‚Tag = Tag’ anwandten!)

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren diese 1260 ‚Jahre’ für Berechnungen sehr wichtig geworden. Es waren angeblich die Jahre der Herrschaft des Papsttums. In der Vergangenheit war man sich nicht einig, ab wann man zählen sollte. Es kam darauf an, ab wann man zu zählen anfing. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts fing man an ab der Kodifizierung des Kaisers Justinian in 529 n. Chr. zu zählen und kam so auf 1789. Es war die Zeit der französischen Revolution und Napoleons (der von vielen für das Tier oder für den Antichrist gehalten wurde) und der Verbannung des Papstes aus Rom. Durch diese Ereignisse glaubte man sich in den Berechnungen und Ansichten bestätigt. Ab da waren die 2300 Tage aus Daniel 8 wichtig. Fing man an, sie ab dem Jahr 457 v. Chr. (Rückkehr aus Babylon) zu zählen, kam man auf das Jahr 1843. Viele glaubten an eine Wiederkunft des HERRN im Jahr 1843, 1844 oder 1847. Auch Darby hatte früher solche Berechnungen erstellt, was er aber später ablehnte:

………… was die Berechnungen von Zeiten angeht, früher habe ich selbst welche gemacht und war sehr bemüht, die 2300 Tage zu entziffern…….wir müssen uns daran erinnern, dass es hier um die Juden und Jerusalem geht und dass diese Zeiten auf die Juden und Jerusalem angewandt werden müssen und nicht auf die Belange des Christentums (CW 5:158 „Studies on the Book of Daniel“).

Viele angesehene Christen haben versucht diese Zeiten zu errechnen, aber meine Überzeugung ist, dass sie sich alle in der Tat als falsch erweisen werden. Manche haben 1844 angegeben und manche 1847. Ich selbst habe früher solche Berechnungen gemacht“. . . (CW 5:204 „Studies on the Book of Daniel“). (Quelle: „Weil“)

Ein eigenständiges System des Dispensationalismus existierte damals jedoch nicht. Dies änderte sich als Darby Pastor Edward Irving kennen lernte. Der Dispensationalismus geht, in allen seinen Denkarten, zurück auf das England des 19. Jahrhunderts. Mit ein Grund dafür war die apokalyptische Stimmung der anglikanischen Staatskirche durch die Folgen der Französischen Revolution.

Exkurs: Wer war Edward Irving? (1792 –1834)

Irving, der ebenfalls als Vorvater der Pfingstlichen und Charismatischen Bewegung angesehen wird nahm 1822 den Ruf an als Pastor der „Caledonian Chapel“ der Kirche von Schottland in London zu dienen. Sehr schnell wurde Irving durch seine umstrittenen Predigten bekannt, sodass immer mehr Besucher in seinen Gottesdienst kamen und die Gemeinde schon nach kurzer Zeit in ein größeres Gebäude umziehen musste, um die Besucher zu fassen.

Durch seinen steigenden Bekanntheitsgrad wurde er unter anderem 1824 in die Londoner Missions Gesellschaft und 1825 in die „Continental Society“ als Sprecher eingeladen, wo Henry Dummond, einer der späteren Mitbegründer der Katholisch Apostolischen Kirche, schon Einfluss besaß.

1826 wurde Irving in die Ansichten des spanischen Jesuiten Manuel Lacunza eingeweiht, der unter dem Pseudonym Juan Josafat Ben-Ezra (es sollte der Eindruck erweckt werden, das der Autor ein konvertierter Jude sei) ein Buch unter dem Titel „Das Kommen des Messias in Herrlichkeit und Majestät“ veröffentlichte.

Irving war von den Ansichten Lacunzas so sehr angetan, das er extra Spanisch lernte, um sein Buch nicht nur zu lesen, sondern auch um es ins Englische zu übersetzen. Schon 1827 erschien das Buch mit einer 203-seitigen Einführung Irvings, in der er seine eigene prophetische Sichtweise einbaute.

Dabei standen drei Punkte im Zentrum seiner Lehre:

  • Die Gemeinde CHRISTI ist ein eigenständiger „Körper“, dessen Zeit kurz vor dem Ende steht.
  • Nach der Gemeinde richtet sich das Augenmerk des Herrn wieder auf sein auserwähltes Volk den Juden, welchen er die Ausgießung des Heiligen Geistes schenkt.
  • Der HERR kommt augenblicklich und ohne Vorwarnung wieder.

1828 veröffentlichte er dann ein weiteres Werk, das 500 Seiten umfassende Buch „Die letzten Tage, eine Untersuchung des bösen Charakters in dieser unserer Zeit, mit dem Ergebnis, das diese die „böse Zeit“ und die „letzten Tage“ sind. In diesem Werk wird es klar, dass Irving davon überzeugt war, dass JESUS noch zu seiner Zeit wiederkommen würde.

In diese Zeit (1826-1828), wo Irving seine eigenen Manuskripte veröffentliche, begann Henry Drummond (1786-1860) sein Haus in London, Albury Park für eingeladene Gäste zu öffnen, um prophetische Angelegenheiten zu besprechen. Irving bekam auf diesen Konferenzen eine Plattform seine Ideen und Ansichten an bis zu vierzig christliche Leiter weiterzugeben. Auf diesen Konferenzen wurde besonders die Rolle des jüdischen Volkes im Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi betrachtet. Rev. Lewis Way, einer der Mitbegründer der „Londoner Gesellschaft zur Verkündigung des Evangeliums unter Juden“, die zu einem späteren Zeitpunkt maßgeblich an dem Aufbau der ersten protestantischen Kirche in Jerusalem beteiligt waren (Christ Church am Jaffa Gate), war ebenfalls einer Gäste auf diesen Konferenzen.

1830 veröffentlichte ein weiteres Mitglied dieser Konferenzen, Hugh McNeile, das Buch „Prophetien im Zusammenhang mit der Jüdischen Nation“. In diesem Buch benutzt McNeile das erste bekannte Mal das Wort „dispensations“ – Haushaltungen, im Zusammenhang von Gottes Handeln mit seinem Volk, der Gemeinde und den Juden.

In dem gleichen Jahr wurde Irving von den Presbyterianern wegen vierfacher Häresie aus dieser Gemeinschaft ausgestoßen. Das größte Problem bestand für die Presbyterianer darin, das Irving den irdischen JESUS nicht als göttlich ansah, sondern lehrte, das JESUS genauso wie wir mit einer „bösen“ Natur geboren wurde und er nur durch die Erfüllung mit dem HEILIGEN GEIST in der Lage war sündfrei zu leben. Irvings Anhänger waren davon  überzeugt, dass auch sie durch die Geistestaufe den gleichen Status wie JESUS – sündlos – erreichen könnten.

Zu seinen weiteren Lehren gehörte, dass er daran glaubte, dass jeder Christ die Geistestaufe erleben und als Zeichen in Sprachen (neuen Zungen) sprechen müsse. Ebenfalls glaubte er an die prophetische Gabe jedes Gläubigen und Heilung (daher wird er als der Vater der Pfingstler und Charismatiker angesehen).

Als dann ebenfalls im gleichen Jahr Fälle von Geistestaufen und Sprachengebeten in Schottland bekannt wurden, war Irving vollkommen davon überzeugt, dass die Ausgießung des Heiligen Geistes kurz bevorsteht und Jesus jeden Augenblick wiederkommen könnte.

Irving schrieb 1826 in seinem Vorwort zu Lacunza, dass er gegen alle war,

die bemüht waren, die allgemein angenommene Vorstellung aufrechtzuerhalten, dass die gegenwärtige Dispensation der Heiden bald in großer Kraft und Fruchtbarkeit ausbrechen sollte, um die ganze Erde mit der Segnung des Reiches zu füllen und nach diesem der Herrn kommen sollte, um alles abzuschließen und zu beenden und mit der gleichen Schnelligkeit wieder zu gehen, mit der er gekommen ist. Und weiter bestand ich darauf, dass solche Ideen in Bezug auf das herrliche Aufblühen dieser gegenwärtigen Dispensation in einer universalen Fülle nicht nur nicht übereinstimmt mit allen Schriften, sondern auch nicht mit der eigentlichen Natur und Absicht dieser Dispensation selbst. (Quelle: EI:6)

(… against all who should undertake to uphold the commonly received notion, that the present Gentile dispensation was about to burst forth with great verdure and fruitfulness, and fill the whole earth with the millennial blessedness, after which, to wind up and consume all, the Lord would come in the latter end, and depart with the same expedition with which he came. And, further, I maintained, that such ideas concerning the glorious efflorescence of this present dispensation into a universal fullness, is not only inconsistent with all the scriptures, but with the very nature and intention of the dispensation itself …).

Während der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Kontakte zwischen den Anhängern (katholisch-apostolische Gemeinde) von Edward Irwin und John Nelson Darby.

Um die Anwendung der Offenbarung auf Rom und den Papst zu entkräften, schrieb der Jesuit Francisco Ribera (1537-1591) ein 500-seitiges Werk (Sacrum Beati Ioannis Apostoli), das um 1590 erschien. Ribera betrachtete die Zeitangaben von Tagen nicht als Jahre, sondern als tatsächliche Tage – also die 1260 Tage als 3 ½ Jahre. Die ersten Kapitel der Offenbarung waren für ihn schon geschichtlich abgelaufen, aber die Kapitel danach sah er noch zukünftig. Da alles zukünftig war, konnte man die Offenbarung nicht auf den Papst und Rom anwenden. Der Antichrist wird eine einzelne Person sein, die von den Juden angenommen wird und die den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen lässt.

Hier haben wir schon alle Hauptelemente der dispensationalistischen Sicht:

1. Tage sind wirkliche Tage und nicht Jahre;
2. Ein persönlicher Antichrist wird kommen;
3. Die Hauptrolle der Juden und der Tempelbau;
4. Die Entrückung.

Der Jesuit Kardinal Robert Bellarmine (1542-1621) machte durch seine Schriften das Werk Riberas populär. Er betonte, dass die Tage in Daniel und der Offenbarung (1260, 1290, 2300) als Tage und nicht als Jahre zu behandeln sind. (Darby hatte die Werke Bellarmines in seiner persönlichen Bibliothek.)

Der Jesuit Manuel de Lacunza (1731-1801) schrieb um 1791 unter dem Namen Juan Josafa (Rabbi) Ben-Ezra „The Coming of the Messiah in Glory and Majesty“ („Das Kommen des Messias in Herrlichkeit und Majestät“) das Werk, das Irving so beeinflusste und das er übersetzte (Wenn ich hier aus dem Vorwort von Irving zitiere, entsprechen die Seitenangaben nicht dem gedruckten Original, sondern der elektronischen Version, die im Internet unter

http://us.share.geocities.com/lasttrumpet_2000/resources/Lacunza_Irving-Vol1.pdf

zu finden ist. Ich kürze der Quellenangabe mit „EI“ ab). Für Lacunza war das Kommen des Antichristen noch zukünftig, am Ende der Zeit, doch nicht als Einzelperson, sondern als ein System. Die Hure in Offenbarung 17 ist Rom, aber ein zukünftiges Rom. Der Antichrist sollte vor dem 1000-jährigen Reich vernichtet werden. Lacunza machte einen zeitlichen Abstand zwischen dem Kommen (Entrückung) und der Erscheinung des Herrn. Doch wie groß der Abstand ist, wird immer noch unter Gelehrten diskutiert. CHRISTUS sollte persönlich vor dem Reich kommen und danach auch wieder. Nach dem Reich sollte es eine allgemeine Auferstehung geben.

Samuel Roffey Maitland (1792-1866), der als Bibliothekar des Erzbischofs von Canterbury wahrscheinlich die Schriften von Ribera und Lacunza kannte, veröffentlichte 1826 eine Schrift, in der er die „Ein Tag = ein Jahr“-Sicht widerlegte und Rom „entlastete“. Er vertrat eine zukünftige 3 ½-jährige Drangsalszeit und einen persönlichen (nicht-katholischen) Antichrist. (Quelle: „Weil“)

Darbys Dispensationalismus’ entstand im Wesentlichen durch die Weissagung einer Charismatikerin. Helge Stadelmann resümierte in einem Aufsatz, der 1983 in einer Zeitschrift der deutschen Brüderbewegung erschien:

In einer ‚Geistesoffenbarung’ empfängt die ‚Charismatikerin’ Margaret Macdonald im Frühjahr 1830 die Einsicht einer Auswahlentrückung einzelner Gläubiger (= Vorentrückung ‚besonders erwählter, zubereiteter und versiegelter Gotteskinder’; Anm. R. O.) vor der antichristlichen Zeit. Im gleichen Jahr ist Darby im Haus jener Frau zu Besuch – und kommt in der Folge zur Vorentrückungserkenntnis. Man wird davon ausgehen können, dass er dort einen ersten Impuls empfangen hat. Doch dann beschäftigt er sich mit der Schrift. T. Tweedy, ein ehemaliger Pfarrer der schottisch-reformierten Kirche, hilft ihm im Blick auf das Verständnis von Matthäus 24, indem er vorschlägt, dieses Kapitel allein auf die Juden zu beziehen … Beim Studium von 2. Thessalonicher 2 bricht bei Darby dann die Vorentrückungserkenntnis voll durch. Er hat sie seitdem entschieden vertreten und einen Großteil der Brüderbewegung damit geprägt. Darby vertritt allerdings die Vorentrückung der gesamten Leibesgemeinde JESU – und nicht wie Margaret Macdonald eine Auswahlentrückung. Die eigentliche Vorentrückungslehre geht also auf J. N. Darby zurück (H. Stadelmann, „Die Entrückung – vor oder nach der Trübsal? Über den Ursprung der Vorentrückungslehre“, in: Die Botschaft, 124. Jhg., Dez. 1983, 6f.).

Welch eine Ironie, wenn man bedenkt, dass die Darbysten behaupten, dass es in der nachapostolischen Zeit angeblich keine besonderen Geistesgaben mehr geben würde und dass die Frauen in den Versammlungen schweigen müssten.

Um seine neue Erkenntnis „biblisch“ zu untermauern, benutzte Darby die Bibelstelle 2. Timotheus 2,15b. Nach der King James Version bzw. der Luther-Bibelübersetzung von 1912 heißt es dort vom …Arbeiter, der da recht teile das Wort der Wahrheit. Die wörtliche Übersetzung des Begriffes ORTHOTOMEO lautet: „gerade-schneiden“. Es könnte das Bild des Bauarbeiters dahinterstehen, der die Steine gerade schneidet, damit sie in die Mauer passen; oder der Zeltmacher der seinen Stoff gerade schneidet. Weitere Möglichkeiten: Sich auf geraden Wegen bewegen, einen geradlinigen Kurs einschlagen oder einhalten; übertr.: d. Wort d. Wahrheit geradlinig, direkt, korrekt und ohne Umschweife lehren und es nicht so verdrehen wie d. falschen Lehrer, d.h. es richtig handhaben; viell. auch: geradlinig (ein)teilen; richtig zuteilen.

Von Anfang an haben Dispensationalisten diesen Satz in dem Sinne interpretiert, dass die Bibel hier in scharf umgrenzten Abschnitten, in den bereits erwähnten „Dispensationen“ (= Heilszeiten), dargestellt wird. Scofields Definition für eine Dispensation lautet:

Eine Dispensation (Heilszeit) ist ein Zeitabschnitt, während dessen die Menschheit auf ihren Gehorsam gegen eine besondere Offenbarung des Willens Gottes geprüft wird.

Die Bibel richtig auszulegen heißt demnach, diese Heilszeiten richtig zu unterscheiden.

Um 1833 hatte Darby sein streng systematisiertes Heilsabschnitts-System definiert und aufgebaut.

War der Dispensationalismus zu Beginn eine amorphe Bewegung, die in der Berichterstattung der protestantischen Blätter oft nur als Nebensache behandelt wurde, differenzierte sie sich später und wurde zur eigenen konfessionellen Größe.

Die Verbreitung des Dispensationalismus in den USA im 19./20. Jh.

Der Dispensationalismus in den USA und Kanada wurde ungefähr ab 1840 verbreitet. Wesentlich wirkten die Reisen Darbys zwischen 1862 und 1877 nach. Er hatte vor allem Kontakt zu Predigern und anderen überzeugten Christen. Der Einfluss des Dispensationalismus ist bei Presbyterianern und calvinistisch orientierten Baptisten spürbar. Die Methodisten waren nicht so offen für diese Lehre, wenn man von den deutschsprachigen Methodisten absieht. Die englische Brüderbewegung lehrte von den 30er bis in die 70er Jahre des 19. Jh. In ihren Schriften dieses System und gewann damit bald breiten Einfluss unter Predigern in den USA wie D.L. Moody und C.I. Scofield. Es wurden in den USA diverse Bibelkonferenzen durchgeführt (Niagara Konferenzen 1870 – 1900; Bibel- und Prophetie-Konferenzen 1878 – 1914). Diese unterstützten sehr stark die Verbreitung des Dispensationalismus, insbesondere durch die Gründung von Bibelschulen (The Nyack Bible Instiute 1882, The Boston Missionary Training School 1889 und the Moody Bible Instiut 1889).

1909 schuf C.I. Scofield eine Bibelausgabe mit Anmerkungen zum Bibeltext. Diese kommentierte Bibelausgabe auf der Basis von Darbys Dispensationalismus (= „Scofield-Bibel“), wurde bald zu einer der meistverbreiteten Bibelausgaben im angelsächsischen Raum.

Die Verbreitung des Dispensationalismus in der Schweiz

Der Dispensationalismus wurde in der Schweiz erst nach dem 2. Weltkrieg verbreitet. Damals gab die Leiterin der Bibelschule Beatenberg, Frau Dr. Gertrud Wasserzug-Traeder, die dispensationalistischen Scofield-Anmerkungen auf Deutsch heraus, kombiniert mit dem Luthertext von 1912. Spätere Auflagen der Scofield Bibel erschienen im Verlag Mitternachtsruf in Pfäffikon ZH. Seit einigen Jahren wird die „Scofield-Bibel“ durch den evangelikalen Rudolf Brockhaus-Verlag in Wuppertal herausgegeben, mit dem Bibeltext in der revidierten Elberfelder Übersetzung.

Struktur und Inhalte des Dispensationalismus

Der strukturelle Schwerpunkt in Darbys Heilszeiten-System ist die Lehre von zwei verschiedenen Heilsplänen. Der eine Heilsplan gilt ausschließlich der Gemeinde (= Heidenchristen), die für den Himmel berufen ist. Die Entrückung schließt das Zeitalter (Dispensation) der Gemeinde ab. Der andere Heilsplan bezieht bezieht sich gemäß Darby exklusiv auf die irdische Nation Israel. Israel als das auserwählte Volk GOTTES ist für die Herrschaft auf dieser Erde bestimmt. Nach Darbys Lehre wird im siebten und letzten Heilsabschnitt, dem 1000-jährigen Königreich, ausschließlich das national wiederhergestellte und vollendete Israel von der Stadt Jerusalem aus auf der Erde mit CHRISTUS herrschen. Mit dieser „Dispensation“, dem Heilsabschnitt des Königreiches der irdischen Nation Israel, erfüllen sich alle z. Zt. noch ausstehenden Verheißungen an das alttestamentliche Volk Israel. Das Herzstück dieser Verheißungen sind die Landverheißungen für Israel und die Stadt Jerusalem. Deshalb ist der Dispensationalismus ein streng auf die Endzeit und auf die nationale Wiederherstellung Israels fixiertes System.

Der Dispensationalismus nach Darby und Scofield

(1) Zeitalter der Unschuld: Das Zeitalter der Unschuld umfasst die Zeit von der Erschaffung des Menschen bis zum Sündenfall Adams (1.Mose 1,28 – 3,6). In diesem Zeitalter im Garten Eden handelt GOTT mit der gesamten Menschheit, die in einer vollkommenen Umgebung lebt. Das Zeitalter der Unschuld endet im Ungehorsam des Menschen – und in der dafür verheißenen Katastrophe!

(2) Zeitalter des Gewissens: Wieder handelt GOTT mit der gesamten Menschheit. Er überlässt sie der Tätigkeit ihres Gewissens. Das Gewissen reicht nicht aus, den Menschen zu veranlassen, bei GOTT Erlösung zu suchen. Es ist nicht die letzte Instanz, sondern weist lediglich auf GOTT hin. Wieder versagt der Mensch in der Verantwortung GOTT gegenüber. So findet auch das zweite Zeitalter im Gericht – der Sintflut – ein katastrophales Ende. Doch GOTT hält Seine Verheißung und rettet Noah und seine Familie durch die Flut hindurch.

 (3) Zeitalter der Herrschaft: Zum dritten Mal gibt GOTT der gesamten Menschheit einen Auftrag. Als Noah die Arche verlässt und GOTT Seinen Bund mit ihm aufrichtet, befiehlt ihm GOTT, eine menschliche Regierung einzurichten und die Erde zu bevölkern (1.Mose 9,1-7). Noah und seine Nachkommen waren verantwortlich, in Gerechtigkeit zu regieren. Doch einmal mehr sind die Menschen GOTT ungehorsam. So endet auch das Zeitalter der Herrschaft im Gericht GOTTES – in der Katastrophe der Sprachenverwirrung.

 (4) Zeitalter der Verheißung: Bisher handelte GOTT immer mit der gesamten Menschheit. Dreimal hatten die Menschen gegen GOTT gesündigt, dreimal hatte GOTT Gericht gehalten, und dreimal gab Er der Menschheit nach dem Gericht eine Verheißung. Hatte GOTT bisher immer mit der gesamten Menschheit gehandelt, so trifft Er jetzt zu Beginn der vierten Heilszeit eine Auswahl. GOTT beruft Abram (Apostelgeschichte 7,2.3; 1. Mose 12,1; Josua 24,2). Ihm werden gewaltige Verheißungen zuteil. Wurde auch die Landverheißung an die Nachkommen Abrahams – Volk Israel – zum Teil erfüllt, so verwirklicht GOTT die volle Verheißung erst in der Zukunft. Allerdings erlebt die Gemeinde eine Vorerfüllung. Daher konnte das Zeitalter der Verheißung nicht durch eine Katastrophe zu Ende gehen.

 (5) Zeitalter des Gesetzes: Auch im Zeitalter des Gesetzes handelt GOTT nur mit einer Auswahl aus den Menschen. Das Volk Israel wird auserwählt zum Bündnis mit GOTT. Nachdem GOTT das gefangene Volk aus Ägypten befreit hat, gibt Er ihm am Sinai Sein Gesetz. Dieser Bund zwischen GOTT und dem Volk Israel war an Werke gebunden. Doch Israel hielt ihn nicht. Im Zeitalter des Gesetzes zeigt GOTT dem Menschen seinen sündigen Zustand.

Das Urteil über dem Gesetzesbruch war der Tod.

So wurde die Menschheit auf das Kommen des Sohnes GOTTES vorbereitet. In die ausweglose Situation unter dem Gesetz kommt JESUS CHRISTUS – ein Jude unter dem Gesetz.

JESUS CHRISTUS erfüllte das Gesetz.

Das Zeitalter des Gesetzes endet mit der größten Katastrophe – der Kreuzigung JESU CHRISTI. Hier entlädt sich der Zorn GOTTES über Seinen Sohn, der die Sünde der Welt auf sich nimmt. Er muss sterben, denn so fordert es GOTTES Gesetz. Das Gesetz genügte nicht, den Menschen zu erlösen.

 (6) Zeitalter der Gnade: Nachdem im Zeitalter des Gesetzes der Mensch erkennen musste, dass er nichts tun kann, offenbart GOTT im Zeitalter der Gnade, dass der Mensch nichts tun muss – GOTT hat ja bereits alles Notwendige in CHRISTUS erfüllt. Das Zeitalter der Gnade (oder auch das „Zeitalter der Gemeinde“ genannt) ist die Fortsetzung des Zeitalters der Verheißung (s. Gal. 3,7-19). Daher beschränkt sich GOTTES Handeln auch nicht auf eine Auswahl von Menschen. Das Angebot der Gnade gilt allen Menschen. Das Zeitalter der Gnade kann nicht mit einer Katastrophe zu Ende gehen für die, die in diesen Gnadenbund durch den Glauben eingetreten sind. So finden wir eine Vollendung dieses Zeitalters in der ersten Auferstehung bzw. Entrückung der Gemeinde. Für diejenigen allerdings, die nicht glauben, d.h. diesen von GOTT bereitgestellten, bedingungslosen Bund nicht annehmen, endet das Zeitalter der Gnade in der gewaltigen Katastrophe der großen Trübsal.

Nun geht die Geschichte GOTTES mit Seinem Volk Israel weiter.

(7) Zeitalter des Tausendjährigen Reiches: Im Zeitalter des Tausendjährigen Reiches erfüllen sich die Heilsprophetien für Israel. Als König auf dem Thron Davids regiert CHRISTUS von Jerusalem aus die Welt mit eisernem Zepter. Nun wird die bekehrte Nation Israel die Völker der Erde missionieren. Während dieser 1000 Jahre ist Satan gebunden. Doch nach seiner Freilassung verführt er noch einmal die Nationen. Auch die sichtbare Herrschaft JESU CHRISTI wird nicht genügen, um die Menschen zu verändern. So wird das Zeitalter des Tausendjährigen Reiches im Gericht über Satan und dem Untergang der Welt zu Ende gehen. Gleichzeitig wird die ewige Herrlichkeit – der neue Himmel und die neue Erde – beginnen.

ZUSAMMENFASSUNG: Im Heilsplan GOTTES ist das Handeln des Menschen völlig ausgeschlossen – nur GOTT tut etwas. So ist auch die Rettung der Menschen, die nicht im Zeitalter der Gnade leben, nur möglich durch den Tod JESU CHRISTI.

Damit gipfelt der Heilsplan GOTTES in der Person JESUS CHRISTUS und Seinem Werk: dem Kreuz und der Auferstehung.

Der Dispensationalismus nach Knoch

01. Unschuld (im Garten Eden),
02. Gewissen (bis zur Flut),
03. Regierung,
04. Verheißung (an Israel),
05. Gesetz (Israel gegeben),
06. Fleischwerdung (Jesu),
07. Pfingsten (Kräfte des Millenniums werden kurz sichtbar),
08. Übergang (in das Evangelium des Paulus),
09. Geheimnis (Gnade, die heutige Haushaltung),
10. Gericht (Tag des Zorns),
11. Königreich (Millennium) und
12. Vervollständiung (Neuer Himmel, neue Erde)

Die Dispensationen 1 und 2, 3 – 10, 11 und 12 werden bei Knoch zu Äonen zusammengefasst.

Die Dispensationen (nach Darby und Scofield) auf dem Prüfstand

Zu (1): Über die „Dispensation der Unschuld“ braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Alle wiedergeborenen Christen sind sich einig, dass es eine solche Zeit gegeben hat und dass das Verhältnis zwischen GOTT und den Menschen durch den Einbruch der Sünde eine radikale Wandlung erlitten hat. Wenn man dies eine „Dispensation“ nennen möchte, so mag es wohl möglich sein.

Zu (2): Die „Dispensation des Gewissens“, hier erläutert die „Scofield-Bibel“ wie folgt: „Aus Eden hinausgetrieben … war [Adam] nun verpflichtet, alles erkannte Gute zu tun, alles erkannte Böse zu lassen und sich GOTT durch Opfer zu nahen … die Dispensation endete mit der Flut …“  „Endete“ – was endete hier? Endete die Verantwortlichkeit jedes Menschen, das erkannte Gute auch zu tun? Gewiss nicht! Diese Verantwortlichkeit bleibt bis heute bestehen. Endete die Verpflichtung, sich GOTT durch Opfer zu nahen? Nein, denn diese bestand weiterhin bis zu dem endgültigen Opfer CHRISTI. Endete die Regung des Gewissens in den Herzen der Menschen? Keinesfalls! Paulus sprach von ihr als wirksam in seiner Zeit. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Welche charakteristischen Merkmale der „Dispensation des Gewissens“ sollen denn nun mit der Flut geendet haben?

Zu (3): Das nächste ist die „Dispensation der menschlichen Herrschaft“, welche drei Endpunkte hat; doch der Gedanke, dass es vor der Flut keine menschliche Regierung gegeben hat, ist ungerechtfertigt. Im Falle der Juden endete die menschliche Regierung nicht, wie behauptet, mit den Gefangenschaften. Es ist wohl richtig, dass sie, außer für einen kurzen Zeitraum unter den Makkabäern, ihre nationale Unabhängigkeit nicht wiedererlangten, doch die Ausübung menschlicher Regierung durch die Oberhäupter des jüdischen Volkes (Sanhedrin) wurde bis zur Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. fortgesetzt (siehe 1. Mose 49,10).

Zu (4): Dann kommt das „Zeitalter der Verheißung“. Wir erfahren, dass sie mit der Gesetzgebung auf dem Berg Sinai endete. Wiederum sei die Frage erlaubt: In welchem Sinne endete die Verheißung an Abraham damals? Auch hierauf bekommen wir kaum eine Antwort. Wurden die Verheißungen, er solle zu einem großen Volk werden, GOTT wolle ihm einen großen Namen machen und das Land Kanaan solle seinen Nachkommen als Besitz gegeben werden, zurückgenommen? Nein. Paulus erklärt ausdrücklich, dass die Gesetzgebung nicht dazu geführt hat (Gal 3,19-22). War die Verheißung bereits erfüllt worden? Wir wissen, dass es nicht so war. War es fortan unwichtig für einen Gläubigen des Alten Testamentes, an die Verheißung zu glauben? Wer könnte so etwas meinen?

Zu (6): Der Punkt, an dem die Dispensationalisten mit dem Wort GOTTES in Konflikt geraten, ist ihre Lehre von der Gemeinde und ihre Beziehung zum alttestamentlichen Israel. Die Dispensationalisten behaupten: „Insbesondere ist es notwendig, den Gedanken auszuschließen – der ja ein Vermächtnis des protestantischen Denkens aus nachapostoIischer Zeit sowie aus der römisch-katholischen Theologie ist -, dass die Kirche das wahre Israel ist und dass die neutestamentliche Vorausschau des Königreichs sich in der Kirche erfüllt hat.“

Die Dispensationalisten möchten also nach Pfingsten das alttestamentliche Gottesvolk getrennt vom neutestamentlichen Gottesvolk parallel anordnen. Damit führen sie eine relativ neue Lehre in die Theologie ein, denn die Bibel kennt eine solche Lehre nicht.

Die verschiedenen Ausprägungen des Dispensationalismus

Innerhalb der dispensationalistischen Schule haben sich hier unterschiedliche Lager gebildet. Es ist der klassische (oder normative), der modifizierte, der progressive und der Ultradispensationalismus (Bullingerismus). Vom Dispensationalismus insgesamt wiederum ist der historische Prämillennialismus zu unterscheiden. Den klassischen Dispensationalismus haben wir uns bereits angesehen. Nun möchte ich noch auf die anderen Formen des Dispensationalismus eingehen.

Der modifizierte Dispensationalismus

Worin liegt im Blick auf die Eschatologie der wesentliche Unterschied zwischen dem klassischen und dem modifizierten D., wie er seit den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts etwa in den Werken von Charles C. Ryrie und J. Dwight Pentecost begegnet? Der Unterschied bezieht sich auf die Zuordnung von Israel und der (heiden-)christlichen Gemeinde. An der Trennung zwischen Israel und der Gemeinde wird zwar festgehalten – diese stellt etwa für Ryrie das „Sine Qua Non (entscheidendes Kennzeichen) des Dispensationalismus“ dar -, aber diese Trennung wird nicht mehr als so absolut betrachtet, wie dies beim klassischen Dispensationalismus der Fall war.

Der progressive Dispensationalismus

Der progressive Dispensationalismus, wie er seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts etwa von  Robert Saucy, Darrell L. Bock und Kenneth L. Barker vertreten wird, nimmt gegenüber einer modifizierten Form die Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde noch weiter zurück. Er bewegt sich jenseits des „Sine Qua Non“ Ryries. Wichtiger als die Unterscheidung oder gar Trennung in Gestalt von Dispensationen ist ihm die Einheit, die durch das Opfer JESU CHRISTI vollbracht ist. Sein Ansatz möchte weniger anthropologisch – an dem Zustand der Menschengruppen (Israel und Gemeinde) – als vielmehr christologisch-soteriologisch (an CHRISTUS und Seinem Heilswerk) orientiert sein.

Neue theologische Erkenntnisse auf exegetischem und historischem Gebiet haben viele Dispensationalisten dazu geführt, „die transzendentale Unterscheidung zwischen himmlischen und irdischen Völkern aufzugeben zugunsten einer historischen Unterscheidung in bezug auf die fortschreitende Offenbarung des göttlichen Vorsatzes“ (C. A. Blaising/D. L. Bock, Dispensationalism, Israel and the Church, 1992, 33). Diese fortschreitende Offenbarung hat dem progressiven Dispensationalismus den Namen gegeben: „It is continuity through progress, the progress of promissory fulfillment“. „Es ist Kontinuität durch Fortschreiten, das Fortschreiten der Erfüllung von Verheißungen“ (a.a.O., 381). Israel und die Gemeinde werden zwar weiterhin als Völker mit verschiedenen Verheißungen und Aufträgen betrachtet, aber spätestens in der Ewigkeit ist diese Unterschiedenheit völlig aufgehoben.

Mit dieser Einschränkung des Unterschieds zwischen Israel und der Gemeinde nähert sich der dispensationalistische Prämillennialismus neuerdings mehr und mehr einem historischen Prämillennialismus an, wie er etwa von George E. Ladd vertreten wird. Der historische Prämillennialismus beansprucht, ohne Ausmalung dispensationalistischer Lehren unmittelbar an die frühen Kirchenväter anzuknüpfen, die seines Erachtens prämillennialistisch, aber nicht dispensationalistisch dachten und insbesondere die strenge Trennung zwischen Israel und der Gemeinde noch nicht kannten. Historische Prämillennialisten lehren, dass die Gemeinde das geistliche Israel ist und dass die Bundesverheißungen an Israel auf die Gemeinde übergegangen sind. Ein Millennium wird zwar erwartet, doch ist dieses nicht auf ein nationales Israel ausgerichtet, sondern auf die Herrschaft der Gemeinde mit CHRISTUS. Auch wird die Gemeinde erst nach der Trübsal entrückt, ist also in der Zeit der Bedrängnis noch vorhanden. Matthäus 24 und andere Stellen werden daher auf die Gemeinde bezogen (Posttribulationismus, Nachentrückungslehre). Die Rolle Israels ist damit nicht ausgeschlossen, tritt aber deutlich zurück. Eine Dichotomie (Zweiteilung) zwischen Israel und der Gemeinde wird abgelehnt. Das sind die wesentlichen Unterschiede zum dispensationalistischen Prämillennialismus.

Prüft man den exegetischen Befund (z.B. Epheser 2,11ff.), so fällt es in der Tat schwer, Israel und die Gemeinde als ausschließliche Gegensätze zu behandeln. Das wird deshalb heute auch kaum noch getan. Dass trotz der gemeinsamen Zielbestimmung Unterschiede zwischen Israel und der Gemeinde vorhanden sind, wird kaum jemand leugnen, auch nicht die Vertreter eines historischen Prämillennialismus. Doch trotz dieser Unterschiede die Einheit festzuhalten und die Betonung auf diese Einheit zu legen – dieses Verdienst kommt unbestreitbar dem progressiven Dispensationalismus zu.

Der progressive Dispensationalismus ist (neben anderen Gründen) durch einen Wechsel der Auslegungsmethode entstanden. Anstatt einem traditionellen grammatikalisch-historischen System zu folgen, (wie der klassische Dispensationalismus) bevorzugen die Anhänger des progressiven Dispensationalismus eine historisch-grammatikalisch-wörtlich-theologische Hermeneutik bei der Bibelauslegung. Dieses System unterscheidet sich von der  klassisch-dispensationalistische Bibelauslegung in folgenden Punkten:

Die Textbedeutung wird nicht auf die Vorgabe des Kontextes limitiert, sondern es lässt „ergänzende“ Deutungen zu, die dem biblischen Text Jahre oder sogar Jahrzehnte später hinzugefügt wurden, nachdem der biblische Autor den Text niederschrieb.

Progressive Dispensationalisten geben schwerpunktmäßige Kommentare über einen Bibeltext, im Unterschied zu den klassischen Dispensationalisten, die den Bibeltext in der Regel grammatikalisch-historisch auslegen.

Diese beiden Punkte belegen, dass der gravierende Unterschied zwischen dem klassischen und progressiven Dispensationalismus ein hermeneutischer ist.

Der Ultradispensationalismus (Bullingerismus)

Die Vorsilbe „ultra“ bezeichnet jemanden, dessen Standpunkt noch extremer ist als der desjenigen, der den Begriff gebraucht. Der Hauptunterschied zwischen dem Ultradispensationalismus und dem normativen Dispensationalismus liegt in der Frage, wann die Gemeinde, der Leib CHRISTI, historisch ihren Anfang genommen hat. Die Ultradispensationalisten glauben, dass sie mit Paulus einige Zeit nach Pfingsten begann, während die normativen Dispensationalisten daran festhalten, dass die Gemeinde ihren Anfang an Pfingsten hatte (Apg. 2). Dieser Unterschied sieht auf dem ersten Blick nicht sehr gravierend aus. Allerdings beeinflusst er, welche Verordnungen praktiziert werden und welche Bibeltexte unmittelbar die Gemeinde betreffen.

Es gibt zwei Ausformungen des Ultradispensationalismus, die extreme und die gemäßigte. Es besteht Übereinstimmung zwischen beiden über sechs Punkte:

  • Der Missionsbefehl in den Evangelien betrifft nur die Juden, und nicht die Gemeinde
  • Der Dienst der zwölf Apostel war eine Fortsetzung des irdischen Dienstes CHRISTI
  • Die Gemeinde nahm nicht zu Pfingsten ihren Anfang
  • Die Wassertaufe gilt nicht für dieses Gemeindezeitalter
  • Es gibt einen Unterschied zwischen dem früheren und dem späteren Dienst des Paulus

Israel, und nicht die Gemeinde, ist die Braut CHRISTI

Keine Übereinstimmung herrscht zwischen beiden Ausformungen über die folgenden vier Punkte:

  • Wann begann die Gemeinde?
    • Extreme: Apostelgeschichte 28
    • Gemäßigte: vor Apostelgeschichte 28
    • Wie lange währt die Überganszeit in der Apostelgeschichte?
      • Extreme: bis Apostelgeschichte 28
      • Gemäßigte: bis Apg. 9 oder 13
    • Wo ist der richtige Ort für das Herrenmahl?
      • Extreme: nirgendwo
      • Gemäßigte: in der Gemeinde
    • Welche der Heiligen Schriften sind in erster Linie für die Gemeinde geschrieben?
      • Extreme: Nur die Gefängnisbriefe
      • Gemäßigte: auch alle anderen paulinischen Briefe

Der Begriff “Bullingerismus” geht auf den englischen Theologen Ethelbert William Bullinger zurück, der den Ultradispensationalismus entscheidend prägte.

Exkurs: Wer war Ethelbert William Bullinger?

Ethelbert William Bullinger (1837 – 1913) wurde am 15. Dezember 1837 im englischen Canterbury geboren. Ein direkter Vorfahre von ihm war Johann Heinrich Bullinger, ein Bündnistheologe, der im Dezember 1531 in Zürich Ulrich Zwingli nachfolgte.

Seine Ausbildung absolvierte E. W. Bullinger am King’s College in London. Seine Kompetenz auf dem Gebiet der biblischen Sprachen war geschätzt und deshalb wurde ihm vom Erzbischof von Canterbury 1881 die Ehrendoktorwürde der Theologie verliehen.

Bullinger glaubte an die prämillennnialistische Entrückung vor der großen Trübsal und lehrte sie auch. Er war ein Ultradispensationalist, weil „er lehrte, dass die Evangelien und die Apostelgeschichte noch zum Zeitalter des Gesetzes gehörten und dass die Gemeinde ihren tatsächlichen Anfang mit dem Dienst des Paulus nach Apostelgeschichte 28,28 genommen habe”“ (Enns). Eine weitere Irrlehre (neben vielen anderen Irrlehren) war die irrige Ansicht, dass die Seele zwischen dem Tod und der Auferstehung ausgelöscht wird. Viele seiner Verehrer waren Befürworter der Seelenvernichtungsirrlehre.

Einige seiner bekanntesten Werke sind Commentary on Revelation, Word Studies on the Holy Spirit, The Witness of the Stars, The Book of Job, Figures of Speech Used in the Bible, Great Cloud of Witnesses, The Critical Lexicon and Concordance to the English and Greek New Testaments und The Companion Bible.

Bullinger starb am 6. Juni 1913 in London.

Der Dispensationalismus – eine relativ neue Lehre

Ist der Dispensationalismus nicht die vorherrschende Ansicht in vielen evangelikalen Kreisen Deutschlands? Wird nicht in diesen Kreisen besonders von Israel (Ehefrau JHWH) und der Gemeinde (Braut JHWH) gesprochen? Dies ist richtig und dennoch muss hier betont werden, dass diese Lehre mit all ihren Ausprägungen, bezogen auf 2.000 Jahre Christenheit, relativ neu ist.

Die von den Dispensationalisten bestrittene Lehre wurde, wie bereits erwähnt, seit dem 6. Jahrhundert bis zur Zeit Darbys  von vielen Menschen vertreten. Darbys Lehre besagt, sehr kurz formuliert, dass zwischen der historischen Entwicklung Israels und dem Entstehen der christlichen Gemeinde ein deutlicher Bruch liege. Nach dem Zeitalter der Gemeinde würde GOTT die Geschichte mit dem alttestamentlichen Volk fortführen. Die Gemeinde wäre damit in GOTTES Plan nur eine Zwischenlösung gewesen. Projiziert Darby hier seine eigene tiefe Enttäuschung über das sündige Regiment der Kirchenfürsten seiner Tage in seine Theologie hinein? Die Gemeinde GOTTES, wie im Neuen Testament vorgestellt, könne doch nicht der Schlusspunkt der Heilsgeschichte sein. Doch weder bei den Kirchenvätern der verschiedenen Ausprägungen noch bei den Theologen der Konzile, des Mittelalters, der Reformatoren oder der Puritaner war diese Lehre von Bedeutung. Wenn Darby und später seine Schüler recht hatten, dann hatte die gesamte christliche Gemeinde in diesem wichtigen Punkt des christlichen Glaubens 1800 Jahre lang unrecht. Nur Darby hätte diese andere Sicht in einer besonderen Offenbarung erhalten.

Die eigentliche Absicht JESU aus dispensationalistischer Sicht

Was war die eigentliche Absicht von JESU Kommen nach Ansicht der Dispensationalisten?

Hier griff die neue Erkenntnis Darbys: Bald nach dem Tod der Apostel hätten die Gläubigen damit angefangen, alttestamentliche Prophezeiungen und Verheißungen herzunehmen und auf sich selbst anzuwenden. Sie hätten richtig erkannt, dass GOTT Sein irdisches Volk beiseite gesetzt habe und dass sie, die Gemeinschaft der Christen (ein neuer Mensch in CHRISTUS aus Juden und Nationen, Eph 2,15), nun das „Volk GOTTES“ waren. Dabei hätten sie jedoch den Fehler gemacht, zu denken, dass Israel nun keinerlei Zukunft mehr hätte. Das Alte Testament sei aber geschrieben von einem und für ein irdisches Volk. Die Prophetie selbst beschäftige sich stets mit der Erde (??). Die neutestamentliche Gemeinde würde im Alten Testament nie erwähnt (!!) und sei nirgends Gegenstand der Prophetie, weil sie ihrem Wesen nach himmlisch ist. Keine der alttestamentlichen Prophetien seien auf sie anzuwenden. Sie sei das Geheimnis, verborgen in GOTT. Aber als die Gemeinde jüdische Hoffnungen (und Praktiken) übernahm, hätte sie ihre eine wahre Hoffnung verloren: das Kommen des HERRN für sie.

Das Wort GOTTES lehrt etwas anderes. Die Bibel bezeugt, dass schon die alttestamentlichen Propheten sich gefragt hätten, wem ihre Weissagungen wohl gelten sollten. Als Antwort haben sie erhalten: Sie sollten der Gemeinde, den Christen, dienen (siehe 1. Petrus 1,10-12!).

Insbesondere der Hebräerbrief deutet viele alttestamentliche Prophezeiungen und Tatbestände aus der Sicht des Neuen Testaments. Er erklärt, dass die alttestamentlichen Vorbilder nicht das Eigentliche waren, sondern nur auf das Eigentliche hinweisen sollten. Zum Beispiel:

JESUS ist der wahre Hohepriester (4,14-7,28)

Die neutestamentliche Hoffnung ist die bessere Hoffnung (7,19)

Der neue Bund ist der viel bessere Bund (7,22)

CHRISTI Opfer ist das bessere Opfer (9,23;10,14).

Gibt es im Alten Testament Prophetien für die Gemeinde? Die Verheißung, dass der Messias auf dem Thron Davids sitzen werde, wird, um Scofield zu zitieren: „völlig unverändert ins Neue Testament übernommen“ und dürfe nicht anders verstanden werden als die Verheißung einer politischen Souveränherrschaft. So hätte Johannes der Täufer sie verkündet, als er predigte, dass das Königreich nahe herbeigekommen war. Und so hätte JESUS selbst es im frühen Abschnitt seines Dienstes gepredigt und verstanden. JESUS wäre damit gekommen, um eine solche politische Herrschaft aufzurichten. Er hätte sie aufgerichtet, wenn Er gekonnt hätte. Diese Absicht sei durch die Verweigerung der Juden, Ihn als ihren König anzunehmen, vereitelt worden. Deshalb sei zu einem bestimmten Zeitpunkt Seines Dienstes – gekennzeichnet durch Mt 11,28 – (siehe „Scofield-Bibel“ S.985 Fußnote!) dieses Angebot zurückgezogen und ein neues Angebot an seine Stelle gesetzt worden. Matthäus 11,28:

nicht das Königreich, sondern Ruhe und Dienst allen …, die wissen, dass sie seine Hilfe brauchen.

Dieser Entzug des Angebots, das Königreich aufzurichten, wäre jedoch nur zeitlich befristet. Das Angebot würde kurz vor der Offenbarung JESU CHRISTI erneuert werden, d. h. während der finsteren Tage des Antichristen, und es würde im Millennium verwirklicht werden. Dies nennt man die „Theorie vom aufgeschobenen Königreich“. Die Erneuerung dieses Angebots in den letzten Tagen würde somit den Zeitpunkt kennzeichnen, an dem die Erfüllung alttestamentlicher Prophetie fortgesetzt werde.

Der Dispensationalismus und die Bibel – wie verstehen Dispensationalisten die Bibel?

Ein Schüler Scofields schreibt:

Die prophetische Uhr ist auf Golgatha stehengeblieben. Nicht ein einziges Ticken war seitdem zu hören. Von dem Moment an, als Jesus sein Haupt neigte und seinen Geist in die Hände des Vaters befahl, sind all die Herrlichkeiten des Königreichs, von denen die alttestamentlichen Seher und Propheten sprachen, im Zustand des Aufschubs.

Die Bibel wird mit dieser Aussage in ein jüdisches Buch verwandelt, in dem Sinne, dass die traditionelle Deutung der Synagoge, nicht diejenige der Gemeinde JESU, als korrekt anzusehen ist. Das Alte und das Neue Testament wird von uns neutestamentlichen Gläubigen als das zu uns gesprochene Wort Gottes angenommen. Allerdings wird es unter der Leitung dieser Lehrer zu einem Wirrwarr von Dokumenten. Folgen wir dieser Vorstellung, bedarf es eines dispensationalistischen Experten, um für uns zu entscheiden, welche Botschaft für uns bestimmt ist und welche für die Juden des Millenniums. Ist der Hebräerbrief wirklich nur für Juden geschrieben worden? Ist die Bergpredigt etwa zuerst nur das Gesetzbuch für das 1000jährige Reich?

Wir sind somit überrascht, dass konservative Bibellehrer mit liberalen Theologen in der Weise übereinstimmen, wie sie die Bibel zerschneiden. Radikale Forscher zerlegen das Alte Testament in unterschiedliche, sich widersprechende Dokumente mit gegensätzlichen theologischen Konzepten. Die Dispensationalisten gehen zwar nicht auf die gleiche Weise vor, doch sie kommen zum Teil zu ähnlichen Ergebnissen. Ebenso wie radikale Kritiker die biblischen Dokumente in kleinste Teilchen zerlegen, so gibt es auch manche Ultra-Dispensationalisten („Bullingerianer“), die das gleiche tun.

Der Dispensationalismus und das Kreuz CHRISTI

Sind wir Christen uns wenigstens in Bezug auf das Kreuz CHRISTI einig?

Die Unterscheidung, die der Dispensationalismus zwischen Israel und Gemeinde macht, deutet einen anderen Heilsweg an. Dispensationalisten machen eine qualitative Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde. Diese zwei unterschiedlichen Gebilde haben eine unterschiedliche Beziehung zu CHRISTUS in diesem Leben und eine unterschiedliche Zukunft. Die Bibel lehrt jedoch, dass GOTTES Volk in allen Dispensationen ein und dasselbe ist (Epheser 2,20).

Biblische Bewertung

Um eine biblische Bewertung des Dispensationalismus’ vornehmen zu können, muss die Frage beantwortet werden, wie man das Alte Testament (AT) in Beziehung zum Neuen Testament (NT) versteht. In diesem Zusammenhang gibt es grob vier Hauptlinien der Interpretation und des Verständnisses der Bibel:

Eine Gruppe versteht die Geschichte aus Sicht der Bibel streng eingeteilt in verschiedene Zeitalter mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und eigenen Plänen GOTTES (Dispensationalismus). Zwischen diesen in sich geschlossenen sogenannten „Haushaltungen“ (engl. dispensions) gibt es nur wenige übergreifende geistliche Aspekte, die für andere „Haushaltungen“ Gültigkeit hätten. In dieser Sichtweise bleibt kaum Platz für generelle Verheißungen vergangener Zeiten im AT, die für Christen heute konkrete Bedeutung hätten.

Andere verstehen in der Bibel als absolute Einheit mit einer einzigen übergeordneten geistlichen Wahrheit, die insbesondere für die Gemeinde JESU im NT gültig ist. Diese Gruppe bezieht ausnahmslos alles im AT als Vorläufer für die jetzige neutestamentliche Zeit. Beispielsweise wird alles, was mit Israel zu tun hat, auf die Gemeinde übertragen. Alle AT-Verheißungen gelten demnach ausnahmslos – meist übertragen symbolisch verstanden – für die Gemeinde bzw. für die Christen. Hierbei werden die ursprünglichen Zusammenhänge der Aussagen im AT oft nicht berücksichtigt.

Eine dritte Gruppe versteht die Bibel zwar in einem einheitlichen Zusammenhang mit inhaltlich engen Beziehungen zwischen AT und NT, trennt aber strikt zwischen Israel im AT und der Gemeinde im NT. Diese Gruppe versteht die AT-Verheißungen fast ausnahmslos als für Israel geltend – mit noch ausstehenden Erfüllungen. Die Verheißungen im NT hingegen gelten für die Gemeinde. Allerdings haben JESUS und die Apostel eine solche strikte Trennung nicht vollzogen, oft haben sie das AT auf sich und die neutestamentliche Zeit bezogen.

Eine vierte Gruppe versteht die Bibel als eine Einheit, in der GOTTES Wirken und Ratschluss vom Beginn der Schöpfung bis zur Schaffung der neuen Welt als ein roter Faden beschrieben wird. Durch die Geschichte mit ihren verschiedenen Epochen gilt ein einziges geistliches Prinzip. Diese Gruppe versteht die Geschichte als Gottes kontinuierliches Handeln, in dem allmählich Sein Plan umgesetzt und zum Ziel geführt wird („Heilsgeschichte“). In dieser Sicht gelten die Verheißungen in der Regel denen, die an den GOTT der Bibel glauben. Man muss jedoch aus dem textlichen und geschichtlichen Zusammenhang heraus sehen, wer konkret angesprochen wird, wie eine Verheißung zu verstehen ist, wem konkret eine Verheißung unter welchen Umständen gilt. Ich persönlich sehe diese Denkweise am nähesten am korrekten Verständnis der Bibel.

Wie JESUS und die Apostel mit dem Alten Testament umgehen

GOTTES Wort offenbart den Ursprung der Schöpfung und der Menschheit, es offenbart GOTTES Willen bezüglich der Schöpfung und des Menschen, es offenbart das Verhalten und das Wesen des Menschen und GOTTES Geschichte mit dem Menschen vom Fall bis zu einer Wiederherstellung, Rechtfertigung und Gericht über die Sünde. Es wird der Bogen gespannt über die Urzeit der Menschheit über die Sintflut, über die besonderer Erwählung Abrahams und des Volkes Israel, dessen Rettung, Landnahme und schließlicher Gefangennahme bis hin zum Kommen des MESSIAS am Kreuz, der Berufung seiner Gemeinde und Dessen Kommen in Herrlichkeit.

Schon im AT wird Israel als Nation (der sichtbare Bereich) und parallel dazu der gläubige Rest (der geistliche Bereich) dargestellt. Bei JESU Kommen (Zeit des NT) wurde der gläubige Rest Israels zusammen mit Gläubigen aus den anderen Völkern zur Gemeinde Jesu berufen. Nun gibt es aktuell drei Gruppen, die Israeliten (nach dem Fleisch, wie Paulus sie beschreibt), also die ethnische Gruppe der bis heute lebenden Juden, ferner die an CHRISTUS Gläubigen (Juden und Heiden) als Bestandteil der Gemeinde Jesu und schließlich die Nicht-Gläubigen (Nationen oder Heiden). Über jede drei dieser Gruppen finden wir durch die ganze Bibel hindurch eine Fülle von Aussagen und Versprechen GOTTES.

Die Apostel verstehen viele AT-Zitate als Voraussagen der Ordnungen, die im NT Realität wurden. Diese betreffen die an CHRISTUS Gläubigen (die Christen), die Gemeinde. Der Römerbrief erklärt uns beispielsweise den Glauben der Christen im Zusammenhang mit Abrahams Glauben. Im Galaterbrief erläutert Paulus den Zusammenhang der Verheißungen an Abraham mit denen an die heutigen Gläubigen. Der Hebräerbrief verdeutlicht die AT-Ordnungen bezüglich des Opferwesens und des dabei vergossenen Blutes und deutet dieses alles auf CHRISTUS. Außerdem schlägt gerade der Hebräerbrief in Kapitel 11 die wunderbare Brücke zwischen den Gläubigen im AT und denen im NT.

In der Offenbarung werden eine Vielzahl von Symbolen und Begriffen aus dem AT verwendet und in ein neues Licht gestellt. Man findet gerade in der Offenbarung fundamentale Aussagen und Sichtweisen aus den Propheten Jesaja, Hesekiel und Daniel wieder. Hier wird deutlich, dass es keine Trennung zwischen dem AT- und NT-Zeitalter gibt, sondern dass die Testamente stark miteinander verwoben sind und sich aufeinander beziehen, da sie alle gleichwertige Bestandteile ein und derselben Geschichte GOTTES sind.

GOTTES Versprechen für die Gläubigen

Schauen wir uns ein paar konkrete Verheißungen an und versuchen wir diese im Kontext und der Betrachtungsweise der Apostel zu sehen:

1. Mose 17, 1
Als nun Abram 99 Jahre alt war, erschien ihm JHWH und sprach zu ihm: Ich bin GOTT, der Allmächtige. Wandle vor mir und sei untadelig!

Hier wird konkret Abraham angesprochen – diese Verheißung gilt erst einmal ihm. Dennoch wird er dadurch zum Vater vieler Völker. Er wird somit auch zum Vater der Gläubigen im NT (Römer 4,17 und 1.Mose 17,5).

Zeitlich nach 1. Mose 17,7 wird von einem Bund zwischen GOTT und Abraham gesprochen, der sich über dessen Nachkommen erstreckt. In 1. Mose 22,18 verheißt GOTT, dass durch Sein Geschlecht alle Völker auf Erden gesegnet werden sollen. Diese Bundesverheißungen gelten hier erst einmal konkret Abraham und seinen Nachkommen. Aber die Bibel selbst eröffnet uns einen weiteren Blick. Paulus sagt uns in Galater 3,16, dass hier nicht die Nachkommen Abrahams (Volk Israel), sondern der eine Nachkomme – JESUS CHRISTUS – gemeint ist.

 Hier wird deutlich, dass Pauschalaussagen, alles gelte Israel, oder alles gelte der Gemeinde, oder alles gelte nur den angesprochenen Personen oder alles gelte übergeordnet immer und ewig nicht gemacht werden können. Der Gesamtzusammenhang der Bibel ist zu berücksichtigen. Erst dann wird deutlich, wem welche Verheißungen gelten. Der folgende Abschnitt verdeutlicht dies:

Galater 3, 1-14
O ihr unverständigen Galater, wer hat euch verzaubert, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht, euch, denen JESUS CHRISTUS als unter euch gekreuzigt vor die Augen gemalt worden ist? Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den GEIST durch Werke des Gesetzes empfangen oder durch die Verkündigung vom Glauben? Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen und wollt es nun im Fleisch vollenden? So viel habt ihr umsonst erlitten? Wenn es wirklich umsonst ist!  Der euch nun den Geist darreicht und Kräfte in euch wirken lässt, [tut er es] durch Werke des Gesetzes oder durch die Verkündigung vom Glauben? Gleichwie Abraham GOTT geglaubt hat und es ihm zur Gerechtigkeit angerechnet wurde, so erkennt auch, dass die aus dem Glauben Abrahams Kinder sind.   Da es nun die Schrift voraussah, dass GOTT die Heiden aus Glauben rechtfertigen würde, hat sie dem Abraham im voraus das Evangelium verkündigt: „In dir sollen gesegnet werden alle Völker“ So werden nun die, welche aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun“ Dass aber durch das Gesetz niemand vor GOTT gerechtfertigt wird, ist offenbar; denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“ Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: „Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben“ CHRISTUS hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, Er ein Fluch wurde um unsertwillen (denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt“), damit der Segen Abrahams zu den Heiden komme in CHRISTUS JESUS, damit wir durch den Glauben den GEIST empfingen, der verheißen worden war.

Paulus macht hier deutlich, wie die Apostel das AT verstanden haben. Der in 1. Mose 15 angesprochene Glaube Abrahams wird von Paulus thematisiert. Paulus konzentriert dieses Thema auf den Gedanken, dass in den Glaubensverheißungen und Segensversprechungen an Abraham (auch) die Gläubigen im NT gemeint sind.

Galater 4,21-31 zeigt uns, wie Paulus die Abraham-Söhne Isaak und Ismael sieht. Nicht Israeliten und Araber (Ismaeliten) spielen hier wie im AT eine Rolle, sondern die gesetzesgebunden Israeliten im Gegensatz zu den befreiten Gläubigen. Das ist ein weiteres Beispiel das uns zeigt, wie sehr man den Zusammenhang der Schrift beachten muss.

2. Mose 14, 14
JaHWeH wird für euch streiten, und ihr sollt still sein!

Hier haben wir es in erster Linie mit einer Verheißung des HERRN an Sein bedrängtes Volk Israel in einer konkreten Situation zu tun. Das ist ein schönes Beispiel, wie allgemeine Wahrheiten in gewissen Situationen konkret ausgesprochen und Realität wurden. Das heißt aber nicht, dass diese Aussage ausschließlich in dem Augenblick und in dieser konkreten Situation gegolten haben muss. Auch hier ist es wichtig aus den Gesamtaussagen der Bibel schließen zu können, ob wir es mit einer allgemein gültigen Aussage zu tun oder mit einer einmaligen.

Viele andere Bibelstellen lassen erkennen, dass hier eine generelle Wahrheit ausgesprochen wird, die im konkreten Fall ein Zuspruch für eine Zielgruppe wurde. Dennoch kann man durchaus sagen, dass GOTT solche Zusage allen macht, die als Gläubige zu seinem Volk gehören. Auch für Christen gilt, dass der HERR unsere Stärke ist. Aus dieser Tatsache beziehen beispielsweise die Psalmen einen großen konkreten Nährwert auch oder gerade für die Christen. Der HERR ist eben auch unser Hirte, unsere feste Burg, unser Schirm etc.

Ein anderes Beispiel, der Verheißung des Landes an das Volk Israel: Konkret in der speziellen Situation hat GOTT dem Volk Israel ein Land verheißen (mehrfach in den Mose-Büchern). Das Josua-Buch zeigt uns, wie diese Verheißungen erfüllt werden. Aber auch hier führt und ein Blick ins NT weiter. In Hebräer 4,1-13 wird darauf Bezug genommen, um uns einen erweiterten Blick in dieses Thema zu geben. Dort nämlich wird behauptet, dass die eigentliche Verheißung einer Ruhe noch aussteht. Der Schreiber dieses Briefes schlägt den Bogen zum NT und macht deutlich, dass die wahre Ruhe und die wahre Landnahme durch JESUS CHRISTUS erfolgt und im Glauben an ihn Realität wird.

Auch hier wäre es falsch zu behaupten, die Verheißung gelte ausschließlich Israel. Es ist ebenso falsch zu behaupten, sie gelte nur der Gemeinde. Richtig ist, dass sie damals in einem bestimmten Kontext Israel galt, aber eben nur zu einem Teil. Die eigentliche Erfüllung erfolgt im NT in Verbindung mit CHRISTUS und dem Glauben an Ihn.

Eine weitere Verbindung vom AT zum NT können wir im Bundes-Begriff sehen. Hebräer 8,8 weist darauf hin, dass der im AT verheißene Bund (Jeremia 31,31-34) nun durch JESU Opfer angebrochen und verwirklicht ist. Die vielen Aussagen des AT über den Neuen Bund haben somit eine neue konkrete Zielgruppe, nämlich die Gläubigen des NT.

Paulus hatte beispielsweise kein Problem, das Klagen des Psalmisten über die Bedrängnis-Situation der Juden damals auf sich und die Christen zu beziehen und gerade der Gemeinde hier eine große Verheißung der Bewahrung durch den Herrn mit auf den Weg zu geben (Römer 8,36 und Psalm 44,23).

Einige Probleme macht auch die folgende Verheißung:

Sacharja 2, 12b
… denn wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an!

Ist nur Israel damals gemeint? Nicht vielleicht auch heute? Ist ein geistlich-symbolisches Israel gemeint? Darf der Zusammenhang zur Gemeinde JESU hergestellt werden? Der geschichtliche Zusammenhang zeigt, dass natürlich zuerst das Volk im AT gemeint ist. Inwieweit auch das heutige Israel damit gemeint ist, sollte durchaus überlegt werden. Wenn man aber auch JESU Aussagen über die Gemeinde liest, ist es dann ausgeschlossen, dass in der jetzigen Zeit des NT sinngemäß JESU Gemeinde auch unter diese Zusage fallen kann?

Manchmal wird es deutlicher, wann ein konkreter Gegenstand aus dem AT zu einem Bild für eine Erfüllung im NT wird. Johannes zitiert Psalm 78,24 und macht uns deutlich, in welchen Bereichen durchaus reale Ereignisse aus dem AT ein Bild, ein Typus für geistliche Realitäten des NT sind: Das reale Manna, mit dem GOTT Israel speiste weist auf JESUS hin, Der jetzt das Brot des Lebens für Seine Jünger ist (Johannes 6,31). Dieses Beispiel zeigt, dass man AT und NT nicht trennen kann. Der Bogen von den „Haushaltungen“ im AT zu denen im NT wird oft deutlich geschlagen.

Interessant in diesem Zusammenhang sind z.B. Aussagen über Israel, die im NT auf andere bezogen werden.

Matthäus 2, 15
Und Er blieb dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der HERR durch den Propheten geredet hat, der spricht: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“

Hosea prophezeit ursprünglich über Israel als den von GOTT geliebten, der aus Ägypten gerufen wurde. Nun liegt es nahe, hier wirklich das Volk Israel zu sehen. Im Matthäusevangelium wird jedoch deutlich, dass diese Aussage auch auf JESUS, den Messias zu beziehen ist.

Jesaja prophezeite über Israel als Knecht Gottes, dass dieser als Werkzeug sogar ein Licht für die Heiden wird (Jesaja 49,1-6). Paulus bezieht dieses Wort auf die Apostel (nicht auf Israel als solches), die nun das Evangelium zu den Heiden bringen.

Aber selbst dort, wo so deutlich der Bezug zur Zeit des NT hergestellt werden kann, darf nicht zwangsläufig ausgeschlossen werden, dass konkrete Zusagen aus dem AT heute oder in Zukunft eine bestehende Nation Israel betreffen können.

Weiterhin interessant ist auch, wann Verheißungen erfüllt sind:

Lukas 4, 17-19
Und es wurde Ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja gegeben; und als Er die Buchrolle aufgerollt hatte, fand Er die Stelle, wo geschrieben steht: „Der GEIST des HERRN ist auf mir, weil Er Mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; Er hat Mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, dass sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, zu verkündigen das angenehme Jahr des HERRN.

Israel wurde Heil versprochen, Jesaja schreibt gerade darüber sehr viel und unter Nutzung vielerlei anschaulicher Begriffe. Höhepunkt all dieser Versprechungen ist GOTTES Licht und GOTTES Heil. Basierend darauf ist ein Aufbau des Landes versprochen. Wenn wir darauf warten, dass sich dieses noch erfüllt, warten wir vergeblich und verpassen schon Geschehenes! Das Gnadenjahr des HERRN ist bereits angebrochen, denn als JESUS diesen Vers zitierte, sprach er von der Erfüllung vor den Augen der Zuhörer und macht deutlich, was sich in Seinem Kommen verwirklicht. Wenn wir das verstehen, können wir an ähnlichen Aussagen des AT ableiten, was durch JESUS bereits jetzt denen, die an ihn glauben geschenkt ist. Aber Achtung, der Vers aus Jesaja ist von JESUS nur zur Hälfte zitiert. Von JESUS bewusst weggelassen? Der Tag der Vergeltung spielt nämlich bei der Auslegung JESU (noch) keine Rolle!

Ich hoffe solche Beispiele können helfen, AT-Aussagen und Verheißungen bezüglich Israel und Gemeinde JESU besser einzuordnen. Wenn wir das AT im Licht des NT sehen, können wir die Zusammenhänge eher erkennen.

Die Auswirkung des Dispensationalismus – ein ideologisiertes Bibelverständnis

Isoliert betrachtet ist diese Ansicht gar nicht verkehrt. Wenn Paulus OIKONOMIA (Luther übersetzte: „Zeitalter“) sagt, bedeutet das „Verwaltung“ und umfasst auch ein Verstehen und Kennzeichnen der Unterschiede der verschiedenen Zeitabschnitte biblischer Offenbarung. So hat es die Gemeinde zu allen Zeiten gesehen. Das Besondere am dispensationalistischen Verständnis ist nicht, dass es einzelne Entfaltungsstufen der Offenbarung unterscheidet, sondern die Art und Weise, wie es diese Stufen definiert. Anders als das biblische Zeugnis verstehen die Dispensationalisten diese Zeitabschnitte als streng getrennte Bereiche, die, anstatt sich fortschreitend zu entfalten, miteinander im Widerstreit stehen. Echte biblische Offenbarung ist dagegen wachstümlich zu verstehen; eine Stufe entfaltet sich natürlich aus einer anderen; ähnlich der sich entfaltenden Blüte einer Blume.

Der Gebrauch des Wortes „Dispensation“ (Heilszeit, Heilsordnung) im Sinne eines Zeitabschnittes, während dessen ein bestimmter Zug des göttlichen Erlösungsprogramms stärker hervortritt, ist in der Theologie bekannt. Wir alle kennen Begriffe wie „die alte Heilsordnung“, „die neue Heilsordnung“ oder „alter Bund“ und „neuer Bund“ als Bezeichnungen für die Zeit vor bzw. nach dem Kommen CHRISTI. Hier geht es um Zeitabschnitte, für die durch göttliche Autorität jeweils unterschiedliche Ordnungen/Verordnungen eingesetzt waren. Im Alten Testament waren es die Opfer und das Passahfest. Taufe, Fußwaschung und Abendmahl sind die Verordnungen im Neuen Testament. Darby hat nun allerdings den Gedanken der besonderen Ordnungen auf die genannten sieben Abschnitte ausgeweitet.

Für eine solche Ausweitung und Auflistung von Dispensationen liefert Darby jedoch keine Schriftbeweise. Auch nennt er nicht die Grundlage, auf die er seine Behauptung stützt, dass es gerade sieben sind. Er stellt die Aussagen autoritativ in den Raum. Er meint, es bedarf hierzu keiner weiteren Worte. Doch wissen wir, dass andere dispensationalistische Ausleger auch zu 10 oder gar 12 Dispensationen gelangt sind.

Die Entrückung aus der Sicht der Dispensationalisten

Wie wir bereits gesehen haben, wird das alttestamentlichen Israel von der Gemeinde JESU heilsgeschichtlich in der dispensationalistischen Ideologie abgekoppelt. Biblische Verse werden untersucht, ob sie für Israel oder ob sie für die Gemeinde Geltung haben. So wird die Bibel systematisch in zwei Hälften geteilt. Das Ergebnis dieser Aufspaltung ist, dass Israel einen anderen Heilsweg hat als die Gemeinde JESU. Juden werden nicht entrückt, gehen in die große Trübsal und nehmen JESUS an, wenn Dieser in Macht und Herrlichkeit wiederkommt. Dies alles wird für die Gemeinde JESU nicht angenommen. Christen werden entrückt und können, mangels Anwesenheit, daher nicht in ein zukünftiges Tausendjahrreich gehen.

Um dies zu rechtfertigen ist eine Vorentrückung der Christen notwendig, an der keine andere Bevölkerungsgruppe teilhat. Die Bibel hat Verse, welche vermeintlich auf ein heimliches Wiederkommen des JESUS CHRISTUS und auf ein öffentliches Wiederkommen hinweisen. Trennt man diese Verse auf, entsteht die Vorstellung, dass JESUS zwei Mal wiederkommt, zunächst heimlich und nur für Christen sichtbar. Die Christen werden verwandelt, in einem Augenblick (1.Korinther 15,51-53) und der Rest der Welt stellt mit Erstaunen und Entsetzen das Verschwinden der Christen fest. Ein zweites Mal kommt JESUS öffentlich, mit den Wolken und zum wiederum Entsetzen aller noch übrig gebliebenen Menschen. Entsetzen deshalb, weil JESUS wiederkommt um zu richten. Aus Platzgründen kann ich hier nur bruchstückhaft darstellen, wie es sich mit dieser dispensationalistischen Sicht verhält. Ebenso ist es mir hier nur möglich, auf einige Bibelstellen aus dem Neuen Testament einzugehen. Unterschiedliches Prophetieverständnis kann ich hier ebenso wenig beleuchten, wie die Konsequenzen, die sich aus dieser Sichtweise der Bibel ergeben.

Anhand einiger Bibelstellen aus dem Neuen Testament, die auch von den Vertretern einer verborgenen Entrückung angewendet werden, möchte ich im Folgenden etwas Klarheit in dieses Thema bringen. Ich zitiere dazu die jeweiligen Bibelstellen und bespreche die Schlüsse die daraus gezogen werden können.

A) Stellen über die Entrückung

a1) 1.Thessalonicher 4,17-18

a2) Johannes 14,1-4

a3) Apostelgeschichte 1,10-11

Anmerkungen: Die dispensationalistischen Argumente für eine verborgene Entrückung beziehen sich auf eine Kombination aus a1) und a3). Da in a3) nur Jünger des JESUS CHRISTUS anwesend waren und der Engel daher auch nur sie ansprach, geht man davon aus, das a1) auch nur für Christen sichtbar sein wird. Weiter wird aus a1) geschlossen, dass JESUS die Entrückten mit hinauf in den Himmel und auf der Erde die große Trübsal ihren Anfang nimmt. Innerhalb der disp. Theologie ist diese Sichtweise durchaus logisch.

Bedenklich stimmt mich, dass a1) gar nicht davon spricht, dass die Christen in den Himmel aufgenommen werden. In den einschlägigen Publikationen trifft man immer wieder auf einen Doppelpfeil, welcher die disp. Sichtweise widerspiegeln soll. Dort sieht man einen Pfeil, welcher in Richtung Himmel aufsteigt und etwa ab der Hälfte des Weges von einem vom Himmel kommenden anderen Pfeil begleitet wird. Erster Pfeil stellt die Christen der zweite Pfeil JESUS dar.

Das Bild, das uns von a1) vermittelt wird ist jedoch ein anderes. Die Christen werden JESUS entgegengerückt und haben anschließend ewige Gemeinschaft mit Ihm. Davon, dass Christen und JESUS zusammen zurück in den Himmel gehen, steht da gar nichts. Sie gehen JESUS entgegen, Der sich auf dem Weg zur Erde befand. Dass JESUS die Christen nur abholt und seinen Weg zur Erde nicht fortsetzt, läßt sich nicht begründen. Möchte man dies in einen Pfeil illustrieren, so kann man dies tun. Der Pfeil der Christen steigt von der Erde auf, begegnet in der Luft dem Pfeil des JESUS CHRISTUS und gemeinsam gehen sie auf die Erde zum Gericht.

Das in a3) ausschließlich Jünger JESU anwesend waren, hat meines Erachtens keine besondere heilsgeschichtliche Bedeutung außer der, dass ihnen die große Ehre und Verantwortung dieses Ereignisses zuteil wurde. Aus keinem Wort läßt sich darauf schließen, dass die Himmelfahrt generell unsichtbar war bzw. nur für die Jünger sichtbar gewesen ist.

Zwischenstand: Alle Argumente für eine verborgene Vorentrückung der Christen lassen sich nur innerhalb des Disp. halten. Geht man Vers für Vers vor und läßt theologische Grundüberzeugungen beiseite, ergibt sich durchaus ein anderes Bild.

B) Stellen über die öffentliche Wiederkunft JESU CHRISTI

b1) Markus 13,26

b2) 1.Thessalonicher 4,15

b3) 1.Thessalonicher 4,16

Anmerkungen: Die Verse b1) und b2) sind unstrittig. JESUS kommt wieder und alle können es sehen. Es gibt in den anderen Evangelien noch weitere Verse über dieses Ereignis. Alle Verse reden von allgemeiner Panik vor dem drohenden Gericht. Es handelt sich also in jedem Fall um eine allgemein sichtbare Wiederkehr.

C) Stellen über die vermeintlich verborgene Wiederkunft JESU CHRISTI (verborgene Verwandlung der Christen)

c1) 1.Korinther 15,51-53

c2) 1.Thessalonicher 5,2

c3) 2.Petrus 3,10

c4) Offenbarung 3,3

c5) Offenbarung 16,15

Anmerkungen: Die Geschwindigkeit in der die Menschen verwandelt werden, ist ein weiteres Argument der dispensationalistischen Theologie. Das in c1) stehende griechische Wort für „Augenblick“ lautet ATOMOS und bezeichnet den so ziemlich kürzesten Zeitabschnitt den man sich vorstellen kann. Er sei, laut dispensationalistischer Theologie, sogar so schnell, dass niemand es mitbekommt. Weiter wird davon ausgegangen, dass der verwandelte Leib für Nichtchristen unsichtbar sei. Nach der Verwandlung stehen dann die Ereignisse in a1) und a2) an. Die Entrückung ist damit also unsichtbar. Dass der verwandelte Leib unsichtbar ist, kann man keiner Aussage der Bibel entnehmen. Gewiss wurde JESUS in a3) nur von Jüngern gesehen und gewiss erschien Er nach seinem Tod nur Menschen, die an Ihn glaubten. Von einer generellen Unsichtbarkeit lesen wir jedoch nichts. Auch eine Gleichsetzung zu den Christen ist nicht ohne weiteres ersichtlich. Beide Beispiele beziehen sich auf Situationen vor Pfingsten.

Die Verse c2) bis c5) beziehen sich sowohl auf Nichtchristen als auch auf Christen. Dispensationalistische Theologen schließen aus der Redewendung wie ein Dieb, dass der Tag des HERRN bzw. die Wiederkunft JESU CHRISTI heimlich und unbemerkt passiert. Liest man sich die Verse durch erkennt man schnell, dass das Bild des „Diebes“ auf die Wachsamkeit zielt und nicht auf einen unsichtbaren Hergang des Ereignisses. Nicht nur Nichtchristen, welche ohnehin nicht an die Wiederkunft JESU CHRISTI und Dessen Gericht glauben, sondern auch Christen können von dem Tag der HERRN überrascht werden. Davor warnen alle vier Verse und zwar unabhängig von den Empfängern. Auf die vermeintlichen Unterschiede von Tag des HERRN oder Tag JESU CHRISTI etc. möchte ich jetzt aus Platzgründen nicht eingehen.

Fazit

Die zitierten Verse zwingen uns nicht an eine verborgene Entrückung zu glauben. Meines Erachtens ist das Gegenteil der Fall. Es gibt nur eine öffentliche Entrückung und nur eine öffentliche Wiederkunft unseres Herrn JESUS CHRISTUS. Wachsamkeit ist aber das Gebot der Stunde. Das wird aus den zitierten Versen in jedem Fall deutlich. Christen sollten sich gut auf die Wiederkunft vorbereiten. Nichtchristen sollten sich schleunigst überlegen, ob sie ihr Leben nicht in die Hände Dessen legen wollen, Der da wiederkommt. Noch ist Zeit dafür. Niemand kann jedoch sagen, wann JESUS wiederkommt. Daher sollte man keine Zeit verlieren und sich zu dem bekehren, der alleine der Weg die Wahrheit und das Leben ist: JESUS CHRISTUS.

Wie die Dispensationalisten das Wort falsch teilen

Wir wollen die Tendenz der Dispensationalisten, die Wahrheit in unerlaubter Weise zu teilen, noch ein wenig näher betrachten. Es ist wichtig, die wesentlichen unterschiedlichen biblischen Axiome sorgfältig darzustellen (2Tim 2,15). Aber man kann darin auch leicht des Guten zuviel tun. Der ungezügelte Eifer mancher dispensationalistischer Denker, Einteilungen zu schaffen, hat dem Evangelium eine Anzahl unglücklicher Beschränkungen eingetragen. Zum Beispiel ist JESUS sowohl Retter als auch HERR (Lukas 2,11), und kein wahrer Gläubiger würde das je in Zweifel ziehen. Retter und HERR sind verschiedene Ämter; aber wir haben bei dieser Unterscheidung aufzupassen, das wir nicht am Ende einen zerteilten CHRISTUS haben (siehe 1. Kor 1,13). Trotzdem hört man aus dem Lager der Dispensationalisten laut die Lehre, es sei möglich, CHRISTUS als HERRN zu verwerfen und Ihn doch als Retter anzunehmen.

Tatsächlich gibt es welche, die uns glauben machen wollen, es sei die Regel bei der Errettung, JESUS als Retter anzunehmen, ohne Ihm das Herrsein einzuräumen. Sie versteigen sich zu der Behauptung, jede andere Lehre laufe auf ein falsches Evangelium hinaus, „weil es heimlich Werke zu den klaren und einfachen Bedingungen hinzufügt, die das Wort Gottes stellt“. (Livingstone Blauvelt, Jr., “Does the Bible Teach Lordship Salvation?“ Bibliotheca Sacra (Januar-März 1986), S. 37).

Die von ihnen bekämpfte Ansicht haben sie mit dem Namen „Lordship Salvation“ belegt. Lordship Salvation wurde von einem, der sie als Häresie bezeichnete, so beschrieben: „Sie ist die Ansicht, dass eine Person, um errettet zu werden, JESUS CHRISTUS als dem Retter von den Sünden vertrauen muss und außerdem CHRISTUS als den HERRN ihres Lebens anzuerkennen und sich Seiner souveränen Autorität zu unterwerfen hat.“ (ebd.)

Es ist erstaunlich, wie irgend jemand diese Wahrheit als unbiblisch und häretisch charakterisieren kann; doch wächst der Chor der Stimmen, die dieses Urteil nachsprechen. Das kommt daher, weil sie die Anerkennung der Herrschaft CHRISTI als menschliches Werk bezeichnen. Dies ist eine Fehleinschätzung; aber sie stützt sich auf viele dicke Bücher, die negativ über Menschen reden, „die JESUS CHRISTUS zum HERRN ihres Lebens gemacht haben“ (ebd., S. 38).

Wir „machen“ CHRISTUS nicht zum HERRN; Er ist der HERR! Alle, die Ihn nicht als HERRN annehmen, machen sich schuldig, Ihn zu verwerfen. „Glaube“, der Seine souveräne Autorität ablehnt, ist in Wirklichkeit Unglaube. Umgekehrt ist die Anerkennung Seiner Herrschaft nicht mehr ein Menschenwerk als die Buße (siehe 2. Timotheus 2,25) oder der Glaube selbst (siehe Epheser 2,8.9). Tatsächlich ist sie ein wichtiger Bestandteil des gottgewirkten rettenden Glaubens und nicht etwas, das dem Glauben hinzugefügt wird.

Die zwei klarsten Aussagen über den Weg der Errettung in der ganzen Schrift betonen beide das Herrsein JESU:

Apostelgeschichte 16, 31; Römer 10,9
Glaube an den HERRN JESUS, und du wirst errettet werden … Wenn du mit deinem Munde JESUS als HERRN bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass GOTT Ihn aus den Toten auferweckt hat, (wirst) du errettet werden

Einige Dispensationalisten möchten die Anwendung von Römer 10,9.10 auf ungläubige Juden beschränken. Es ist wahr, Römer 9 bis 11 beschäftigt sich mit der Frage der Verwerfung des Messias durch Israel und mit der Stellung, die den Völkern in GOTTES ewigem Plan zugedacht ist. Aber die heilsgeschichtliche Bedeutung dieser Verse kann nicht auf Israel beschränkt werden; denn in den Versen 12.13 heißt es:

Römer 10, 12.13
Es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche, denn derselbe HERR von allen ist reich über alle, die ihn anrufen; denn jeder, der irgend den Namen des HERRN anrufen wird, wird errettet werden.

Die Predigt des Petrus zu Pfingsten schloss mit der Erklärung:

Apostelgeschichte 2, 36
Das ganze Haus Israel wisse nun zuverlässig, dass GOTT Ihn sowohl zum HERRN als auch zum CHRISTUS gemacht hat, diesen JESUS, den ihr gekreuzigt habt

Keine Verheißung auf Errettung wurde je auf solche ausgedehnt, die das Herrsein CHRISTI nicht anerkennen wollen. Es gibt also keine Errettung außerhalb der sogenannten „Lordship Salvation“. Mir gefällt der Ausdruck „Lordship Salvation“ nicht. Er wurde von Leuten geprägt, die den Gedanken an die Unterwerfung unter CHRISTUS von dem Ruf zum rettenden Glauben trennen wollen; und er suggeriert, dass JESU Herrsein fälschlich dem Evangelium hinzugefügt wurde. Wie wir aber sehen werden, ist „Lordship Salvation“ nichts anderes als die biblische und historische Doktrin der Heilslehre. Ich benutze diesen Ausdruck nur aus Argumentationsgründen.

Die Widersacher der „Lordship Salvation“ haben lang und breit zu beweisen versucht, das Wort „HERR“ in diesen Abschnitten bedeute nicht „Gebieter“, sondern sei nur eine Ehrenbezeichnung JESU wegen Seiner Göttlichkeit. (ebd., S. 38-41. Siehe auch G. Michael Cocoris, Lordship Salvation – Is It Biblical? Dallas: Redención Viva, 1983), S. 13-15)

Selbst wenn wir das akzeptierten, so bedeutete das doch, dass alle, die zu CHRISTUS kommen, um errettet zu werden, Ihn als GOTT anerkennen müssen. Das beinhaltete aber noch weit höhere Ansprüche, als wenn „HERR“ nur als „Gebieter“ zu verstehen wäre!

Tatsächlich bedeutet „HERR“ wirklich in all diesen Versen „GOTT“. Genauer: es bedeutet „GOTT, der regiert“. Das Verständnis biblischer Ausdrücke hängt ab von der Etymologie, dem Zusammenhang und der geschichtlichen Situation. Etymologisch leitet sich das Wort KYRIOS von der griechischen Wurzel mit der Bedeutung von „herrschen“, „Herrschaft“ und „Macht“ ab. Für den Zusammenhang, in dem Petrus das Wort KYRIOS in Apostelgeschichte 2,36 gebraucht, ist es wichtig, dass er in Verse 34 und 35 aus dem messianischen Psalm 110 zitiert (Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde lege zum Schemel Deiner Füße, Psalm 110,1). Petrus sagt nicht einfach: „GOTT hat Ihn … zu GOTT gemacht“, sondern er bestätigt JESU Recht auf die Herrschaft.

Historisch betrachtet richtet sich die Predigt des Petrus an die Juden, die ihren Messias gekreuzigt hatten (Vers 23). Bei dem Verhör JESU vor Pilatus und der jüdischen Volksmenge ging es eindeutig um Seine Königswürde, von der zwischen Johannes 18,33 und 19,22 mindestens ein Dutzend Mal die Rede ist. So kann eine sorgfältige historisch-grammatische Exegese von Apostelgeschichte 2,36 nur zu folgendem eindeutigen Schluss führen: JESUS ist GOTT und König, der inmitten von Freunden und Feinden regiert. Nachdem Petrus ihnen damit bewiesen hat, dass CHRISTUS der HERR über alles ist, verkündigt er ihnen das Evangelium.

Man sollte sorgsam beachten, dass Paulus in gleicher Weise von JESUS predigt (2Kor 4,3-5): JESUS ist unser souveräner HERR und wir sind Seine Diener.

All das unterstützt nur die Argumente für die „Lordship Salvation“. Niemand, der in wahrem Glauben um Errettung bittet, und der ehrlich glaubt, das JESUS der ewige, allmächtige, souveräne GOTT ist, wird Seine Autorität absichtlich ignorieren. Wahrer Glaube ist kein Lippenbekenntnis. Unser HERR selbst drohte denen Verdammnis an, die Ihn mit den Lippen und nicht mit ihrem Leben verehrten (Mathäus 15,7-9).

Er wird niemandes Retter, bevor ein Mensch Ihn nicht als den annimmt, der Er ist – der HERR über alles (Apg. 10,36).

A.W. Tozer schreibt: „Der Herr wird niemanden erretten, über den Er nicht herrschen soll. Er wird Seine Ämter nicht teilen. Man kann nicht an einen halben CHRISTUS glauben. Wir nehmen Ihn für das, was Er ist – der gesalbte Erretter und HERR, der König der Könige und der HERR der Herren! Er wäre nicht der, der Er ist, wenn Er uns rettete und beriefe und auserwählte, ohne dass dies gleichzeitig bedeutete, dass Er unser Leben führen und kontrollieren wollte.“ (Tozer, A. W.: Call It Heresy, Harrisburg, PA: Christian Publications, 1974), S. 18-19.)

Epilog

Die Vertreter dieser Auslegungsmethode vergessen leicht, dass der Dispensationalismus eine hermeneutische Innovation des ausgehenden 19. Jahrhunderts und somit keine fundamentale biblische Lehre ist. Wenn man ehrlich wäre, müsste man also zugeben, dass diese Schau nicht einfach gleichgesetzt werden kann mit der Wahrheit biblischen Glaubens, sondern von einer bestimmten Interpretation ausgewählter und auf bestimmte Weise miteinander kombinierter Belegstellen abhängig ist.

Der Dispensationalismus ist deshalb keine offenbarte Wahrheit, sondern eine konstruierte Lehre. Man hat einige Jahre daran gearbeitet, bis es so war wie wir es heute kennen. Das macht diese Lehre nicht automatisch falsch, aber dennoch sollte man bereit sein, sachlich darüber zu reden und durch das Wort GOTTES zu prüfen. Die biblische Bewertung ergab, dass es sich beim Dispensationalismus eindeutig um eine Irrlehre handelt. Wie bei jeder anderen Häresie, zieht auch der Dispensationalismus weitere Irrlehren hinter sich her. Zwei Beispiele sollen an dieser Stelle genannt werden: Die Institutionalisierung des Darbysmus hatte zu einem geschlossenen, theologischen System geführt  (dem Dispensationalismus), in dem die Erscheinung von Wundern in der heutigen Zeit nicht vorgesehen war. Die „reine (Irr-)Lehre“ hatte festgelegt, dass ein Teil der Geistesgaben aufgehört hatten zu existieren, nachdem der letzte Apostel gestorben war, und dass GOTT heute ausschließlich durch Sein geschriebenes Wort redet. Diese Erlöschungstheorie wird auch als Cessationismus bezeichnet. Die Bibel kennzeichnet auch den Cessationismus als Irrlehre (vgl. das Vollkommene in 1. Kor. 13,8-11).

Das zweite Beispiel betrifft die Bergpredigt: Extreme Dispensationalisten predigen sogar, dass die Lehren der Bergpredigt „nicht auf Christen anzuwenden sind, sondern nur auf solche, die unter Gesetz stehen; und darum beziehen sie sich auf ein anderes Zeitalter“. (Larkin, Clarence: Dispensational TruthPhiladelphia 1918, S. 87). Larkin, dessen Bücher und Schaubilder heute noch erhältlich sind und von vielen Dispensationalisten benutzt werden, sagt zu der Bitte Dein Reich komme! aus dem „Vater unser“, sie sei der Beweis, dass dies Gebet nur für diejenigen bestimmt ist, die während der Großen Drangsal leben. Seine Folgerung ist nicht schlüssig. Das Reich soll auch für die kommen, die heute, vor der Großen Drangsal, leben. (vgl. auch www. bibelkreis.ch. Auf dieser Website kann man lesen, was extreme Dispensationalisten alles glauben). Diese beklagenswerte Auslegung wurde in unterschiedlichem Maß auf die meisten Lehren unseres HERRN hier auf Erden angewandt, wodurch man das Evangelium seiner Kraft beraubte. Es soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass viele Dispensationalisten nicht mit dieser Meinung einverstanden sind. Sie glauben nicht, dass die Bergpredigt und andere Lehren JESU ausschließlich für ein künftiges Zeitalter bestimmt sind. Die meisten Dispensationalisten sind der Meinung, die Bergpredigt habe auch für die Gemeinde eine gewisse Bedeutung. Sie wagen aber nicht zu sagen, die Bergpredigt sei in erster Linie für Christen bestimmt. Selbst Charles Ryrie, der die oben geschilderten Ansichten leidenschaftlich bestritt, möchte die Bergpredigt nicht als Wahrheit für uns gelten lassen. Er kommt nach einer ausgedehnten Verteidigung der traditionalen Ansicht der Dispensationalisten zu dem Schluss, man könne die Bergpredigt nicht in erster Linie und vollständig auf die Gläubigen dieses Zeitalters anwenden (Ryrie: Dispensationalism Today, S. 109). In Wirklichkeit wird jedes Detail der Bergpredigt in den Briefen wiederholt.

Daher ist es kein Wunder, wenn sich die aus einem solchen System abgeleitete Evangeliumsbotschaft scharf von dem Evangelium Jesu unterscheidet.

Wenn wir von der Voraussetzung ausgehen, vieles, was CHRISTUS verkündigte, sei für ein anderes Zeitalter bestimmt, warum sollte dann unser Evangelium dem entsprechen, was Er gepredigt hat?

Aber dies ist eine gefährliche und unhaltbare Voraussetzung. JESUS ist nicht gekommen, eine Botschaft zu verkündigen, die bis zur Drangsalszeit und bis zum Millennium unwichtig ist. Er kam, um die Verlorenen zu suchen und zu erretten (Lk 19,10). Er kam, um Sünder zu Buße zu rufen (Matthäus 9,13). Er kam, auf das die Welt durch Ihn errettet würde (Joh. 3,17). Er proklamierte das rettende Evangelium, nicht ein Manifest für irgendein künftiges Zeitalter. Sein Evangelium ist die einzige Botschaft, die wir zu predigen haben – jedes andere Evangelium steht unter dem Fluch GOTTES (Gal. 1,6-8).

Unabhängig von der spezifischen Lehre die vertreten wird, tendieren in sich geschlossene Systeme – wie der Dispensationalismus – dazu fundamentalismusanfällig zu machen, bzw. verwandeln sie das Fundamentale im Glauben in eine fundamentalistische Konkretisierung der Letztgrundsätze mit bestimmten, charakteristischen Grundzügen:

1.Intransigenz

Mit unversöhnlicher Unnachgiebigkeit verteidigt der Dispensationalist seinen Glauben, d.h. genauer: jene Sätze, die ihn, seiner Ansicht nach, als solchen konstituieren. Sie müssen fest sein und festgehalten werden, sonst brechen Glaube, Gemeinde und Christentum zusammen. Und wenn dies passiert, dann sieht sich der Dispensationalist auch um seine Identität gebracht. Besonders deutlich kann man das bei bestimmten Sekten beobachten (z. B. Zeugen Jehovas, die bestimmte Wachtturm-Sprüche stereotyp wiederholen. Wenn man diese Sprüche hinterfragt, stellt man oft fest, dass der „Zeuge“ mit der Beantwortung der Fragen völlig überfordert ist). So kommt alles darauf an, Selbst- und Glaubenssicherheit zu finden. Das geschieht am besten, wenn man sich in ein Glaubenssystem wie in eine Festung verschanzt. Mit Hilfe einer Kriegsmetaphorik werden die anderen als Feinde bezeichnet, die man kampfunfähig machen und ausschalten muss. Die Anderen sind mithin die Bösen und des Bösen Kinder. Fremde Meinungen tragen das Stigma der Unmoral. Differenzierungen werden nicht gemacht.

2. Isolierung

Die Haltung der Intransigenz ruft in der Gruppe ein starkes Wir-Gefühl hervor. Es stärkt das eigene Ich und seine Haltung. Zugleich aber wird dieses aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Diese Ambivalenz verstärkt sich oft durch das Bewusstsein der Auserwähltheit, das sich mit der religiösen Ideologie gern verbindet. Gott selber ist es, der das Werk in Gang gebracht hat. Die Geschlossenheit wird erreicht einmal durch eine möglichst dichte Abschottung der Bewegung nach außen. Sie wird zum anderen dadurch erreicht, dass im Binnenraum der Gruppe mit großem Aufwand eine Art Familiengefühl vermittelt wird.

3. Autoritarismus

Der beste Garant der Geschlossenheit nach außen und der Gemeinschaftlichkeit nach innen ist ein starker Führer, legitimiert wie das Werk durch Gott selber. Alle fundamentalistischen Bewegungen huldigen daher einem ausgesprochenen Personenkult hinsichtlich ihres Stammvaters (z. B. Darby) bzw. ihrer Stammmutter (z. B. Ellen G. White bei den Adventisten). Allein die Haltung fraglos-demütigen Gehorsams ist angebracht und rechtens (auch gegenüber ihren Nachfolgern). Er wird auch gern geleistet, da man durch die Übereinstimmung mit dem Führer selbst an dessen Macht und Herrlichkeit Anteil bekommt. Das Führerprinzip seinerseits verleitet die Autoritäten gern dazu, Untergebenen den Aufstieg in die Hierarchie nur dann zu ermöglichen, wenn sie linientreu, nicht wenn sie sachlich qualifiziert sind.

4.Dualismus

Der Grundgedanke, der zu jener Intransigenz führt, ist die Aufteilung der Welt in Gut und Böse. Das dispensationalistische Weltbild trägt die Züge eines starren Absolutismus. Die Wirklichkeit ist bunt, Gutes vermischt sich mit Bösem. Genau damit aber kann der Dispensationalist nicht leben. Die von ihm erstrebte Sicherheit ist nur dann gewährleistet, wenn die Farben getilgt und alles auf Schwarz und Weiß verteilt werden kann.

5. Reduktionismus

Der Dualismus läuft auf eine Reduktion der Wirklichkeit hinaus. Die Verengung des Blickwinkels äußert sich unterschiedlich (Heilsmonismus, Traditionalismus, Absolutheitsanspruch), aber der Fundamentalist ist immer Wahrheitsbesitzer. In Wirklichkeit jedoch verwechselt er die Wahrheit des Glaubens mit der Richtigkeit der Sätze. Er fragt nicht nach der Sache, sondern nach dem Wortlaut.

6. Diskursunfähigkeit

Wenn hinter der Gruppe Gott steht und wenn sie im Besitz der absoluten Wahrheit ist, dann kann es nicht mehr Diskussion, sondern nur noch Predigt, nicht mehr Erörterung, sondern nur mehr Feststellung, nicht fragendes Suchen, vielmehr allein statuarische Imperative geben. Begründungsansprüche sind verboten, Lernprozesse können nicht mehr stattfinden.

Wie wir gesehen haben, entwickelte Darby seine Philosophie (Dispensationalismus) auf Grund der Weissagung einer Charismatikerin und der Literatur diverser Jesuiten. Deshalb kann man auch getrost sagen, dass der Ursprung des Dispensationalismus im Katholizismus liegt. Außerdem machte der ultrakonservative Priester und Freund Moons, Tim LaHaye, mit seinen religiösen Romanen diese Ideologie populär.

Letztlich führt der Dispensationalismus zu einer „frommen“ Bibelkritik („Teile der Bibel gelten für uns heute nicht mehr…..“), die ich als weitaus gefährlicher einstufe, als die liberale Bibelkritik.

Der Irrtum des Dispensationalismus liegt in der fehlerhaften Vorstellung von einer Heilszeit, in einer fehlerhaften Auslegung von Schlüsselstellen und in einer falschen Ansicht über die Taufe des HEILIGEN GEISTES. Von den biblischen Texten wird der Dispensationalismus nicht gestützt.

Die Bibel warnt uns, dass wir uns nicht durch die Philosophien und den Betrug der Menschen (z. B. Dispensationalismus) berauben lassen sollen:

Kolosser 2, 8
Habt acht, dass euch niemand beraubt durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht CHRISTUS gemäß.

 

Verwendete Literatur:

Pieters, A.; Gerstner, J. H.: …recht zerteilen das Wort der Wahrheit – Scofield und die Heilszeiten auf dem Prüfstand, Reformatorische Paperbacks, Reformatorischer Verlag H.C.Beese, Hamburg

Neue Scofield Bibel, Verlag Mitternachtsruf (Alter Luthertext)

Bibel Panorama – Die sieben Zeitalter des biblischen Heilsweges in 12 farbigen Darstellungen, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Weremchuk, Max S.: John Nelson Darby und die Anfänge einer Bewegung, CLV, Bielefeld,1988

MacArthur, John F.: Lampen ohne Öl, 1. Auflage Bielefeld (CLV) 1997

Weremchuk, Max S.: Weil ihr aber Söhne seid…., 2. Auflage, Obrigheim 2004

Pfister, Raymond: Pfingstlertum als ökumenische Herausforderung o. Jg.

Gut, Walter: Die theologischen Hintergründe des Dispensationalismus o. Jg.

Nikodemus.net

www.netlexikon.de

Gassmann, Lothar: Dispensationalisme, in: Handbuch Orientierung – Religionen, Kirchen,Sekten,Weltanschauungen,Esoterik. (Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft für Religiöse Fragen)

Linke, Hans-Ulrich: Gedanken zum Dispensationalismus dargestellt in der Scofield-Bibel o. Jg.

Weber, Heinz: Die Zeitalter im Heilsplan Gottes 1999

Die Mehrheit der Angaben über Edward Irving sind den Dokumenten http://posttrib.org/irving1.html und http://catchlife.org/edward_irving_charismatic_pioneer.htm entnommen, wobei das erste  mit sämtlichen Quellenangaben der Ursprungsquellen versehen ist.

 – www.torah.de

– Bullinger,  Ethelbert William: Commentary on Revelation, Grand Rapids (Kregel) 1984

– Enns, Paul: The Moody Handbook of Theology, Chicago (Moody Press, 1989)

– Couch, Mal (Hrsg.): Lexikon zur Endzeit, 1. Auflage, Dillenburg (Christliche Verlagsgesellschaft) 2004

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