Depressionen

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Darf ein Christ unter Depressionen leiden?

Freie Kurzfassung des Verteilheftes von Wolfgang Jugel „Darf ein Christ unter Depressionen leiden“

geralt / Pixabay
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Eine Flut von Depressionen überschwemmt die Menschen unserer Zeit. Und welch ungezähltes Heer von Verzagten gibt es auch unter denen, die da glauben. Von zwei Seiten erfolgt nun ein völlig verständnisloser Angriff auf sie, der sie die Ketten ihrer Angst noch quälender empfinden lässt. Einmal geschieht er durch platte Parolen wie: „Lass dich nicht so hängen“ oder „Das ist alles nicht so schlimm“. Solche Ratgeber haben kein Mitleid mit den Schwachheiten der Brüder und Schwestern und stoßen sie noch tiefer in die Grube der Verzweiflung. Zum anderen äußern sich speziell charismatische Kreise über Trübsinnige bisweilen dahin, dass Gottes froher, freier, starker und freudiger Geist doch nicht in derart Belasteten wohnen könne. Von hier aus ist es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Unterstellung, depressive Gläubige hätten womöglich die von der Vergebung ausgeschlossene „Lästerung des Heiligen Geistes“ begangen. Und dieses Urteil nehmen die ohnehin schon Geplagten geradezu begierig auf, weil es exakt ihrer düsteren Grundstimmung und den Befürchtungen ihrer Herzen entspricht.

Dazu ist klar herauszustellen: Eines solchen Vergehens kann nur schuldig werden, wer wider besseres Wissen die Wunderzeichen Christi als Teufelsspuk und ihn selbst als Gesandten der Hölle abtut – wie in ihrer Vermessenheit die Pharisäer zur Zeit Jesu. Ebenso ist die Annahme in höchstem Grad unbiblisch , dass ein Geheiligter generell nicht mehr krank sein dürfe.

Und das gilt nicht minder für psychische Gebrechen. Denn noch leben wir gemäß Römer 8 im Leib der Sünde und des Todes und seufzen in uns selbst, die Vollerlösung erwartend.

Wie anders spricht der lebendige Gott zu denen, die sich in diesem Psalm entdecken:

Psalm 38, 7
Ich bin gekrümmt und über die Maßen gebückt. Den ganzen Tag gehe ich traurig umher.

Nach dem Lockruf des Heilands aus Matthäus 11 dürfen vielmehr gerade Müdegewordene oder wörtlich Abgeschundene ermunternde Erquickung erfahren. Und nach Jesaja 57 will der himmlische Vater vor allem Gebeugte und in sich selbst Zerschlagene aufrichten und bei Ihnen sein.

Wer in anhaltender Traurigkeit versinkt, wird freilich nach der Erfüllung dieser göttlichen Verheißungen fragen. Von der zugesagten Nähe, Rettung und Belebung verspürt er nämlich häufig wenig oder überhaupt nichts, obwohl er sich sehnsüchtig danach ausstreckt. Und da ist zuerst von allergrößtem Wert, dass der Betrübte zu einer ernüchternden Betrachtungsweise seines Ergehens gelangt. Neben Hinfälligkeiten des Körpers wie Lungenentzündung, Magengeschwüre oder gebrochene Gelenke gibt es auch solche der Seele. Und überflutende Empfindungen von Panik, Selbstanklagen, Resignation bis Todesfurcht sind zunächst einmal wertfrei als Krankheit anzusehen und anzunehmen. Ärztlich wird dreifach unterschieden: Die „endogene Depression“ kann durch eine Stoffwechselstörung im Gehirn bedingt sein. Sie ist oftmals medikamentös behandelbar, auch mit naturheilkundlichen Mitteln – nur sollen die nicht magische Einfärbung aufweisen.

Die „neurotische Depression“ resultiert aus ungelösten und oft unbewussten Konflikten, deren Entstehungsgeschichte nicht selten bereits in früher Kindheit liegt. Hier kann zur Heilung das Herausgeben und Bekennen verborgener Sünden und unbereinigter Vergangenheit unerlässlich sein, zumal wenn es sich um echte okkulte Belastung handelt. Doch heißt es auch da weise und maßvoll zu urteilen. Denn gerade der deprimierte Christ sieht sich selbst und sein Versagen übergebührlich scharf. Immer wieder zieht er altes Fehlverhalten und lange zurückliegende Verwundungen ans Licht, auch wenn vor Gottes Angesicht alles längst und hundertmal erledigt ist. Verhält es sich so, ist mit 1. Johannes 3,20 einer der tröstlichsten Verse der Schrift zuzusprechen. Danach ist Gott größer als unser Herz oder Gewissen, selbst wenn und das verurteilt. Ferner gibt es die „Erschöpfungsdepression“, die speziell ein Symptom unserer reizüberfluteten und stresserzeugenden Tage ist. Sie wird durch andauernde Überbelastung, beklemmende Einsamkeit wie zermürbende Konflikte in Familie und Beruf hervorgerufen.

Wo immer die Ursache der Traurigkeit liegen mag, entwickelt sie in der Regel eine persönlichkeitshemmende Macht und äußert sich als Lebens- wie Todesangst. Der seelisch Kranke fürchtet die Begegnung mit anderen Menschen und möchte sich am liebsten „in ein Mauseloch verkriechen“, auch erscheint ihm alles „grau in grau“. Dazu lähmt ihn permanente Antriebslosigkeit und fällt es ihm ungeheuer schwer, Entscheidungen zu treffen. Und der im Glauben stehende Traurige fühlt sich nicht selten vom Grauen eines „Abgeschnittenseins von Gott“ überfallen. Die Freude an seinem Wort, der Gemeinschaft wie am Gebet ist wie entschwunden. Er hält es vielmehr wie Hiob 6: Was ist mein Ende, dass ich mich gedulden sollte? Ist es nicht also, dass keine Hilfe in mir und jede Kraft aus mir vertrieben ist.“ Und hier ist von elementarer Wichtigkeit: Diese Eindrücke sind meistens Anzeichen einer psychischen Krise und bedeuten keine Wandlung in des Herrn Erbarmen dem Bedrückten gegenüber.

Freilich enthält die Schrift auch Zusammenhänge, die in andere Richtung zeigen. Die sollen zur Klarstellung nicht unerwähnt bleiben. Denn gerade der Niedergeschlagene schmachtet oft direkt danach, sein Leiden mit göttlichem Gericht zu begründen – was dasselbe nochmals verschlimmert. Da ist der wegen Ungehorsams verworfene König Saul. Die schwere Verdunkelung seines Gemüts wie die innere Unruhe könnten einfach auf Depressionen verweisen, die plötzlichen Anfälle von Jähzorn, Hass und Vernichtungswillen aber nicht. Die „Musiktherapie“ seines Hofbeamten kann ihn dabei nur zeitweise besänftigen und aufhellen, wenig später wird er wieder zugänglich für finstere Einflüsse und schleudert den Speer nach David – ein blindwütiges Verhalten, wie es die Mehrheit Depressiver nicht kennt. Das hatten böse Geister bewirkt, und nach der Visite bei der Hexe zu Endor und verlorener Schlacht stützt sich der Regent in eigene Schwert.

Quelle: „Glauben bewahren“, Freundesbrief Nr. 2

Ein Gedanke zu „Depressionen

  1. Schluss > Rechtsschreibung:…… letzte Zeile: und nach B e s u c h der Hexe zu Endor stürzt sich ins eigene Schwert .
    Merke: Der echte Genitiv der Hochsprache kennt kein „bei“ oder „von“, „in“. ==> “ Ich habe die Tante besucht.“ > „Mein Besuch der Tante stimmte mich wieder zuversichtlich.“ Alles andere ist Mundart > auch in Deutschland. „Von“ = wenn man wirklich was von jemandem bekommt. = „Ich erhalte das Geschenk der Tante von der Mutter.“

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