Falsche Messiasse

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Inhaltsverzeichnis:

Theudas

Der Ägyptische Prophet

Menachem

Bar Kochba

Mose aus Kreta

Abu-Isa Isfahani

Seren aus Syrien

David Alroy

Abraham Abulafia

Ascher Lemmlein

Salomo Molcho

Isaak Lurja

Schabbatai Zwi

Menachem Schneerson

Die Messiasvorstellung im Judentum

CHRISTUS
CHRISTUS

Die Verkennung JESU als Messias und GOTT den Sohn hat im Volke Israel im Laufe der vergangenen zwei Jahrtausende zahlreiche Pseudo-Messiasse hervorgebracht. Im folgenden geben wir einen kurzen Überblick.

In Zeiten schwerer Bedrängnis des jüdischen Volkes traten immer wieder Männer auf, die messianische Ansprüche erhoben.

Die daraus hervorgegangenen Messias-Bewegungen zielten darauf ab, die Zukunft des jüdischen Volkes zu gestalten: Sie sollten seine politische Selbständigkeit wieder erlangen und/oder Palästina wieder für das Volk Israel erobern und den Tempel wieder errichten.

Sobald sich ein Mann fand, der es verstand, seiner Umwelt den Glauben an seine messianische Berufung einzuflößen, verdichtete sich die Sehnsucht nach nationaler Erlösung rasch zu einer messianischen Bewegung. Solche Bewegungen waren mit dem Glauben an den Erlöser, der “am Ende der Zeiten” kommen sollte, an den Messias also, eng verknüpft. Sein Wirken sollte mit den Weissagungen der Propheten und den Visionen Daniels (gegebenenfalls auch mit anderen Schriften, die sich mit den “letzten Dingen” befassten) übereinstimmen.

Doch KEINER DIESER FALSCHEN MESSIASSE KAM AUCH NUR ANNÄHERND AN DIE ÜBERRAGENDE GRÖSSE DES VON GOTT BEGLAUBIGTEN WIRKLICHEN, MESSIAS JESCHUA (CHRISTUS JESUS) HERAN. Die Pseudo-Messiasse (= Lügen-Messiasse) hatten natürlich auch nichts mit Sündenvergebung zu tun. Da sie doch selbst allesamt elende Sünder und zudem ohne Vollmacht von GOTT waren, wie hätten sie auch dem Volk EINE BLEIBENDE UND EINE VOR GOTT GÜLTIGE VERGEBUNG VON SÜNDEN gewähren können? In ihrem gesteigerten messianischen Bewusstsein forderten solche Schwärmer und Träumer verstärkte religiöse Praktiken wie Bußübungen, Fasten, …, vom Volk, wodurch sie von GOTT die Erlösung erzwingen wollten, Einige traten als gläubige Männer der Tat auf und wollten (mit Waffengewalt!) die Befreiung Israels herbeiführen. Andere waren leichtsinnige Abenteurer, und bei wieder anderen zeigte sich eine Mischung verschiedener soeben angeführter Vorgangsweisen. Beim Volke galten sie als Wundertäter, die die vorgesehenen Funktionen des Messias übernehmen durften.

Hatte nicht schon JESUS darauf hingewiesen, dass nach Ihm FALSCHE MESSIASSE kommen werden? Ja! In Seinen Endzeitreden warnt JESUS klar und eindringlich:

Matthäus 24,23-28
Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus, oder dort, so glaubt es nicht! Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen. Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. Wenn sie nun zu euch sagen werden: „Siehe, er ist in der Wüste!“, so geht nicht hinaus; „Siehe, er ist in den Kammern!“, so glaubt es nicht! Denn wie der Blitz vom Osten ausfährt und bis zum Westen scheint, so wird auch die Wiederkunft des Menschensohnes sein. Denn wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier

Starke Nationen (Geier), die Israel bedrängen, bewirken, dass sich im Volk der Juden Führerpersönlichkeiten mit dem Anspruch erheben, sie seien der von GOTT verheißene Erlöser  (Befreier)  aus der Knechtschaft des Feindes.

Den wirklichen Messias, DEN BEFREIER AUS DER KNECHTSCHAFT DER SÜNDE, hat ISRAEL jedoch VERKANNT. Israel hat sich gestoßen „an dem Stein des Anstoßes, wie geschrieben steht:

Römer 9, 32b.33 (vgl. Jes.8,14; 28,16; 1. Petr. 2,6-8)
Siehe, ICH (GOTT) lege in Zion EINEN STEIN DES ANSTOSSES und EINEN FELS DES ÄRGERNISSES, und wer an Ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden

Als Kompensation für das Verwerfen JESU als Messias und aus SEHNSUCHT NACH EINEM MESSIAS NACH EIGENEM (!) GESCHMACK (nämlich: nach einem POLITISCHEN BEFREIER!) haben Teile des Volkes Israel bereits mehrmals Männern die Ehre des von GOTT verheißenen Messias gegeben. Wir wollen nun einige dieser Lügen-Messiasse kurz und in chronologischer Reihenfolge beschreiben. Dabei erheben wir aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Theudas

Flavius Josephus (37-100 n.Chr.), jüdischer Geschichtsschreiber und Priester, berichtet von einer starken messianischen Bewegung. Sie entstand nach (!) dem Tode von König Herodes Agrippa I. (gestorben im Jahre 44; vgl. Apg. 12,1; 1,21-23) und der damit einhergehenden Umwandlung Judäas in eine römische Provinz (allerdings war Judäa bereits zwischen 6 und 41 unmittelbar der Verwaltung der römischen Prokuratoren unterstellt). Die damalige politische Lage Israels (schlechte wirtschaftliche Verhältnisse,…) brachte ihren POLITISIEREN- DEN MESSIAS hervor, der den Jordan spalten und damit dem Volke seine Erlöserberufung beweisen wollte. Josephus nennt einen Zauberer und angeblichen Propheten namens THEUDAS, der unter dem Prokurator Cuspius Fadus (44-46) hingerichtet wurde. Auch seine Anhänger wurden von den römischen Besatzungstruppen niedergemetzelt. (Dieser Theudasist mit dem Theudas, den Gamaliel in seiner Rede erwähnt, nicht identisch; der Theudas von Apg.5:36 trat etwa zwei Jahrzehnte vor JESU Wirken auf,).

Der Ägyptische Prophet

Nach dem Bericht von Josephus (Der Jüd. Krieg 11,13,5, vgl. Apg. 21,38) folgte dem Theudas bald ein anderer Erlöser, der sog. “ÄGYPTISCHE PROPHET”, der einige tausend Anhänger um sich scharte und der gemäß der Prophetie Sacharjas den Ölberg spalten wollte (Sach.14,4). Seine Gläubigen wurden um das Jahr 55 zerstreut, und er selbst ergriff die Flucht.

Menachem

Der Führer der Zeloten, MENACHEM, erfreute sich bei seinen Anhängern messianischer Anerkennung. Davon sind noch Andeutungen im Talmud erhalten. Die Zeloten waren eine radikale politische jüdische Richtung, die auf den Aufstand Judas des Galiläers (vgl. Apg.5,37) zurückgeht. Sie besaßen ein starkes Nationalgefühl und lehnten die Besteuerung der Juden durch die römische Besatzungsmacht unter dem Landpfleger Quirinus strikt ab. Die von den Zeloten entfalteten theologisch-messianischen Ideen zielten darauf ab, GOTT als den einzigen Regenten der jüdischen Nation anzuerkennen. Schließlich wollten sie die Römer mit Gewalt vertreiben, wodurch im Jahre 66 der 7-jährige jüdische Krieg entfesselt wurde. Zur Zeit dieses ersten jüdischen Aufstands schlugen die Juden eigene Münzen. Die Rückseite des Silberschekels trug die Inschrift “Jerusalem, die Heilige (Stadt)”. Während der Kämpfe tobten die Zeloten nicht nur gegen die Römer, sondern auch gegen gemäßigte Elemente im eigenen Volk. Der Freiheitskampf der Zeloten wurde von den Römern unter dem Oberkommando des Sohnes des Kaisers Vespasian (69-79), Titus (später Kaiser von 79-81), blutig unterdrückt. Dabei kamen tausende Juden ums Leben. Flavius Josephus war schon im Jahre 67 als gegen Rom kämpfender jüdischer General in römische Gefangenschaft geraten, IM JAHRE 70 FIEL JERUSALEM (ZERSTÖRUNG DES TEMPELS) und im Jahre 73 das letzte Bollwerk der Zeloten, nämlich die Festung Massada in der judäischen Wüste, die einst von Herodes I. in den Jahren 36-30 v. Chr. ausgebaut worden war. Diese wurde nach längerer Belagerung unter dem römischen Feldherrn Flavius Suva und seiner (zehnten) Legion erstürmt, wobei die dort Widerstand leistenden Zeloten Massen-Selbst- mord begingen, um nicht in die Hände der Römer zu fallen. – JESUS prophezeite diesen jüdisch-römischen Krieg in Seinen Endzeitreden (zum Beispiel: Mt. 24,1.2; Mk.13,5-7; Lk. 21,20-22). Bald nach diesem ersten jüdischen Krieg schrieb Josephus sein bedeutendes Werk “Der Jüdische Krieg”. Es enthält in sieben Büchern die Geschichte des Landes Israel, von den Makkabäerkriegen (ab 167 v.Chr.) bis zum Fall der Zelotenfestung Massada (73 n. Chr.).

Bar Kochba

BAR KOCHBA (= „Sternensohn“, in Anlehnung an die Sternenweissagung des Bileam in 4.Mo. 24,17), der eigentlich Schimon ben Kos(e)ba hieß, war der Führer der Juden im zweiten jüdischen Aufstand gegen die Römer (132-135). Selbst von dem bekannten Rabbi Akiba (um 50 geboren, 135 hingerichtet), Vater des Rabbinismus, wurde er als Messias bzw. als Messiaskönig begrüßt. Akiba deutete den Bileamspruch als Zustimmung zur messianischen Anerkennung seines Günstlings Bar Kochba, der den von Hes .37,24.25 und den Qumrantexten (Qumran hatte eine Zweimessiaslehre) auf den neuen Davidmessias angewandten Titel “Fürst” führte, obwohl über seine eventuelle stammbaummäßige Abkunft von David nichts bekannt ist. Auch in diesem zweiten jüdischen Freiheitskrieg, dem Aufstand des Bar Kochba, wurden eigene Münzen geprägt. Die Rückseite der Silbertetradrachme trug die Inschrift “Befreiung Jerusalems”; andere Münzen trugen neben Bar Kochbas Name auch den Namen eines Priesters, genannt Eleazar (vgl. die Funde von Murabbaat in der judäischen Wüste an der Westseite des Toten Meeres). Anfangs hatte Bar Kochba glänzende militärische Erfolge gegen das Römische Imperium unter Kaiser Hadrian und dementsprechend großen Zulauf von Anhängern. Doch gelang es dem von Hadrian aus Britannien herbeigerufenen Feldherrn Julius Severus, nach kurzer Zeit Jerusalem einzunehmen. Schließlich nahm er im Jahre 135 auch die Festung Bether (bei Bethlehem) ein, wohin sich Bar Kochba zurückgezogen hatte, und wo er dann nach hartnäckigem Widerstand im Kampf fiel. Das Land Israel wurde in “PALÄSTINA” (= “LAND DER PHILISTER”) umbenannt. … – Nach dieser Niederlage wird der ehemalige Held Bar Kochba in den talmudischen Quellen “Ben Kozeba” (= “Lügensohn”; vgl. Sanhedrin 93b) genannt.

Mose aus Kreta

Auch im Ausland waren Messias-Bewegungen nicht selten, obwohl die Geschichte nur wenige festhielt. Etwa um die Zeit, als die im 4. Jhd. entstandene römische Staatskirche ihre Konzilien von Ephesos (431) und von Chalkedon (451) abhielt, um einige, vom biblischen Standpunkt aus nicht haltbare philosophische Dogmen zu fixieren (z. B. wurde 431 für Maria, der Mutter JESU, die Bezeichnung “Mutter Gottes” gebilligt), trat auf der Insel Kreta ein gewisser MOSE auf. Er wollte die Juden Kretas durch ein gespaltetes Mittelmeer hindurch, auf trockenem Boden, nach Palästina bringen. Viele stürzten sich ins Meer und ertranken.

Abu-Isa Isfahani

lm 7. Jahrhundert kam die von Anbeginn mit der jüdischen Religion rivalisierende Religion des Islam auf (schon der “Prophet” Muhammad, der Begründer der neuen Gesetzesreligion des Islam, ließ wegen machtpolitischer Erwägungen viele Juden in Arabien umbringen, zwangsumsiedeln, …), und ein neuer Feind (oder besser gesagt: ein alter Feind unter dem Namen einer neuen Religion) entstand: die Araber. In den von den Arabern eroberten Ländern Vorder- und Mittelasiens entstanden unter dem dort ansässigen jüdischen Volk immer wieder messianische Bewegungen, die eine politische Befreiung ihres Volkes anstrebten. Während der Wirren im arabisch-omaijadischen Kalifat in den letzten Jahrzehnten des 7. Jhds. versuchte der Schneider und “Prophet” ABU-ISA ISFAHANI (hebr.: Isaak ben Jakob Obadja) aus Isfahan in Persien einen Aufstand gegen die Araber. Isa ist das arabisch-muslimische Wort für JESUS. Seine Anhänger wurden nach ihm Isawiten genannt. Abu-Isa (arab.: Vater-Jesus) soll, obgleich ganz unwissend, auf wunderbare Weise mehrere Schriften verfasst haben. In der Zeit des Omaijaden-Kalifen Abd Al-Malik von Damaskus, um 685 bis 705, gab er sich als Messias aus und wollte die Juden aus dem Galut (= gewaltsame Verbannung aus dem Heimatland, im Gegensatz zur Diasporá) befreien und ihre politische Selbständigkeit wieder herstellen. Abu-Isa setzte gemäß Ps. 119,164 sieben Pflicht-Gebetszeiten ein, verbot den Genuss von Wein und Fleisch (außer dem Fleisch vom Hirsch und vom Geflügel, nicht aber vom Huhn), erklärte den Opferkult für aufgehoben und verbot die Ehescheidung selbst im Falle des Ehebruchs. Als Abu-Isa an der Spitze einer Schar von zehntausenden Anhängern die Muslime angriff, geriet er in Gefangenschaft und wurde hingerichtet. Aber seine Anhänger, die sich teilweise um seinen Schüler Judgan versammelt hatten, glaubten nicht an seinen Tod, sondern daran, dass er in einer Höhle verborgen lebe. Sie erwarteten seine Wiederkunft als Messias, um Israel vom Joch der Völker zu befreien. – Die Isawiten gingen allmählich im sogenannten Karäertum auf, das, von Anan ben David in Persien begründet, einige Jahrzehnte später entstand. Doch lebten Doch in der ersten Hälfte des 10.Jhds. etwa 20 Isawiten in Damaskus.

Seren aus Syrien

Nur etliche Jahre später, ebenfalls noch in der Zeit der Omaijaden-Kalifen von Damaskus (661-750), tauchte in Syrien ein neuer Pseudomessias auf: SEREN(US), auch SCHARINI genannt. Er gedachte, die Muslime aus Palästina zu verdrängen und fand bei den Juden zahlreichen Anhang. Offenbar wurde er von den gesetzestreuen Juden bekämpft, so dass er sich durch Abschaffung mehrerer Gesetze des Talmud (besonders der Speiseverbote) am offiziellen Judentum rächen wollte. – Zu einem Waffengang scheint es hier gar nicht erst gekommen zu sein, denn Scharini wurde ergriffen und vor den Kalifen Jazid geführt. Dem Kalifen tat er kund, dass er die Juden betören wollte, worauf ihn der Kalif den rechtlichen Behörden der Juden zur Bestrafung übergab (721 n. Chr.). Nachdem seine Gefolgs- leute öffentlich ausgepeitscht worden waren und dem talmudischen Gesetz erneut ihre Treue gelobt hatten, wurden sie wieder ins Judentum eingegliedert.

David Alroy

Im Zeitalter der KREUZZÜGE herrschte unter den Juden sowohl in Europa als auch im Orient eine messianische Stimmung. Damals tauchten mehrere Lügen-Messiasse auf, deren Namen nicht überliefert sind, darunter ist einer aus Jemen (1172), von dem der mittelalterliche Religionsphilosoph Maimonides (1135-1204) in einem Sendschreiben (Iggeret Teman) redet. Eine der bekanntesten Messias-Bewegungen jener Zeit war diejenige des DAVID ALROY. Er hieß auch Menachem ben Suleiman Al-Ruhi. Er stammte aus Amadia in Aserbeidschan und rief sich um 1160 selbst zum Messias aus (natürlich betrachtete er sich als “Messias” im Sinne des Judentums, nämlich als politischer Befreier und Held, und nicht als Befreier von der Sünde(!) im Sinne des biblischen Verständnisses). An der Spitze der kriegerischen Bergjuden wollte er den messianischen Kampf gegen die muslimischen Machthaber aufnehmen und Jerusalem von den Muslimen befreien. Seine Messias-Bewegung reichte bis nach Bagdad, das von 750 bis 1258 Zentrum des Kalifenreiches der Dynastie der Abbasiden war. Schließlich wurde Alroy auf Betreiben seiner Feinde, die ihn mehrmals warnten, das ganze Judentum mit seinem Aufruhr zu gefährden, durch seinen eigenen Schwiegervater hinterhältig im Schlaf umgebracht. Dadurch verlief sich seine Anhängerschaft allmählich, obgleich die pseudo-messianische Gemeinschaft, der nach ihm benannten „Menachemiten“, noch etliche Jahre unter den Juden Aserbeidschans bestand.

Abraham Abulafia

Jerusalem war von 1099 (= Ende des ersten Kreuzzuges) bis 1187 Mittelpunkt des von den Kreuzfahrern errichteten Königreichs Jerusalem. Nach der Wiedereroberung Jerusalems durch die Sarazenen (1187 siegt Sultan Saladin aus der Dynastie der Aijubiden in der Schlacht von Hattin in Galiläa) und dem missglückten dritten Kreuzzug (1189-1192) wuchs die messianische Stimmung in Europa. Von 1211 ab wanderten zahlreiche jüdische Gelehrte (etwa 300) aus England, Nord- und Südfrankreich ins Land ihrer Väter ein. – Die messianische Stimmung wurde auch wegen der Judendiskriminierungen durch Papst Innozenz III. (1198-1216), insbe- sondere wegen des 4. lateranischen Konzils (1215) mit seinem Ämterverbot und seiner Kleiderordnung für Juden, verstärkt, – Dazu kam noch der große mongolische Völkersturm, der für viele Juden als Beginn der Erlösung galt. 1223 siegten die Mongolen in brutalen Kämpfen in der Gegend der Don-Mündung am Schwarzen Meer, 1240 in Kiew und 1241 in der Schlacht von Liegnitz/Niederschlesien und am Sajo-Fluss/Ungarn. Schon im Jahre 1235 sollen sämtliche Prager Juden aus der Stadt ausgezogen sein, um sich nach Palästina durchzuschlagen. Mit der Verbreitung des kabbalistischen Mystizismus stieg auch die Zahl der Schwärmer, die sich messianische Eigenschaften zuschrieben. In der zweiten Hälfte des 13. Jhds. trat der in Saragossa (Spanien) 1240 geborene und nach 1291 gestorbene ABRAHAM ABULAFIA als Messias auf (vor allem in Sizilien) . Diesem folgten später mehrere andere Kabbalisten. Er führte ein unstetes und abenteuerliches Leben. Mit 18 Jahren wanderte er nach Palästina aus, und später hielt er sich in Spanien, Griechenland und Italien auf. Hier sammelte er auch Schüler um sich (Joseph ibn Gikatilla, …). Im Jahre 1280 wollte er Papst Nikolaus III. zum Judentum bekehren. Abulafia bezeichnete sich als Vertreter einer “prophetischen Kabbala”, indem er durch Askese, Zahlen- und Buchstabenmystik (speziell im Hinblick auf die Gottesnamen) eine unmittelbare Vereinigung mit Gott anstrebte. Für ihn galten die Religionsphilosophie und die theoretische Kabbala als Vorstufen jener höheren Kabbala, deren Inhalt Lehre und Gebrauch der Gottesnamen bildet. Zu seinen Lebzeiten tauchte der Sohar (= “Lichtglanz”), das klassische Hauptwerk der Kabbala, geschrieben in einem dem Rabbinischen ähnlichen Aramäisch, zuerst in Spanien auf. Von einigen Kennern wird Abulafia für den Verfasser gehalten. Im kabbalistischen Judentum erlangte der Sohar neben Bibel und Talmud – die Bedeutung des heiligsten Buches.

Ascher Lemmlein

Der von der röm. kath. Kirche ab 1391 in Spanien auf die Juden ausgeübte Druck endete 1492 auf Betreiben des Großinquisitors Tomas de Torquemada mit deren Ausweisung. Vier Jahre später wurden die Juden auch aus Portugal ausgewiesen. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien war die Zeit für das Auftreten eines politischen Messias wieder einmal reif. Um 1502 rief sich der deutsche Jude ASCHER LEMMLEIN in Istrien zum Messias aus und forderte von seinen Anhängern, zu denen auch mehrere Rabbinen zählten, Andacht, Fasten und Buße als Bedingungen für die bevorstehende Erlösung für sie. Durch den Messias würden sie in einer Wolken- und Feuersäule zurück ins Land der Väter, nach Erez Jisrael (hebr. Name für Palästina), gebracht werden. Nicht nur in Italien (Friaul, …), sondern auch in Deutschland fand Lemmlein Anhänger. Als aber die von Lemmlein in Aussicht gestellte Frist für dieses Geschehen ablief, geschah nichts, und dadurch wandte sich so mancher enttäuschte Jude dem Christentum zu.

Salomo Molcho

Auch das Auftauchen von Männern wie David Reubeni, der zu einer Art jüdischen Kreuzzuges gegen die Türken aufrief, und SALOMO MOLCHO, der sich selbst messianische Bedeutung zuschrieb, zog eine Messias-Bewegung nach sich. Im Sprachge- brauch des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit ist ein Marrane ein zur römisch katholischen Kirche zwangsbekehrter Jude der iberischen Halbinsel, der sich aber insgeheim weiterhin zu seinem jüdischen Glauben bekennt. Salomo Molcho wurde um 1500 geboren und starb 1532 auf dem Scheiterhaufen. Als portugiesischer Marrane hieß er Diego Pires. Das Auftreten des aus Arabien (Chaibar) stammenden, den Kreuzzug propagierenden Reubeni in Portugal entzündete bei Molcho eine phantastische Schwärmerei. Bis dahin war er Geheimschreiber an einem hohen Gerichtshof in Lissabon gewesen. Nun aber kam es zur offenen Rückkehr zum Judentum. Er vollzog eigenhändig die Beschneidung an sich und nahm den Namen Salomo Molcho an. Von dem offenen Bruch eines Marranen mit dem Katholizismus befürchtete Reubeni im Zeitalter der Inquisition wohl eine Schwächung seiner eigenen bereits erworbenen politischen Stellung am portugiesischen Hof und wies möglicher- weise deshalb Molcho ab. Er riet ihm, sich zunächst in die Türkei zu begeben, wo er in Saloniki (damals türkisch und ein Zentrum der Kabbalisten) von Josef Taitazak in die Geheimnisse der Kabbala eingeweiht wurde und in Edirne (= Adrianopel) mit Josef Karo, dem Verfasser des “Schulchan Aruch” (= “gedeckter Tisch”), in Verbindung trat. Später hielt er sich in Palästina, besonders in Safed, dem Zentrum der orientalischen Kabbala, das nach der Vertrei- bung der Juden aus Spanien entstanden war, auf. 1529 n. Chr. war er in Rom. Dort lebte er, um einer messianischen Legende Folge zu leisten. 30 Tage lang, in Lumpen gehüllt, unter dem bettelnden Volk an der Tiberbrücke gegenüber dem Papstpalast, hatte Visionen, die auf die nahe bevorstehende Ankunft des Messias hindeuteten, schickte Sendschreiben hierüber an seine Freunde in Saloniki und predigte von den Hoffnungen in der großen Synagoge der Hauptstadt. Die Inquisition wurde jedoch auf ihn aufmerksam, so dass er sich nach Venedig aufmachte, wo er 1530 mit Reubeni zusammentraf. Inzwischen wurde Rom, wie Molcho angekündigt hatte, von einer schweren Überschwemmung, und Portugal, das Zentrum der Marranen-Verfolgung, von einem Erdbeben heimgesucht. Diese Ereignisse waren für Molcho der Beweis für den Anbruch der messianischen Zeit. Nach Rom zurückgekehrt, predigte er nunmehr ganz offen den “Untergang Edoms” (= Roms) und die Ankunft des Messias. Dabei gewann er für seine visionäre Propaganda sowohl Juden als auch Katholiken, ja selbst Papst Clemens VII. Doch setzte der einfluss- reiche jüdische Arzt Jakob Mantino bei der Inquisition die Verurteilung Molchos zum Tode auf dem Scheiterhaufen durch. Er floh nach Deutschland und begab sich gemeinsam mit Reubeni (mit einer hebräischen Fahne) nach Regensburg, um auf dem im Jahre 1532 mit dem Ziel der Glaubenseinheit zwischen Katholiken und Protestanten einberufenen Reichstag zu Regensburg Kaiser Karl V. zu einem Kriegszug gegen die Türken zu bewegen. Der Kaiser empfing beide zu einer Audienz. Doch wurden sie festgenommen, nach Mantua in Italien gebracht und der Inquisition übergeben. Molcho, erneut zum Feuertod verurteilt, lehnte eine begnadigende Rückkehr zur röm.kath. Kirche ab, und so starb er im Jahre 1532 den Tod eines jüdischen Märtyrers.

Isaak Lurja

Später galten als Messiasse die bekannten Kabbalisten ISAAK LURJA (1534-1572) und CHAJIM VITAL (1543-1620), der nach der Heimat seiner Familie CALABRESE zubenannt war. Lurja wurde zum Begründer der neueren (“lurjanischen”) Kabbala und hat u.a. die im Sohar nur angedeutete Seelenwanderungslehre ausgebaut. Im Chassidismus wurde sie dann zum allgemeinen Volksglauben. In Safed, der Höhenstadt in Galiläa, der Wirkungsstätte Lurjas und Vitals, von wo aus man aufgrund einer Sohar-Stelle das Auftreten des Messias erwartete, sammelte sich eine zahlreiche Jüngerschaft (z.B.: Jakob Zemach, Israel Sarug). Sie schrieb die nur mündlich gegebenen Lehren des früh verstorbenben Meisters nieder und verbreitete sie dann in allen Diaspora-Ländern der Juden (Deutschland, Hol- land, Italien, Polen, ,..). Und dadurch entstanden im Volk gewisse Messiaserwartungen.

Schabbatai Zwi

Eine der nachhaltigsten Messias-Bewegungen war die des SCHABBATAI ZWI (1626-1676) in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts. Schabbatai Zwi wurde 1626 in Smyrna (= Izmir/Türkei) als Sohn jüdischer Eltern geboren. Bereits als 15-jähriger Knabe war er mit der talmudischen und rabbinischen Literatur und bald auch mit dem Sohar und den Schriften des Isaak Lurja und Chajim Vital aufs innigste vertraut. Einige Zeit lebte er dann völlig asketisch und ließ sich deshalb von seinen beiden ersten Frauen scheiden. In den Kreisen der Kabbalisten war die Ankunft des Messias aufgrund einer Soharstelle für das Jahr 1648 vorausgesagt worden. Von dieser Anschauung erfuhr auch Schabbatai Zwi, der, als er von den Judenmetzeleien in der Ukraine erfuhr, diese als die “Geburtswehen des Messias” bezeichnete und die Zeit für ein aktives politisches Eingreifen in die Geschichte der Juden für reif hielt. Mit der Begründung, dass der Messias, für den er sich hielt, schon gekommen sei, wagte er den 4-buchstabigen Gottesnamen (Tetragramm) öffentlich auszusprechen. Seiner Meinung nach würde auch bald die Zeit für politische Erfolge anbrechen. In Kairo lernte er in einem kabbalistischen Zirkel einige weitere Anhänger kennen. Bald sahen die Schabbatianer in dem aschkenasischen Juden aus Gaza namens Nathan den Propheten Elia, der nach der Überlieferung den Messias begleiten würde. Als Zwi bald darauf wieder nach Kairo kam, wurde er in jenem Zirkel bereits als Messias empfangen. Hier vermählte er sich mit einem Mädchen namens Sara aus Polen, das sich bereits vorher selbst als die künftige Braut des Messias ausgegeben hatte. Flugschriften und flammende Aufrufe, verfasst von Nathan von Gaza, gingen in die ganze Welt hinaus, um im Judentum die sichere Überzeugung von der Ankunft des Messias zu wecken. Auch Fasten, Kasteiungen usw. wurden ausgerufen. . . . Zwi hatte in vielen Ländern seine Anhänger, und zwar sowohl unter Rabbinen als auch unter Laien. Auch der Religionsphilosoph Spinoza (1632-1677), der 1656 aus der jüdischen Synagoge ausgeschlossen wurde, sah in Zwi eine mögliche Hoffnung für die Juden. … Doch die muslimischen Türken nahmen Zwi in Gewahrsam und zwangen ihn unter Androhung der Todesstrafe zum Übertritt zum Islam (1666). Als Ausläufer dieser schabbatianischen Bewegung kann auch der neuere Chassidismus und in gewissem Sinne der Frankismus (benannt nach Jakob Frank, einem Anhänger von Zwi) betrachtet werden. Jakob Frank (1726-1791) wurde in der heutigen Nord-West- Ukraine geboren.). – Zionistische Bewegungen, die zwar mit der Zielsetzung “Palästina für das jüdische Volk” auftreten, aber des religiösen Elements entbehren, sind eher als “säkularisierter Messianismus” einzustufen.

Menachem Schneerson

Seit 1948 gibt es im Orient wieder einen Staat namens Israel, und viele Juden aus verschiedenen Ländern der Welt sind inzwischen ins Land ihrer Väter heimgekehrt. Auch das heutige ungläubige Israel ist gerade dabei, einem falschen Messias (vgl. Joh. 5,43 u.a.) sein Vertrauen zu schenken,

Erst kürzlich versandte die weltweit organisierte jüdisch-orthodoxe “Chabad-Bewegung”, die von zahlungskräftigen Juden finanziell unterhalten wird, die neueste Ausrufung ihres Messias Rabbi MENACHEM SCHNEERSON (auch “Lubawitscher Rebbe” genannt) an alle Haushalte, und zwar mit der Überschrift “Lang lebe der König” und dem Untertitel “Der letzte Schritt zum wirklichen und vollen Heil”. Hier wird aufgefordert, mehr in der Thora zu studieren und die “guten Taten” zu praktizieren. Nun gilt nur noch, den “König Messias, den Rabbi von Lubawitsch, zu krönen”, was durch die Verkündigung “Lang lebe unser Herr, Meister und Rabbi, der König-Messias in Ewigkeit” zu geschehen hat. … Obwohl die heutigen Juden keine Stammbäume bis in die alttestamentliche Zeit aufweisen können, behauptet die Chabad-Bewegung, dass ihr Messias dem königlichen Hause David entstamme. Und: “Seine Eminenz, der Rabbi von Lubawitsch, ist neben seiner Genialität und Rechtschaffenheit bekannt für seine besonders königliche Erscheinung”. Unter Bezugnahme auf Jes. 25,8 und 40,4 untermauern die Chabad-Leute die Messianität ihres Rebben und behaupten, dass jeder, der an ihn als den Messias glaubt, nicht aus dem Buch des Lebens gestrichen wird, … In dieser Kundgebung ist auch von der Wiedererrichtung des Tempels durch den Messias und der Sammlung der in alle Länder der Erde zerstreuten Juden die Rede. Ferner davon, dass der Messias gemäß Sach. 9,10 Kriege für Gott auf Wegen des Friedens führen würde. Auch der Sohar, das magisch-mystizi- stische Buch der Kabbala, wird im Aufruf zur “Krönung des Königs” erwähnt. Gegen Ende dieser Proklamation erfolgt in einer Krönungsformel die Aufforderung an den jüdischen Leser, diese Kundgebung mit vollem Namen zu unterschreiben und auch den Namen der Mutter und anderer Freunde anzugeben, wodurch ihnen dann der Segen Gottes zuteil würde. Rabbi Schneerson, für den die Chabad-Juden seit Jahren weltweit Werbung betreiben, lebt im fernen New York und hat bisher noch nie israelischen Boden betreten. An diesem Pseudo-Messias sehen wir, wie spät es an der Weltenuhr bereits ist und wie nah DIE WIEDERKUNFT DES WIRKLICHEN MESSIAS, nämlich des HERRN JESUS, bevorsteht.

Die Messiasvorstellung im Judentum

A) Kollektive Messiasvorstellung:

DAS GESAMTE VOLK ISRAEL wird nach Jesaja 53 als GOTTESKNECHT betrachtet.  Durch sein Leiden und seinen Dienst führt es die Nationen zur Gerechtigkeit und Erlösung.

B) Personale Messiasvorstellung!

Der Messias der Juden ist EIN POLITISCH- RELIGIÖSER HELD, der Israel politische Befreiung bringen soll. Ihm obliegt die Aufgabe der nationalen Wiederherstellung des jüdischen Volkes.

ER VERSÖHNT DIE MENSCHEN NICHT MIT GOTT, wie JESUS es tat, und IST NICHT MITTLER ZWISCHEN GOTT UND MENSCH, wie der Mensch JESUS es ist, und deshalb gibt es durch ihn auch KEINE SÜNDENVERGEBUNG von GOTT, wie sie JESUS schenkt.

Im Judentum ist man in der personalen Messias- vorstellung geteilter Meinung. Im Zuge der talmudischen Entwicklung tritt zu dem MESSIAS BEN DAVID (dem königlichen Messias) als sein Vorläufer ein MESSIAS BEN JOSEF (ein kriegerischer Messias) (Rabbi Dossa in Suk. 52a). Er sammelt die zerstreuten Kinder Israel und richtet in dem von Feinden gereinigten Jerusalem den alten Tempeldienst wieder ein. – Als ein Eckpfeiler des jüdischen Glaubens ist die Bitte um das baldige Erscheinen des Messias in das tägliche Gebet aufgenommen worden.

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