Der bewahrte Text des NT und die Veränderungen in den modernen Bibeln

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Einleitung:

Verwirrende Unterschiede zwischen Bibelübersetzungen – was steckt dahinter?

09. BibelDer gläubige Bibelleser, der verschiedene Bibelübersetzungen vergleicht, stößt an manchen Stellen auf Unterschiede, die ihn befremden und stutzig machen. Besonders im Neuen Testament (NT) kann es vorkommen, daß in der einen Bibelübersetzung Verse oder Versteile stehen, die in einer anderen Bibel einfach fehlen. In manchen Bibeln findet er dann Fußnoten, die diese Weglassungen mit Formulierungen begründen wie z.B.: „In späteren Handschriften finden sich noch die Worte …; die ältesten und besten Handschriften lassen diese Worte weg“. Auch bei Versen, die im Text abgedruckt sind, stößt der Leser manchmal auf Anmerkungen, die die Echtheit des Bibelwortes in Zweifel ziehen: „Dieser Vers findet sich nicht in den ältesten Handschriften“ o.ä.

Normalerweise gehen nur wenige Bibelleser diesen Dingen gründlicher nach. Sie lesen vielleicht im Vorwort ihrer neueren Bibel eine Erklärung, daß diese Bibel dem „Nestle-Aland“-Grundtext folgt. Dieser Text sei aufgrund der Fortschritte der wissenschaftlichen „Textkritik“ viel besser und zuverlässiger als der „Textus Receptus“, dem ältere Bibelausgaben folgten. Nachdem man ja in anderen Bereichen auch davon überzeugt ist, daß das Neuere besser, zuverlässiger und wissenschaftlich fundierter ist, geben sich manche schnell mit solchen Erklärungen zufrieden.

Dennoch sollten gereiftere, im Wort gegründete Gläubige sich einmal näher mit diesen Veränderungen im Bibeltext beschäftigen. Zwar reden viele Befürworter der modernen wissenschaftlichen Textausgaben des NT davon, daß die Unterschiede zwischen denn modernen und klassischen Bibeln nur geringfügig seien und keine wichtige Lehre der Bibel von ihnen betroffen sei. Bei näherem Hinsehen muß man jedoch feststellen, daß dies eine Verharmlosung der Tatsachen ist. (Hierzu wird die Broschüre des ESRA-Schriftendienstes 300 wichtige Veränderungen im Text des NT. Ein Vergleich zwischen Textus-Receptus-Bibeln und textkritischen Bibeln empfohlen). Eine ganze Reihe von textlichen Veränderungen in den modernen Bibeln, die auf dem „textkritischen“ Grundtext beruhen, ist für die biblische Lehre und unser geistliches Leben recht bedeutsam. Als bibeltreue Gläubige müssen wir uns fragen, wie es zu diesen Unterschieden im Text kommt.

Was ist zum Beispiel mit dem Schluß des Gebetes des Herrn in Mt 6,13? Sind die gewichtigen Worte

Matthäus 6, 13
Denn dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen

Bestandteil des Wortes Gottes oder nicht? Hat der Herr Jesus sie gesprochen, oder wurden sie (wie die textkritischen Fußnoten in modernen Bibeln es behaupten) von späteren Abschreibern nachträglich hinzugefügt? Für den gläubigen Bibelleser, der an die Inspiration der ganzen Heiligen Schrift glaubt, bedeutet das, daß er verunsichert wird: Sind diese Worte inspiriert, d.h. von Gott durch Seinen Geist wörtlich eingegeben? Darf ich sie als Wort Gottes annehmen und auslegen, oder muß ich sie als Menschenwort weglassen?

Wie sieht es mit dem Schluß von Markus 16 aus, wo die modernen Bibeln ganze 12 Verse des NT als eine spätere Hinzufügung bezeichnen? In ihnen findet sich u.a. eine für die Lehre von Christus wichtige Aussage:

Markus 16, 19
Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, aufgenommen in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes.

Ist das nun ein inspiriertes Zeugnis von der Himmelfahrt und Verherrlichung des Herrn? Oder muß ich diese Verse gedanklich aus meiner Bibel streichen? Sicherlich wird durch die Tilgung dieser 12 Verse keine biblische Lehre direkt umgeworfen; aber daß das Fehlen eines so gewichtigen Zeugnisses nichts ausmachen würde, kann eigentlich niemand behaupten, der die Bibel liebt und ernst nimmt.

Wir sehen, daß die Veränderungen in den modernen Bibeln ernste Fragen aufwerfen, über die man nicht leichtfertig hinweggehen sollte. Das Unbehagen verstärkt sich, wenn der Gläubige sich näher mit diesen Fragen beschäftigt und herausfindet, was ihm in den modernen Bibeln durchweg verschwiegen wird: daß nämlich die Weglassungen und Veränderungen von bekannten Bibelworten sich nur auf ganz wenige Handschriften aus einem ganz bestimmten Gebiet stützen, während sich die vertrauten Worte in mehr als 95%, oft mehr als 99% aller Handschriften aus dem ganzen Bereich der Christenheit finden! Der Markusschluß etwa wird als „unecht“ in Zweifel gezogen, weil er in ganzen drei (tatsächlich: DREI!) von wahrscheinlich 3 – 4.000 Handschriften des NT weggelassen wurde!

Wer legt eigentlich fest, daß gerade diese verschwindende Minderheit von Handschriften den ursprünglichen Text bietet und nicht die große Mehrheit? Wie kommt die wissenschaftliche „Textkritik“ zu dem Urteil, diese drei Handschriften seien die „besten“? Weshalb findet man in so vielen modernen Bibeln Zweifel erweckende Fußnoten an dieser Stelle, aber keine zeigt das tatsächliche Zahlenverhältnis der Textzeugen an? Warum setzen die modernen Bibelübersetzer den Markusschluß überhaupt noch in den Bibeltext, obgleich sie der Überzeugung sind, daß er eine spätere Hinzufügung sei? Vielleicht, weil sonst viel mehr Bibelleser aufwachen und Zweifel an der Zuverlässigkeit ihrer modernen Übersetzung bekommen würden?

Diese Schrift wurde geschrieben, um die geistlichen Hintergründe für die Veränderungen in den Bibelausgaben des 19. und 20. Jahrhunderts gegenüber dem vorher geltenden reformatorischen Grundtext deutlich zu machen. Sie will dem gläubigen Bibelleser eine Hilfe geben, damit er geistlich prüfen und beurteilen kann, welchem Grundtext er sein Vertrauen schenken kann und soll.

Wir finden heute zwei verschiedene Arten von Bibeln mit unterschiedlicher Textgrundlage: auf der einen Seite die Bibeln mit dem überlieferten Text, die Bibeln der Reformation, der Täufer und der Erweckungsbewegung, die im AT auf dem hebräischen Masoretischen Text und im NT auf dem griechischen Textus Receptus beruhen. Dazu zählen die berühmte King-James-Bibel, die spanische Reina-Valera, die italienische Diodati, die holländische Statenvertaling und viele andere mehr; im deutschen Sprachraum sind dies vor allem die Luther-Bibel bis 1912, die alte Zürcher Bibel vor 1931 und die neu revidierte Schlachterbibel 2000.

Auf der anderen Seite finden sich die „textkritischen“ Bibeln. Sie beruhen auf einem Grundtext, der von der wissenschaftlichen „Textkritik“ zusammengestellt wurde und sich im AT wie im NT von den reformatorischen Texten unterscheidet. Dazu zählen die Lutherrevisionen 1956 und 1984, die Zürcher Bibel 1931, die Menge-Bibel, die Revidierte Elberfelder Bibel, die Ökumenische Einheitsübersetzung, Gute Nachricht und Hoffnung für alle, die Neue Genfer Übersetzung, Neues Leben u.a. Eine Zwischenstellung nehmen die Schlachterbibel 1905/51 und die unrevidierte Elberfelder Bibel 1871/1905 ein.

Manche meinen, diese Fragen seien nicht so wichtig, weil ja etwa 90% des Textes des NT ohnehin nicht von den Textunterschieden betroffen sind und keine wichtige Lehre des NT durch sie in Frage gestellt wird. Nun dürfen wir dankbar dafür sein, daß die Unterschiede tatsächlich nur begrenzt sind und der allergrößte Teil des NT einheitlich bezeugt ist. Darin zeigt sich die Bewahrung Gottes; Gott hat nur eine begrenzte Anzahl von Textunterschieden in der Überlieferung Seines Wortes zugelassen und dafür gesorgt, daß es zu 90% völlig einheitlich von allen noch bestehenden Handschriften bezeugt wird. Auf der anderen Seite ist es für den bibeltreuen Gläubigen, der das Wort Gottes liebt und es mit ihm genau nimmt, dennoch wichtig, auch in bezug auf die Stellen, in denen moderne Bibeln gegenüber den älteren abweichen, Klarheit zu bekommen.

Immerhin sind mindestens 17 ganze Verse, die im Textus Receptus bezeugt sind, in modernen Grundtextausgaben und den meisten ihnen folgenden Bibeln weggelassen, an 185 Stellen wurden wichtigere Versteile gestrichen; in 212 Fällen wurden Namen und Titel Gottes und des Herrn Jesus Christus wie „Herr“, „Jesus“, „Christus“ oder „Gott“ gestrichen. Dazu kommen mehr als 280 Textveränderungen, die auf den Inhalt der biblischen Aussage Einfluß haben. Über 2.000 Unterschiede zwischen dem NA-Text und dem TR haben einen Einfluß auf die Übersetzung.

Laut E. Fowler (Evaluating Versions of the New Testament) wurden 3.602 Wörter aus dem TR bei NA (genauer: Nestle 23. Aufl.) weggelassen, 3.146 verändert, 976 hinzugefügt (der Textus Receptus umfaßt etwa 140.000 griechische Wörter). Insgesamt ist der NA-Text um 2.886 Wörter kürzer als der TR. Das würde einer Bibel entsprechen, bei der der 1. und der 2. Petrusbief fehlt. (Zahlenangaben nach D. A. Waite, Defending the King James Bible, Bible for Today, Collingswood, N.J. 2. Aufl. 1996, S. 41-42). Solche Veränderungen sind bestimmt nicht als „unwichtig“ oder „untergeordnet“ zu bezeichnen. Die Frage ist berechtigt: Woher kommen sie?

Wir wollen in dieser Schrift möglichst kurz und einfach erklären, wie die Unterschiede im NT der verschiedenen Bibeln zustandegekommen sind und was geistlich hinter den textkritischen Veränderungen des überlieferten Textes der Reformation steckt. Wir möchten begründen, weshalb der über Jahrhunderte bewährte Text der reformatorischen Bibeln (der auch der Text der Täufergemeinde, der Waldenser sowie der von Gott gesegneten Erweckungsbewegungen im 17. und 18. Jahrhundert war) auch heute noch der vertrauenswürdige, zuverlässige Text ist, den bibeltreue Gläubige annehmen können und sollen.

Im Gegensatz zu manchen extremen Befürwortern des Textus Receptus aus den USA, die manchmal auch als „King-James-Only“-Anhänger bezeichnet werden, ist es ein Anliegen des Verfassers, daß die geistliche Prüfung der Frage, welches der bewahrte und zuverlässige Grundtext des Neuen Testaments ist, nicht zu Parteistreit, Verleumdungen und Spaltungen unter bibeltreuen Gläubigen führt. Hier geht es um ernste Dinge, die eigentlich nur von geistlich mündigen Gläubigen richtig beurteilt werden können. Unterschiedliche Auffassungen in der Grundtextfrage dürfen nicht zu Meinungsstreit, Besserwisserei oder Trennungen mißbraucht werden, wie es z.T. geschieht. Ein geistlicher Umgang mit diesen Dingen schließt ein, daß man die Überzeugung anderer Gläubiger respektiert; das gilt allerdings für beide Seiten.

Es ist nicht möglich, in dieser kurzen Aufklärungsschrift auf alle z.T. komplizierten Einzelheiten dieses Themas einzugehen. Wir haben bewußt im Rahmen dieser Einführung auf Zitate, Fußnoten usw. verzichtet. Viele Informationen finden sich nur in englischsprachigen Veröffentlichungen, während es im Deutschen leider wenig Schriften gibt. Der Verfasser, der selbst sieben Jahre lang an der Revision der Schlachterbibel mitarbeitete, hat sich über mehrere Jahre mit diesem Thema beschäftigt und einige weitere Broschüren geschrieben, die dem interessierten Leser empfohlen seien. In ihnen findet der Leser auch ausführliche Belege für die hier gemachten Angaben sowie Literaturhinweise:

300 wichtige Veränderungen im Text des NT. Ein Vergleich zwischen Textus-Receptus-Bibeln und textkritischen Bibeln ESRA-Schriftendienst 1. Aufl. 2004, 52 S.

Der überlieferte Text des Neuen Testaments und die heutigen Bibelübersetzungen ESRA-Schriftendienst 2. Aufl. 2004, 52 S.

Gottes zuverlässiges Wort. Weshalb wir den Textus Receptus als den bewahrten Text des Neuen Testaments annehmen dürfen. Heft I u. II. ESRA-Schriftendienst 1. Auflage 2004 [erscheint voraussichtlich Mitte des Jahres].

A. Die Überlieferung der Heiligen Schrift von den Originalschriften bis zu den heutigen Bibelübersetzungen

Jeder Bibelleser sollte in großen Zügen wissen, wie der Text der Bibel durch die insgesamt 3.500 Jahre seit der Niederschrift der ersten Originale bis in unsere Tage überliefert wurde. Wir wollen uns hier auf das Neue Testament beschränken. Die Geschichte der Überlieferung des NT hat eine äußerliche, geschichtlich-menschliche Seite. Die Gläubigen in den ersten Gemeinden haben die Originalhandschriften der Apostel sorgfältig abgeschrieben; von diesen Abschriften wurden weitere Abschriften erstellt, und so wurden die von Gott gegebenen Worte der Apostel durch eine Kette zuverlässiger Abschriften bis ins 15./16. Jahrhundert weitergegeben, als dann mithilfe des Buchdrucks eine weitere Verbreitung als je zuvor möglich wurde.

Wie überall, wo Menschen am Werk sind, kam es im Lauf dieser Abschriftenkette immer wieder zu Fehlern in einzelnen Handschriften; bestimmte Worte wurden z.B. versehentlich ausgelassen oder falsch abgeschrieben. In späteren Abschriften wurden diese Fehler z.T. wieder korrigiert, manchmal aber auch weitergegeben. So wurde der Text des NT insgesamt einheitlich und zuverlässig überliefert, aber in bestimmten Bereichen gibt es unterschiedliche Textformen in verschiedenen Handschriften.

Wir dürfen als gläubige Christen aber nie vergessen, daß die Überlieferung des NT zuallererst ein geistlicher, von Gott gewirkter Vorgang ist. Wir haben es ja nicht mit irgendeinem Werk menschlichen Schaffens zu tun, wie etwa die Werke Platons und Homers, die ebenfalls in Handschriften aus dem Altertum zu uns gekommen sind. Die Bibel ist das Wort des lebendigen Gottes, ein göttliches Buch, eingegeben vom Heiligen Geist. Und so wie Gott Sein Wort den heiligen Menschen Gottes eingegeben hat, damit sie es niederschrieben, so hat der lebendige, allmächtige Gott auch darüber gewacht, daß Sein Wort getreu und unverfälscht durch all die Jahrhunderte weitergegeben wurde, damit alle Generationen von Gläubigen vom 1. bis zum 21. Jahrhundert sich auf das untrügliche, lautere Wort der Heiligen Schrift stützen könnten.

Auf die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift muß notwendigerweise die göttliche Bewahrung des Bibelwortes folgen, wenn die Verheißung des Herrn bestehen soll:

Matthäus 24, 35
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen

Der Apostel Petrus schreibt:

1. Petrus 1, 23
denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt

Das inspirierte Wort der Schrift muß im Prozeß der Überlieferung durch die Jahrhunderte bewahrt werden gegen alle Versuche, es zu verfälschen oder zu unterdrücken. Es würde ja wenig nutzen, zu wissen, daß die Originalschriften des Neuen Testaments inspiriert sind, wenn wir nicht auch darauf vertrauen könnten, daß Gott den inspirierten Wortlaut der Schrift auch bis in unsere Tage bewahrt hat. Geistlich gesehen gehört also der Glaube an das bewahrende Wirken Gottes in der Überlieferung der Bibel mit dem Glauben an die Inspiration der Urschriften zusammen. Diese Bewahrung wird nach der Sicht einiger Übersetzungen und Ausleger auch in Psalm 12 angesprochen:

Psalm 12, 7.8
Die Worte des Herrn sind reine Worte,  in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert.  Du, o Herr, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich!

Wie hat nun Gott sein Wort in der realen Geschichte bewahrt? Er hat dies durch Menschen getan, durch die Gläubigen der vielen Jahrhunderte, die durch den Geist geleitet das Wort Gottes annahmen und getreu weitergaben. Diese Bewahrung hatte zwei Seiten: zum einen die gottesfürchtige, getreue Vervielfältigung der heiligen Schriften durch sorgfältige Abschrift, zum anderen die Wachsamkeit der Gläubigen, die die Verkündigung des Wortes Gottes hörten und, durch den Geist Gottes geleitet, alle Auslassungen, Verfälschungen und anderen Veränderungen erkannten und zurückwiesen. Das entspricht der grundsätzlichen Aufforderung des Paulus in  2Tim 1,13-14:

2. Timotheus 1, 13.14
Halte dich an das Muster der gesunden Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe, die in Christus Jesus ist! Dieses edle anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt!

Gottes Bewahrung war also keine völlig übernatürliche Sache. Er hätte die Originalworte ja auch mit flammender Schrift in einen großen Felsen schreiben können, so daß kein Mensch sie austilgen könnte und jeder sie unverändert lesen könnte; aber das war nicht Sein Ratschluß. Gott wirkte in der menschlichen Geschichte und durch Menschen. Die von Gott bewahrte Überlieferung des Bibeltextes können die Gläubigen deshalb nur erkennen und von menschlichen Eingriffen unterscheiden, wenn sie die Dinge geistlich prüfen und beurteilen. Nachfolgend wollen wir versuchen, die Geschichte der neutestamentlichen Textüberlieferung kurz darzustellen und zugleich geistlich zu deuten. Jeder Leser möge prüfen, ob es sich so verhält (Apg 17,11)!

1. Der Originaltext des NT und die Weitergabe durch getreue Abschriften

In den Jahrzehnten nach dem von Gott gewirkten Anfang der Gemeinde Gottes zu Pfingsten des Jahres 32 n. Chr. bis zum Tod des Apostels Johannes um 96 n. Chr. entstanden die Urschriften oder Originalhandschriften des Neuen Testaments. Sie wurden durch die Autoren selbst (die Apostel wie Petrus und Paulus sowie die Propheten wie Judas oder Lukas) niedergeschrieben oder nach ihrem Diktat von Schreibern. In jedem Fall waren sie Wort für Wort von Gott eingegeben und von den Autoren beglaubigt (vgl. 2Th 3,17).

Die inspirierten Autoren der heiligen Schriften waren sich klar darüber bewußt, daß sie Worte des lebendigen Gottes niederschrieben und nicht bloße Menschenworte. Was sie bezeugten, war „das Evangelium (die Heilsbotschaft) Gottes (vgl. u.a. Röm 1,1; Röm 16,25-26). Paulus sagt von sich selbst: „Wenn jemand glaubt, ein Prophet zu sein oder geistlich, der erkenne, daß die Dinge, die ich euch schreibe, Gebote des Herrn sind.“ (1Kor 14,37; vgl. auch 1Kor 11,23; 1Th 4,1-2; 2,13; Eph 3,2; Kol 1,25-28). Paulus führt ein Zitat aus Lk 10,7 als Heilige Schrift an (1Tim 5,18), während Petrus die Schriften des Paulus als heilige Schriften bezeichnet (2Pt 3,15-16).

Wir können davon ausgehen, daß die Apostel selbst im Bewußtsein der Bedeutung dieser Schriften zuverlässige, von ihnen selbst durchgesehene Abschriften veranlaßten, bevor sie z.B. die Briefe losschickten. Die Evangelien und auch einige Briefe dürften ziemlich sicher in mehreren beglaubigten Abschriften zugleich weiterverbreitet worden sein. Die empfangenden Gemeinden wußten ebenfalls um die Bedeutung der apostolischen Schriften, und so können wir sicher sein, daß bereits im 1. Jahrhundert zuverlässige, am Original kontrollierte Abschriften der Evangelien, der Apostelbriefe und der anderen Bücher des NT angefertigt wurden.

Es war die ausdrückliche Anordnung des Apostels, daß z.B. der Kolosserbrief auch in Laodizäa gelesen werden sollte und umgekehrt (Kol 4,16); schon zu diesem Anlaß sind mit Sicherheit zuverlässige Abschriften des Originals angefertigt worden, damit das kostbare Dokument nicht durch Unfall, Raub o.ä. verlorenging. Andere Briefe wie z.B. der Galaterbrief und der 1. Petrusbrief, sind als Rundbriefe an eine ganze Anzahl von Gemeinden einer Region verfaßt worden; auch hier wurden mit Sicherheit zuverlässige Abschriften angefertigt, bevor der Brief in die nächste Gemeinde weitergeleitet wurde. Im 2. Petrusbrief wird erwähnt, daß die von Petrus angesprochenen Gemeinden die Briefe des Paulus kannten; auch dies kann nur durch beglaubigte Abschriften geschehen sein (vgl. 2Pt 3,15-16).

Bei der Beurteilung dieser Überlieferung durch Abschriften müssen wir davon ausgehen, daß den wahren Gläubigen der Apostelzeit klar bewußt war, daß die Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe und die Offenbarung heilige Schriften waren, heiliges, geoffenbartes Gotteswort, das ganz genau so, wie es niedergeschrieben wurde, auch Wort für Wort abgeschrieben und weitergegeben werden mußte, ohne Veränderungen, ohne eigenmächtiges Hinzutun oder Wegtun (vgl. 5Mo 13,1; Offb 22,18-19). Die überaus ernsten Warnungen vor solchen Eingriffen in Gottes Wort mußten die wahren Gläubigen der Anfangszeit zu größter Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit anleiten; dasselbe gilt von gottesfürchtigen Abschreibern späterer Jahrhunderte. Nur bei Irrlehrern und verstockten Ungläubigen können wir annehmen, daß sie trotz dieser Warnungen es wagten, den heiligen Wortlaut der Schriften anzutasten.

Die wahren Gläubigen ließen also bei der Abschrift und Vervielfältigung der Schriften des NT größte Sorgfalt walten. Dazu muß man berücksichtigen, daß vor allem im 1. Jahrhundert die Gläubigen aus den Juden eine starke Rolle in den neu entstandenen Gemeinden spielten. Im Judentum war die Hochachtung vor dem Wort der Heiligen Schrift und die Sorgfalt bei deren Abschrift sehr stark verankert. Bei jeder Abschrift wurde Buchstabe um Buchstabe, Wort um Wort sorgfältig gezählt und auf Richtigkeit überprüft.

Dazu kommt, daß die Apostel selbst in dieser Zeit die Möglichkeit hatten, Abschriften zu prüfen. In den Gemeinden, an die die Briefe gerichtet waren, wurden mit Sicherheit die Originale bzw. sorgfältig kontrollierte, zuverlässige Abschriften bis über das 1. Jh. hinaus aufbewahrt und als Schatz gehütet. Mit ihrer Hilfe konnten Vervielfältigungen auf ihre Korrektheit überprüft werden. So können wir sicher sein, daß insbesondere im griechischen und kleinasiatischen Raum, dem Hauptwirkungsfeld der Apostel und der Region, in der die meisten Briefempfängergemeinden angesiedelt waren, eine zuverlässige Überlieferung des Originalwortlauts der Schriften des NT bestand. Diese zuverlässige, bewahrte Textüberlieferung ist später in der Textforschung als der „byzantinische Text“ bekanntgeworden, weil im Mittelalter Byzanz, die damalige Hauptstadt des oströmischen Reiches, das Zentrum der oströmisch-orthodoxen Kirche und damit der Handschriftenherstellung war.

2. Der Einfluß von Irrströmungen und die unterschiedliche Textüberlieferung in der nachapostolischen Zeit (2. – 5. Jh.)

Neben der zuverlässigen, von echten, gottesfürchtigen Gläubigen getragenen Linie der Textüberlieferung kam schon früh eine andere Linie auf, in der Verfälschungen und Verdrehungen von Bibelworten auftraten, in der vom Wort Gottes weggetan und zu ihm hinzugetan wurde. Das darf nicht überraschen. Angesichts der zentralen Bedeutung der neutestamentlichen Schriften für die Lehre und das Leben der gläubigen Gemeinde lag es auf der Hand, daß andere Lehren, Irrlehrer und falsche Bewegungen innerhalb des Christentums bestrebt waren, ihre Gedanken durch Eingriffe in den Text des NT zu begründen. Schon Paulus warnt die Gläubigen davor, daß falsche Lehrer auch vorgetäuschte Paulus-Briefe benutzen könnten, um die Gläubigen zu verwirren:

2. Thessalonicher 2,2
durch einen angeblich von uns stammenden Brief

Er warnt vor Verfälschungen des Wortes Gottes durch Irrlehrer:

2. Korinther 2, 17; vgl. 4, 2
Denn wir sind nicht wie so viele, die das Wort Gottes verfälschen

Die neutestamentlichen Briefe zeigen ebenso wie das Buch der Offenbarung, daß bereits in der Apostelzeit die junge Gemeinde schwere Kämpfe gegen falsche Lehren und unbiblische Strömungen auszufechten hatte, die die wahre Gemeinde verführen wollten. Dazu zählten die jüdischen Irrlehrer, die die Gemeinde auf den Boden des Gesetzes zurückbringen wollten (vgl. u.a. den Galaterbrief); dazu zählte aber auch die schlimme Irrlehre der Gnosis, die mit ihrer Leugnung der Gottheit Jesu Christi, des Sühnopfers und der Gnade einen bösen und zersetzenden Einfluß ausübte. Der Kolosserbrief, der 1. Timotheusbrief und der 1. Johannesbrief richten sich ganz besonders gegen diese heidnisch-philosophische Irrströmung und deshalb lesen wir die bedeutsame Mahnung:

1. Timotheus 6, 20
O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut, meide das unheilige, nichtige Geschwätz und die Widersprüche der fälschlich so genannten ‚Erkenntnis’ (gr. Gnosis)!

Diese zersetzenden Einflüsse von innen und außen nahmen in der Zeit nach dem Tod der Apostel rasch überhand und führten erschreckend schnell zu einer Entartung der ursprünglichen, auf die Schrift gegründeten apostolischen Gemeinde. Diese Entwicklung ist ja in verschiedenen prophetischen Aussagen des NT angekündigt und charakterisiert worden. Paulus warnt die Ältesten in Ephesus:

Apg 20, 29.30; 1.Tim. 4, 1
Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied räuberische Wölfe zu euch hineinkommen werden, die die Herde nicht schonen; und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen in ihre Gefolgschaft … Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden … verbieten zu heiraten und Speisen zu genießen, die doch Gott geschaffen hat

 Wie bald haben sich diese Warnungen erfüllt! (Vgl. auch 2. Petrus 2-3; Judas u.a.)

Die gewaltigen geistlichen Kämpfe im 2. und 3. Jahrhundert fanden ihren Niederschlag auch in Verfälschungen der heiligen Schriften. Irrlehrer kamen auf, die in frecher Anmaßung Teile der nt. Schriften und teilweise das ganze AT ablehnten und vor Verfälschungen nt. Schriften nicht zurückschreckten (vgl. zu diesen kirchengeschichtlichen Angaben Karl Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte). Besonders bekannt wurde der gnostisch beeinflußte Irrlehrer Marcion, der ab ca. 138 n. Chr. auftrat. Er erstellte ein im Sinne seiner Lehren umfrisiertes Lukasevangelium und eine ebenfalls verfälschte Fassung der Paulusbriefe. Von Seiten der Gnostiker wurden auch komplett gefälschte „Evangelien“ herausgebracht (etwa das „Thomasevangelium“).

Es ist daher nur folgerichtig, daß neben dem einheitlichen Strom der getreu überlieferten Handschriften des NT in dieser Zeit andere Handschriften aufkamen, die bedeutsame Abweichungen im Wortlaut des NT enthielten. Diese abweichenden Textformen und die entsprechenden Handschriften waren fast ausschließlich in Oberägypten, in der Region von Alexandria entstanden. Sie zeichneten sich durch einen „freizügigen“, nachlässigen Umgang mit dem Wortlaut der heiligen Schriften aus, durch eine große Zahl von Auslassungen, Abschreibefehlern und eigenmächtigen Veränderungen. Ein Teil davon stand, wie wir später sehen werden, eindeutig mit den Irrlehren der Gnosis über Christus und Sein Erlösungswerk im Zusammenhang. Das ist deshalb wichtig, weil gerade Alexandria, eine bedeutende Hafenstadt und ein Zentrum der Philosophie und Gelehrsamkeit im Römischen Reich, schon in vorchristlicher Zeit ein Brutherd gnostisch-philosophischer Spekulation war (Philo von Alexandria war ein Vorläufer des heutigen New Age und Okkultismus). Im 2. Jh. n. Chr. übte die Irrlehre der „christlich“ gefärbten Gnosis in Oberägypten einen sehr starken, ja sogar beherrschenden Einfluß aus.

Während also im griechisch-kleinasiatischen Raum sich die zuverlässige (später „byzantinisch“ genannte) Überlieferungslinie durch das 2. und 3. Jahrhundert fortsetzte, weil sie bei den Gläubigen schon vertraut war und von ihnen festgehalten wurde (trotz der Irrlehren, die auch dort Fuß faßten), entstanden im 2. und 3. Jahrhundert in Oberägypten abweichende Handschriften – in einer Region, in der das Christentum offenkundig erst später aufkam und es keine apostolisch gegründeten Gemeinden gab, auch keine zuverlässigen Abschriften oder Urschriften zur Kontrolle, dafür aber einen sehr starken Einfluß von gnostischen Irrlehrern (u.a. Valentinus, Basilides, Clemens von Alexandrien).

Die Bibel-Handschriften wurden in den ersten drei Jahrhunderten praktisch alle auf Papyrus geschrieben (sog. Papyri), entweder in Rollen- oder in Kodexform wie die heutigen Bücher. Papyrus zerfällt unter den klimatischen Bedingungen des Mittelmeerraumes relativ rasch; deshalb sind die frühen Papyrus-Handschriften aus den ersten 3 Jh. fast ausschließlich im trockenen Wüstenklima Ägyptens erhalten geblieben. Ab dem 4. Jh. wurden immer mehr Bibelhandschriften auf Pergament (= getrocknete Tierhäute) geschrieben, das wesentlich haltbarer ist.

Die frühen Handschriften des byzantinischen überlieferten Textes zerfielen also durch Gebrauch und Klimaeinwirkung und wurden durch getreue Abschriften ersetzt. Das ist der Grund, weshalb man vom byzantinischen Text keine Handschriften aus den ersten 3 Jahrhunderten gefunden hat. Mit Einführung des Pergaments (ab dem 5. Jh.) finden sich auch byzantinische Handschriften, die bis in unsere Zeit überlebt haben. Sie beruhen alle auf früheren byzantinischen Papyrushandschriften und geben deren Text weiter. Von den frühen byzantinischen Handschriften stammt die große Mehrzahl der insgesamt erhaltenen Handschriften ab, die überwiegend aus dem 9. bis 14. Jh. stammen, sich aber alle durch eine Kette getreuer Abschriften vom apostolischen Text des 1. Jh. in Griechenland und Kleinasien ableiten.

Die frühen Textzeugen des gnostisch-ägyptischen Texts blieben dagegen aufgrund des heißen ägyptischen Wüstenklimas erhalten. Das ist die Ursache dafür, daß die große Mehrzahl der insgesamt wenigen Handschriften aus den frühen Jahrhunderten (2. – 4. Jh.) ägyptischen Ursprungs ist und den gnostisch beeinflußten veränderten Text bezeugt. Das beweist überhaupt nicht, daß dieser Text „ursprünglicher“ als der byzantinische ist oder daß er außerhalb von Ägypten weitere Verbreitung gefunden hätte. Im Gegenteil sehen wir, daß die ägyptisch-alexandrinische Überlieferungslinie nach dem 4. Jahrhundert an Einfluß verlor.

Sie zeigte sich noch einmal sehr stark in zwei Handschriften, die um die Mitte des 4. Jahrhunderts entstanden und ziemliche Berühmtheit erlangten: der Codex Sinaiticus (auch „Aleph“ genannt) und der Codex Vaticanus (auch „Codex B“ genannt). Es sind prunkvolle, teure Pergamenthandschriften in Großbuchstaben (sog. Majuskeln), von denen Forscher vermuten, daß sie in Caesarea für den Kaiser Konstantin hergestellt wurden, als Geschenk anläßlich seines Bündnisses mit der römischen Kirche. In jedem Fall stehen sie direkt in der Linie der alexandrinischen Textüberlieferung und zeigen charakteristische Übereinstimmung mit den ägyptischen Papyrushandschriften. Diese beiden gnostisch beeinflußten alexandrinischen Handschriften wurden später zu den Kronzeugen der modernen Textkritik.

3. Der byzantinische Text als vorherrschende Textform ab dem 5. Jahrhundert

Im Laufe des 4. und 5. Jahrhunderts verlor die alexandrinische Überlieferung sehr an Einfluß; ab da überwiegen eindeutig die Handschriften des byzantinischen Textes, und zwar überall dort, wo griechische Handschriften hergestellt wurden. Die alexandrinischen Handschriften gerieten weithin in Vergessenheit. Die westliche (spätere römisch-katholische) Kirche benutzte fast nur noch lateinische Übersetzungen, da der Gebrauch des Griechischen im Westen des Römischen Reiches stark zurückging. Die griechischsprechende Ostkirche dagegen hielt an dem überlieferten byzantinischen Text fest, der den griechischsprechenden Gläubigen seit den Zeiten der Apostel vertraut war und den niemand zu ändern wagte, selbst die Irrlehrer in diesem Raum nicht.

So wurde durch Gottes Vorsehung der getreue apostolische Text des NT durch die byzantinische Kirche weiter überliefert, die natürlich selbst ebenso entartet und von Irrlehren durchsäuert war wie die katholische. Aber die bewahrte in einem konsequenten Traditionalismus die echte Überlieferung, so wie die orthodoxen Juden den echten Text des AT in ihrem Traditionalismus bewahrten, ohne selbst von ihm Leben aus Gott empfangen zu haben.

Ein Zeichen für die Autorität und Anerkennung des byzantinischen Textes ist es auch, daß frühe Übersetzungen wie die gotische Wulfila-Bibel und die syrische Peschitta, die im 2. bis 4. Jh. entstanden waren, ebenfalls den byzantinischen Text aufweisen. Im 4. Jh. schuf Hieronymus die lateinische Vulgata-Übersetzung als Überarbeitung früherer altlateinischer Übersetzungen. Sie beruht im NT auf einem vermischten Text, d.h. sie folgt weitgehend dem byzantinischen Mehrheitstext (was auch ein Beleg für dessen Alter, Einfluß und Verbreitung ist), an einigen Stellen jedoch wurden gnostisch-alexandrinische Textformen übernommen.

Was die byzantinische Mehrheitstext-Überlieferung kennzeichnet, sind vor allem folgende Eigenschaften:

** Der byzantinische Text bezeugt die Gottheit und Herrlichkeit Jesu Christi deutlich klarer und besser als die alexandrinischen Texte, in denen zahlreiche Aussagen über Christus verfälscht bzw. weggelassen wurden. Er ist in der Ausdrucksweise der Textkritiker der „orthodoxe“ (= rechtgläubige), der biblischen Lehre entsprechende Text, während die alexandrinischen Texte „unorthodox“ sind (und damit im Urteil der ungläubigen Textkritiker besser).

** Der byzantinische Text ist anerkanntermaßen der Text mit deutlich größerer inhaltlicher Folgerichtigkeit und Stimmigkeit und besserer sprachlicher Qualität gegenüber den alexandrinischen Handschriften, die an verschiedenen Stellen Textfassungen bieten, die Widersprüche innerhalb der Bibel erzeugen und einen dunklen, schwer verständlichen, dem Gesamtzeugnis der Bibel widersprechenden Sinn enthalten.

** Der byzantinische Text ist sehr einheitlich und sorgfältig überliefert; d.h. derselbe Text (bis auf wenige untergeordnete Abweichungen) wird von der großen Mehrheit der Handschriften bezeugt; und das unabhängig davon, ob die Handschrift etwa in Spanien, in Byzanz oder in Syrien entstanden ist, und ob sie aus dem 6. oder aus dem 12. Jahrhundert stammt. Das zeigt eine große Zuverlässigkeit der Abschriften und bezeugt die große Autorität dieses Textes unter den frühen Christen. Die byzantinischen HSS weisen eine deutlich höhere Qualität der Abschrift und Herstellung auf; es gibt weniger Abschreibefehler und Korrekturen, während die meisten alexandrinischen Handschriften zahlreiche Abschreibefehler, Nachlässigkeiten, Auslassungen selbst ganzer Zeilen und eigenmächtige Veränderungen und Hinzufügungen zum Text aufweisen.

4. Die reformatorischen Bibelübersetzungen und der Textus Receptus

Durch das ganze Mittelalter war im Raum der katholischen Kirche die lateinische Vulgata-Übersetzung im Gebrauch, im griechischsprachigen Raum dagegen der griechische byzantinische Text. Durch die Entartung der katholischen Kirche waren Bibelübersetzungen in die Volkssprachen verboten und unterdrückt worden, und so konnte das kostbare Evangelium nicht weit verbreitet werden; nur kleinere, verfolgte Gruppen von wahren Gläubigen wie die Waldenser hielten das Zeugnis des Evangeliums noch unverfälscht aufrecht und hatten auch eine eigene, von der katholischen Kirche unabhängige Bibelübersetzung (es gibt einige Anhaltspunkte dafür, daß sie dem byzantinischen Text folgte). Die Vulgata war so beherrschend in der Christenheit, daß noch Wycliff bei der Übersetzung seiner berühmten englischen Bibel weitgehend ihr folgte.

Doch mit der Reformation kam durch Gottes mächtiges Wirken eine gewaltige Wende. Gott stellte in Seiner Gnade Sein kostbares, unverfälschtes Wort wieder auf den Leuchter und bewirkte, daß die Bibelübersetzung in die Sprachen der Völker einen gewaltigen Auftrieb bekam. Viele bibeltreue Gläubige von heute achten diesen bedeutsamen Wendepunkt in Gottes Wegen mit seiner Gemeinde gering und erkennen nicht die Bedeutung dieser Stunde. Sie sehen die Schwächen und Fehler der Reformatoren, den Mangel an Licht und Glaubengehorsam in der Tauf- und Gemeindefrage, aber sie erkennen nicht, wie gewaltig und wunderbar es war, daß Gott nach Jahrhunderten der Finsternis und des Mangels Seinem WORT wieder freie Bahn verschaffte. Die Gläubigen der damaligen Zeit erkannten das wohl, und für sie waren diese Bibeln in ihrer Sprache ein kostbares Gottesgeschenk, für das sie oft ihr Leben riskierten. Wie beschämend ist dies für uns heute, die wir so reich an Bibeln sind, und oft so arm an wirklicher Liebe zum Wort und an Gottesfurcht!

Gott sorgte in der Reformation dafür, daß Sein Wort unverfälscht und zuverlässig an die Millionen von Menschen hinausgehen konnte, die nun erstmals das Licht des Evangeliums sahen. Die Reformatoren hatten durchschaut, daß die katholische Vulgata nicht das ursprüngliche Wort Gottes war, sondern daß die inspirierten Worte Gottes in den hebräischen und griechischen Handschriften des AT bzw. NT zu finden waren. Und Gott stellte den reformatorischen Bibelübersetzern diese von Ihm bewahrten Texte genau zur rechten Zeit zur Verfügung. Ende des 15. Jh. erschienen die ersten gedruckten Ausgaben des hebräischen Masoretischen Textes, so daß erstmals der zuverlässige Text des AT auch für Nichtjuden frei zur Verfügung stand. Und 1516, ein Jahr vor dem Beginn der Reformation, sorgte Gott dafür, daß der Text des Neuen Testaments auf Griechisch als Buch veröffentlicht wurde. Das war die Geburtsstunde des „Textus Receptus“, des von allen Gläubigen anerkannten griechischen Textes des NT, der über 350 Jahre lang der Grundtext aller reformatorischen Bibeln bleiben sollte.

Der Textus Receptus kam durch drei menschliche Werkzeuge zustande, die als sachkundige Herausgeber aus verschiedenen griechischen Handschriften des NT eine zuverlässige Textausgabe schufen: Erasmus von Rotterdam, Stephanus (Robert Estienne) und Theodor Beza. Erasmus trat zwar nie öffentlich aus der katholischen Kirche aus und war kein Reformator im eigentlichen Sinn, aber er geißelte die Abweichungen der Kirche von der Schrift; er war wesentlich gottesfürchtiger als die allermeisten modernen Textkritiker und achtete im Gegensatz zu ihnen die Bibel als Wort Gottes.

In bezug auf die Aufgabe, die Gott ihm gab, war Erasmus auf jeden Fall der erfahrenste und fähigste Gelehrte der damaligen Zeit. Er hatte zahlreiche griechische Handschriften des NT studiert, bevor er an das Werk ging. Daß ihm unter den schwierigen Umständen der damaligen Zeit in der ersten Auflage seines bahnbrechenden Werkes gewisse Fehler unterliefen und er einige Zeilen aus dem Lateinischen rückübersetzte, weil ihm der griechische Text fehlte, wird ihm noch heute vorgeworfen. Meist wird jedoch verschwiegen, daß Erasmus selbst diese Schwachstellen in den folgenden Auflagen korrigierte. Was heute nur selten erwähnt wird, ist die erweckliche, lichtbringende Segenswirkung, die von dieser Ausgabe des NT in alle Lande ging. Immer wieder mußte sie nachgedruckt werden. Viele Menschen waren hungrig danach, zu erfahren, was wirklich in Gottes Wort stand – darunter auch viele, die in der Reformation eine entscheidende Rolle spielen sollten.

Man kann bei der schillernden Persönlichkeit von Erasmus nicht eindeutig sagen, ob er selbst gläubig war (die Herausgeber des alttestamentlichen Masoretischen Textes waren mit Sicherheit ungläubig, und doch gebrauchte sie Gott). Der von ihm herausgegebene Text wurde jedoch ab 1546 weiter bearbeitet und vervollkommnet von einem fähigen französischen Gelehrten und Drucker, der zum evangelischen Glauben kam und um seines Glaubens willen in die Schweiz auswanderte: Robert Estienne, genannt Stephanus. Wie Erasmus erforschte er zahlreiche griechische Handschriften des NT und zog sie für seine Ausgaben des Textus Receptus hinzu. Seine Textausgabe von 1550 und die Ausgaben des Reformators Theodor Beza, der ebenfalls ein gründlicher Kenner des Griechischen und der Handschriften des NT war, sind die ausgereifte Form des Textus Receptus und bildeten die Grundlage für fast alle reformatorischen Bibelübersetzungen. Luther und Zwingli hatten für ihre Bibelübersetzungen die zweite Auflage von Erasmus (1519) zugrundegelegt. Zwischen all diesen Ausgaben des Textus Receptus gab es nur verschwindend geringfügige Unterschiede. Einzelne Fehler wurden verbessert, aber die Grundgestalt des Textes blieb seit der letzten Ausgabe von Erasmus im wesentlichen unverändert.

Für unser geistliches Urteil über den Textus Receptus ist es nun wichtig, daß Erasmus, Stephanus und Beza als Grundlage für ihre Textausgabe den byzantinischen Text, also das Zeugnis von mehr als 90% aller Handschriften, auswählten. Das geschah keinesfalls „zufällig“ oder aus Unkenntnis, wie die ungläubigen Textkritiker es oft darstellen. Viele von der katholischen Kirche unabhängige Gelehrte jener Zeit waren zu der Überzeugung gekommen, daß der wahre Text der Bibel nicht in der katholischen Vulgata-Übersetzung zu finden war, sondern im hebräischen Masoretischen Text und in der griechischen Textüberlieferung der byzantinischen Ostkirche. Schon vor Erasmus hatten Gelehrte wie Valla darauf hingewiesen, daß die Vulgata den wahren Bibeltext an zahlreichen Stellen verdorben hatte. Deshalb wählte Erasmus bewußt den byzantinischen Text für seine Ausgabe des griechischen NT, und nicht die alexandrinischen Textformen, die er zum großen Teil schon kannte.

Wir Gläubige dürfen damit rechnen, daß Gott aufgrund Seiner Bewahrung des Wortes darüber gewacht hat, welche Handschriften Sein menschliches Werkzeug zugrundelegte, um den Gläubigen in aller Welt den Text des griechischen NT zur Verfügung zu stellen. Er sorgte dafür, daß keine der gnostisch beeinflußten Auslassungen und Verfälschungen im Text des Erasmus stand, sondern die gesunde byzantinische Textüberlieferung. Und an den wenigen Stellen, wo Erasmus, Stephanus und Beza übereinstimmend Textformen in ihren Text aufnahmen, die nicht von der Mehrzahl der heute erhalten gebliebenen Handschriften gestützt werden, taten sie es aufgrund des Zeugnisses von uns heute nicht mehr bekannten Handschriften und unter der Führung und Fügung Gottes – so dürfen wir Gläubige es annehmen. Dazu gehören z. B. das „Comma Johanneum“ in 1Joh 5,7-8 oder die Schlußsätze der Offenbarung.

Es war auch eine deutliche Führung Gottes, daß praktisch alle wahren Gläubigen in den Jahrhunderten nach der Reformation genau diesen überlieferten Text der Reformation zur Grundlage ihrer Bibelübersetzungen, ihrer Lehre und ihres Glaubens machten. Das gilt nicht nur für die Reformatoren in aller Welt, sondern auch für die Waldenser und die Täufer. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es praktisch keine evangelische Bibelübersetzung, die nicht den Textus Receptus im NT bezeugt hätte. Es ist beeindruckend, unterschiedliche Bibelübersetzungen wie die spanische Reina-Valera, die französische Ostervald, die holländische Statenvertaling und die englische King James Version an verschiedenen Stellen zu vergleichen und festzustellen, daß sie alle einheitlich dasselbe bezeugen.

Die Bibeln der Reformation, die den Textus Receptus und den Masoretischen Text zur Grundlage haben, waren gewaltige Werkzeuge des Segens und der Erweckung. Aus diesen Bibeln predigten alle die gesegneten Diener des Wortes vom 16. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts – ob es nun Harms oder Krummacher waren, Hofacker oder Engels, ob Wesley oder Whitefield, Jonathan Edwards oder Spurgeon. Durch diese getreuen Bibelübersetzungen wirkte der Geist Gottes mit großer Kraft und bezeugte ungezählten Menschen das Heil in Christus. Gott selbst hat für den, der geistlich urteilt, sichtbar das Siegel Seines Wohlgefallens und Seine Bestätigung auf diese Bibeln gesetzt.

5. Das Aufkommen der Textkritik im 18./19. Jahrhundert

Wenn auch die gläubige Gemeinde im überlieferten Text der Reformation einen festen Felsensgrund ihres Glaubens gefunden hatte, so blieb diese von Gott bewahrte Textüberlieferung doch nicht unangefochten. Die Reformatoren hatten mit ihrem biblischen Grundsatz „Sola Scriptura – Allein die Schrift!“ den Machtanspruch der römischen Päpste und das Diktat ihrer Menschenüberlieferungen überwunden. Die Taktik der Verteidiger der römischen Kirche im 16. und 17. Jh. bestand u.a. darin, daß sie mit den abweichenden Textformen der alexandrinischen Handschriften argumentierten, um den Reformatoren zu sagen: „Ihr habt doch gar keine zuverlässige Grundlage für Eure Lehre; es gibt ja so viele unterschiedliche Textformen – Ihr braucht die Tradition und das Lehramt der Kirche, um eine feste Grundlage zu bekommen!“ Die Antwort der evangelischen Gläubigen war ihr Glaube an die Bewahrung Gottes – sie vertrauten darauf, daß Gott ihnen für ihre Lehre und ihren Glauben den zuverlässigen, bewahrten Text an die Hand gegeben hatte, während sie die abweichenden Textformen etwa der Vulgata oder des Codex Vaticanus als unzuverlässig zurückwiesen.

Im 17. und 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung und des Rationalismus, begannen einzelne Gelehrte, den Textus Receptus in Frage zu stellen und ihm abweichende Textformen vorwiegend aus alexandrinischen Handschriften entgegenzustellen. Sie stellten die Zuverlässigkeit des überlieferten Textes der Reformation in Frage und beanspruchten, ihm einen durch eigene Überlegung gewonnenen „besseren Text“ entgegenzustellen. Unter ihnen war ein bekannter Pietist, Johann Albrecht Bengel. Das führen heute noch manche Evangelikale zugunsten der Textkritik an. Sie erwähnen aber nicht, daß Bengel wie andere Pietisten seiner Zeit vom verführerischen Geist der Aufklärung nicht unbeeinflußt war und mit seinen unbiblischen Spekulationen über den Anbruch des Tausendjährigen Reiches und mit seiner Befürwortung der Allversöhnung kein vertrauenswürdiger Zeuge ist.

Die anderen Pioniere der Textkritik kommen direkt aus dem finsteren Lager der aufklärerischen Verleugner des Glaubens und der Heiligen Schrift. Der katholische Gelehrte Richard Simon (1638-1712) wird von manchen als der Begründer der wissenschaftlichen Textkritik angesehen, weil er die Bibel lediglich als literarisches Werk ansah und sie seinen Vernunftschlüssen unterwarf. Einer der ersten Vertreter der Textkritik, J. J. Wettstein, war nicht nur Gegner der Verbalinspiration, sondern wurde wegen seiner Verleugnung der Gottheit und des rettenden Sühnopfers Jesu Christi (Socinianismus) aus dem Pfarramt gejagt! Der andere große Textkritiker des 18. Jahrhunderts, J. J. Griesbach, war Schüler und Anhänger von J. S. Semler, eines Wegbereiters der heutigen Bibelkritik und liberalen Theologie. Hier zeigt sich schon, worauf wir später noch einmal zurückkommen werden, daß nämlich die Bibelkritik und die Textkritik eine innere Verwandtschaft haben in der Infragestellung von Gottes Offenbarungswort. Es bleibt zu ergänzen, daß auch ein österreichischer Jesuit, F. K. Alter, zu den bahnbrechenden Vätern der modernen Textkritik im 18. Jh. zählt.

Das 19. Jahrhundert war in vielerlei Hinsicht eine Zeit des geistlichen Umschwungs – in erster Linie des geistlichen Niedergangs. Es sah das Ende der großen Erweckungsbewegungen; es war die Zeit, in der überall in der Christenheit diejenigen an Einfluß gewannen, die die Bibel als Gottes Wort und den Herrn Jesus Christus als Sohn Gottes verleugneten. Der Abfall vom biblischen Glauben griff immer mehr um sich; die Anfänge vieler verführerischen Irrströmungen (Irvingianer/Neuapostolische, Adventisten, Zeugen Jehovas, Mormonen, Christliche Wissenschaft, Pfingstbewegung) regten sich.

In diesem Jahrhundert kam – nicht überraschend – der Durchbruch für die Textkritik. Unter ihren führenden Vertretern waren K. Lachmann (ungläubiger Philologe), J. Scholz (katholischer Theologe), C. v. Tischendorf (von dem manche annehmen, daß er gläubig war), S. P. Tregelles (von dem dasselbe angenommen wird), B. F. Westcott und F. J. Hort (ungläubige, bibelkritische Anglikaner mit prokatholischen Neigungen) C. R. Gregory (der enge Verbindung zu unitarischen Leugnern der Gottheit Christi hatte) sowie Eberhard Nestle. Sie erklärten die alexandrinischen Handschriften, besonders den Codex Vaticanus und den Codex Sinaiticus, zu den besten Zeugen des ursprünglichen Textes und taten die gesamte byzantinische Mehrheitstextüberlieferung als unbrauchbar ab. Besonders der Textus Receptus wurde als „unwissenschaftlich“ und unzuverlässig verleumdet. Ihre Texte sind in vielem eine Rückkehr zu den Textverderbnissen der katholischen Vulgata, von denen die Reformatoren sich abgewandt hatten; sie wurden dann auch von der Katholischen Kirche als Bestätigung ihres Standpunktes gewertet.

Der Textus Receptus wurde zunächst in der akademischen Theologie verdrängt, dann auch in den Bibelübersetzungen. Die englische Revised Version von 1881 war die erste große Bibelübersetzung, die auf textkritischen Grundsätzen beruhte. Das Ziel der Revisoren, die beliebte King-James-Bibel zu ersetzen, wurde jedoch nie erreicht; die King-James-Bibel bleibt bis heute im englischen Sprachraum die am weitesten verbreitete und geschätzteste Bibelübersetzung. Aber in der Folge wurden immer mehr reformatorische Bibelübersetzungen durch textkritische Revisionen verändert und auf den alexandrinischen Text umgestellt. Dem entsprachen im AT z.T. schwerwiegende Abweichungen vom Masoretischen Text. In Deutschland geschah dies erst 1956 in größerem Umfang; die Lutherbibel von 1912 beruht noch fast vollständig auf dem Textus Receptus. Die Revision der Zürcher Bibel erfolgte 1931; 1986 wurde die Elberfelder Bibel revidiert und fast komplett auf den Nestle-Aland-Text umgestellt. Die im Lauf des 20. Jh. immer zahlreicheren erscheinenden Neuübersetzungen hatten dann von vorneherein fast ausschließlich den kritischen Text.

Nachdem es im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrere textkritische Ausgaben des NT gegeben hatte, die sich untereinander an zahllosen Stellen widersprachen, kam es Mitte des 20. Jh. auf Betreiben der theologisch liberalen United Bible Societies zu einer weltweit einheitlichen Textausgabe, die seither die Grundlage fast aller neuen Bibelübersetzungen bzw. Bibelrevisionen ist: der sogenannte „Nestle-Aland“-Text (NA abgekürzt; im Englischen The Greek New Testament/UBS-Text). Dieser Text wird seit 1966 von einem Gremium von ungläubigen, liberaltheologischen Textkritikern per Mehrheitsabstimmung festgelegt; darunter befindet sich ein Kardinal der Katholischen Kirche. Durch ein Abkommen des Vatikan mit den Weltbibelgesellschaften wurden 1968 Leitlinien festgelegt, die vorsehen, daß in allen Bibelübersetzungen, in der akademischen Lehre und in den Kirchen ausschließlich dieser NA-Text verwendet werden soll. Damit ist dieser Text, der immer noch die gnostisch-alexandrinischen Handschriften zur Hauptgrundlage hat, der ökumenische Welteinheitstext geworden! (Vgl. meinen Nachweis in den anfangs erwähnten Schriften.)

Im englischen Sprachraum stieß die Umstellung auf den alexandrinischen Text bei vielen Gläubigen auf Widerstand, und eine relativ große Zahl ernsthafter Gläubiger hält bis heute bewußt an der King-James-Bibel und dem Textus Receptus fest. Dort gab es auch namhafte Gelehrte wie Burgon und Scrivener, die die unsauberen Methoden der alexandrinischen Textkritiker aufdeckten und die byzantinische Textgrundlage verteidigten. Dagegen erfolgte die Durchsetzung der kritischen Texte im deutschen Sprachraum, ohne daß es zunächst im größeren Maß bewußten Widerstand von Gläubigen gab. Wohl erkannten viele ältere Bibelleser, daß mit den Revisionen der Lutherbibel auch altvertraute und kostbare Bibelworte verschwanden bzw. verändert wurden, und viele ernsthafte Gläubige zogen die Luther 1912 den späteren Revisionen vor. Die geistlichen Hintergründe des Textus Receptus und der alexandrinischen Texte sind jedoch viel zu wenig bekannt.

Leider werden auch an Bibelschulen, im „Bibelbund“ und unter vielen bibeltreuen Gläubigen die Lehren der ungläubigen Textkritik vielfach als „neutral“ und wahr angenommen, ohne daß deren fragwürdiger geistlicher Hintergrund durchschaut worden wäre. Aber heute, in der ausreifenden Endzeit, wachen manche Gläubige auf und erkennen, daß unter dem harmlosen Etikett des „wissenschaftlichen Fortschritts“ Verfälschungen und Entstellungen in den Text der modernen Bibeln eingeführt wurden. Das Bewußtsein wächst auch bei uns, daß die modernen Bibeln nicht besser und zuverlässiger sind, sondern in vieler Hinsicht einen Rückschritt hinter die reformatorischen Übersetzungen darstellen, eine heimliche Umstellung der evangelischen Bibel auf den Text der Irrlehrer des 2. Jahrhunderts und der katholischen Kirche des Mittelalters.

B. Textus Receptus oder alexandrinischer Text?

Eine geistliche Beurteilung

1. Die gläubige Gemeinde braucht einen eigenen geistlichen Standpunkt zur Textüberlieferung

Viele Gläubige fühlen sich überfordert, in den Fragen der Textkritik ein Urteil zu fällen. Auf den ersten Blick gibt es hier eine schwer zu überschauende Fülle von Fakten, Theorien und Standpunkten, so daß man versucht ist, die Sache den „Fachleuten“ zu überlassen, den studierten Theologen und Textforschern, die es ja schließlich wissen müssen. Und doch handelt es sich hier um wichtige Fragen, die nicht irgendwelche Experten für uns klären können. Es geht um die Bewahrung von Gottes Wort, und die ist ein göttlicher Auftrag an die gesamte Gemeinde, insbesondere an die gereiften und urteilsfähigen Brüder in den örtlichen Gemeinden, die den Auftrag haben, am Wort zu dienen (vgl. 2. Timotheus 1,13.14; 1. Timotheus 6,20.21; Offenbarung 3,8).

Es ist eine große Not, daß die Vernunftschlüsse der ungläubigen Textkritik ohne gründliche geistliche Prüfung auch von vielen Gläubigen angenommen worden sind, so daß sie die alexandrinischen Texte als die „besseren“ ansehen und den systematisch verächtlich gemachten Textus Receptus verwerfen. Das gilt besonders für viele Prediger, die auf ihren Bibelschulen meist nur die Theorien der Textkritik über den Text des NT vermittelt bekommen. Aber auch in den allermeisten Büchern zum Thema, auch in Bibelkommentaren (neuerlich z.B. in der „MacArthur-Studienbibel“) finden sich wie selbstverständlich textkritische Bemerkungen, die den Textus Receptus als „veraltet“ und „überholt“ abtun.

Die Frage, welcher Text der ursprüngliche, von Gott bewahrte Text ist, der Textus Receptus (= byzantinischer Text) oder die Nestle-Aland-Ausgabe (= alexandrinischer Text), kann nur durch das geistliche Urteil der wahren Gläubigen beantwortet werden. Es ist keine Frage, die ungläubige Handschriftenkenner durch das Analysieren oder Auszählen von unterschiedlichen Textstellen beantworten könnten. In dieser Frage hat die weltliche Wissenschaft eigentlich überhaupt kein Stimmrecht! Wir lesen ja in 1Kor 1,19-21: „Denn es steht geschrieben: ‚Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen’. Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht?“

Die Frage, welchen Grundtext wir als den zuverlässigen und bewahrten annehmen sollen, ist eine geistliche Frage, zu der ungläubige Textforscher nichts sagen können, weil sie am Verstand verfinstert sind (Eph 4,18). Hier gilt das Wort: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß“ (1Kor 2,14). Aber auch gläubigen Verfechtern der Textkritik können wir nicht einfach blind vertrauen, weil sie, ohne es zu wollen oder zu durchschauen, die Ergebnisse einer letztlich bibelkritischen, christusfeindlichen Menschenweisheit übernommen haben, die mit ihren eigenen Überzeugungen von der Inspiration und Autorität der Bibel nicht vereinbar sind.

Es ist das Ziel dieser Schrift, Gläubige zuzurüsten, damit sie die zwei unterschiedlichen Grundtexte (NA oder TR) sowie die zwei unterschiedlichen Methoden (Glauben an die göttliche Bewahrung oder kritisch-verstandesmäßige Untersuchung der Textformen) geistlich beurteilen und zu einem klaren Stand kommen können. Diese Schrift ist nicht „neutral“, sondern geht vom Standpunkt der göttlichen Bewahrung aus und will zeigen, was die geistlichen Vorzüge des Textus Receptus sind. Jeder Gläubige sollte selbst beurteilen und prüfen, was hier ausgesagt wird; jeder muß vor Gott entscheiden, welchen Text er annehmen will. Aber möglichst viele Gläubige sollten zumindest den Standpunkt der Reformation, der Täufer und der Erweckungsbewegung kennen, bevor sie sich für eine Textform entscheiden.

2. Was steht geschrieben?

Textus Receptus und alexandrinischer Text im Vergleich

Für das geistliche Urteil über die alexandrinischen Texte und den Textus Receptus brauchen wir kein Studium der Textkritik, keinen Doktor der Theologie, auch keine Griechischkenntnisse. Was wir dagegen brauchen, ist ein wacher geistlicher Sinn, ein nüchternes Prüfen der Tatbestände: Welcher Text trägt das Kennzeichen göttlicher Inspiration? Welcher Text verherrlicht Christus? Welcher Text ist widerspruchsfrei und harmoniert mit dem Gesamtzeugnis der Schrift? Das sind die geistlichen Maßstäbe, die wir aufgrund der Aussagen der Bibel selbst anlegen müssen, um zu einem Urteil zu kommen. In diesem Licht wollen wir zunächst einige charakteristische Veränderungen betrachten, die den modernen alexandrinischen Text vom reformatorischen Textus Receptus unterscheiden.

a) Aussagen über Christus, Seine Gottessohnschaft und Seine Herrlichkeit

BibelstelleTextus Receptus

(Schlachter 2000)Nestle-Aland

(nach Revidierte Elberfelder)Mk 1,11 Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi * * *

[NA 25, LU 56, RevElb 86]Joh 6,6969 und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes!69 und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Heilige Gottes bist.Joh 9,35-3835 Jesus hörte, daß sie ihn ausgestoßen hatten, und als er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Sohn Gottes?

36 Er antwortete und sprach: Wer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube?

37 Jesus aber sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es!

38 Er aber sprach: Ich glaube, Herr! und fiel anbetend vor ihm nieder.35 Jesus hörte, daß sie ihn hinausgeworfen hatten; und als er ihn fand, sprach er: Glaubst du an den Sohn des Menschen?

36 Er antwortete und sprach: Und wer ist es, Herr, daß ich an ihn glaube?

37 Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es.

38 Er aber sprach: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder.Joh 3,1313 Und niemand ist in den Himmel

hinaufgestiegen, außer dem, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, des Menschen Sohn, der im Himmel ist.13 Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel als nur der, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen * * *Joh 1,1818 Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat Aufschluß [über ihn] gegeben.18 Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Gott [monogenes theos], der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht. [vgl. Fn. rev. Elb.]Joh 14,2828 Ihr habt gehört, daß ich zu euch sagte: Ich gehe hin, und ich komme zu euch! Wenn ihr mich lieb hättet, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn mein Vater ist größer als ich.28 Ihr habt gehört, daß ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich.

[so auch Joh 6,65; 8,28; 8,38; 10,29; 10,32; 14,12; 15,10; 16,9; 20,17]Mt 1,1818 Die Geburt Jesu Christi [gr. gennesis] geschah aber auf diese Weise:18 Mit dem Ursprung Jesu Christi [gr. genesis] verhielt es sich aber so:

[RevElb 2000]Lk 9,35Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!Dieser ist mein auserwählter Sohn; ihn hört!Joh 1,27dieser ist’s, der nach mir kommt, der vor mir gewesen ist; und ich bin nicht würdig, ihm den Schuhriemen zu lösen.der nach mir kommt, * * *  vor dem ich nicht würdig bin,…1Tim 3,1616 Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott [gr. theos] ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, verkündigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.16 Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit : Der [gr. hos] geoffenbart worden istim Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.

1Kor 15,4747 Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch ist der Herraus dem Himmel.47 Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch

* * *vom Himmel.Apg 8,3736 Als sie aber auf dem Weg weiterzogen, kamen sie zu einem Wasser, und der Kämmerer spricht: Siehe, hier ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden?

37 Da sprach Philippus: Wenn du von ganzem Herzen glaubst, so ist es erlaubt! Er antwortete und sprach: Ich glaube, daß Jesus Christus der Sohn Gottes ist!

38 Und er hieß den Wagen anhalten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.36 Als sie aber auf dem Weg fortzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer spricht: Siehe, da ist Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden?

 

37 * * *

 

38 Und er befahl, den Wagen anzuhalten. Und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als auch der Kämmerer; und er taufte ihn.

Hier haben wir eine Auswahl wichtiger Veränderungen, die Aussagen über den Herrn Jesus Christus und Seine Göttlichkeit und Gottessohnschaft betreffen. Dabei geht es um das Herz, das Zentrum der Heiligen Schrift! Hier sind wir wahrhaftig auf heiligem Boden, und es sollte uns erschrecken, welche Veränderungen jahrhundertelang überlieferter Gottesworte in unseren modernen Bibeln stehen. Immer wieder werden eindeutige Aussagen, die Jesus Christus als den Sohn Gottes bezeichnen, unter dem Einfluß der wenigen alexandrinischen HSS weggestrichen (so Mk 1,1; Joh 6,69; Joh 9,35-38; Joh 1,18; Apg 8,37). Zum Teil werden sie durch andere Bezeichnungen ersetzt, die aber keinen Beweis der Gottessohnschaft beinhalten („der Sohn des Menschen“, „der Heilige Gottes“).

Weshalb wird die Aussage gestrichen, daß der Sohn des Menschen im Himmel ist? Weil dies zeigt, daß der Herr Jesus auch als wahrer Mensch zugleich Gott von Wesen ist. Auch die von NA verstümmelte Aussage, daß der zweite Mensch der Herr aus dem Himmel ist (1Kor 15,47), zeigt, daß Jesus Christus Gott und Mensch zugleich ist. Am schwerwiegendsten ist die Verfälschung des Geheimnisses der Gottesfurcht in 1Tim 3,16: Wo fast alle Handschriften klar bezeugen: „Gott ist geoffenbart worden im Fleisch“, da heißt es in wenigen ägyptischen Handschriften: „Er ist geoffenbart worden im Fleisch“. Damit ist der stärkste direkte Lehraussage des NT über die Gottheit Jesu Christi aus modernen Bibeln verschwunden!

Sehr schwerwiegend ist auch die Verfälschung von Mt 1,18, wo die alexandrinischen Texte und mit ihnen Nestle-Aland die lästerliche und aller biblischen Lehre widersprechende Aussage bringen, der „Ursprung Jesu Christi“ sei seine Zeugung bzw. Geburt als Mensch gewesen. Das leugnet die Gottheit und ewige Existenz des Sohnes und ist eine so deutliche Fälschung im Sinne gnostischer und arianischer Irrlehren, daß man sich nur wundern kann, woher die Revisoren der Elberfelder Bibel den traurigen Mut nehmen, eine solche Aussage in ihre Übersetzung zu bringen. Ähnlich verkehrt ist die Lesart „Dieser ist mein auserwählter Sohn“ in Lk 9,35. Nicht nur wird damit ein künstlicher Widerspruch zu den Parallelberichten erzeugt, in denen auch NA „geliebter“ hat, vor allem steckt hinter der Formulierung „auserwählt“ eine raffinierte Leugnung des biblischen Zeugnisses von der Göttlichkeit und Einzigartigkeit Jesu Christi. Aus welchen Söhnen soll denn der Herr Jesus „auserwählt“ worden sein? Diese Lesart paßt zu den bösen Irrlehren des Arianismus (Adoptianismus), aber nicht zum biblischen Zeugnis über den einzigen Sohn Gottes!

Schließlich muß noch Joh 1,18 erwähnt werden, wo auch der Einfluß klassischer Irrlehren auf den alexandrinischen Text überdeutlich wird. Wo der TR mit dem Mehrheitstext bezeugt: „der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist“, bringen einige wenige alexandrinischen Handschriften (NA 27 nennt nur 5 HSS: P66, Sinaiticus 1. Hand, Vaticanus, C und L) die Lesart: „der / ein eingeborene(r) Gott [monogenes theos], der im Schoß des Vaters ist“. Die modernen Übersetzungen beschönigen diese Aussage und übersetzen „der einzige Gott“; es heißt aber nicht monos, sondern monogenes = einzig-gezeugt /eingeboren. Abgesehen davon ergäbe die Bezeichnung des Sohnes als „einziger Gott“ auch keinen lehrmäßig gesunden Sinn! Wie sollte das Wort Gottes dann den Vater bezeichnen, der an dieser Stelle ja vom Sohn unterschieden wird?

Der ausgewiesene Kenner frühchristlicher Irrlehren Adolf v. Harnack ordnet in seiner „Dogmengeschichte“ diese Lesart dem Irrlehrer Arius zu (S. 215). Nirgends findet sich in der Bibel eine Vorstellung von einem „eingeborenen Gott“ – dafür aber in den perversen Systemen der Gnostiker und ihrer Nachfolger, zu denen die Arianer gehören. Sie kannten niedrigere, geschaffene „Götter zweiten Grades“ und stuften den Herrn Jesus Christus so ein. Die Lesart des TR/Mehrheitstextes „der eingeborene Sohn“ fügt sich dagegen klar in den Textzusammenhang (Schoß des Vaters) wie auch in den Zusammenhang des ganzen Johannesevangeliums und der biblischen Lehre ein. Und sie steht in den vielen hunderten von Handschriften des byzantinischen Textes (wahrscheinlich sind es für die Evangelien an die 4.000), also in 99% aller Textzeugen!

Auch andere Stellen zeigen eine Unterdrückung von inspirierten Zeugnissen über die Gotheit Jesu Christi. Die Aussage in Joh 3,13, daß der Sohn des Menschen zugleich im Himmel ist, verweist auf Seine Gottheit ebenso klar wie die Aussage des Täufers, daß der Herr Jesus Christus vor ihm war – obwohl er ja nach ihm geboren wurde. Daß der zweite Mensch der Herr aus dem Himmel ist (1Kor 15,47), verweist ebenso auf die Gottheit des Christus. Daß alle diese Aussagen in den ägyptischen Handschriften weggelassen werden, summiert sich zu einer ernsten Abschwächung und Verfälschung des biblischen Zeugnisses über den Sohn Gottes.

 

Phil 4,1313 Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.13 Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt  * * *.
Eph 3,99 und alle darüber zu erleuchten, welches die Gemeinschaft ist, die als Geheimnis von den Ewigkeiten her in Gott verborgen war, der alles erschaffen hat durch Jesus Christus,9 und ans Licht zu bringen, was die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her in Gott, der alle Dinge geschaffen hat  * * *, verborgen war
Gal 4,77 So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus.7 Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.
Röm 14,1010 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder du, was verachtest du deinen Bruder? Wir werden ja alle vor dem Richterstuhl des Christuserscheinen;10 Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.
Joh 7,88 Geht ihr hinauf zu diesem Fest; ich gehe noch nicht zu diesem Fest hinauf; denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt.8 Geht ihr hinauf zu diesem Fest! Ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest; denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt.

Hier sind einige Aussagen zusammengestellt, die die Herrlichkeit Jesu Christi als des Sohnes Gottes betreffen. Auch hier finden wir, daß die alexandrinischen Texte die überragende Rolle des Sohnes Gottes in Gottes Schöpfungs- und Heilshandeln deutlich abwerten und verfälschen. Es ist eine wichtige Offenbarung in der Lehre über Christus, daß Gott alles durch Ihn erschaffen hat. Auch wenn wir diese Lehre an anderen Stellen ebenfalls bezeugt finden, ist doch mit Eph 3,9 ein wichtiges Zeugnis in den modernen Bibeln verlorengegangen. Auch in Gal 4,7 ist die Streichung der Mittlerrolle des Christus bei unserem Erbe schwerwiegend, zumal die Formulierung „Erbe durch Gott“ der Schrift fremd ist.

Die Schrift bezeugt auch klar, daß die Gläubigen durch Christus gerichtet werden, daß der Vater dem Sohn alles Gericht übergeben hat. Von daher ist die Umänderung von „Richterstuhl des Christus“ in „Richterstuhl Gottes“ eine Abwertung des Christus und ein Bruch zu allen anderen Aussagen in den Paulusbriefen über das Schiedsgericht des Christus. In Joh 7,8 stellen die gefälschten alexandrinischen HSS unseren Herrn entweder als Lügner oder als nicht allwissend hin, während der TR/MT die völlige Gerechtigkeit und Makellosigkeit und göttliche Allwissenheit unseres Herrn bezeugt. Welche Texte sind inspiriert, welche von Menschen gefälscht? Dem geistlich Urteilenden wird die Entscheidung nicht schwerfallen. Hier wäre auch die Streichung eines wichtigen Zeugnisses über die Auferstehung, Himmelfahrt und Verherrlichung des Herrn zu nennen, die durch die Bezeichnung von Mk 16,19-20 als „späteren Zusatz“ entsteht.

b) Aussagen zur Errettung durch das Sühnopfer Jesu Christi

BibelstelleTextus Receptus

(Schlachter 2000)Nestle-Aland

(Revidierte Elberfelder)Mt 18,10-1110 Seht zu, daß ihr keinen dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.

11 Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten.10 Seht zu, daß ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch, daß ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist.

11 * * *Lk 9,54-5654 Als aber seine Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, willst du, daß wir sprechen, daß Feuer vom Himmel herabfallen und sie verzehren soll, wie es auch Elia getan hat?

55 Er aber wandte sich um und ermahnte sie ernstlich und sprach: Wißt ihr nicht, welches Geistes [Kinder] ihr seid?

56 Denn der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um die Seelen der Menschen zu verderben, sondern zu erretten! Und sie zogen in ein anderes Dorf.54 Als aber seine Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sprachen sie: Herr, willst du, daß wir sagen, daß Feuer vom Himmel herabfallen und sie verzehren soll?

55 Er wandte sich aber um und schalt sie.

56  * * * Und sie gingen nach einem anderen Dorf.Lk 4,1818 „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkündigen und den Blinden, daß sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen,18 „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, * * * Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, daß sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden,Kol 1,1414 in welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden;14 In ihm haben wir die Erlösung

* * , die Vergebung der Sünden.Joh 6,4747 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, hat ewiges Leben.47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer * * * glaubt, hat ewiges Leben.Mk 9,4242 wer aber einem der Kleinen, die an mich glauben, Anstoß [zur Sünde] gibt, …42 Und wer einem dieser Kleinen, die * *glauben, Anlaß zur Sünde gibt,

[NA 25, revElb 86]1Kor 5,77 Darum fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, da ihr ja ungesäuert seid! Denn unser Passahlamm ist ja für uns geschlachtet worden: Christus.7 Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits ungesäuert seid! Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist * * geschlachtet.1Pt 4,11 Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat mit der Sünde abgeschlossen,1 Da nun Christus * * im Fleisch gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit derselben Gesinnung – denn wer im Fleisch gelitten hat, hat mit der Sünde abgeschlossenMt 9,13Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder * * .Mk 2,1717 Als Jesus es hörte, sprach er zu ihnen: Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.17 Und Jesus hörte es und spricht zu ihnen: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder * .Mk 10,2424 … Da begann Jesus wiederum und sprach zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es für die, welche ihr Vertrauen auf Reichtum setzen, in das Reich Gottes hineinzukommen!24 … Jesus aber antwortete wieder und spricht zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es * *, in das Reich Gottes hineinzukommen!2Kor 5,1717 Darum: ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!17 Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!

Auch in der so wichtigen Lehre von der Errettung allein durch das Sühnopfer Jesu Christi und den Glauben an Ihn bringen die alexandrinischen Handschriften ernste Verfälschungen und geistliche Verluste in den Bibeltext. Die große Liebe und das wunderbare Erbarmen unseres Herrn und Heilandes wird deutlich weniger bezeugt in den modernen „wissenschaftlich gesicherten“ Bibeln, weil zwei bedeutende Aussagen dazu fehlen (Mt 18,11 und Lk 9,56). Wenn man dazu noch die Streichung in Lk 4,18 und die Weglassung des berühmten „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ in Lk 23,34 (von NA als später Zusatz abgelehnt) und die Streichung der Begegnung des Herrn Jesus mit der Ehebrecherin in Joh 7,53-8,11 nimmt (von NA ebenfalls als später Zusatz abgelehnt), dann zeigt sich hier eine üble Tendenz.

Die Streichung des entscheidenden „an mich“ in gleich zwei wichtigen Aussagen des Herrn entspricht ganz der Irrlehre der Gnostiker damals wie auch der modernen Irrlehren und dem falschen Evangelium von heute – aber es steht im klaren Widerspruch zur Lehre und Gesamtaussage der Schrift. Ähnliches gilt für die Streichung von „zur Buße“ in Mt 9,13 und Mk 2,17.

Auch die alexandrinische Veränderung von Mk 10,24 bedeutet eine Verdunkelung des Evangeliums der Errettung allein aus Gnade durch den Glauben. Und die Abschwächung des berühmten „alles ist neu geworden“ zu „Neues ist geworden“ betrifft ebenfalls die biblische Lehre von der Errettung.

c) Aussagen zur biblischen Lehre

BibelstelleTextus Receptus

(Schlachter 2000)Nestle-Aland

(Revidierte Elberfelder)Eph 4,66 ein Gott und Vater aller, über allen und durch alle und in euch allen.6 ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.Offb 22,2121 Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch allen!21 Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!Eph 3,1414 Deswegen beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus,14 Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater * * ,Röm 1,1616 Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christusnicht; denn es ist Gottes Kraft zur Rettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen;16 Denn ich schäme mich des Evangeliums * * nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.Mk 3,2929 wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist einem ewigen Gericht verfallen.29 wer aber gegen den Heiligen Geist lästern wird, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig.2Pt 2,1717 Solche sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Sturmwind getrieben, und ihnen ist das Dunkel der Finsternis aufbehalten in Ewigkeit.17 Diese sind Brunnen ohne Wasser und Nebel, vom Sturmwind getrieben; und ihnen ist das Dunkel der Finsternis aufbewahrt * * *.Mk 9,43-4643 … als daß du beide Hände hast und in die Hölle fährst, in das unauslöschliche Feuer,

44 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.

45 Und wenn dein Fuß für dich ein Anstoß [zur Sünde] wird, so haue ihn ab! Es ist besser für dich, daß du lahm in das Leben eingehst, als daß du beide Füße hast und in die Hölle geworfen wirst, in das unauslöschliche Feuer,

46 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.43 … als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer.

44 * * *

45 Und wenn dein Fuß dir Anlaß zur Sünde gibt , so hau ihn ab! Es ist besser für dich, lahm in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.

46 * * *

Hier geht es um das biblische Evangelium in Abgrenzung zu unbiblischen Lehren, die auch heute wieder modern sind: „Gott als Vater aller“, die Errettung aller Menschen durch eine billige universelle „Gnade“ ohne Buße und Glauben an Jesus Christus. Gott ist eben nicht „in allen“ (Eph 4,6 -NA). Die Gnade ist nicht mit allen, sondern nur mit denen, die sie im Glauben annehmen (Offb 22,21).

Der Gott der Bibel ist der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Die Aussage „Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater“ (Eph 3,14 -NA) kann im Lauf der fortschreitenden Entwicklung der Welteinheitsreligion auch ein Hindu, Buddhist oder New Age-Anhänger unterschreiben. Wenn es aber heißt „Deswegen beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus“ – dann wird es „eng“, dann steigen die Weltökumeniker aus, und dieses Bekenntnis können nur noch die wahren Christusgläubigen aussprechen. Irgendein falsches „Evangelium“ wird auch die kommende Welteinheitskirche propagieren – aber nicht das biblische Evangelium von Christus (Röm 1,16)!

Es ist kennzeichend, daß die alexandrinischen Texte an einigen Stellen Veränderungen anbringen, die die unbiblische Irrlehre der „Allversöhnung“ stützen. Der gnostisch beeinflußte Alexandriner Origenes, einer der bedeutendsten Irrlehrer in der frühen katholischen Kirche und einer der Vorläufer der modernen Textkritik, gilt als der Begründer der „Allversöhnung“. An mehreren Stellen wird das Zeugnis von einem ewigen Gericht über die Sünder weggelassen (Mk 3,29; 2Pt 2,17; Mk 9,43-46).

1Pt 2,22 und seid als neugeborene Kindlein begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch sie heranwachst,2 und seid wie neugeborene Kinder begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch – damit ihr durch sie wachset zur Rettung
1Kor 11,2929 denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst ein Gericht, weil der den Leib des Herrn nicht unterscheidet.29 Denn wer * * * ißt und trinkt, ißt und trinkt sich selbst Gericht, wenn er den Leib [des Herrn] nicht [richtig] beurteilt.
1Kor 7,33 der Mann gebe der Frau die Zuneigung, die er ihr schuldig ist, ebenso aber auch die Frau dem Mann.3 Der Mann leiste der Frau die [eheliche] Pflicht, ebenso aber auch die Frau dem Mann.
1Joh 4,1919 Wir lieben Ihn, weil er uns zuerst geliebt hat.19 Wir lieben * * *, weil er uns zuerst geliebt hat.
Mk 10,2121 … und komm, nimm das Kreuz auf dich und folge mir nach!21 … und komm, * * * folge mir nach!
Gal 3,11 O ihr unverständigen Galater, wer hat euch verzaubert, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht, …1 O unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert * * *
1Tim 6,55 unnütze Streitgespräche von Menschen, die eine verdorbene Gesinnung haben und der Wahrheit beraubt sind und meinen, die Gottesfurcht sei ein Mittel zur Bereicherung – von solchen halte dich fern!5 ständige Zänkereien von Menschen, die in der Gesinnung verdorben und der Wahrheit beraubt sind und meinen, die Gottseligkeit sei [ein Mittel] zum Gewinn

* * *.

Hier geht es um Aussagen zum biblischen Glaubensleben. Die Errettung empfangen wir aus Gnade durch den Glauben. Wir können nicht „zur Errettung heranwachsen“, wie NA uns in 1Pt 2,2 nahelegt; das ist ein unbiblischer, heidnischer Gedanke. Daß hier nicht die ewige Errettung gemeint sei, wie manche meinen, macht den Satz nicht besser oder verständlicher.

In 1Kor 11,29 bringen die alexandrinischen HSS eine solche Verstümmelung in den Text, daß er wörtlich lauten würde: „denn wer ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst ein Gericht, weil er den Leib nicht unterscheidet“. Diese dunkel-mystische, bedrohliche Aussage ist so widersinnig, daß sich die Übersetzungen damit behelfen, nach TR den Text zu ergänzen. In 1Kor 7,3 steht der TR in schöner Übereinstimmung mit anderen Stellen (vgl. Eph 5,25-28; 1Pt 3,7), während NA eher heidnisches Gedankengut hereinbringt.

Die Auslassung von „ihn“ in 1Joh 4,19 bringt eine schwerwiegende Veränderung in diese so schöne und wichtige Aussage. Auch die Auslassung in Mk 10,21 verkürzt die Aussage des Herrn um etwas ganz Wichtiges (übrigens ganz im Sinne moderner Strömungen). Die beiden Auslassungen in Gal 3,1 und 1Tim 6,5 betreffen die Auseinandersetzung mit Irrlehren und bringen ebenfalls deutlichen Substanzverlust in der Aussage.

An verschiedenen Stellen lassen die alexandrinischen Texte und mit ihnen NA das Fasten im Zusammenhang mit Gebet aus, was kaum ein Zufall sein kann: Mt 17,21: „Aber diese Art fährt nicht aus außer durch Gebet und Fasten“ – NA streicht den Vers komplett; Mk 9,29: „Diese Art kann durch nichts ausfahren außer durch Gebet und Fasten“ – hier streicht NA „und Fasten“; 1Kor 7,5/TR: „damit ihr euch dem Fasten und Gebet widmen könnt“; NA streicht „Fasten“. Dasselbe geschieht in Apg 10,30. Im Endergebnis haben die modernen Bibeln keinerlei ermunternden Hinweis darauf, daß Fasten in Verbindung mit Gebet (nicht als religiöse Pflichtübung) für nt. Gläubige empfohlen wird!

Mk 15,2827 Und mit ihm kreuzigten sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

28 Da wurde die Schrift erfüllt, die spricht: „Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden.“27 Und mit ihm kreuzigen sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

28  * * *Mt 27,3535 Nachdem sie ihn nun gekreuzigt hatten, teilten sie seine Kleider unter sich und warfen das Los, damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist: „Sie haben meine Kleider unter sich geteilt, und das Los über mein Gewand geworfen.“35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie seine Kleider, indem sie das Los warfen

* * .Mk 13,1414 Wenn ihr aber den Greuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel geredet wurde, da stehen seht, wo er nicht soll …14 Wenn ihr aber den Greuel der Verwüstung * * stehen seht, wo er nicht sollte …Mt 1,7-107 … Abija zeugte den Asa

10 … Manasse zeugte den Amon; Amon zeugte den Josia…7 Abia zeugte den Asaph

10 Manasse zeugte den Amos. Amos

(NA und Zürcher 1931; rev. ELB FN)Mk 1,22 Wie geschrieben steht in den Propheten: „Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird.“ [Mal 3,1]2 wie in dem Propheten Jesajageschrieben steht: „Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg bereiten wird.“ [Mal 3,1]Apg 7,3030 Und als 40 Jahre erfüllt waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai der Engel des Herrn in der Feuerflamme eines Busches.30 Als vierzig Jahre verflossen waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engelin der Feuerflamme eines Dornbusches.Mt 27,3434 gaben sie ihm Essig mit Galle vermischt zu trinken; und als er es gekostet hatte, wollte er nicht trinken.

[vgl. Mt 26,29; Ps 69,22]34 gaben sie ihm mit Galle vermischten Wein zu trinken, und als er davon gekostet hatte, wollte er nicht trinken.Lk 4,43-44; 5,143 Er aber sprach zu ihnen: Ich muß auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkündigen; denn dazu bin ich gesandt.  44 Und er verkündigte in den Synagogen von Galiläa.  5,1 Es begab sich aber, als die Menge sich zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, daß er am See Genezareth stand;44 Und er predigte in den Synagogen Judäas. …

[NA 27; ÖkEinh; Zü 1931]Lk 9,10Und die Apostel kehrten zurück und erzählten ihm alles, was sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich und zog sich zurück an einen einsamen Ort bei der Stadt, die Bethsaida heißt.… und er nahm sie mit uns zog sich abseits zurück nach einer Stadt mit Namen Betsaida.Mk 6,22da trat die Tochter der Herodias herein und tanzte. Und weil sie dem Herodes und denen, die mit ihm zu Tisch saßen, gefiel, sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, so will ich es dir geben!Da trat seine Tochter Herodias herein und tanzte.

[so NA 27 mit Sinaiticus, Vaticanus und 4 anderen alexandrinischen HSS]

Eine der deutlichen Kennzeichen dafür, daß die alexandrinischen Texte nicht den Urtext wiedergeben können, sind die verschiedenen Stellen, wo sie die Einheit der Aussage und die Irrtumslosigkeit der Schrift brechen, indem z. B. den Schreibern des NT sachliche Unrichtigkeiten bzw. Unkenntnis der Schrift unterschoben werden. So gibt NA 27 in Mt 1,8-10 die grotesken Abschreibfehler einiger ägyptischer Abschreiber als Urtext aus und macht aus dem at. „Asa“ einen „Asaph“, aus Amon einen „Amos“. TR stimmt völlig mit dem AT überein. Das erklärt sich daraus, daß die bibelkritischen, ungläubigen Textkritiker ja die Inspiration der Heiligen Schrift leugnen und es für sie völlig normal ist, den Schreibern des NT Unrichtiges und Widersprüchliches unterzuschieben.

In Mk 1,2 erweckt die gnostisch-alexandrinische Fassung den Eindruck, als wüßte Markus nicht, daß das folgende Zitat nicht in Jesaja, sondern Maleachi steht, und schmuggelt einen offensichtlichen Irrtum in die Bibel – auf das Zeugnis von ganzen 8 HSS gegen etwa 3-4.000! Ähnliches gilt für Apg 7,30, wo NA unterstellt, daß der Jude und inspirierte Christuszeuge Stephanus nicht gewußt hätte, wer Mose im Dornbusch begegnete – nicht irgendein Engel, sondern der Engel des Herrn, also Christus in einer at. Erscheinung!

Auch Mt 27,34 ist eine bedeutsame Verfälschung, wenn man die Aussage unseres Herrn in Mt 26,29 bedenkt, daß Er nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken werde bis zum Anbruch des Reiches Gottes. Auch die Prophetie in Ps 69,22 wird durch die ägyptischen Handschriften gebrochen: „Und sie gaben mir Galle zur Speise und Essig zu trinken in meinem Durst.“ Der TR steht wieder in völliger Übereinstimmung mit dem Ganzen der Schrift.

In Lk 4,43-5,1 ist es vom Textzusammenhang völlig klar, daß der Herr in den Synagogen Galiläas verkündigte. Das stimmt mit dem Vorhergehenden wie auch mit der Erwähnung des Sees Genezareth in 5,1 völlig überein und entspricht auch den Parallelberichten in Mt und Mk. In Mk 1,38 wird das direkt gesagt: In Mt 8,14-27 geht es aus dem Bericht klar hervor. Hier behaupten die Textkritiker, daß der offenkundige Schreibfehler (oder ist es eine Fälschung?) einiger ägyptischer Handschriften (P75, Sinaiticus, Vaticanus und 3 alte alexandrinische Hs.) der ursprüngliche Text gewesen sei!

Ähnliches geschieht in Lk 9,10. Der ganze Textzusammenhang zeigt, daß der byzantinische Text richtig ist. Doch die alexandrinischen HSS behaupten, der Herr habe sich „abseits“ in eine Stadt „zurückgezogen“! In V. 12 sagen die Jünger dann selbst: „Denn wir sind hier an einem einsamen Ort!“. Noch dreister ist die Verfälschung des Urtexts in Mk 6,22, wo NA 27 unterstellt, Markus habe Herodias als Tochter des Herodes bezeichnet. Im Griechischen steht hier bei NA 27 tès thygatros autou Héròdiados, was eindeutig heißt: „seine Tochter Herodias“. Diese offenkundig unrichtige Textvariante wird nur von Sinaiticus, Vaticanus und 4 weiteren alten Handschriften bezeugt, während die 3-4.000 Handschriften des Mehrheitstexts die offenkundig richtige Textform haben. Es ist bezeichnend, daß sich keine moderne Übersetzung getraut, die offensichtlich gefälschte ägyptische Textform zu übersetzen; praktisch alle modernen Bibeln geben hier den Mehrheitstext wieder.

Auch die drei Stellen, wo Bezüge nt. Ereignisse zu at. Prophetien gelöscht werden, bedeuten einen ernstzunehmenden geistlichen Verlust, gerade wo es um das Sühnopfer unseres Herrn Jesus Christus geht. Die Gnostiker akzeptierten das AT nicht oder nur als Allegorie, und sie verwarfen auch das vollkommene Sühnopfer Jesu Christi als Erfüllung der alttestamentlichen Voraussagen.

3. Zur geistlichen Beurteilung der Veränderungen in den modernen Bibeln

Wie lassen sich die gerade dargestellten Textunterschiede zwischen den byzantinischen Mehrheitstexthandschriften und den alexandrinischen Handschriften erklären? Bezeugen die frühen Handschriften aus Ägypten wirklich den Urtext, während der Mehrheitstext sich durch spätere menschliche Hinzufügungen erklärt? Können die alexandrinischen Handschriften wirklich die glaubwürdigen Zeugen des von Gott gegebenen Urtextes sein? Oder finden wir den ursprünglichen Text in der byzantinischen Überlieferungslinie, während die alexandrinische eine frühe Verfälschung des wahren Wortlauts des NT darstellt?

a) Das Zeugnis der Schrift zeigt, welcher Text von Gottes Geist eingegeben ist

Die Antwort bekommen wir, wenn wir diese Frage wirklich geistlich und vom Wort Gottes her beurteilen. Welcher Text ist der wirklich vom Geist Gottes inspirierte? Der alexandrinische, der die Gottheit und Herrlichkeit Jesu Christi verdunkelt, von ihr abstreicht, sie in Frage stellt? Oder der byzantinische Text, der Textus Receptus, der sie klar und deutlich bezeugt? In Joh 16,14 sagt der Sohn Gottes von Wirken des Heiligen Geistes: Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er nehmen und es euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt, daß er von dem Meinen nehmen und euch verkündigen wird“. In diesem Vers unterstreicht der Herr Seine Gottheit und Wesengleichheit mit dem Vater, und zugleich kennzeichnet Er im besonderen, was der Geist den Aposteln im Wort der Schrift vermitteln wird: „Er wird mich verherrlichen“.

In 2Kor 3,17-18 wird vom Geist des Herrn ausgesagt, daß wir durch Sein Wirken „die Herrlichkeit des Herrn anschauen“. In 2Kor 4,6 zeigt Paulus, was Gott Sein Wort in jedem wahren Gläubigen bewirkt: „… damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. Der Text, der dies klar und ohne Abstriche bezeugt, ist der wahre, von Gott gegebene, durch den Heiligen Geist eingegebene Text! Dieses Zeugnis kommt nicht aus dem selbst erdachten Wirken des Menschen, aus seiner „eigenmächtigen Deutung“ (vgl. 2Pt 1,20-21), denn der natürliche Mensch neigt dazu, die Herrlichkeit des Christus abzuwerten und zu übersehen, wie es auch die Juden taten, als der Sohn Gottes unter ihnen wandelte.

Umgekehrt wird uns in 2Kor 4,3-4 gesagt, daß der Satan bewirkt, daß die Herrlichkeit des Christus verhüllt wird: „Wenn aber unser Evangelium verhüllt ist, so ist es bei denen verhüllt, die verlorengehen; bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, so daß ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist.“ Zu diesen Ungläubigen gehörten auch die Gnostiker aus Alexandria und Oberäygpten! Sie waren durch den Satan verblendet, so daß sie die göttliche Herrlichkeit des Christus, der Gott von Ewigkeit ist, der Sohn des lebendigen Gottes, wesensgleich und eins mit dem Vater, nicht erkennen konnten. Bei einer geistlichen Prüfung des alexandrinischen Texts wird es rasch deutlich, daß die satanisch inspirierten Irrtümer der Gnostiker in bezug auf Christus in einem direkten Zusammenhang mit zahlreichen Auslassungen, Verdrehungen und Verstümmelungen des Bibeltextes stehen, die die alexandrinischen Handschriften kennzeichnen.

b) Die Lehren der Gnosis und die geistliche Tendenz der alexandrinischen Textveränderungen

Was waren die Lehren der Gnosis und speziell ihrer „christlichen“ Ausprägung? Die Grundlehren der Gnosis beinhalteten – vereinfacht dargestellt – einen unbiblischen Gegensatz zwischen Geist (der gut und göttlich ist) und Materie / Leiblichkeit (die grundsätzlich böse und verdorben ist). Die Gnostiker schrieben die geschaffene Welt einer bösen, niedrigeren Schöpfergottheit zu („Demiurg“), der in der christlichen Gnosis lästerlich mit dem alttestamentlichen Gott Israels gleichgesetzt wurde. Nicht die Sünde war schuld am Fall der an sich guten Schöpfung Gottes, sondern die Schöpfung selbst war angeblich verkehrt und verdorben. Bezeichnenderweise wurde die Schlange von vielen Gnostikern als gut bezeichnet; sie habe die Menschen „befreien“ wollen. Wir sehen hier, wie der Satan diese verfinsterten Menschen verblendete, damit sie ihn verehrten anstatt den wahren Schöpfergott.

Dementsprechend lehrte die Gnosis auch einen völlig unbiblischen, falschen „Erlösungsweg“. Bestimmte Menschen (die Pneumatiker oder „Geistesmenschen“) hätten einen „göttlichen Funken“ in sich, der danach strebe, sich durch „Erkenntnis“ (Gnosis) von dem Leiblich-Materiellen zu befreien und eins mit der heidnisch verstandenen gnostischen Gottheit zu werden. Durch diese mystische „Erleuchtung“ werde der Mensch quasi selbst zu einem Gott und sei über alle Moral und irdischen Gesetze erhaben. Die Ablehnung alles Leiblichen führte bei den einen zu einer strengen Askese mit Ablehnung der Ehe und Speisevorschriften, bei den anderen zu einer völligen Zügellosigkeit, weil der „Erleuchtete“ angeblich über Gut und Böse erhaben sei (vgl. die entsprechenden Warnungen im Kolosser- bzw. 1. Johannesbrief!)

Die „christlichen“ Gnostiker verwarfen das biblische Zeugnis von der Gottheit Jesu Christi bzw. deuteten es in einem heidnisch-verfälschten Sinn um. Für sie war Jesus Christus nicht Gottes Sohn; Gott konnte in ihrem heidnischen Verständnis keinen Sohn haben. Christus war für sie ein hohes Geschöpf, ein Geistwesen, das auch nie Mensch werden konnte. Er wurde als Botschafter der „Gnosis“ hingestellt; zu diesem Zweck wurden manche Seiner Aussprüche absurd umgedeutet und eigene gefälschte „Evangelien“ verfaßt, in denen Jesus Christus verdrehte Lehrsprüche der Gnostiker in den Mund gelegt wurden.

Besonders anstößig und unannehmbar war für die Gnostiker die Fleischwerdung Jesu Christi, weil ja für sie „Fleisch“ automatisch böse und widergöttlich war. Sie leugneten von daher die Jungfrauengeburt und bestritten, daß Christus wahrer Mensch geworden und im Fleisch gekommen war. Gerade gegen diese böse Irrlehre richtet sich der 1. Johannesbrief (vgl. besonders 1Joh 2,22-23; 4,2-3; 4,9-10.14-15; 5,1-13). Sie trennten den Menschen Jesus von dem Geistwesen „Christus“ und Gott wiederum von beiden; Gott konnte für sie auch nicht im biblischen Sinn der Vater Jesu Christi sein.

Aus ihrer falschen Lehre über Christus und ihrer eigenen unbiblischen Auffassung einer Selbsterlösung durch Erkenntnis folgte mit unheimlicher Konsequenz, daß sie auch das für die Sünder geschehene Sühnopfer des Sohnes Gottes am Kreuz leugneten. Für sie konnte es eine Erlösung durch das Blut Jesu Christi nicht geben. Ebenso leugneten sie die leibliche Auferstehung Jesu Christi. Die Errettung durch den Glauben an das Lamm Gottes war ihnen fremd. In all diesen widergöttlichen, unbiblischen Irrlehren gleichen sie erstaunlich den heutigen Lehren der Zeugen Jehovas, des New Age, der Religion der „aufgeklärten Wissenschaft“ und auch der modernen Liberaltheologie, die in gewissem Sinn sämtlich nichts anderes als moderne Ausprägungen und Spielarten der antiken, von der Schlange inspirierten Gnosis sind.

Wenn wir daraufhin die charakteristischen Abweichungen des alexandrinischen Textes ansehen, dann finden wir die Erklärung dafür, weshalb z.B. die wunderbare Aussage von 1Tim 3,16 „Gott ist geoffenbart worden im Fleisch“ in das unverbindliche „Er ist geoffenbart worden…“ verfälscht wurde. In der ursprünglichen, von Gott inspirierten Form war sie ein klares Zeugnis für die Gottheit Jesu Christi: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch“. Diese Aussage stellte die Irrlehren der Gnostiker (wie auch ihrer modernen Jünger, z.B. der „Zeugen Jehovas“) völlig bloß. In der verfälschten ägyptischen Fassung ist dieses Zeugnis so verdreht, daß die Gnostiker hier auch die Menschwerdung eines Engelwesens, eines geschaffenen Geistwesens hineindeuten können.

Ebenso wird daraus klar, weshalb z.B. an verschiedenen Stellen im Johannesevangelium die alexandrinischen Textredakteure eingreifen, wenn der Herr Jesus von Gott als von „meinem Vater“ spricht, und daraus das philosophisch-unverbindliche „der Vater“ machen (so in Joh 6,65; 8,28; 8,38; 10,29; 10,32; 14,12; 14,28; 15,10; 16,9; 20,17). Diese nur durch bewußten Eingriff erklärbare Verfälschung findet ihr Echo in der Streichung von Eph 3,14: „Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus“.

Aus der Leugnung der biblischen Gottheit und Gottessohnschaft Jesu Christi ergibt sich auch die Verfälschung des Bekenntnisses von Petrus in Joh 6,69: „und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes!“ in das vieldeutige „daß du der Heilige Gottes bist“. Auch hier kann die verfälschte ägyptische Fassung sich auch auf einen Engel oder auserwählten Menschen beziehen.

Das Bekenntnis von Gläubigen zu Jesus Christus als dem Sohn Gottes wird auch in Apg 8,37 und in Joh 9,35-38 getilgt. In Mk 1,1 tilgen die gnostischen Handschriften „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“ Auf derselben Linie liegt die Umfälschung von Joh 1,18 „der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist“ in „der eingeborene Gott“. An erschreckend vielen Stellen wird das biblische Zeugnis von Jesus Christus als dem fleischgewordenen Sohn Gottes abgeschwächt und verfälscht, ganz entsprechend den dämonisch inspirierten Irrlehren der Gnosis.

Es ist aber auch durch die Lehren der Gnosis über „Erlösung“ verständlich, weshalb z.B. in Kol 1,13 weggelassen wurde: „in ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut“ oder weshalb in 1Kor 5,7 und 1Pt 4,1 zweimal gestrichen wurde, daß das Sühnopfer Jesu Christi für uns geschehen ist. Auch die Auslassung der Aussagen über das Ziel des Herrn, Menschen zu erretten, in Lk 9,55-56 und Mt 18,11 erklärt sich aus der Mißachtung der Gnostiker für die biblische Errettungsbotschaft. Ähnliches gilt für die Streichung von „an mich“ in Joh 6,47: „Wer an mich glaubt, der hat ewiges Leben“, und in Mk 9,42: „Wer aber einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anstoß [zur Sünde] gibt …“. Ganz im Sinn der modernen Theologie und Welteinheitsreligion wird der Glaube von der Person des Erretters abgelöst und damit beliebig gemacht.

Angesichts dieser verdorbenen Lehren über Christus sollten wir uns noch einmal die Warnungen des Apostels Johannes vor der Gnosis vor Augen führen:

1. Johannes 2, 22.23; 4, 2.3; 2. Johannes 7
Wer ist der Lügner, wenn nicht der, welcher leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater … Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist nicht aus Gott. Und das ist der [Geist] des Antichristen, von dem ihr gehört habt, daß er kommt; und jetzt schon ist er in der Welt … Denn viele Verführer sind in die Welt hineingekommen, die nicht bekennen, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist – das ist der Verführer und der Antichrist.

Es ist sehr bedeutsam, daß die bösen Lehren der Gnosis hier in direktem Zusammenhang mit dem Antichristen und seinem betrügerischen Geist gebracht werden. Sollte uns das nicht aufmerksam machen und warnen, daß gerade in der Endzeit, in der so vieles auf das Kommen des Antichristen hin vorbereitet wird, der antichristliche Einfluß der Gnosis über den Nestle-Aland-Text in die modernen Bibelausgaben hineingebracht wird?

Insgesamt zeigen die charakteristischen Änderungen des alexandrinischen Textes eine deutliche Übereinstimmung mit der christusfeindlichen, unbiblischen Ausrichtung der Gnostiker und ihrer geistlichen Nachfolger wie etwa Origenes und Arius. Manche Auslassungen und Veränderungen sind so gezielt, daß sie eigentlich nur mit absichtlichen Verfälschungen erklärt werden können; andere Änderungen mögen aus einer Nachlässigkeit bei der Überlieferung heraus entstanden sein, die von der Mißachtung der Gnostiker für die Heilige Schrift herrührt – das ist für das geistliche Urteil letztlich nebensächlich. Die alexandrinischen Handschriften müssen als verderbt und gnostisch beeinflußt zurückgewiesen werden; sie sind keine treuen, wahrhaftigen Zeugen der Wahrheit, sondern falsche Zeugen.

Wenn wir diese Aussagen über die geistliche Tendenz der alexandrinischen Textformen („Lesarten“) treffen, dann möchten wir betonen, daß wir nicht im einzelnen wissen und auch nicht zu wissen brauchen, wie diese Verfälschungen zustande kamen. Kritiker unseres Standpunktes halten uns manchmal vor, daß bei einer bewußten Verfälschung doch viel systematischer alle Aussagen über die Gottessohnschaft, über das Blut usw. hätten getilgt werden müssen. Niemand kann im einzelnen herausfinden, wie es zu den abweichenden Textformen kam. Manches mag eine unabsichtliche Auslassung sein, die den gnostisch beeinflußten Abschreibern ins Konzept paßte und dann übernommen wurde. Vielleicht wurden manche Änderungen aus systematischer verfälschten Handschriften (oder Kommentaren von Irrlehrern) übernommen, wobei die Abschreiber nicht alle Verfälschungen weitergaben. In jedem Fall ließ es Gottes Bewahrung nicht zu, daß die Veränderungen durchgängig sein durften. Zudem wären durchgängig umgefälschte Texte den Gläubigen sofort aufgefallen und von ihnen zurückgewiesen worden.

Wenn wir also die ägyptischen Textformen und den auf sie aufbauenden modernen „Nestle-Aland“-Text geistlich beurteilen, dann erkennen wir im Licht des Wortes Gottes, daß diese Textform nicht die inspirierte und ursprüngliche sein kann, sondern deutliche Spuren der Verfälschung im Sinne alter und moderner Irrlehren trägt. Als bibeltreue Gläubige können wir diesen Text nicht annehmen, sondern müssen ihn verwerfen. Umgekehrt erkennen wir durch eine geistliche Prüfung, daß die byzantinische Textüberlieferung, die im Textus Receptus ihre verbindliche Form fand, den ursprünglichen und von Gott bewahrten Text des Neuen Testaments darstellt.

 

C. Was soll gelten – der überlieferte Text der Reformation oder der Text der Ökumene und Bibelkritik?

Wir haben im letzten Kapitel die abweichenden Textformen der alexandrinischen Handschriften einer Prüfung unterzogen und festgestellt, daß sie die Gottessohnschaft und Herrlichkeit Jesu Christi abwerten und durch die Irrlehren der Gnosis beeinflußt sind. In diesem Abschnitt wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, weshalb die moderne Textkritik diese uralten gnostisch verfälschten Handschriften im 19. Jh. hervorgeholt und als die besten und zuverlässigsten zur Grundlage ihrer „wissenschaftlichen Textausgaben“ des NT gemacht hat.

Letztlich müssen wir als bibeltreue Gläubige zu einem geistlichen Standpunkt kommen, welchen Grundtext wir als ursprünglich und zuverlässig ansehen – den modernen „Nestle-Aland“-Text oder den Textus Receptus. Wir müssen uns auch entscheiden, welchen Standpunkt wir zur Textüberlieferung des NT einnehmen – den Standpunkt des Glaubens an die Bewahrung Gottes oder den Standpunkt der kritisch forschenden Wissenschaft.

 

1. Die Vernunftschlüsse der Textkritik können uns keinen zuverlässigen Bibeltext geben

a) Die Gefahr eines Vertrauens auf die „objektive Wissenschaft“

Wir haben schon im ersten Abschnitt erwähnt, daß das 19. Jahrhundert ein folgenschwerer geistlicher Wendepunkt in der Geschichte der Gemeinde war. Es war das Jahrhundert des ausreifenden Glaubensabfalls, der sich im 20. Jh. noch verstärkte. Es war das Jahrhundert des Durchbruchs der „Bibelkritik“ in Theologie und protestantischen Kirchen. In diesem Jahrhundert reifte die Saat der antichristlichen „Aufklärung“ mit ihrer weltlich-vernunftorientierten Philosophie aus. Der Mensch mit seiner armseligen, verfinsterten Vernunft wurde zum Maßstab aller Dinge erklärt; er stellte sich über das göttliche Offenbarungswort. Die „Bibelkritik“, die den göttlichen Offenbarungscharakter der Heiligen Schrift leugnete und sich anmaßte, die Bibel mit menschlicher Vernunft und Philosophie zu richten und zu zerlegen, durchdrang die Theologie der protestantischen Kirchen immer tiefer. Parallel dazu wurde auch die „Textkritik“ in der Christenheit immer mehr anerkannt.

Die „Textkritik“ ist mit der Bibelkritik darin eins, daß sie die Bibel nur als ein menschliches Buch wie jede andere antike Literatur sieht und die Tatsache der göttlichen Offenbarung wie auch der göttlichen Bewahrung bewußt außer Acht läßt. Wo die „Bibelkritik“ sich dazu verstieg, große Teile der heiligen Schriften nach angeblichen literarisch-stilistischen Maßstäben als gefälschte spätere Zusätze und menschliche Mythen hinzustellen, da unternahm es die „Textkritik“ in demselben kritisch-philosophischen Geist, Teile der Heiligen Schriften mithilfe einer „wissenschaftlichen“ Bewertung von Textunterschieden als unecht, als spätere Hinzufügungen auszuscheiden.

Das Ergebnis ist beidesmal dasselbe: Inspirierte Gottesworte, die jahrhundertelang von den Gläubigen geglaubt und angenommen worden waren, werden aufgrund angeblicher „wissenschaftlicher Forschung“ als unecht, als Fälschungen hingestellt. Zweifel an der Autorität und Vollkommenheit des Gotteswortes wird geweckt; das Wort der Schlange klingt zwischen den Zeilen der gelehrten „Bibelkritiker“ und „Textkritiker“ hindurch: „Sollte Gott wirklich gesagt haben?“

Als Gläubige müssen wir der menschlich-weltlichen Wissenschaft gegenüber einen klaren geistlichen Stand einnehmen, sonst werden wir verführt und beraubt. Leider ist dieser klare Stand in den letzten zweihundert Jahren immer mehr aufgegeben worden. Viele Gläubige sind heutzutage „wissenschaftsgläubig“, statt einfältig bibelgläubig zu sein. Sie lassen sich von der Anmaßung der Menschenweisheit blenden, die beansprucht, mithilfe des armseligen, verfinsterten Menschenverstandes „die Wahrheit“ über alles und jedes herausfinden zu können. Sie meinen tatsächlich, „die Wissenschaften“, auch die Geisteswissenschaften wie Geschichte, Theologie oder „Textkritik“, seien „objektiv“, „neutral“ und nur der Wahrheit verpflichtet.

Wir müssen uns bewußt machen, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft im wesentlichen der heidnischen Denkweise der griechischen Philosophie entspringen. Zu ihren Grundvoraussetzungen gehören viele Dinge, die für den wahren Gläubigen als ungöttlich und mit dem Glauben unvereinbar abzulehnen sind. So etwa die skeptische Infragestellung aller Dinge; die Annahme, daß alles durch Vernunft- und Verstandesschlüsse erforscht werden könne, die Begrenzung der Wahrheit auf das mit den Sinnen Wahrnehmbare.

Die rationalistische (auf die Vernunft gegründete) Wissenschaft kann nur relative Erkenntnisse und Wahrheiten hervorbringen und lehnt jede absolute, von Gott geoffenbarte Wahrheit ab. Sie baut dagegen auf menschliche Spekulation, auf Hilfsannahmen („Hypothesen“), mit deren Hilfe man die Fakten zu erklären sucht, die aber immer vorläufig sind, auf Vernunftschlüsse gegründete Annäherungsversuche an die Wahrheit. Das mag für die Naturforschung in begrenztem Maß auch zu richtigen Ergebnissen führen; in den „Geisteswissenschaften“ aber (zu denen die Textkritik zählt) sind die Forschungsergebnisse sehr subjektiv gefärbt, stark abhängig von der Weltanschauung und den Denkvoraussetzungen der Forschenden.

Wir Gläubigen müssen uns vor jeder falschen Verehrung „der Wissenschaft“ hüten; sie wird buchstäblich zum Götzendienst, wenn wir sie über Gott und Sein Wort stellen. Gottes Wort warnt uns im Gegenteil vor der Weisheit dieser Welt in klaren, ernsten Worten:

1. Korinther 2, 19-21
Denn es steht geschrieben: ‚Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen’. Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt in ihrer Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben

Für die gläubige Gemeinde ist es von entscheidender Bedeutung, jegliche als „Wissenschaft“ getarnte Weltweisheit entschlossen zurückzuweisen und ihr keinen Raum zu geben. Wohl können wir einzelne Ergebnisse auch der Geschichtsforschung oder verwandten Zweigen nach gründlicher Prüfung übernehmen, aber wir müssen uns immer bewußt machen, daß sie einem letztlich falschen, ungeistlichen Denkansatz entspringen, der die Realität des lebendigen Gottes und Seines Offenbarungswortes verleugnet. Nicht umsonst steht für uns die Warnung geschrieben:

Kolosser 2, 8
Habt acht, daß euch niemand beraubt (od. einfängt) durch die Philosophie und leeren Betrug, gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den Grundsätzen der Welt und nicht Christus gemäß

b) Die falschen Voraussetzungen und Ergebnisse der „Textkritik“

Nach dem geistlichen Urteil der Schrift können ungläubige Forscher in geistlichen Dingen (und dazu gehört die Bibel und ihre Überlieferung) gar nicht die Wahrheit erkennen:

1. Korinther 2, 14
Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß

Auch die klügsten und gelehrtesten ungläubige Textkritiker leben nach dem unbestechlichen Wort Gottes

Epheser 2, 17.18
in der Nichtigkeit ihres Sinnes; deren Verstand verfinstert ist und die entfremdet sind dem Leben Gottes, wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verhärtung ihres Herzens

Wie könne sie uns sagen, was der richtige Wortlaut der Heiligen Schriften ist? Wie kann ein Gläubiger ihrem verfinsterten Urteil vertrauen? Und wie kann selbst ein gläubiger Textkritiker glaubwürdig sein, wenn er die Denkvoraussetzungen und Schlußfolgerungen seiner verfinsterten ungläubigen Kollegen übernimmt und nachahmt?

Die „Wissenschaft“ der Textkritik beansprucht, durch Vernunftschlüsse unterscheiden zu können, welche Textformen und Überlieferungen „echt“ und welche „unecht“ seien. Dazu beurteilt sie die verschiedenen Textformen nach Maßstäben, die sehr willkürlich und oft widersinnig sind. So ist ein Prinzip der „Textkritik“, daß im Zweifelsfall die dunklere, unverständlichere, widersprüchliche Textfassung die ursprüngliche sei – das gilt schon bei weltlichen Texten nicht so einfach; wie aber kann man das von Gottes inspiriertem Wort sagen? Genauso willkürlich ist die Regel, daß immer die kürzere Textform die ursprüngliche sei; als ob nicht die Gefahr einer versehentlichen Auslassung beim Abschreiben viel höher wäre als ein bewußter Eingriff zur Erweiterung des Textes, und das besonders bei der Bibel, die doch für die gläubigen Abschreiber als Gottes Wort unantastbar war!

In allen solchen Werturteilen ist die „Textkritik“ äußerst subjektiv und von den Vorurteilen und Neigungen der Forscher geprägt. Es gibt keine ausreichenden „objektiven“ Anhaltspunkte, um auf wissenschaftliche Weise mit Sicherheit den ursprünglichen Text herauszufinden. Das wissen die Textkritiker im Grunde auch und sagen selbst, daß ihr Text nur vorläufig und für Veränderungen offen ist.

Das Grunddogma aller etablierten „Textkritik“ ist nun die Behauptung, daß der byzantinische Text, der in ca. 95% aller Textzeugen zu finden ist, eine wertlose späte Überarbeitung des ursprünglichen Textes darstelle. Den ursprünglichen Text suchen praktisch alle Textkritiker in den alexandrinischen Handschriften, deren hohes Alter der Garant dafür sei, daß sie dem Original am nächsten stünden. Diese Vorentscheidung ist selbst von einem „wissenschaftlichen“ Gesichtspunkt her gesehen alles andere als „objektiv“. Von einer „Wissenschaft“, die über 95% des ihr vorliegenden Faktenmaterials einfach ignoriert und ihre Thesen allein auf 5% aufbaut, kann man gar keine wahrhaftigen Ergebnisse erwarten.

Für uns stellt sich nun die geistliche Frage: Woher kommt denn die Vorliebe der „Textkritik“ für den alexandrinischen Text? Wenn wir uns die geistlichen Wurzeln dieser „Wissenschaft“ im Unglauben der Aufklärung, in Vernunftverherrlichung und griechischer Philosophie verdeutlichen, müssen wir klar sagen: Die Bevorzugung des gnostisch beeinflußten alexandrinischen Texts läßt sich nur aus der Geistesverwandtschaft beider Strömungen erklären! In der ausreifenden Endzeit mit ihrem Abfall vom überlieferten Glauben paßten diese verstümmelten Texte mit ihrer Abschwächung des biblischen Zeugnisses von Christus, Seiner Göttlichkeit und Seines Erlösungswerkes genau in den Zeitgeist und die Zeitströmung. Wie die Bibelkritik trug die Textkritik dazu bei, das offensive, freudige Zeugnis der gläubigen Gemeinde von Gottes inspiriertem Wort zu dämpfen, Zweifel zu säen, den einfältigen Glauben an Gottes Wahrheit zu beschädigen.

2. Die Auswirkungen der Textkritik in den modernen Bibeln

Das Ergebnis des vorherrschenden Einflusses der Textkritik ist die ernste Tatsache, daß die allermeisten heute erhältlichen Bibelübersetzungen nicht mehr, wie in den 350 Jahren nach der Reformation, dem bewährten Textus Receptus folgen, sondern ihren Lesern die Verkürzungen und Verfälschungen der ägyptischen Handschriften als den echten, zuverlässigen Bibeltext vorsetzen.

Wie weit die Abweichung vom überlieferten Text des NT im einzelnen geht, kann jeder interessierte Bibelleser in der Schrift 300 wichtige Veränderungen im Text des NT. Ein Vergleich zwischen Textus-Receptus-Bibeln und textkritischen Bibeln nachlesen. Von den 300 wichtigsten Bibelstellen, an denen sich Textus Receptus und Nestle-Aland unterscheiden, übersetzt die Schlachterbibel 2000 100% nach dem TR; in der Luther 1912 sind es 2% textkritische Abweichungen; die Lutherbibel von 1984 übersetzt 90% aller Stellen nach dem NA-Text, die Zürcher Bibel von 1931 94%. Während in der Alten Elberfelder Bibel immerhin noch 24% der Stellen nach dem TR übersetzt werden und 76% Abweichungen davon darstellen (entweder NA-Text oder TR mit textkritischen Fußnoten oder Klammern), weicht die Revidierte Elberfelder Bibel in 97% aller Stellen vom TR ab bzw. zieht ihn durch Klammern oder Fußnoten in Frage. Darin wird sie nur noch von der Ökumenischen Einheitsübersetzung übertroffen, die dies in 98% aller Stellen tut.

Damit sind 15 ganze Verse und viele hundert inspirierte Worte der Schrift aus den modernen Bibeln verschwunden; etwa 30 Verse werden in den meisten modernen Bibeln zwar abgedruckt, aber als wahrscheinlich nicht ursprünglich in Zweifel gezogen (je 12 Verse in Mk 16,9-20 und Joh 7,53-8,11). Der geistliche Schaden, der dadurch entsteht, läßt sich schon an den in dieser Broschüre angeführten Beispielen etwas ermessen; wer alle 300 wichtigeren Stellen studiert, kann kaum mehr zustimmen, wenn die Befürworter der Textkritik behaupten, die Weglassungen und Änderungen würden geistlich keine Rolle spielen.

Eine weitere ernstzunehmende Auswirkung der Textkritik in den modernen Bibeln sind die Zweifel erweckenden Fußnoten, die zahlreiche noch im Text stehende Bibelworte in Frage stellen. Am Schluß des Markusevangeliums etwa vermerkt die Lutherbibel 1984:

Nach den ältesten Textzeugen endet das Markusevangelium mit Vers 8. Die Verse 9-20 sind im 2. Jahrhundert hinzugefügt worden, vermutlich um dem Markusevangelium einen den anderen Evangelien entsprechenden Abschluß zu geben.

Damit wird dem Bibelleser nahegelegt, dieser wichtige und unzweifelhaft echte Bestandteil des Markusevangeliums sei eine menschliche Hinzufügung!

Immer wieder finden sich z.B. in der revidierten Elberfelder Bibel Bemerkungen wie bei Mt 20,16, wo zu dem Ausspruch des Herrn: „Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte“ in der Fußnote steht:

in den wichtigsten alten Handschr. nicht enthalten

(Die „wichtigsten alten Handschriften“ sind hier Sinaiticus, Vaticanus und 6 weitere Majuskeln). Kann der Leser diese Worte nun als echte Worte des Herrn annehmen? Wenn sie in den angeblich wichtigsten Handschriften fehlen, weshalb haben die Übersetzer sie dann in den Text aufgenommen? lk 23,34 revelb

Das Ausmaß solcher glaubenszersetzender Einwände gegen die Zuverlässigkeit des neutestamentlichen Textes sollte nicht unterschätzt werden: Die revidierte Elberfelder Bibel 1986 hat im NT 176 solche textkritische Fußnoten (im AT sind es übrigens 1.768!); die Ökumenische Einheitsübersetzung 131, die Lutherbibel 1984 immerhin auch 41.

Es bleibt anzumerken, daß der Wahrheitsgehalt dieser textkritischen Fußnoten oft recht fragwürdig ist. So gut wie nie wird das tatsächliche Zahlenverhältnis der Textzeugen erwähnt; das Zeugnis des Mehrheitstextes wird oft regelrecht verschleiert. Wenn z.B. in Mt 5,44 die revidierte Elberfelder anmerkt:

Einige spätere Handschr. fügen hinzu: segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen …,

so stehen hinter diesem Text nicht nur die 3-4.000 Textzeugen des byzantinischen Mehrheitstextes (dafür ist „einige“ wohl nicht der Wahrheit entsprechend), sondern auch die zwei alten Unzialhandschriften D und W aus dem 5. Jh. (!).

Was für Folgen hat es, wenn wir solche Bibeln, die das in ihnen geschriebene Wort in der Fußnote wieder in Frage stellen, an junge Gläubige oder suchende Menschen weitergeben? Können solche Bibeln das Wohlgefallen des Herrn finden, die hinter viele Seiner kostbaren Worte ein Fragezeichen machen?

3. Die gläubige Gemeinde braucht einen eigenen geistlichen Standpunkt zur Textüberlieferung

Viele Gläubige fühlen sich überfordert, in den Fragen des echten Grundtextes der Bibel ein Urteil zu fällen. Auf den ersten Blick gibt es hier eine schwer zu überschauende Fülle von Fakten, Theorien und Standpunkten, so daß man versucht ist, die Sache den „Fachleuten“ zu überlassen, den studierten Theologen und Textforschern, die es ja schließlich wissen müssen. Und doch handelt es sich hier um wichtige Fragen, die nicht irgendwelche Experten für uns klären können. Es geht um die Bewahrung von Gottes Wort, und die ist ein göttlicher Auftrag an die gesamte Gemeinde, insbesondere an die gereiften und urteilsfähigen Brüder in den örtlichen Gemeinden, die den Auftrag haben, am Wort zu dienen (vgl. 2. Timotheus 1,13-14; 1. Timotheus 6,20-21; Offenbarung 3,8).

Es ist eine große Not, daß die Vernunftschlüsse der ungläubigen Textkritik ohne gründliche geistliche Prüfung von vielen Gläubigen angenommen worden sind, so daß sie die alexandrinischen Texte als die „besseren“ ansehen und den Textus Receptus verwerfen. Das gilt besonders für viele Prediger, die auf ihren Bibelschulen meist nur die Theorien der Textkritik über den Text des NT vermittelt bekommen. Aber auch in den allermeisten Büchern zum Thema, auch in Bibelkommentaren (neuerlich z.B. in der „MacArthur-Studienbibel“) finden sich wie selbstverständlich textkritische Bemerkungen, die den Textus Receptus als „veraltet“ und „überholt“ abtun.

Die Frage, welcher Text der ursprüngliche, von Gott bewahrte Text ist, der Textus Receptus (= byzantinische Überlieferung) oder der Nestle-Aland-Text (= alexandrinische Überlieferung), kann nur durch das geistliche Urteil der wahren Gläubigen beantwortet werden. Es ist keine Frage, die irgendwelche Handschriftenforscher durch das Analysieren oder Auszählen von unterschiedlichen Textstellen beantworten könnten. In dieser Frage hat die weltliche Wissenschaft eigentlich überhaupt kein Stimmrecht!

Die Anerkennung der ungläubig-rationalistischen „Wissenschaft“ und ihrer „Forschungsergebnisse“ auf dem Gebiet der Bibel und des Glaubens gehört zu den zentralen Verführungen der Endzeit in den Reihen der gläubigen Gemeinde. Hier ist, besonders im 20. Jahrhundert, ein tiefgreifender Schaden auch in sogenannten „evangelikalen“ Kreisen entstanden, der lange Zeit unter dem Deckmantel vordergründiger „Bibeltreue“ unerkannt wuchern konnte, der aber in diesen Tagen immer deutlicher offenbar wird. Der Einbruch der liberaltheologischen „Bibelkritik“ in den Freikirchen, in der landeskirchlichen Gemeinschaftsbewegung und einigen früher bibeltreuen Bibelschulen ist ein Warnsignal, dem sicherlich weitere Einbrüche folgen werden.

Dort wo der einfältige Glaube durch eine Ausrichtung auf Weltweisheit und Philosophie ersetzt wird, kann nur Beraubung und Zerstörung die Folge sein (vgl. Kolosser 2,8)! Wir haben als Kinder Gottes durch den Geist Gottes und das Wort der Schrift eine höhere Wahrheit und Erkenntnis als alle weltliche Weisheit und Wissenschaft; wir können und brauchen nicht auf die wertlosen Gedanken und Überlieferungen von Menschen vertrauen, schon gar nicht in geistlichen und göttlichen Angelegenheiten!

Die Frage, wie Gott uns Sein heiliges, inspiriertes Wort überliefert hat und wo wir die von Gott bewahrte Überlieferung der Schrift finden, kann geistlich gesehen nur durch den Glauben entschieden werden, der sich auf Gottes Wort stützt, nicht aber durch eine angeblich „neutrale“, „wissenschaftliche“ Forschung. Das ist eine geistliche Grundsatzfrage, die wir nicht irgendwelchen „Experten“ überlassen dürfen! Diese Frage kann nur von geistlichen Gläubigen durch das Zeugnis des Heiligen Geistes und eine geistliche Prüfung entschieden werden, wie geschrieben steht:

1. Korinther 2, 12-14
Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, so daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist (…) Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muß

Nur durch eine geistliche Prüfung können wir erkennen, daß der von den heutigen Gnostikern so geschmähte Textus Receptus in Wahrheit das Siegel der Inspiration trägt, weil er widerspruchslos und harmonisch ist, weil er mit dem Gesamtzeugnis der Schrift besser übereinstimmt und Christus weitaus mehr verherrlicht. Durch den Geist und das Wort Gottes können wir auch das Wirken der Schlange hinter den alexandrinischen Textänderungen erkennen.

Nur durch den Glauben an den allmächtigen Gott, der die Kraft hat, Sein Wort durch die Jahrhunderte unverfälscht zu bewahren und den Gläubigen zu erhalten, erkennen wir Gottes Hand über dem Zustandekommen des Textus Receptus am Vorabend der Reformation. Nur durch den Glauben daran, daß Gott sich nicht aus der Geschichte der Gemeinde verabschiedet hat, können wir davon ausgehen, daß Gott die Herausgeber des Masoretischen Textes wie auch des Textus Receptus leitete und den wahren Gläubigen den bewahrten Text der Bibel gab, als durch Seine Gnade die Bibelübersetzungen der Reformation entstanden. Wann sonst hätte Gottes Verheißung der Bewahrung für Sein Wort denn erfüllt werden sollen? Etwa erst im 19. Jahrhundert, in der Zeit des Abfalls?

Dieser Standpunkt des Glaubens in der Textüberlieferung war 350 Jahre lang der feste Grund für praktisch die gesamte gläubige Gemeinde, wohlgemerkt auch für die Täufer und wahren Gläubigen außerhalb der reformatorischen Kirchen. Auf dieser Grundlage konnte sie alle Angriffe auf Gottes Wort zurückweisen und war gewiß, das zuverlässige Wort Gottes in den reformatorischen Bibelübersetzungen erhalten zu haben. In dieser Glaubensgewißheit wurde das Wort in Vollmacht und mit großem Segen verkündigt.

Dieser Standpunkt des Glaubens ist auch heute noch der einzige wirklich biblisch begründete Standpunkt zur Textüberlieferung. Nur durch den Glauben, nicht durch die Skepsis der Wissenschaft, kann die gläubige Gemeinde in den gewaltigen geistlichen Kämpfen der Endzeit überleben. Auch hier können wir das Wort der Schrift anwenden:

2. Korinther 5, 7; Römer 14, 22; 1. Johannes 5, 4
Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen … Alles aber, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde …  Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat

Es ist aus dieser Sicht sehr traurig, daß im 19. und 20. Jahrhundert immer mehr eigentlich aufrichtige bibeltreue Gläubige die Lehren der ungläubig-rationalistischen Textkritik übernahmen und den Glaubensstandpunkt der Reformations- und Erweckungszeit verließen. Das fing, wie wir sahen, schon mit Bengel und einigen Pietisten des 18. Jh. an. Im 19. Jh. breitete sich die Kritik am Textus Receptus und die Übernahme alexandrinischer Textformen auch unter Gläubigen weiter aus; hier sind u.a. Darby und Kelly als Lehrer der „Brüderbewegung“ zu nennen. Im 20. Jh. schließlich wurde die „Textkritik“ zum festen Bestandteil der „evangelikalen“ akademischen Einrichtungen und vieler Bibelschulen. Heute zählen zu den bekannteren Befürwortern der Textkritik etwa John MacArthur in seiner „Studienbibel“, der Bibelschullehrer Heinrich von Siebenthal, die beide so extrem textkritisch sind, daß sie sogar die Echtheit des Markusschlusses und des Berichts von Jesus und der Ehebrecherin in Johannes 8 abstreiten.

Die aus Unglauben und Rationalismus geborenen Schlußfolgerungen der Textkritik werden heute weithin mit evangelikalen bzw. fundamentalistischen Glaubensüberzeugungen gemischt. Die evangelikalen Befürworter der Textkritik haben fast alle keine eigene Arbeit an Handschriften ausgeführt und sind mit der Problematik dieser „Wissenschaft“ oft wenig vertraut; sie verlassen sich auf die Gedanken und Thesen ungläubiger Vordenker der Textkritik und gaben sie weiter, auch in ihren Bibelkommentare und Lehren. Dahinter steht u.a. auch der Wunsch, als akademisch und theologisch „vollwertig“ anerkannt zu werden. So kam es, daß immer mehr Gläubige es als selbstverständlich annahmen, daß die „Textkritik“ eine neutrale, nützliche Wissenschaftsdisziplin sei, die uns den zuverlässigsten Text des NT „auf dem neuesten Stand der Forschung“ vermitteln würde.

Der biblisch begründete Standpunkt des Glaubens an Gottes Bewahrung und der Glaube an den bewahrten Textus Receptus dagegen wird als „rückständig“ oder sogar „fanatisch“ beiseitegeschoben, und das obwohl in den Zeiten der Reformation und der Erweckung auch herausragende Gelehrte und vollmächtige Prediger sich nicht gescheut hatten, ihn einzunehmen. Man will den Glauben an die Inspiration der Schrift vereinbaren mit dem modern-aufgeklärten wissenschaftlichen Denken, obwohl die bibelkritischen Inspirationsgegner Kurt und Barbara Aland völlig zu recht bekennen, was ihre bibelgläubigen Anhänger nicht wahrhaben wollen:

Die Anschauung von der Verbalinspiration, d.h. der irrtumsfreien Eingebung, welche die Orthodoxie beider evangelischer Konfessionen mit Nachdruck verfocht, setzt den Textus receptus voraus (Der Text des Neuen Testaments, S. 16; Hv. RE).

Schlimmer noch, die Befürworter des zuverlässigen Textus Receptus werden heute immer schärfer angegriffen. Während es in Wahrheit so war, daß die aufkommende Textkritik für Uneinigkeit, Verwirrung und Spaltung unter den bibelgläubigen Christen sorgte, dreht man heute in Mißachtung der Geschichte den Spieß um und verleumdet die Verteidiger des Textus Receptus als „Spalter“. Mit allerlei von ungläubigen Textkritkern geborgten Argumenten versucht man den Textus Receptus als einen unzuverlässigen, veralteten Text darzustellen. Mit solchen Einwänden gegen den überlieferten Text der Reformation wollen wir uns im nächsten Abschnitt kurz beschäftigen (eine ausführlichere Widerlegung findet sich in meiner Schrift Gottes zuverlässiges Wort. Weshalb wir den Textus Receptus als den bewahrten Text des Neuen Testaments annehmen dürfen).

4. Die Zuverlässigkeit des Textus Receptus

Seit den Anfängen der „Textkritik“ betrieben ihre Befürworter eine gezielte Herabsetzung des Textus Receptus als des zuverlässigen, von allen Gläubigen angenommenen Textes des griechischen NT. Ganz offen sprechen Kurt und Barbara Aland von einer „Schlacht“ gegen den TR, von den „Bemühungen, von der Vorherrschaft des Textus receptus loszukommen“. Der von den Gläubigen angenommene Text mußte in Zweifel gezogen werden, das Vertrauen der Gläubigen in ihn mußte zerstört werden, damit die andersartigen alexandrinischen Textformen Einfluß gewinnen konnten, die die moderne Textkritik als die „besseren“ und „dem Urtext nächsten“ anpries.

Die Angriffe der ungläubigen Textkritiker verliefen auf zwei Ebenen: einerseits wurde die Herausgeberarbeit von Erasmus, dem Begründer des Textus Receptus, in ein schiefes Licht gestellt, und andererseits wurde die byzantinische Mehrheitstextüberlieferung, die dem TR zugrundeliegt, als unzuverlässig dargestellt. Beide Argumentationslinien werden heute von den evangelikalen Verteidigern des „Nestle-Aland“-Textes getreulich nachvollzogen. Dabei ist ihnen nicht bewußt, daß sie hier die Glaubensüberzeugung ihrer bibeltreuen „Vorväter“ mit den vergifteten und verkehrten Waffen der Gegner des Glaubens attackieren.

a) Erasmus – der erste Herausgeber des Textus Receptus

Von den gläubigen Verteidigern der „Textkritik“ wird viel Aufhebens gemacht von den angeblichen „Schlampereien“, „Fehlern“ und „Übersetzungen aus der Vulgata“, die sich Erasmus zuschulden habe kommen lassen. Was ist an diesen Vorwürfen dran? Sie enthalten, was die erste Ausgabe des griechischen NT von Erasmus betrifft, einen Wahrheitskern. Tatsächlich war Erasmus 1516 unter Zeitdruck, und ihm wie den Schriftsetzern unterliefen einige Fehler. Er selbst gab auch offen zu, daß er am Schluß der Offenbarung einige Verse, die in der von ihm benutzten griechischen Handschrift fehlten, aus dem Lateinischen rückübersetzt hatte, weil er so schnell keine andere Handschrift dafür beschaffen konnte (dies war, wir sollten uns erinnern, eine Zeit der Pferdekutschen und Fußwege, ohne Telefax, Fotokopierer oder E-Mail!).

Dennoch enthalten die Darstellungen des Erasmus, wie man sie mit bemerkenswerter Gleichförmigkeit in vielen Polemiken gegen den Textus Receptus findet, zumeist viele fahrlässige oder sogar bewußte Entstellungen der Wahrheit. Die Wahrheit ist, daß Erasmus die Fehler, die sich in seiner 1. Auflage fanden, in den folgenden Ausgaben korrigiert hat. Er arbeitete seine insgesamt fünf Auflagen immer wieder sorgfältig durch, verglich den Text mit weiteren Handschriften und verbesserte ihn. An einigen Stellen behaupten seine Kritiker, er habe Fehler stehen gelassen, aber dies ist völlig unbewiesen, weil wir das Handschriftenmaterial, nach dem Erasmus arbeitete, heute gar nicht mehr in vollem Umfang kennen. Auf jeden Fall kannte Erasmus sehr viel mehr griechische Handschriften des NT (bzw. Auszüge davon), als nur die vier oder fünf aus der Bibliothek in Basel, von denen die Kritiker immer sprechen.

Insgesamt wird Erasmus gerade von den gläubigen Verteidigern der Textkritik in ein möglichst schlechtes Licht gestellt. Man bezeichnet ihn als „katholischen Theologen“ und verdeckt damit die Tatsache, daß Erasmus, auch wenn er nie offen für die Reformation Partei ergriff, doch einer der schärfsten nichtreformatorischen Kritiker der katholischen Kirche war und sich nicht mit den Lehren der Kirche identifizierte. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, ob er gläubig war, aber er ist trotz mancher Zwiespältigkeiten innerlich den Evangelischen näher gestanden als dem Papsttum. Zudem war Erasmus einer der fähigsten Gelehrten der damaligen Zeit.

Erasmus hatte, als er 1516 den Textus Receptus herausgab, schon Griechisch an einer Universität unterrichtet, schon zahlreiche griechische Handschriften des NT studiert und eine lateinische Übersetzung des NT aus griechischen Quellen verfaßt. Er hatte auch schon mehrere gedruckte Ausgaben antiker Kirchenschriftsteller herausgegeben und war insoweit bestimmt der beste Fachmann für eine Ausgabe des NT, der damals lebte. Es war sicherlich auch Gottes Weisheit, daß er keiner der rasch verfeindeten Parteien der Reformation angehörte, so daß der von ihm herausgegebene Text von Lutheranern, Calvinisten und Täufern gleichermaßen akzeptiert werden konnte.

Was auch zumeist verschwiegen wird, ist die Tatsache, daß sein Text von zwei erwiesenermaßen gläubigen evangelischen Gelehrten weitergeführt wurde (Stephanus und Beza), die ihn mit noch mehr griechischen Handschriften verglichen und weiter verbesserten. In dieser ausgereiften Form bildete er den zuverlässigen, von allen wahren Gläubigen anerkannten Text der Reformation, den auch wir Gläubige der Endzeit in der Gewißheit annehmen dürfen, daß er durch Gottes Bewahrung getreulich den Urtext wiedergibt.

b) Das Fundament des Textus Receptus – der byzantinische Mehrheitstext

Der Hauptangriffspunkt der ungläubigen Textkritiker gegen den Textus Receptus war seine Gründung auf den byzantinischen Text. Im überlieferten Text der Reformation findet sich keine einzige der gnostisch beeinflußten Verstümmelungen, die die alexandrinischen Handschriften durchziehen. Er gibt ein geschlossenes, strahlendes Zeugnis von der Gottheit und Herrlichkeit und dem Erlösungswerk des Herrn Jesus Christus. Er ist in sich stimmig und klar. Genau das erregte die Feindschaft der Gnostiker des 18. und 19. Jahrhunderts, die in ihrer Ablehnung der Gottheit Jesu Christi, des vollkomemenen Sühnopfers und der göttlichen Autorität und Inspiration der Bibel sich ganz eins waren mit den Gnostikern der ersten nachchristlichen Jahrhunderte.

Dabei nutzten die Textkritiker die Tatsache aus, daß im feuchtwarmen Klima des Mittelmeeres so gut wie keine ganz alten Handschriften aus der byzantinischen Überlieferung überlebt haben (die damals alle auf Papyrus geschrieben waren), sondern nur spätere zuverlässige Abschriften der frühen byzantinischen Textzeugen. Die ältesten erhaltenen byzantinischen Textzeugen gehen auf das 5. Jh. zurück (wobei sich typisch byzantinische Textformen auch schon in einigen sehr alten ägyptischen Papyri finden).

Ab dem 5. Jh. hat die große Mehrzahl der erhalten gebliebenen Handschriften den byzantinischen Text, während der alexandrinische Text kaum noch eine Rolle spielt. Diesen Umstand schrieben die Textkritiker einem von ihnen frei erfundenen bewußten harmonisierenden redaktionellen Eingriff im 4. Jahrhundert zu, der sogenannten „Lukianischen Rezension“. Damals seien die ursprünglichen widersprüchlichen, unorthodoxen Stellen aus der Originalüberlieferung von orthodoxen Kirchenleuten unter Führung des Lukian von Antiochien geglättet worden. Deshalb sei das gesamte Textzeugnis der byzantinischen Handschriften wertlos und zu verwerfen.

Diese Unterstellung ist zwar sehr listig und raffiniert ausgedacht, aber es fehlt jeglicher faktische Beweis für einen solchen bewußten Eingriff in den byzantinischen Text. Eine solche massive Veränderung des Bibeltextes wäre aus mehreren Gründen gar nicht möglich gewesen: Der zuvor überlieferte Text war ja im Kernland der apostolischen Gemeinden schon seit Generationen den Gläubigen eingeprägt und hätte durch einen Beschluß eines Konzils nicht ohne weiteres verändert werden können. Eine einheitliche Durchsetzung eines neuen Textes wäre schon aufgrund der Zerrissenheit der Kirche in verschiedene Lehrströmungen und Fraktionen nicht möglich gewesen.

Schließlich hätte ein solches Treffen von autoritativen Bischöfen mit allen einhergehenden Debatten um den richtigen Text niemals ohne Spuren in der Kirchengeschichte geschehen können. Die alten Kirchenschriftsteller nahmen ja oft zu Fragen der Textüberlieferung Stellung (die meisten von ihnen zitieren übrigens byzantinische Textformen); ein solches Konzil wäre von ihnen auf alle Fälle in ihrer Argumentation zum Für und Wieder einer Textform angeführt worden. Schließlich ist es absurd, eine angebliche orthodoxe Überarbeitung des NT gerade Lukian zuzuschreiben, einem Leugner der Gottheit Jesu Christi, dem Lehrer des Arius, der ja alles Interesse daran gehabt hätte, den alexandrinischen Text zur Norm zu machen, wenn er gekonnt hätte.

Die Theorie der „Lukianischen Rezension“ wird heute selbst von vielen Textkritikern verworfen. Dazu haben vor allem auch die Papyrusfunde mit beigetragen, die zeigten, daß typische „byzantinische“ Textformen auch schon im 2. und 3. Jahrhundert verbreitet waren und nicht erst im 4. Jh. künstlich erfunden worden sein konnten. Die evangelikalen Gegner des Textus Receptus jedoch benutzen fast alle heute noch diese falsche Theorie. Sie kommen ohne eine solche Unterstellung nicht ohne weiteres aus, weil es sonst keine für sie befriedigende Erklärung für die Einheitlichkeit und den weiten Einfluß des byzantinischen Textes gibt – außer der naheliegenden und offenkundig richtigen, daß dieser Text nämlich die zuverlässige, von Gott bewahrte und von den wahren Gläubigen angenommene apostolische Überlieferung darstellt.

Der byzantinische Mehrheitstext war seit dem 1. Jahrhundert der überlieferte Text der gläubigen Gemeinde – der von allen angenommene Text, so wie es in den Jahrhunderten nach der Reformation auch der Fall war! Das ist die einzige Erklärung dafür, weshalb dieser Text schon im 4./5. Jahrhundert eine solche Autorität und Verbreitung genoß. Dies war nur möglich, weil er ein alter, ein bis zu den Ursprüngen gehender Text ist. Die Gläubigen hätten niemals einen „neuen“, frisierten Text angenommen. Nur ein alter, bewährter Text, der den Originalen und beglaubigten Abschriften entsprach, mit dem man ihn verglich, hatte das Vertrauen der Gläubigen. Deshalb mußten ja auch Anhänger von gnostischen und arianischen Irrlehren im byzantinischen Raum den alten byzantinischen Text benutzen, weil ein „neuer“ nicht akzeptiert worden wäre.

Der byzantinische Mehrheitstext, das dürfen die wahren Gläubigen festhalten, ist die von Gott bewahrte Überlieferungslinie, in der der wahre, unverfälschte Urtext den Gläubigen erhalten geblieben ist. Seine Geschlossenheit ist die Folge der göttlichen Inspiration, und seine Verbreitung die Folge der göttlichen Bewahrung für das Wort Gottes.

c) Der Textus Receptus ist die zuverlässige Wiedergabe von Gottes Wort!

Es ist daher in keinster Weise ein Irrtum von Erasmus, wenn er in seiner weltweit verbreiteten Ausgabe des griechischen NT am Vorabend der Reformation ausgerechnet den byzantinischen Mehrheitstext zur Grundlage nimmt. Er knüpft damit an die 1500 Jahre lange Überlieferung des wahren apostolischen Textes an. Dabei wurde er, so dürfen wir Gläubige es erkennen, nicht in erster Linie von seinem begrenzten Menschenverstand geleitet, sondern von Gott selbst, der es auch so führte, daß ausgerechnet dieser Text zum weltweit von allen wahren Gläubigen anerkannten Text des NT wurde.

Wir Gläubigen dürfen Gottes Hand auch in der Reformation selbst sehen, bei allem Menschenwerk und Ungöttlichen, das mit darunter gemischt war. Daß das biblische Evangelium und die Heilige Schrift selbst klar auf den Leuchter gestellt und zu den Völkern gebracht wurde, sind die zwei wichtigsten Errungenschaften dieser Gnadenstunde im Handeln Gottes mit den Heidenvölkern. Deshalb ist es nur folgerichtig, im Glauben damit zu rechnen, daß der lebendige, allmächtige Gott dafür gesorgt hat, daß die Reformatoren, die nun die Bibel in alle Sprachen des Abendlandes übersetzten, den zuverlässigen, bewahrten Text des AT und NT an die Hand bekamen. Wenn die Verheißung Gottes, Sein Wort unverfälscht zu bewahren, von höchster Bedeutung war, dann zu jener bedeutsamen Zeit, als es erstmals wieder in Dutzenden von Sprachen unter Millionen von Menschen verbreitet wurde – nach Jahrhunderten der Finsternis und des Bibelverbots.

Gott hat Sein bewahrtes Wort nicht erst in der Zeit des Abfalls und der Bibelkritik ans Licht gebracht, durch Leute, die großenteils Seinen Sohn und Sein Heil leugneten und Feinde Gottes waren. Gott hat Sein wahres Wort nicht in der Bücherei des Vatikans versteckt (Codex Vaticanus) und schon gar nicht im Abfallkorb eines Klosters (Codex Sinaiticus). Wir können allerdings auch nicht glauben, daß Gott sein Wort erst im 20. Jahrhundert durch Bemühungen um eine neue Ausgabe des Mehrheitstextes ans Licht bringt. Manche evangelikale Gelehrte bemühen sich heute um eine neue wissenschaftlich-textkritische Ausgabe des byzantinischen Mehrheitstextes. Aber sie können keine bessere und zuverlässigere Ausgabe erstellen als die bereits vorliegende Fassung des überlieferten Textes der Reformation.

Die von Gott bestätigte Ausgabe des byzantinischen Mehrheitstextes ist der Textus Receptus! Das gilt auch für die wenigen Stellen, an denen Erasmus, Stephanus und Beza unter Gottes Leitung einen Text veröffentlicht haben, der nicht von der Mehrheit der heute erhalten gebliebenen Handschriften bezeugt wird. Sie taten es auf das Zeugnis von damals verfügbaren griechischen Handschriften hin (und nicht aufgrund einer Übersetzung aus der lateinischen Vulgata, wie immer wieder ohne echten Beweis behauptet wird). Solche Stellen, wie das berühmte Comma Johanneum in 1. Johannes 5, 7.8, sind fast durchweg durch alte Kirchenschriftsteller und Übersetzungen als alte Textformen bezeugt und können durchaus in einer Mehrzahl früher byzantinischer Handschriften enthalten gewesen sein.

Die bibeltreuen Gläubigen in der letzten Zeit sollten sich deshalb von den listigen Vernunftschlüssen und Verleundungen der ungläubigen Textkritik nicht verunsichern und beeinflussen lassen – auch nicht von der traurigen Tatsache, daß es viele Gebildete und Prediger in ihren eigenen Reihen gibt, die solche Angriffe auf den überlieferten Text der Reformation übernehmen und die Befürworter des Textus Receptus scharf angreifen. Solche geistlichen Kämpfe sind in unserer letzten, an Verführungen reichen Zeit, leider auch unvermeidlich.

Dabei ist allerdings auch Besonnenheit und geistliche Gesinnung vonnöten. Die nötige Aufklärung über die modernen Bibelübersetzungen sollte nicht zu Spaltungen und ungeistlichen Auseinandersetzungen unter bibeltreuen Christen führen. Deshalb braucht es heute viel Gebet für die verantwortlichen Brüder und für bibeltreue Gemeinden, daß die schädlichen Einflüsse der Textkritik doch noch erkannt werden, und daß der Herr Gnade schenkt, damit diese Fragen von allen Verantwortlichen in einer geistlichen Weise behandelt werden. Jede wilde, überzogene Polemik, wie sie etwa manche Anhänger der „King-James-Only“-Bewegung üben, kann in einer solchen Frage nur Schaden anrichten; es bedarf einer geduldigen geistlichen Überzeugungsarbeit, um die Einheit des Geistes auch bei unterschiedlichen Auffassungen zu bewahren.

Wir dürfen auch und gerade heute im Glauben an Gottes Treue und Seine stets wirksame Bewahrung für Sein Wort den Masoretischen Text des AT und den Textus Receptus des NT als zuverlässige, von Gott bestätigte Grundtextbasis unserer Bibeln annehmen und jedes dagegen gerichtete „Sollte Gott gesagt haben?“ entschlossen zurückweisen.

5. Die endzeitliche Verführung, der ökumenische Welteinheitstext und die Bedeutung des Textus Receptus heute

Als Gläubige, die in der letzten Zeit vor der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus leben, müssen wir besonders wachsam gegen Verführungen jeglicher Art sein. Unser treuer Herr hat seine Jünger gewarnt:

Matthäus 24, 4
Habt acht, daß euch niemand verführt!

Wir leben in schlimmen Zeiten (vgl. 2. Timotheus 3, 1) und sind in ernste geistliche Kämpfe hineingestellt.

Diese Zeit ist besonders gekennzeichnet von einer immer stärker werdenden Tendenz zum Abfall vom biblischen Glauben, zur Relativierung und Auflösung von Gottes Wort. Sie bringt immer lautere Lippenbekenntnisse zu Christus und einem falschen Christentum mit sich („Verliebt in Jesus“, „Leidenschaft für Jesus“), gepaart mit einer Verleugnung des biblischen Herrn Jesus Christus und des echten Glaubenslebens in Gehorsam und Kreuzesnachfolge. Bibelkritik und Mystik, Lügen-Offenbarungen falscher Propheten und die Mißachtung des inspirierten Schriftwortes gehen Hand in Hand.

All diese widergöttlichen Entwicklungen drängen mit zunehmender Kraft auf die Zerstörung der Fundamente des biblischen Glaubens, auf die Auflösung evangelisch-bibeltreuer Glaubenspositionen zugunsten eines breiten, vermischten Stroms ökumenischer Einheit. Das wahre biblische Evangelium wird zunehmend verwässert und verfälscht, so daß der Unterschied zu dem anderen, falschen Evangelium der römisch-katholischen Kirche (oder auch dem falschen Glaubens- und Wohlstandsevangelium vieler Charismatiker) nicht mehr erkennbar ist.

Die Lehre und das Zeugnis der Reformation, der biblischen Täufer und der anderen evangelischen treuen Gläubigen soll untergraben, verfälscht und umgedeutet werden, um der großen, antichristlichen Einheit willen, die zwischen Namenschristen und echten Christen, zwischen Katholischer Kirche und Protestanten, zwischen biblischen Gemeinden und unbiblischen Kirchen und Sekten geschmiedet werden soll. Das große Ziel dieser Entwicklung ist uns in der Bibel geoffenbart: BABYLON, DIE GROSSE, die Hure, die antichristliche Welteinheitskirche (vgl. Offb 17 und 18).

In diese geistliche Sicht der Endzeit und ihrer Herausforderungen für den treuen Überrest der Gläubigen müssen wir auch den veränderten Grundtext der modernen Theologie und der modernen Bibelübersetzungen einordnen. Von welcher Seite wollen wir den zuverlässigen Text unserer Bibeln empfangen? Von den moderntheologischen, ökumenischen, ungläubigen Textkritikern, die den „Nestle-Aland“-Text herausgeben, oder von den gläubigen, reformatorischen Herausgebern des Textus Receptus wie Stephanus und Beza?

Tatsache ist, daß der heute überall gültige „Nestle-Aland“-Text von einer Handvoll ungläubiger Wissenschaftler herausgegeben wird, die einen bibelkritischen, ökumenischen Standpunkt haben. Einer von ihnen ist Carlo M. Martini, Kardinal der Katholischen Kirche! Diese Männer entscheiden per Mehrheitsabstimmung (!), was in den modernen Bibeln drinstehen soll und was nicht. Der von ihnen herausgegebene Text stützt sich ganz in Übereinstimmung mit seinen Vorgängern einseitig und willkürlich auf die gnostisch verfälschten alexandrinischen Handschriften und verwirft den zuverlässigen byzantinischen Mehrheitstext an fast allen Stellen.

Dazu kommt für unser geistliches Urteil die Tatsache, daß der „Nestle-Aland“-Text durch ein Abkommen zwischen dem Vatikan und den liberal-bibelkritischen Weltbibelgesellschaften im Jahr 1968 zum allein verbindlichen Text für alle Bibelübersetzungen weltweit, ob katholisch oder evangelisch, erklärt wurde. Auch in Forschung, Lehre und kirchlicher Praxis nimmt er eine international beherrschende Stellung ein. Damit ist der Text der christusfeindlichen Gnostiker und Irrlehrer der frühen Jahrhunderte zum ökumenische Welteinheitstext der endzeitlichen Christenheit geworden! Der zuverlässige Text der Reformation dagegen wird beiseitegedrängt, verächtlich gemacht und soll in Vergessenheit geraten.

Diese Entwicklungen können für den geistlich wachsamen Gläubigen nicht zufällig sein. Sie gehören in den Rahmen der oben beschriebenen endzeitlichen Verführungs- und Auflösungstendenzen. Den treuen Gläubigen soll ihr zuverlässiger, untrüglicher Maßstab genommen werden und durch einen ungenauen, verkürzten Maßstab ersetzt werden. Das scharf geschliffene Schwert des Geistes, das die Bibeln der Reformations- und Erweckungslinie noch darstellten, soll durch ein schartiges, mit Bruchstellen durchsetztes Schwert ersetzt werden, das im Kampf nicht recht taugt. Das ist besonders ernst im Hinblick auf die schwerer werdenden Kämpfe, die aufgrund der zugespitzten endzeitlichen Entwicklung vor uns stehen.

Doch diese Verführungstaktik wird nicht gelingen. Viele treue Gläubige haben an den altbewährten Bibelübersetzungen wie der King-James-Bibel, der Luther 1912, der Reina-Valera usw. festgehalten. Das Wissen um den geistlichen Hintergrund der neuen, veränderten Bibeln fehlt zwar vielfach, aber das geistliche Gespür der Gläubigen leitete sie, an dem Bewährten festzuhalten. Was wir heute brauchen, ist darüber hinaus eine klare Erkenntnis der geistlichen Hintergründe der Textkritik und der modernen Bibeln, und ein ganz nüchternes, waches, bewußtes Festhalten am überlieferten Text der Reformation.

Wer die endzeitliche Verführung in der Bibelfrage durchschaut hat, wird der Einführung der modernen Bibeln mit dem ökumenischen Welteinheitstext bewußt widerstehen und bewußt die getreuen Bibeln mit dem überlieferten Text der Reformationszeit erhalten, pflegen und in den Gemeinden fördern. So können wir dem Auftrag unseres Herrn, Sein Wort zu bewahren, im vollen Umfang nachkommen, und einmal Sein Lob empfangen:

Offenbarung 3, 8
Du (…) hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet

 

Bibelübersetzungen im Überblick

 

Übersetzungs-Grundsatz

Textgrundlage

Bibelübersetzungen 

Wortgetreu 

Überlieferter Text der Reformation (MT im AT und TR im NT)

 

Schlachter 2000

Luther 1545-1912

Zürcher 1536-1913

NT von H. Jantzen

 

Wortgetreu 

Großteils überlieferter Text der Reformation

 

Alte Elberfelder

Schlachter 1951

Bengel-NT

 

Wortgetreu 

Weitgehend

oder vollständig

kritischer „Nestle-Aland“-Text im NT;

z.T. Abweichungen vom MT im AT

 

Luther 1956/1984

Zürcher 1931 **

Revidierte Elberfelder 1985 *

Neue Elberfelder Rev.

(CSV 2002)

 

Nicht mehr

wortgetreu;

zu frei übersetzt

 

Weitgehend

oder vollständig

kritischer „Nestle-Aland“-Text im NT;

z.T. Abweichungen vom MT im AT

 

Menge-Bibel

Albrecht-NT

Luther 1972

 

 

Moderne freie

Übertragung

(„dynamische Äquivalenz“)

 

Weitgehend

oder vollständig

kritischer „Nestle-Aland“-Text im NT;

z.T. Abweichungen vom MT im AT

 

 

Gute Nachricht **

Hoffnung für alle

Neues Leben

Neue Genfer Übersetzung (NGÜ)

Neue Evangelistische

Übertragung (NEÜ) 2003

Bruns

* = bibelkritische Einflüsse in der Übersetzung

Quelle

2 Gedanken zu „Der bewahrte Text des NT und die Veränderungen in den modernen Bibeln

  1. Zitat:
    In bezug auf die Aufgabe, die Gott ihm gab, war Erasmus auf jeden Fall der erfahrenste und fähigste Gelehrte der damaligen Zeit. Er hatte zahlreiche griechische Handschriften des NT studiert, bevor er an das Werk ging.

    Er hatte nicht zahlreiche Handschriften zur Verfügung, sondern nur 2 oder 3 in Basel liegende Handschriften, von der Offenbarung hatte er nur die lateinische und die rückübersetzte er.

    1. Tatsächlich war Erasmus 1516 unter Zeitdruck, und ihm wie den Schriftsetzern unterliefen einige Fehler. Er selbst gab auch offen zu, daß er am Schluß der Offenbarung einige Verse, die in der von ihm benutzten griechischen Handschrift fehlten, aus dem Lateinischen rückübersetzt hatte, weil er so schnell keine andere Handschrift dafür beschaffen konnte (dies war damals auch viel schwerer als heute, und es gab weder Telefax noch Fotokopierer oder ähnliche Erleichterungen für Herausgeberarbeit).

      Dennoch enthalten die Darstellungen des Erasmus, die ein Gegner des Textus Receptus zumeist vom anderen abschreibt, zumeist viele fahrlässige oder sogar bewußte Entstellungen der Wahrheit. Die Wahrheit ist, daß Erasmus die Fehler, die sich in seiner 1. Auflage fanden, in den folgenden Ausgaben korrigiert hat. Er arbeitete seine insgesamt fünf Auflagen immer wieder sorgfältig durch, verglich den Text mit weiteren Handschriften und verbesserte ihn.

      An einigen Stellen behaupten seine Kritiker, er habe Fehler stehen gelassen, aber dies ist völlig unbewiesen, weil wir das Handschriftenmaterial, nach dem Erasmus arbeitete, heute gar nicht mehr in vollem Umfang kennen. Auf jeden Fall kannte Erasmus sehr viel mehr griechische Handschriften des NT (bzw. Auszüge davon), als nur die vier oder fünf aus der Bibliothek in Basel, von denen die Kritiker immer sprechen.

      Erasmus hatte, als er 1516 den Textus Receptus herausgab, schon Griechisch an einer Universität unterrichtet, schon zahlreiche griechische Handschriften des NT studiert und eine lateinische Übersetzung des NT aus griechischen Quellen verfaßt. Er hatte auch schon mehrere Ausgaben antiker Kirchenschriftsteller herausgegeben und war insoweit bestimmt der beste Fachmann für eine Ausgabe des NT, der damals lebte.

      Was auch zumeist verschwiegen wird, ist die Tatsache, daß sein Text von zwei erwiesenermaßen gläubigen Gelehrten weitergeführt wurde (Stephanus und Beza), die ihn mit noch mehr griechischen Handschriften verglichen und weiter verbesserten. In dieser ausgereiften Form bildete er den zuverlässigen, von allen wahren Gläubigen anerkannten Text der Reformation, den auch wir Gläubige der Endzeit in der Gewißheit annehmen dürfen, daß er durch Gottes Bewahrung getreulich den Urtext wiedergibt.

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